Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
07.02.2011. Die SZ fragt: Wer hat Cyril Tuschis Film über Michail Chodorkowskij geklaut, der in fünf Tagen auf der Berlinale laufen soll? Alle sind begeistert von der tiefernsten und hochkomischen Szenencollage "Zwischenfälle" am Burgtheater und feiern Andrea Breth und ihre Schauspieler. Die taz fordert zusammen mit vielen anderen Medien die Freilassung der iranischen Filmemacher Jafar Panahi und Mohammad Rasoulof. Die NZZ erklärt den Unterschied zwischen den ägyptischen Muslimbrüdern und ihrem Ableger im Gaza-Streifen, der Hamas. Und zwei Meldungen aus den Blogs: Rivva verabschiedet sich. Aol kauft die Huffington Post.
05.02.2011. In der FR stellt der ägyptische Schriftsteller Khaled Alkhamissi klar: Diese Revolution ist der ägyptischen Jugend zu verdanken und niemandem sonst. Die NZZ erkundet den Stand der Keramikkunst in Japan. Die FAZ bringt eine Beilage zur Berlinale und porträtiert den iranischen Regisseur Mohammed Rasoulof, der wie Jafar Panahi im Gefängnis sitzt. Die taz fragt: Wird Nicole Krauss verrissen, weil sie so schön, begabt und berühmt ist? Elfriede Jelineks "Winterreise" in Hamburg findet vereinzelte Befürworter.
04.02.2011. In den Zeitungen viele pessimistische Blicke auf die Unruhen in Ägypten. Michael Wolffsohn fürchtet im Tagesspiegel, dass es in Ägypen wie im Iran oder im Gaza-Streifen laufen wird. Gunnar Heinsohn sagt das "große Töten" in der FAZ erst noch an. Die New York Times und der Boston Globe bringen große Bilder. Die NZZ sucht nach den Ursachen der aktuellen Kreiskymanie in Österreich.
03.02.2011. Hamed Abdel-Samad meint in der Jungle World: Die Muslimbrüder habe mit den Protesten in Ägypten nichts zu tun. Die FAZ geißelt die unfähige Ägypten-Berichterstattung von ARD und ZDF. Im Guardian fürchtet Timothy Garton Ash: Der richtige Vergleich könnte nicht Europa 89, sondern Iran 79 sein. Die FR macht sich Sorgen um ägyptische Kunstschätze. Techcrunch studiert die Antwort der NY Times auf Rupert Murdochs Ipad-Zeitung The Daily. Die taz fragt, warum die Schwulenbewegung bis in die Neunziger zum Thema sexueller Missbrauch geschwiegen hat.
02.02.2011. In der taz feiert der Politologe Amr Hamzawy das neue Ägypten. In der FR erklärt Moshe Arens, warum Israel am besten mit Diktaturen kann. Die Welt beobachtet 2000 Heavy-Metal-Fans beim Nachmittagsbier am Pool. In der SZ erklärt Walter Burkert, warum Jesus kein Vegetarier war. Die FAZ stellt arabische Rapper vor.
01.02.2011. Eine Nachricht an die Demonstranten in Ägypten: Dank Google kann man jetzt auch telefonisch twittern. Die Berliner Zeitung recherchiert über das Elend des Kulturprekariats und den relativen Wohlstand seiner Verwalter. Die New Republic ärgert sich über die im Netz und den Medien gefeierte Detroiter Desaster-Ästhetik. In der FR warnt der Nahostexperte Daniel Gerlach davor, die islamistische Gefahr zum "Argument für alles" zu machen. Das Medienblog DWDl.de wundert sich sehr doch sehr über die aktuelle Schwerpunktsetzung der Öffentlich-Rechtlichen. Die NY Times thematisiert den klaffenden Gender Gap bei der Wikipedia. Die SZ unternimmt einen Streifzug durch die Opernlandschaft der neuen Länder. Sie ist blühend!
31.01.2011. Für die Welt berichtet Hamed Abdel-Samad direkt aus der Demo in Kairo. In der FAZ fordert er den Westen auf, Mubarak fallen zu lassen. Die New York Times schreibt über die wichtige Rolle von Al Dschasira in den arabischen Unruhen. In der NZZ erklärt die weißrussische Reporterin Swetlana Alexijewitsch, warum ihr Land keine Nation ist. In der SZ beschreibt Joachim Kaiser, wie Christian Thielemann das Horn zu überwältigender Klage animierte.Die Bild-Zeitung nennt die Namen von Marcus Hellwig und Jens Koch.
29.01.2011. In der Welt erzählen Hubert Haddad, Boualem Sansal und Khaled al-Khamissi von der Stimmung in Tunesien, Algerien und Ägypten. Die taz staunt über junge Ägypter, die weder nationalistisch noch islamistisch sind. Die FAZ staunt über den volkstümlichen Charakter der Revolution. Die SZ freut sich, dass endlich mal die heimischen Unterdrücker aufs Korn genommen werden. Außerdem: In der NZZ stellt der Joyce-Forscher Fritz Senn "Finnegans Wake" als ideales e-Book vor. Und die FAZ porträtiert den schwedischen Tenor Jussi Björling.
28.01.2011. Die NZZ fragt: Wo ist die arabische Zivilgesellschaft, die die Gewalt gegen Christen geißelt. Bert Rebhandl hat für Cargo den türkischen Film "Tal der Wölfe - Palästina" gesehen: "Das ist ein lupenreiner Propagandafilm, Preisklasse Jud Süß." In der FR will György Konrad die Zustände in Ungarn nicht mit der Machtergreifung der Nazis vergleichen, tut es dann aber doch. Im Guardian verteidigt sich Ian McEwan gegen Israelkritiker, die ihn auffordern, den Israel Prize nicht entgegenzunehmen. Die SZ empfiehlt eine überrraschend aktuelle Inszenierung des tunesischen Theaterregisseurs Fadhel Jaibi.
27.01.2011. Der Tod Bernd Eichingers ist so einschneidend wie der Tod Rainer Werner Fassbinders vor bald dreißig Jahren, meint die Welt. Die anderen Zeitungen sehen es ebenso. In der FAZ staunt Abdelwahab Meddeb über das Tempo der Tunesier. Heute ist Holocaust-Gedenktag: In der SZ vergleicht Salomon Korn die Situation Muslime heute mit der Juden einst. Die Zeit bringt ein Dossier zur Lage der Juden in Europa. In Le Monde beklagt Slavoj Zizek Israels Tendenz zu existieren. In der taz fürchtet Mike Leigh die Heraufkunft eines neuen Faschismus. Im Freitag erklärt Oskar Negt, warum er die Sowjetunion vermisst.