Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Die Dinge vor, auf und hinter der Leinwand

13.05.2011. Die NZZ porträtiert Kämpfer gegen Korruption in Russland und Indien - und Countrymusiker aus Brasilien. Die taz erzählt, wie schwer es Journalisten in Syrien haben. In den Blogs und Zeitungen wird nach dem Eklat um den Kisch-Preis  weiter über die Frage der Wahrhaftigkeit im Journalismus nachgedacht. In der FR schreibt Georg Klein über den Aufstieg seines Heimatclubs FC Augsburg  in die erste Liga. Die Feuilletons trauern um den Filmkritiker Michael Althen, der im Alter von nur 48 Jahren gestorben ist.

Beliebtes Jagdrevier der Attributzler

12.05.2011. Ein Hauch von Kurkonzert: Die taz besuchte einen Kulturabend der Grünen: Die Zeit versichert: Niedere Instinkte liegen ihr fern. Der Freitag beugt sich  über Unsitten des deutschen Journalismus wie szenische Einstiege und Eigenwerbung im Nachrichtenteil. In Cannes lief der neue Woody Allen, in dem neben Carla Bruni auch Hemingway und die Fitzgeralds auftreten. Die FAZ ist außer Atem: Jeder Besucher muss die Leonardo-Ausstellung der Londoner National Gallery in mindestens 30 Minuten durchschritten haben. 

Zum Samtglanz getrocknet

11.05.2011. Die Filmkritik hat sich in Cannes eingerichtet und blickt weitgehend freudig den heute eröffnenden Filmfestspielen entgegen: Gezeigt werden auch zwei mutig an die Croisette geschickte Filme der beiden iranischen Regisseure Jafar Panahi und Mohammed Rasoulof. In der SZ beobachtet der Wirtschaftshistoriker Werner Plumpe eine antikapitalistische Revolution in Europa. In der FR empfiehlt Joachim Radkau die Weisheit des Mittelwegs. Die FAZ präsentiert das chinesische Fräuleinwunder Gao Can. Und die Welt beobachtet ehrfurchtsvoll die Digitalisierung Paul Klees. Weiter für Diskussion sorgt der Henri-Nannen-Preis: Wurde Rene Pfister in der falschen Kategorie nicht ausgezeichnet?

In der Avantgarde-Garage des Bauhaus-Papstes

10.05.2011. Ärger in der Branche: Dem Spiegel-Journalisten Rene Pfister wurde nachträglich der Henri-Nannen-Preis aberkannt. Die Mehrheit der Jury kritisierte den szenischen Einstieg seines Seehofer-Porträts, der den Eindruck erwecke, er sei aus eigener Anschauung geschrieben. Das Hamburger Abendblatt weiß die Details. Der Spiegel ist sauer. Die FR freut sich in ihrer ersten Cannes-Kolumne auf den neuen Film von Terrence Malick. Das Blog Puszta Ranger dokumentiert eine Diskussion der ungarischen Regierungsparteien über Imre Kertesz. Die SZ kritisiert den "Heritage at Risk"-Report des internationalen Denkmalschutzrates Icomos.

Sei es im Kühlschrank oder im Kopf

09.05.2011. Der Welt schwindelt: Die Berliner Philharmoniker feiern mit Christian Thielemann und Richard Strauss den fünften Jahrestag des Anschlusses der Stadt Wien. In der FAZ beklagt Necla Kelek eine Einseitigkeit der Migrationsforschung in Deutschland und ihrer Funktionäre. Was würden wir sagen, wenn die Irakis George W. Bush umgebracht und seine Leiche im Atlantik versenkt hätten?, fragt Noam Chomsky in Guernica. Bin Laden war sowieso schon tot, gibt Gilles Kepel in der New York Times zu bedenken. In der taz diskutieren Juli Zeh und der oberste Volkszähler Gert G. Wagner über die Volkszählung.

Im Unwägbaren des Jetzt

07.05.2011. In der Welt fragt Burkhard Spinnen: Was wird im Zeitalter des Ebooks aus dem Cover? Einmal nicht kritisch ist Islamkritikerkritiker Patrick Bahners gegenüber der Jungen Welt. In der taz erklärt der geoutete und dann geoutsourcte Kirchenlehrer David Berger, wie Religion am besten funktioniert: Lügen, Wissen, Schweigen. Die NZZ beobachtet eine "geradezu gespenstische" Renaissance des Chores im deutschen Theater. Mashable zeigt, wie sich die Nachricht vom Tod Osama bin Ladens zuerst auf Twitter verbreitete.

Mit Kindergeschrei beim Wippen

06.05.2011. Jeremy Bernstein erinnert im Blog der NYRB an James Abbott, der Abbottabad nach sich selbst benannte und dann eines der schlechtesten Gedichte englischer Sprache dazu verfasste. Gawker rät ab von SaferHouse, der Wikileaks-Konkurrenz von Rupert Murdoch. Die Welt erklärt, warum die FAZ Osama Usama schreibt. Und: die niederländische Künstlerin Nadia Plesner darf jetzt hungernde Kinder mit Louis-Vuitton-Taschen malen.

Die Klänge sterben jedes Mal anders

05.05.2011. Die taz unterhält sich mit Irena Grudzinska-Gross und Jan Tomasz Gross über das Verhalten der Polen im Holocaust. In der FR mag Germanist Manfred Schneider den Krieg gegen den Terrorismus nur als Krieg der Bilder sehen. Die SZ-Redakteure möchten, dass die Zeitung keine Artikel mehr kostenlos online stellt. Die Zeit staunt sehr: Otto Sander wird siebzig. In der Jungle World spricht Pierre Boulez über seine Methode. Und die FAZ fragt: Warum soll man die Pekinger Aufklärungsaustellung schließen? Es geht ja sowieso keiner hin.

Negatives ethisches Vorzeichen

04.05.2011. SZ und FAZ sind sich einig: Man soll sich über den Tod Osama bin Ladens nicht freuen. Christopher Hitchens in Slate kann sein stilles Vergnügen in Slate dennoch nicht verhehlen: Er war gar kein Guerillero, sondern der verwöhnte Klient eines Schurkenstaats. Und er hat lange genug gelebt, um erfahren zu müssen, dass die Araber sein Phantom in ihrer Demokratiebewegung abgeschüttelt haben, notiert Thomas Friedman in der NY Times. Das ist doch ein Grund zur Freude, meint auch Jörg Lau in seinem Blog. In der FR reagieren die Autoren des Buchs "Das Amt" auf drastische Kritik aus dem Münchner Institut für Zeitgeschichte.

Osama bin Laden died on Walpurgisnacht

03.05.2011. "We caught him while he was at home in bed", ruft Anne Applebaum in Slate. Salman Rushdie stellt in The Daily Beast Fragen nach der Rolle Pakistans. Für Bernard-Henri Levy in La regle du jeu ist die Aktion gegen bin Laden auch ein Erfolg des Afghanistan-Kriegs. Spiegel Online klagt: Das war "Gerechtigkeit auf Amerikanisch!" War dies eines Rechtsstaats würdig?, fragt auch Henryk Broder in der Welt. In der taz plädiert Claus Leggewie für Mitbeteiligung von Bürgern, außer vielleicht bei Windrädern.