Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Menetekel plus Kleingeschriebenes

14.03.2011. In der Welt appelliert Alexander Kluge an das kassandrische Vermögen in allen von uns. In der SZ sagt Ulrich Beck, dass er es ja immer schon gesagt hat. taz und NZZ berichten aus dem Literaturland Serbien. Die FR ist höchst beeindruckt von Michael Thalheimers Frankfurter Inszenierung der "Maria Stuart". Botho Strauß' neues Stück "Das blinde Geschehn" findet dagegen eine recht gemischte Aufnahme.

Die Trennung von Körper und - ja was?

12.03.2011. Angesichts der Katastrophe in Japan kommt uns die Feuilletonrundschau ziemlich unwichtig vor. Hier ist sie dennoch: In der taz berichtet Ulrich Enzensberger von einer Vortragsreise nach Venezuela. In der Berliner Zeitung freut sich Salman Rushdie über den Aufbruch in Ägypten. In der NZZ erzählt John le Carre die Wahrheit über den Kapitalmarkt.

Stein auf Stein sanft gestreichelt

11.03.2011. In der FR erzählt Najem Wali von einem Traumhaus in Bagdad. In Slate schreibt David Simon, Autor der Serie "The Wire": Für "Snoop" gilt die Unschuldsvermutung. In der New Republic fragt Nicole Krauss: Was wird im Zeitalter des Ebooks aus Buchläden? Die NZZ hält außerirdisches Leben für möglich. Die FAZ liest Jan T. Gross' Buch "Goldene Ernte".  Und die Welt fragt: Wer ist beliebt bei Links und Rechts? Äh, ... ach ja, das war Gaddafi.

Ich habe sechsmal das Scheusal erfunden

10.03.2011. Der Freitag liest Thomas Harlans Buch "Veit" als rasende Chronik der Gefühle. Auch die Filmzeitschrift Cargo liest das Buch und plädiert dringend für Harlans "differenziertes und diffiziles Werk". In der taz versichert der Verleger Christoph Links: Sein Verlag ist kein Parteiverlag. Die SZ bringt eine Hymne auf den Geigen-Virtuosen Frank Peter Zimmermann. In der Jungle World geißelt der Philosoph Sandor Radnoti die "antiliberale Demokratie" in Ungarn. In der FAZ wettert Ilija Trojanow gegen die Verheerungen der Islamkritik. Die Zeit muss in einem Dossier feststellen: Der Islamismus ist doch nicht nur das Hirngespinst seiner Kritiker.

Abgebrüht, koboldartig abwegig

09.03.2011. Die NZZ porträtiert die iranische Frauenrechtlerin Mansoureh Shojaee, die zur Zeit in Deutschland lebt. In der Welt erzählt Hubert Burda, wie er einmal dasselbe tat wie Andy Warhol. Die FAZ liest ägyptische Gehimdienstakten. Irights.info leakt ein Papier der Deutschen Industrie- ud Handelskammer, das sich gegen Leistungsschutzrechte ausspricht. Die SZ geht ins Konzert von stock11. Und Patrick Bahners fordert in dem Blog Grenzgängerbeatz noch einmal: Vergesst das mit dem Islam, das hat sich Necla Kelek nur eingebildet.

Tränen schießen ihr in die Augen

08.03.2011. Die taz hat zum hundertsten Frauentag exakt hundert Frauen gefragt, was sie sich denn wünschen würden, wenn sie dürften. In der SZ kritisiert Widney Brown von Amnesty International, dass die Frauen in Ägypten zu wenig am Demokratisierungsprozess beteiligt werden. Die FR sieht uns auf dem Weg zum Berlusconismus-Guttenbergismus. Außerdem kritisiert sie die recht unprofessionelle Kriegsberichterstattung deutscher Medien. In der NZZ erklärt Justin Smith, wie er Atlantic Monthlyonline neu erfand - und sanierte. Die FAZ erinnert an eugenisch begründeten Kindsraub im Spanien Francos.

Das Recht auf Notizen, Zitate und Druck

07.03.2011. In der FR  bringt der Historiker Philipp Blom eine überraschende Idee ins Spiel: Wie wär's mit einer Trennung von Staat und Religion? Im Tagesspiegel vermisst Peter Schneider den Sadomaso-Aspekt in Andres Veiels Film über Gudrun Ensslin und Andreas Baader. Die Berliner Zeitung schildert das Generationenproblem in Tunesien. In der NZZ fragt Mark Lilla: Wie wahrscheinlich ist Demokratie in arabischen Ländern? Und die SZ stellt die Frage: Wie oft dürfen Bibliotheken ein Ebook "ausleihen", bevor sie eine neue Lizenz erwerben müssen?

Auster, Auster, Auster

05.03.2011. In der FAZ ruft David Gelernter nach einer Software-Kritik, die Computerprogramme nach ästhetischen Qualitäten beurteilt. Die SZ resümiert eine Mother-Jones-Recherche, die enthüllte, wie Gaddafi mit viel Geld Intellektuelle wie Joseph Nye und Benjamin Barber für seine Zwecke mobilisierte. Und KiWi-Verleger Helge Machow erklärt, warum das Ebook in Deutschland nicht so erfolgreich sein wird wie in den USA. Die Welt wendet sich gegen die nützlichen Idioten des politischen Islams.

Ein malariaverheertes Sumpfkaff

04.03.2011. In der FR hält die Islamwissenschaftlerin Gudrun Krämer Demokratie in Ägypten für möglich, mit der Scharia und gegen die Scharia. In der SZ hält der Islamwissenschaftler Bernard Haykel Demokratie in Ägypten ebenfalls für möglich. Die Türkei sei das Vorbild. In Algerien sei die Stimmung dagegen seltsam zurückgenommen, berichtet die FAZ. Der Casus Guttenberg wird weiter bewältigt: Zeit und Spiegel halten fest, dass es nicht die Funktionäre, sondern die kleinen Doktoranden waren, die die Ehre der Wissenschaft wiederherstellten.

Im verschneiten Humboldthain das graue Bunkermassiv

03.03.2011. Der in diesem Fall ausnahmsweise ungläubigen Zeit erklärt der palästinensische Philosoph Sari Nusseibeh, warum ihm der Islam zuweilen gewaltig auf die Nerven geht. Die Welt gibt am Beispiel Herbert Marcuses Einblick in die Dialektik des Kalten Krieges. In der NZZ spricht Olivier Roy über Frankreichs traurige Rolle bei den arabischen Aufständen. Meedia teilt die aktuellen Zahlen des Springer Verlags mit - eine halbe Milliarde Euro Gewinn. Und darauf ein Leistungsschutzrecht!