Seit zehn Jahren leitet der in Berlin lebende Israeli
Ohad Ben-
Ari das deutsch-israelische
ID-Festival im Radialsystem, nach dieser siebten Ausgabe soll Schluss sein, weil die Förderung des Bundes ausläuft,
berichtet Patrick Wildermann im
Tagesspiegel kopfschüttelnd: "Braucht es nicht gegenwärtig mehr denn je solche Begegnungsmöglichkeiten?" Dazu kommt "Festivalarbeit unter erschwerten Bedingungen", weil "im Kulturbetrieb inzwischen oft die
Schnappatmung einsetzt, wenn nur der Begriff Israel fällt". Es hat nach dem 7. Oktobe auch "Absagen von Künstlerinnen und Künstler für das Festival gegeben, 'nicht alle wollen
unter dem Titel Israel performen, schade, aber ich habe Verständnis dafür', sagt Ben-Ari, der sein Festival ausdrücklich als Plattform auch für kritische Stimmen begreift, 'für jeden Diskurs, der nicht Hassrede ist'. Eine Offenheit, die sich auch im Programm des ID Festivals #7 spiegelt. Unter anderem ist das
Jaffa Theater zu Gast, mit dem
Stück 'Shampoo Queen' des Dramatikers
Hanoch Levin, gespielt ausschließlich von arabischen Israelis. 'Shampoo Queen' war in den 70ern ein Skandal in Israel, weil das Stück die Selbstgefälligkeit einer Gesellschaft im Siegesrausch nach dem
Sechstagekrieg aufs Korn nahm."
Triggerwarnungen, wie sie die New Yorker Metropolitan Oper auf ihrer Webseite Puccini-Opern voranstellt, musste Manuel Brug in der
Welt bisher zum Glück selten sehen. Aber schon, dass
Damiano Michielettos Londoner "Carmen" als "free spirit", also "komplett gypsy-frei", erscheint, reicht ihm. Und wenn er dann noch in den ersten Band der
Online-Edition "Critical Classics" des Wuppertaler Ex-Opernintendanten
Berthold Schneider schaut, schwant ihm für die Zukunft nichts Gutes: Der möchte nämlich Mozarts "Zauberflöte" einen "Radikalfacelift in Gestalt eines
achtsam adaptierten Librettos verpassen. Das Männerbündische der Sarastro-Weisheitstempelwelt kann weg, ebenso der schwarze Bösewicht Monostatos ('Und ich soll die Liebe meiden, weil ein Schwarzer hässlich ist?') über den der einfache Vogelfänger Papageno freilich weiß: 'Es gibt ja schwarze Vögel in der Welt, warum denn nicht auch schwarze Menschen?'
Toleranz anno 1791. Heutigen Gutmenschen langt das nicht. Die verlangen 'sensitive reading' gegen potenzielle Diskriminierung und illegitime kulturelle Aneignung. Schneider sieht in der als alte Frau verkleideten, dabei selbstbewussten Papagena Sexismus und
Altersdiskriminierung. Ihm fehlt eine sie Tamino gleichstellende Liebesarie der Pamina. Und im Duett zwischen Pamina und Papageno, 'Bei Männern, welche Liebe fühlen', tauche das herabsetzende Wort 'Weib' auf, zudem würden hier nur heterosexuelle Gefühle besungen."
Weitere Artikel: Im
Tagesspiegel wirft Frederik Hanssen einen Blicks ins Programm der kommenden Saison an der
Deutschen Oper Berlin, das mit Neuinszenierungen von Verdi, Weill und Strauss und einer Uraufführung von
Rebecca Saunders aufwartet. In der
SZ berichtet Christine Lutz vom
Wasserschaden am Berliner Ensemble: Eine Sprinkleranlage war plötzlich losgegangen, in kurzer Zeit stand der Bühnenraum unter Wasser. Nicht der erste Fall, wie Lutz mit Blick auf ähnliche Fälle in München, Heidelberg, Hof, Görlitz, Duisburg und Bochum weiß. Sind überzogene Brandschutzmaßnahmen schuld? "Alles, was auf der Bühne Feuer ist oder nach Feuer aussieht, muss … von der Feuerwehr abgenommen werden, die auch bei jeder Vorstellung dabei ist. Darf auf der Bühne geraucht werden? Wenn ja, wo und wie viele Zigaretten? Für das Entfachen eines Feuers ist dann ausschließlich ein
Requisitenmitarbeiter mit Pyroschein zuständig."
Besprochen werden
Hakan Savaș Micans Inszenierung von
Dinçer Güçyeters Roman "Unser Deutschlandmärchen" am Berliner Gorki-Theater (
taz, mehr
hier und
hier) und
Clara Weydes Inszenierung von Kafkas "Die Verwandlung" am Schauspielhaus Hannover (
taz).