Tobias Kratzer "ist das Beste, was der Oper passieren konnte", jubelt im
Spiegel Sebastian Hammelehle über den frisch gebackenen Intendanten der
Hamburger Staatsoper. Künstlerisch hat er sich "viel vorgenommen. Die Spielzeit eröffnet er mit 'Das Paradies und die Peri' (streng genommen keine Oper, sondern ein sogenanntes weltliches Oratorium), einem selten inszenierten Werk von
Robert Schumann aus dem Jahr 1843. Darin geht es um ein engelsgleiches Fabelwesen, die Peri, das versucht, ins Himmelreich zurückzukommen. Ein weiterer Höhepunkt folgt im Februar 2026 mit der Uraufführung von 'Monster's Paradise' , einer neuen Oper der zeitgenössischen, in Wien lebenden Komponistin
Olga Neuwirth. Das Libretto um eine
Art Trump-
Figur hat die Literaturnobelpreisträgerin
Elfriede Jelinek gemeinsam mit Neuwirth verfasst. Klassische Publikumsrenner sind auf Kratzers Premierenliste für seine erste Spielzeit kaum zu finden."
Thilo Komma-Pöllath, der sich für die
FAS mit Kratzer unterhalten hat, ist besonders von der "Peri" begeistert: Es ist "ein Stück der Stunde", meint er, denn es geht um Krieg, Pandemie und um "die große Frage, ob eine
ältere Generation in der Lage ist,
Empathie zu zeigen mit der jüngeren." Zur Begrüßung und Kontaktaufnahme zur Stadt hat sich Kratzer auch was ausgedacht: Es "war es mir wichtig, die übliche Trennwand zwischen Darstellenden und Publikum durchlässig zu machen. Im Schauspiel hat man das oft, in der Oper aber sehr selten. Die Menschen, die in den Saal kommen, werden von den Darstellern
direkt gefilmt. ... Der Zuschauer schaut auf die Bühne, die Bühne schaut aber auch zurück. Wir sitzen an diesem Abend alle im selben Boot, setzen uns mit denselben Fragen auseinander. Es gibt eine
kontinuierliche Rückkopplungsschleife, keine einseitige Berieselung."
Paul Jandl hat für die
NZZ die
Beisetzung Claus Peymanns im Nieselregen auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin
begleitet. Die war würdig, aber nicht so schön wie Peymanns Verabschiedung in Wien: "'Theater, das bin ich!' ist so ein Peymann-Satz, der sich in den letzten Tagen zum letzten Mal bewahrheitet hat. Seit Peymanns Tod sind über zwei Monate vergangen, aber da gab es eben auch noch das Protokoll des Wiener
Burgtheaters. Der prägende Hausherr der Jahre 1986 bis 1999 war
Ehrenmitglied, und das heißt: Als Leichnam dreht man noch
eine Ehrenrunde um das Haus am Ring. Aber nur innerhalb der regulären Spielzeit. Im Sommer ist Pause. Also warten. Dann, am Montag:
Pomp, wie ihn nur das katholische und theaterselige Wien kann. Aufbahrung im schlichten schwarzen Holzsarg auf der Burgtheater-Feststiege.
Blumen,
Fackeln. Die Fahrt des Sargs Berlin-Wien und zurück. Insgesamt 1.500 Kilometer, aber man stirbt eben nur einmal." In der
Berliner Zeitung berichtet Wiebke Hollersen.
Besprochen werden
Bonn Parks an Ödön von Horvath angelehntes Stück "Glaube Liebe Roboter" am Münchner Volkstheater ("Obwohl Parks
Formwille groß ist, gelingt es allen Darstellenden, ihren Figuren
Individualität und damit sich selbst mitzugeben", lobt Egbert Tholl in der
SZ,
mehr hier),
Max Frischs "Graf Öderland" in der Inszenierung von
Claudia Bossard am Schauspielhaus Zürich (
nachtkritik,
NZZ) und
Vegard Vinges Inszenierung von Ibsens "Peer Gynt" an der Berliner Volksbühne, die gestern schon die
nachtkritik würdigte ("Die Bildsprache und die szenischen Mittel der geschlossenen Welt des Vinge-Müller-Kosmos sind so hermetisch, dass sie nur von Inszenierung zu Inszenierung weiterwuchern können. Formal sind das
Gesamtkunstwerk-
Opern", staunt Peter Laudenbach in der
SZ. "Schon jetzt einer der
Höhepunkte der Theaterspielzeit", ruft Jakob Hayner in der
Welt. Wozu Ibsen spielen, wenn man ihn nicht mehr erkennt, fragt sich hingegen
FAZ-Kritikerin Irene Bazinger: "Personen ohne Gesicht und Stimme staksen
wie ferngesteuert über die Bühne, und niemand weiß, woher und wohin", kurz: eine "brutale
Show der Regie-
Eitelkeiten").