Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Seliges Lärmknäuel

07.06.2011. Die taz wählt den koreanischen Spionagenotruf 113. In der FAZ erinnert Erhard Eppler an seine Verdienste für den Umweltschutz. Die SZ hat neue deutsche Stücke gelesen, die immerhin ein Gutes haben: Sie stehen politisch auf der richtigen Seite.

Das Düstere, Romantik, Größenwahn

06.06.2011. Die NZZ stellt klar: In der Wolke liegt die Zukunft der Musik. Dort hält auch Paul Kalkbrenner den Kopf schräg, wenn er seinen Schallereignissen hinterherlauscht - so die Welt. In diese Wolke stellt man nun auch seine Rücktrittsmeldungen, wie das Basketballgenie Shaquille O'Neil in einem Dienst namens Tout, meldet Netzwertig. Die SZ ist recht unglücklich über die Auszeichnung des Schlingensief-Pavillons in Venedig: schon wieder dieses parsifaleske Deutschlandbild! Aber alle Zeitungen sind zufrieden mit dem Börne-Preis für Joachim Gauck.

Kathedrale gesammelten Aufheulens

04.06.2011. Die taz atmet auf: Der Super-GAU wurde im Schlingensief-Pavillon gerade noch verhindert. Fast wäre es zum Fascho-Fluxus gekommen! Die FAZ ist insgesamt zufrieden mit der Biennale, die  sie als Absage an die Hysterie des Kunstmarkts sieht. Die FR ärgert sich aber über den italienischen Pavillon. In der FR erinnert Jochen Hörisch außerdem an verborgene Kontinuitäten der deutschen Geschichte. Die Amerikaner lachen über das französische Staatsfernsehen, dessen Moderatoren die Namen Facebook und Twitter nicht mehr aussprechen dürfen. 

Dem Gesunden, Schönen, Reichen

03.06.2011. Die FR ist trotz mäßigen Proseccos bei der Eröffnung ganz angetan von dem Schlingensief-Gedächtnis-Pavillon in Venedig. Die Welt lobt an der Biennale Venedig die Nüchternheit und den Verzicht auf glamouröse Inszenierungen. Die taz ist dagegen eher enttäuscht. In der Jüdischen Allgemeinen meint Julius H. Schoeps 25 Jahre nach dem Historikerstreit: Ernst Nolte hat gewonnen.

Kein Riesenrad in der City West

01.06.2011. In der NZZ fragt Slavenka Drakulic nach der Verantwortung der serbischen Wähler, die Miloesvic, Karadzic und Mladic erst möglich machten. In der Berliner Zeitung zieht Monika Maron Parallelen zwischen den Reaktionen westlicher Intellektueller auf Kommunismus und Islam. Die SZ liest recht abgetörnt das Parteiprogramm der Grünen für Berlin. Die FAZ beleuchtet die Rolle einiger Publizistinnen im Fall Kachelmann. Zwei von ihnen kommentieren das Urteil, Sabine Rückert in der Zeit und Alice Schwarzer in Bild. Im lawblog fragt Udo Vetter das LG Mannheim: Brauchte man für dieses Urteil wirklich 44 Prozesstage?

Sprengstoff in Seidenpapier

31.05.2011. In der taz erkundet Marlene Streeruwitz die Dialektik von Herr und Magd. In der FR zählen Karlheinz Bohrer und Kurt Scheel die drei Gründe auf, warum der Mainstream ihren Merkur in den letzten Jahren nicht so mochte. In der Welt erzählt Henryk Broder, warum er seit dem 11. September 2001 nicht mehr an Deutschland glaubt. Im Tagesspiegel erzählt Aino Laberenz, Christoph Schlingensiefs Witwe, wie das afrikanische Wellness-Zentrum funktionieren sollte, das er für den deutschen Pavillon in Venedig plante. Die NZZ bedauert das Formtief der russischen Kultur.

Mein Vater hatte 25 Pferde und einen Hirsch

30.05.2011. Die NZZ fragt: War Ingmar Bergman der Sohn seiner Mutter? Die FR ist fassungslos über das Ende der Kunstmesse Art Forum in Berlin. In der taz ist Gabriele-Goettle-Tag: Sie porträtiert einen Schausteller. Wolfgang Michal konstatiert in seinem Blog: Urheber sind wie Parmesan, sie lassen sich gut zerreiben. In der SZ ruft Ralf Bönt in Antwort auf Ursula März in der Zeit: Wer über Frauen schweigen will, soll über Männer reden.

Umgestürzt zu Füßen des roten Riesenrades

28.05.2011. Der Iran will das ganze Internet abschaffen, zumindest in seinen Landesgrenzen, berichtet das Wall Street Journal, Tunesien nur die Pornografie im Netz. Die FR würdigt den Schneider von Ulm. Sehr böse schimpft Georg Diez in seiner SpOn-Kolumne über die öffentlich-rechtlichen Sender. In der Welt verlangt Karl Schlögel das Unmögliche: Berlin soll sich ernst nehmen. Und diese Wippe sein lassen.

Massenkompatibel und zeitgemäß

27.05.2011. Im FAZ-Feuilleton nennt Cem Özdemir den FAZ-Feuilletonchef wichtig, klug und längst überfällig. In der Welt fürchtet Philipp Blom um die Errungenschaften der Aufklärung. Müssen uns die Regierungen vor dem Internet schützen, oder muss man nicht eher das Internet vor den Regierungen schützen?, fragt die Wirtschaftswoche mit Jeff Jarvis. Die New York Times meldet: Facebook geht in seiner Übernahme des Internets einen Schritt weiter und wird jetzt auch ein Musikdienst

Der Meese-Hitler scheint okay zu sein

26.05.2011. Im Freitag staunt Dietrich Kuhlbrodt: Warum darf Lars von Trier nicht, was Jonathan Meese darf? In der taz informiert Slavoj Zizek: Die Revolutionäre in Arabien wollen Kapitalismus plus. Die SZ wird beim Abschied Christian Thielemanns aus München melancholisch, aber dieser nicht. Die FAZ rät nach DSK: Mit Frauenquote wär' das nicht passiert. Und gelobt sei Santo Giovanni di Lorenzo: Die Zeit bringt Dutzende Seiten zu religiösen Fragen. Aufmacher: Woran glauben die Sachsen?