Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Wir befinden uns in einer Explosion, ihr Ficker

02.03.2011. Einen Einbruch der Wirklichkeit in Fiktion erlebt die FR mit dem Dramatiker Wolfram Lotz. In der Welt schreibt Necla Kelek dem türkischen Ministerpräsidenten Tayyip Erdogan eine Rede. In der NZZ schildert Fakhri Saleh die Vertreibung der Intellektuellen aus Libyen. Die taz hält den Doktortitel für überschätzt: Doktoranden sind gemeinhin rechthaberisch und kleinlich. Die Universität Bayreuth hat keinen Fehler gemacht, behauptet in der SZ der Bayreuther Juraprofessor Diethelm Klippel. Das summa cum laude erwähnt er nicht.

Überreife Früchte, Moder und Benzin

01.03.2011. In der Welt sondiert Bernard-Henri Levy die politischen Kräfteverhältnisse in Ägypten. Levys Blog La regle du jeu meldet, dass die iranischen Oppositionsführer Mir Mussawi und Mehdi Karubi ins Gefängnis gesteckt wurden. Für die NZZ hat Marko Martin das Museo militar in San Salvador besucht und sich gegruselt. In Spiegel Online bekennt sich Richard Dawkins als Romantiker des Darwinismus. Die SZ ist ganz einverstanden mit Judith Butlers Kritik an der kulturzionistischen Vereinnahmung Kafkas, aber nicht mit ihrer Kritik am Literaturarchiv Marbach, das ebenfalls scharf ist auf den verbleibenden Nachlass des Autors.

Knicke in der Außenhaut

28.02.2011. Die FR würde gern in Frank Gehrys New Yorker Appartmenthaus wohnen und aus dem Fenster gucken. Der Tagesspiegel bringt eine eindrucksvolle Reportage aus der Stadt Benghasi, deren Bürger versuchen, politische Gefangene zu befreien. Die Welt liest die Dissertation des Dr. Gysi. Gabriele Goettle bringt in der taz eine Reportage über geschädigte Kleinanleger. Braucht man die Frauenquote doch?, fragt die FAZ. Außerdem: ein sehr klares Fernsehinterview zu Guttenberg, Links auf die Oscars und auf John Gallianos antisemitischen Ausfall.

Halla, das berühmte Sprungpferd

26.02.2011. In der Welt ist Monika Maron fassungslos über Patrick Bahners' Lob der Sittlichkeit. Die FR fragt, ob sich Militär und Demokratie überhaupt in Einklang bringen lassen. In der SZ hat Khalid-al-Khamissi den Schuldigen für die ägyptische Misere ausgemacht. Es handelt sich überraschenderweise um die Amerikaner. Die FAZ bringt eine große Reportage über die Verfolgung von Christen im Irak. Die NZZ stellt zwei innovative Lyrikverlage vor und schildert, wie der tunesische Diktatorenclan Ben Ali die Kunstschätze des Landes plünderte.

Bürgerliche Karrierebewirtschaftung

25.02.2011. Die FR freut sich, dass die Ägypter mit ihrem Despoten auch eine ganze Reihe anderer Autoritäten abschütteln. Die taz betritt mit der Theatermacherin Shermin Langhoff den neuen deutschen Raum. Die SZ blickt auf eine verheerte akademische Landschaft in Deutschland. In der Welt erklärt Wladyslaw Bartoszewski, warum sich Polen 1944 gegenseitig beraubten. In FR und NZZ diskutieren Theologen das Memorandum Kirche 2011. Im Freitag denkt Konstantin Neven DuMont mit Walter Kohl über den Generationenkonflikt der heute 40- bis 50-Jährigen mit ihren Vätern nach.

Weg vom Sammeln, hin zum Denken

24.02.2011. Was unterscheidet die Durchhaltekraft eines KT zu Guttenberg noch von der Zähigkeit eines Berlusconi?, fragt die SZ. Die FAZ hörte die Operette "Libyen von morgen". Die Zeit fragt, warum sich die konservativen Politiker Europas zu Viktor Orbans Komplizen machen. Die Welt berichtet von Verwerfungen in der ägyptischen Kulturszene. FR und taz stellen Ali Samadi Ahadis Film "The Green Wave" vor.

Vergessen durch Löschen

23.02.2011. Was wollen die Libyer? Jedenfalls keine Demokratie, behauptet die Geo-Reporterin Gabriele Riedle in der Berliner Zeitung. Die Marokkaner setzen auf eine konstitutionelle Monarchie, meint die FAZ. In der FR möchte Joachim Radkau den Umweltschutz nicht dem rigiden Denken der Naturwissenschaftler überlassen. Die Welt sieht einen weinenden neuen Stern am New Yorker Kunsthimmel leuchten. Die Plagiatejäger haben ein neues Opfer, meldet BoingBoing: Saif Gaddafi.

Ich danke Herrn Dr. Guttenberg

22.02.2011. Im Perlentaucher beweist Andre Glucksmann, dass die Tunesier und Ägypter klüger und realistischer sind als alle diplomierten Geopolitiker zusammen. In der FR erzählt Jürgen Todenhöfer, warum es in den vergangenen Tagen Spaß machte, auf dem Tahrir-Platz zu stehen. Die taz berichtet, wie der blinde Anwalt Chen Guangcheng und seine Frau von den chinesischen Behörden schikaniert werden. Eine gewisse Exzentrizität erkennt die Welt im FAZ-Redakteur Patrick Bahners. In der FAZ droht Rechtsprofessor Mathias Rohe, dass er unsere Staatsordnung so lange erklärt, bis sie jeder verstanden hat. FAZ- und SZ-Feuilleton verurteilen heute Karl-Theodor zu Guttenbergs Plagiate aufs Schärfste.

Die Feigheit vor der Realität

21.02.2011. In der Welt lehnt die ägyptische Frauenrechtlerin Nawal al-Saadawi das Verfassungskomitee ab: Da sitzten nur alte Männer. Die seit Monaten von der Außenwelt abgeschnittene Liu Xia konnte fünf Minuten ins Internet, berichtet die Washington Post. In der NZZ fordert Paul Lendvai die Ungarn auf, endlich die rosarote Brille abzusetzen, wenn sie sich selbst betrachten. Und alle Zeitungen sind sich einig: die Berlinale war schlecht, der Bär für Asghar Farhadis "Nader und Simin" die beste Wahl.

Warum Schlafanzüge?

19.02.2011. In der Welt will Cora Stephan angesichts unseres politischen Personals nur noch eins: aus der Postdemokratie auswandern. In der taz erklärt die Historikerin Hanan Hammad: der Scharia-Paragraf in der ägyptischen Verfassung muss weg. Im Tagesspiegel erzählt Regisseur Andres Veiel, wie er die Liebesszenen in seinem RAF-Film inszenierte. Die SZ informiert uns, was auf das Plagiieren in Dissertationen steht: einjährige Haftstrafe oder Geldstrafe. In der FAZ fragt Thilo Sarrazin, warum Patrick Bahners es nötig hat, die Islamkritiker so herabsetzend zu behandeln.