Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Eine Ecke für den shiny junk

25.05.2011. "Ich bleibe dabei", ruft Bernard-Henri Levy in seinem Blog und besteht auf der Unschuldsvermutung im Fall Dominique Strauss-Kahn. Eine Website für Michael Althen wird eröffnet - mit vielen seiner Texte über Kino. Die taz erzählt vom Zauber des Aufbruchs in Damaskus. Ist der Gesundheitswahn eine Sucht? Die NZZ befürchtet es fast und verteidigt den Alkohol gegen die Reinheitsapostel. Die Molekularküche ist für die Gastronomie, was der Kubismus für die Malerei war, befindet das Smithsonian Magazine. In der SZ warnt der französische Internetaktivist Jeremie Zimmerman vor der gerade in Paris tagenden internationalen Copyrigthmafia. Und die FAZ unterhält sich mit der Biennale-Kuratorin Bice Curiger.

Diese Kultur, so wie wir sie jetzt haben

24.05.2011. Ja, Bob Dylan wird heute siebzig. Es könnte sein, dass ein unsichtbarer Energiestrahl seinen Weg bahnte, meint die Welt. Neunetz fragt nach einer Recherche Stefan Niggemeiers: Wenn die Verleger außer Tickerverschnitten gar keine Inhalte online stellen, wofür wollen sie dann Leistungsschutzrechte? In den Wilden Lesern freut sich Bolano-Übersetzer Heinrich von Berenberg über den Hype um "2666". Die FR kritisiert sehr scharf Tilman Jens' Verteidigung der Odenwaldschule. In der FAZ feiert John Banville den Irland-Besuch der Queen.

Das musste im Fernsehen dann gepixelt werden

23.05.2011. Die FR staunt am Beispiel Lady Gagas: So solide können die Absätze von Stilettos sein. Die NZZ erzählt, wie der Schriftsteller Javier Sicilia in Mexiko die "Selbstverteidigung der Zivilgesellschaft" gegen die Mafia organisiert. An der Überraschung des Westens über die arabischen Revolten sind sein Orientalismus und seine Fixierung auf den Islam schuld, meint die SZ. Carta spottet über das Netzwerk Recherche. Das Blog Netzwertig fürchtet die Rückeroberung des Netzes durch die Kräfte der Beharrung. Allgemein recht zufrieden ist man mit dem Festival von Cannes.

Schauspielen ist nicht verboten

21.05.2011. In der FAZ beklagt V.S. Naipaul den Verfall der Fiktion in Roman und Film. Die NZZ befürchtet mit dem Fall Domininique Strauss-Kahn die moralische Talibanisierung Europas. Die Welt empört sich über die Herablassung, mit der die Literaturkritik den Büchnerpreis für F.C. Delius kommentierte.  SZ und taz berichten aus Cannes von den mutigen Werken der mit Berufsverboten belegten iranischen Regisseure Jafar Panahi und Mohammad Rasoulof. Die FR rätselt über Sitten und Gebräuche der Kelten.

Integrationspflichtvergessenheit

20.05.2011. Ein Leben zwischenzuspeichern, verbraucht erstaunlich wenig Speicherkapazität, erzählt Peter Glaser in der NZZ. Stefan Niggemeier hat die 376 täglichen Artikel von stern.de durchgezählt, fand aber nur neun, die tatsächlich von stern.de sind. In seinem stern.de-Blog erklärt Hans-Martin Tillack, warum das Netzwerk Recherche einen Fehler machte, als es Carsten Maschmeyer einlud. Die Totalverbannung Lars von Triers aus Cannes löst mittelbetroffene Kommentare aus.

Morgenländische Erotik

19.05.2011. Die Büchner-Preisentscheidung für F.C. Delius stößt auf geteilte Reaktionen. FAZ und SZ schätzen den Autor, aber nicht den Preis für den Autor. Aber die Welt ist sehr zufrieden. Gawker zitiert die bizarren Nazibekenntnisse Lars von Triers. Die Freischreiber dokumentieren, wie sich die Medien im Zeitalter des Leistungsschutzes die Rechte der Autoren vorstellen. Der Freitag staunt: Auch die Grünen haben ihre Wagenknecht, sie heißt Reinhard Loske. In der Zeit entwickelt Klaus Harpprecht schlüpfrige Fantasien zum Fall DSK.

Bei denen gibt es kein moralisches Zwielicht

18.05.2011. Der Tagesspiegel staunt über das "unvergleichliche Traumateam" Veit und Thomas Harlan Im Blog der New York Review of Books fragt Yasmine El Rashidi: "Warum brennen die Kirchen in Ägypten?" In Carta macht Manfred Bissinger einen Vorschlag zur Rettung des Journalimus im digitalen Zeitalter: mehr Geld verlangen. In der FAZ antwortet der Migrationsforscher Klaus J. Bade auf eine Attacke Necla Keleks. Der SZ graut vor Unternehmen und Kulturbetrieb, die nicht mal Lippenbekenntnisse für Ai Weiwei zustande bringen.In The Daily Beast plädiert Bernard-Henri Levy gegen eine Vorverurteilung Dominique Strauss-Kahns.

Mutierende Mikroben, explodierende Sonnen

17.05.2011. Die NZZ fährt begeistert Rolltreppe im neuen Antwerpener Museum aan de Stroom von Neutelings & Riedijk. In der taz erklärt die chinesische Schriftstellerin Zhang Yihe: Wenn wir Ai Weiwei verteidigen, verteidigen wir auch uns. Die SZ lernt: Der Dirigent Fritz Busch wurde nicht von NS-Parteibonzen vertrieben, sondern von den lieben Künstlerkollegen. In Cannes sind FAZ und SZ ergriffen von Terrence Malicks "Tree of Life", FR und Welt gähnen, die taz musste draußen bleiben.

Eine Art VG Snippet

16.05.2011. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hat im Dradio erstmals ihre Pläne für ein Leistungsschutzrecht bekanntgegeben, meldet Carta. Wer zitiert, soll zahlen. Meedia bringt einen Überblick über die Zeitungskrise in Deutschland: Bergab ging's für fast alle, am wenigsten noch für die Überregionalen. Aus Cannes wird  über den Film des Iraners Mohammad Rasoulof "Be omid e didar" berichtet. Und die Berliner Philharmoniker sagen zum schönen Städtchen Salzburg leise Servus.

Das war eine Zeit ohne Kaiser

14.05.2011. Die taz war dabei, als Claus Peymann seinen Kollegen Herbert Fritsch anpöbelte. Es ging um Theater. "Im Kern totalitär": Die Welt ist über den Diskurs der Nachhaltigkeit nachhaltig verstimmt. Carta fragt, wie man im Netz noch über die Artikel anderer sprechen soll, wenn Zeitungskonzerne Zitate mit Rechnungen belegen?  SpOn-Kolumnist Georg Diez ist sehr sauer über die öffentlich-rechtlichen Anstalten. Die FR ist ergriffen von Christoph Marthalers subpolarem Abend in Wien. Die FR erzählt auch, wie Facebook Google anschwärzen wollte. In der FAZ schreibt Bei Ling über die wilden amerikanischen Jahre Ai Weiweis.