Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
22.10.2010. Leitkultur ist alles andere als ein Gegenbegriff zu Multikulti, schreibt Richard Herzinger in der Welt. In der FAZ kritisiert Necla Kelek den Religionspolitiker Christian Wulff. Mark Lilla beschreibt für das NYRB-Blog die französischen Herbstkrawalle - und muss dabei an die Tea Party-Bewegung denken. In der FR fragt Ingo Schulze: Wofür ist der Wiederaufbau des Berliner Schlosses das Symptom? Die NZZ berichtet: Auch in Istanbul werden Roma vertrieben - und immer mehr Altstadtviertel werden abgerissen.
21.10.2010. In der FR graut dem deutsch-russischen Schriftsteller Oleg Jurjew vor dem anstehenden hundertsten Todestag Leo Tolstois. In der Welt fragt Benjamin von Stuckrad-Barre: Wie schaffen Die Guttenbergs das? Die SZ bringt eine Rede Ken Loachs gegen die in der Filmbranche grassierende Mediokrität. Der Freitag verliebt sich in den Bläuling - und zwar in alle 6.000 Arten.
20.10.2010. In der SPD gibt's noch Aufklärer! Die Welt veröffentlicht ein Papier von SPD-Laizisten, die eine Trennung von Staat und Religion fordern. Mit Twitter macht man vielleicht keine Revolution, meint Biz Stone in einem Blog des Atlantic Monthly, aber helfen kann es trotzdem. In der FR verteidigt die Theologin Regina Ammicht Quinn "den" Islam, den es aber gar nicht gibt. Die NZZ ist durch das neue Berlin spaziert und hat ein paar interessante Häuser entdeckt. Und die FAZ fragt: Flarf?
19.10.2010. Die taz traf im Gaza-Streifen eine neue Fraktion Palästinenser, die sich für Geschlechtertrennung bei Friseuren ausspricht. Die NZZ greift den Fall des deutsch-türkischen Autors Dogan Akhanli auf, der in der Türkei drangsaliert wird. Die Blogs kommentieren Steve Jobs' neue Äußerungen gegen Google und das offene Netz, das ihm zu "fragmentarisch" ist und darum nicht im Interesse der Kunden liege. Sind die Kommentare im Blog von Stefan Niggemeier möglicherweise alle von Konstantin Neven DuMont? Und dann natürlich Oliver Stone in der Welt zum Zustand der freien Marktwirtschaft: "Es fühlt sich falsch an, zutiefst falsch."
18.10.2010. Slate porträtiert den Risikokapitalisten Peter Thiel, der früh in Facebook investierte und nun die besten Geschäftsideen von Teenagern mit 100.000 Dollar belohnen will - auch wenn sie ihr Studium abbrechen müssen. In der Welt beklagt der Medientheoretiker Peter Weibel, dass heute niemand mehr an Bildung als Aufstiegsmedium glaubt. Die FAZ am Sonntag hat die gleiche Datenschutzlücke bei Facebook entdeckt wie neulich Techcrunch. Auch evangelikale Eltern verprügeln häufig ihre Kinder, berichtet die SZ. Aber wieso "auch"?
16.10.2010. Die NZZ stellt fest: Die Romandie gehört ganz eindeutig zum Stammgebiet der französischen Sprache. Die FR setzt ihre erschöpfende Berichterstattung vom Soziologentag fort. Die FAZ erinnert an die Palastrevolte "dritter Personen" bei Suhrkamp im wilden Jahr 1968. Für die SZ erkundet Georg Klein das Arno-Schmidtsche Wortgelände und erschauert vor dem Oben-Ohne-Bikini.
15.10.2010. Die FR ist stinksauer auf die Berliner Ausstellung "Hitler und die Deutschen": "Man gibt sich frivol, und dann wird nichts Frivoles geboten. Die Schau ist aber auch noch feige." Die Jungle World fragt, warum die Deutschen so wenig überzeugt sind von den universalen Menschenrechten. In der FAZ erzählt Mario Vargas-Llosa, wie es neulich in seiner Leitung zwitscherte. Für die SZ ist Ai Weiwei der Warhol der Jetztzeit.
14.10.2010. In der FAZ bringt es der Verleger Michael Klett, an sich S21-Befürworter, auf den Punkt: Stuttgart fürchtet um die Geborgenheit. Für die Zeit las Walser Steinbrück und fand Shakespeare. Die SZ staunt über eine wahre Inflation immer neuer alter Meisterwerke. Der Guardian freut sich: Genetik ist eine linke Wissenschaft. Die FR war entspannt in Neukölln. Der Boston Globe bringt große Bilder von der chilenischen Rettung.
13.10.2010. In der SZ stellt der Theologe Friedrich Wilhelm Graf klar: die westlichen Werte sind keine christlich-jüdischen Werte. Die Achse des Guten ärgert sich über säuerliche Kommentare der Mainstreammedien zu Mario Vargas Llosa. Hardy Prothmann wendet sich in seinem Blog gegen die Kostenloskultur der Zeitungen. In der FAZ findet der Soziologe Armin Nassehi, dass der Vorwurf des Biologismus gegen Sarrazin durchaus berechtigt ist.
12.10.2010. Der Guardian eröffnet eine Reihe von Blogs, in denen bekannte Autoren über längere Zeit ein Thema reflektieren sollen. Techcrunch erzählt, wie man ganz einfach die Freunde von Google-Chef Eric Schmidt identifizieren kann: Man eröffnet ihm ein Facebook-Konto. In der FAZ schildert der chinesische Exilautor Bei Ling den Liu-Xiaobo-Schock. Die NZZ feiert den polnischen Schriftsteller und Satiriker Slawomir Mrozek, die Welt den israelischen Dirigenten Omer Meir Wellber.