Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Lauter Figuren aus dem 19. Jahrhundert

18.02.2011. In der FR spricht Navid Kermani über die "Zärtlichkeit der Massen" in Tunesien und Ägypten. In der Welt fordert die Theaterkritikerin Klara Obermüller eine Entschuldigung von und zu Guttenberg, der in seiner Diss als seine Meinung vertrat, was in Wahrheit ihre Meinung war. Die "Panikmacher" des FAZ-Feuilletonchefs Patrick Bahners sind ein Meisterwerk der (in diesem Fall ausnahmsweise nicht fundamentalistischen) Aufklärung, ruft der SZ-Feuilletonchef Thomas Steinfeld. Die NZZ zählt die Verluste im altägyptischen Museum von Kairo.

Wie es unser Prophet Mohammed gepredigt hat

17.02.2011. Ganz tot ist das Ballett fünfzig Jahre nach John Cranko zwar nicht, aber so richtig lebendig auch nicht mehr, meint die Welt. In der taz und der FAZ bekennen Architekten der ägyptischen Demokratie ihre Liebe zur Scharia. Für die SZ liest Stefan Weidner Khaled Al-Khamissis Roman "Im Taxi". Die Zeit bekämpft zusammen mit ihrem Kollegen Patrick Bahners die Islamkritik von rechts, von links und aus der Mitte.

Das offizielle Lesevergnügen

16.02.2011. Na bitte, Islam und westliche Werte sind doch vereinbar!, ruft Ulrich Beck in der FR. Aber nur wenn es ein westlicher Wert ist, Israel zu hassen, so scheint es nach dem Interview mit dem ägyptischen Autor Khaled al-Khamissi in der SZ. Die Welt wirft dem FAZ-Korrespondenten Jürg Altwegg Antisemitismus vor. Die FAZ wirft Ayaan Hirsi Ali, Henryk Broder und Necla Kelek Krieg bis zum "vollständigen Sieg" gegen die Muslime vor. FAZ und SZ wollen mit einer Klageandrohung verhindern, dass sie zitiert werden, berichtet Spiegel online. So schöne krasse Zitate!

Und unten schreiten Tuba und Pauken

15.02.2011. Scharfe Kritik an Michail Chodorkowski bringt die SZ in der Beilage "Russland heute". Ist aber nur eine Anzeige, auch wenn's nicht so aussieht, berichtet die NZZ. Matthias Spielkamp verfolgt in seinem Blog die windungsreiche Karriere des Begriffs "Qualitätsjournalismus". Die FR geht bewusst in die Knie vor Re Soupault. In der FAZ fragt Necla Kelek: Wie kulturrelativistisch darf eine Justizministerin sein?

Und doch ohne große Worte

14.02.2011. Viel Berlinale: Die Welt fühlt sich durch Wim Wenders' 3D-Hommage an Pina Bausch wohlig in die alte BRD versetzt. Die taz fand Michail Chodorkowski in Cyril Tuschis Film unerwartet heiter. Die SZ zieht eine zwiespältige Bilanz der Ära Dieter Dorn am Bayerischen Staatsschauspiel. Die FAZ beobachtet die Sympathie der Chinesen für die Ägypter

Ein von ungezählten Menschen geteiltes Glück

12.02.2011. Die SZ beobachtet glückstrunkene Ägypter auf dem Tahrir-Platz: "Nach all dem Tränengas, den Gummigeschossen und den Wasserwerfern haben wir es geschafft!'" Allerdings fragt sie auch, wann denn der Kinderfaschismus im Prenzlauer Berg überwunden wird. Die FR bringt Jafar Panahis Offenen Brief an die Berlinale. Im taz-Interview spricht Regisseur Andres Veiel über seinen heute gezeigten Film "Wer, wenn nicht wir", über die RAF und den Treibsatz der Geschichte. Außerdem werden die Neokonservativen rehabilitiert.  In der Welt weist Paul Lendvai darauf hin, dass in Ungarn vor allem die jungen Akademiker antisemitisch sind. Die NZZ besucht das Newark des Philipp Roth.

Vielsprachiger Megaaustausch

11.02.2011. Die taz ist heute grün statt rot. Und Alexander Kluge rät zu einem konstruktiven Akt der Solidarität für Jafar Panahi. In der Welt schreibt Andrzej Stasiuk über finstere polnische Reaktionen auf Jan Gross' Buch über Antisemitismus im Nachkriegspolen.  Im Blog der New York Review of Books erzählt Yasmine El Rashidi, wie sie Mubaraks Rede und die Reaktion der Ägypter erlebte. Mehrere Feuilletons lesen Daniel Domscheit-Bergs Abrechnung Julian Assange.

Ich lehne den Tod strikt ab

10.02.2011. In der FAZ erklärt die israelische Schriftstellerin Hadara Lazar, warum ihr Land angesichts der ägyptischen Unruhen zwischen Sympathie ud Furcht schwankt. In der taz sieht Bahman Nirumand keine Parallele zwischen Iran 79 und Ägypten 11. Die Zeit bringt zwei ägyptische Autoren, einen patriotischen und einen armeefreundlichen. Außerdem freut sie sich auf die Berlinale, wo mit Schönheit und Konsequenz die schwermütigsten Themen transzendiert werden. 

Nur die Arroganz ist geblieben

09.02.2011. In der Welt wirft Boualem Sansal einen eher pessimistischen Blick auf die Unruhen in Ägypten. Die FR berichtet über den Prozess gegen die Autorin Pinar Selek in Istanbul. Die FAZ interviewt  Mohammed Waheed, den Vizepräsidenten der ersten muslimischen Demokratie auf den Malediven. Außerdem attackiert die FAZ die antitotalitären französischen Intellektuellen. Die SZ ist angewidert vom Auftritt der Sportmoderatorin Monica Lierhaus bei der "Goldenen Kamera".  Und wir fragen uns: Wie überzeugend ist Meryl Streep als Maggie Thatcher?

Kein Terminkalender-Reflex-Geseier

08.02.2011. Es ist vor allem eine Revolte der arabischen Jugend, sagt Boualem Sansal im taz-Interview. In der FR fordert Tariq Ramadan Demokratie in Ägypten. Die NZZ beobachtet nicht ohne Amüsement die Windungen staatsfrommer arabischer Medien. Für die FAZ berichtet der Schriftsteller Michael Roes aus dem Jemen. Zu Ehren von Thomas Bernhard bringt die Welt ein Dramolett Benjamin von Stuckrad-Barres Netzwertig fragt, was zwei große Qualitätszeitungen ernstlich gegen den News-Aggregator commentarist.de haben könnten.Und Monika Maron wendet sich in ihrer Lessingrede gegen den Begriff des "Fundamentalismus der Aufklärung".