Marius Nobach spricht für den Filmdienst mit der aus dem Iran stammenden, seit 2009 in Deutschland lebenden Filmemacherin NargesKalhor, deren aktueller Film "Shahid" bei der Berlinale den Caligari-Filmpreis gewonnen hat und nun regulär ins Kino kommt. Unter anderem geht es um ihre sehr eigensinnige, eigener Aussage nach von Agnès Varda inspirierte Filmsprache: "Ich nutze alles, was ich in meinem Leben an Einflüssen gesammelt habe, um eine dritte Art von Kino zu schaffen. Mein Ziel ist ein Cinemigrante, das nicht ganz zum deutschen und nicht ganz zum iranischen Kino gehört, so wie man sie kennt. In den letzten Jahren ist zu sehen, dass man sich in Deutschland ein bisschen mehr erlaubt und auch mit anderen Erzählungen Zuschauer begeistern möchte. Vor allem im Kurzfilmbereich gibt es immer wieder großartige Beispiele für das Cinemigrante. ... Leider haben die Institutionen bei Langfilmen Angst vor neuen Formen der Filmsprache und sind viel vorsichtiger. Aber ich habe die Hoffnung, dass sich das ändert, wenn noch mehr Menschen mit anderen kulturellen Hintergründen an die Filmhochschulen kommen. Wenn man vergleicht, wie vielfältig die Menschen zum Beispiel in der S-Bahn sind, ist das akademische System noch immer weiß und nicht-divers. Ich bin eine der wenigen Ausnahmen, die es vom Asylantenheim zur Filmhochschule geschafft haben."
Weitere Artikel: Maria Wiesner (FAZ) und Susan Vahabzadeh (SZ) gratulieren GeraldineChaplin zum 80. Geburtstag. Besprochen werden GuyNattivs und ZarAmirs "Tatami" über eine iranische Judoka (taz), WimWenders' "Paris, Texas", der als restaurierte Wiederaufführung nochmal in die Kinos kommt (JungleWorld, mehr dazu bereits hier), JordanScotts Thriller "Berlin Nobody" über eine Berliner Klima-Sekte (Welt) und die Netflix-Serie "Hierarchy" (FAZ).
Bernd Buder, Co-Direktor des Jüdischen Filmfestivals Berlin Brandenburg, berichtet in der NZZ vom Jerusalem Film Festival, wo er auf eine gleich in mehrfacher Hinsicht vor einer Zerreißprobe stehende Filmszene traf: Die einen fordern dazu auf, das Leid in Gaza filmisch anzuprangern, die anderen fürchten eine Reform der Filmförderung, die künftig laue Komödien statt kritischer Filme begünstigen könnte, sowie das Ausbleiben von Co-Produktionen mit dem Ausland. Außerdem sieht sich die Szene "einem stillenBoykott vieler internationaler Filmfestivals gegenüber. Von dort, wo man bisher stolz auf queere und andere Filme war, die die faszinierende Diversität der israelischen Gesellschaft zeigen, hagelt es Absagen. Plötzlich gilt eine der international kreativsten Filmlandschaften als künstlerisch nicht mehr up to date, passen israelische Beiträge nicht mehr ins Programm. So agieren viele internationale Festivals am Rande des Antisemitismus."
Weitere Artikel: Im Standardspricht Valerie Dirk mit den iranischen Filmemachern MaryamMoghaddam und BehtashSanaeeha über deren Film "Ein kleines Stück vom Kuchen" (unsere Kritik). Tilman Schumacher und Kamil Moll liefern auf critic.de Notizen zu ihren Entdeckungen beim diesjährigen Terza-Visione-Festival in Frankfurt, das auf den italienischenGenrefilm spezialisiert ist. Wieland Freund ist in der Weltgespannt auf die zweite Staffel der im Tolkien-Universum angesiedelten Amazon-Serie "Die Ringe der Macht", die im Trailer immerhin einen Auftritt der von Tolkien-Fans in den jüngsten Filmadaptionen schmerzlich vermissten Figur des TomBombadil verspricht. Dietmar Dath philosophiert in der FAZ eher kryptisch-informationstheoretisch über KI und Film.
Besprochen werden JasminHerolds und MichaelDavidBeamishs Dokumentarfilm "The Gate - Ein Leben lang im Krieg" über eine US-amerikanische Militäreinrichtung in Utah (taz), die vom ZDF online gestellte Komödie "Alles gelogen" mit BastianPastewka (FAZ), die von Arte online gestellte, dreiteilige BBC-Dokumentation "Geheimdienste im Kalten Krieg" (Tsp), RolandEmmerichs auf Amazon gezeigte Gladiatoren-Serie "Those About to Die" (taz), JordanScotts "Berlin Nobody" (SZ) und eine Aufführung von H. K. Breslauers Stummfilm "Die Stadt ohne Juden" aus dem Jahr 1924 bei den Salzburger Festspielen (FR, Standard).
Hollywood hat einen neuen Schauspielstreik - diesmal trifft es allerdings die Gamesbranche, die schon seit langem viel mehr Umsatz macht als das Filmgeschäft. Aktuell geht es um die Verwendung von KI-Kopien bekannter Schauspieler, "Für beide Seiten steht viel auf dem Spiel", schreibt Philipp Bovermann in der SZ. "Games sind die Zukunft, so sehen das viele in Hollywood. Aber die Zukunft der Games lautet: KI. ... Gameskonzerne, aber auch externe Unternehmen wie Convai oder Inworld investieren derzeit in die Entwicklung von etwas, das man Seelen-Generatoren für die Figuren in Computerspielen nennen könnte. Das dürfte die Position der Schauspieler nicht eben verbessern. Denn wenn Matthew McConaughey die Hülle liefert und das Games-Studio die Seele, wo hört das eine auf und wo beginnt das andere? Inwiefern kopiert die KI nur seinen Schauspielstil und in welchem Grad ist sie dabei selbst schöpferisch? Sollte man Schauspieler auch ohne ihr Schauspiel lizenzieren dürfen?"
Außerdem: Pamela Jahn spricht in der NZZ mit dem Schauspieler PeterKurth - aktuell im Kino zu sehen in der Wendekomödie "Zwei zu Eins" (besprochen in der Welt und bei uns) - über dessen Ost-Herkunft. Besprochen wird die zweite Staffel der Netflix-Serie "Kleo" (taz).
Der Himmel über Texas: Harry Dean Stanton in "Paris, Texas" Juliane Liebert spricht für die SZ mit WimWenders, der seinen Klassiker "Paris, Texas" gerade aufwändig restaurieren hat lassen und für ein kurzes Zeitfenster wieder ins Kino bringt. Zu dem Roadmovie hat ihn einst das faszinierende Traumbild von der Weite des amerikanischen Westens inspiriert, verrät er: "Das ist vor allem der große Horizont und dieses unverschämt klare Licht, das ich so nirgendwo sonst gesehen habe. Mit diesen Kodachrome-Farben, wo man sich eigentlich schämt, wenn man die so abbildet. Man kennt das eigentlich nur von Super-8-Familienfilmen. ... Die Dias meiner Eltern sahen alle so aus. Diese Farben kamen mir immer völlig gelogen vor. Da hatte ich erst mal Hemmungen - das kann man doch so nicht zeigen oder gar drehen! Dass der Himmel so blau ist! Und dass die Wolken so weiß davor herumschwimmen! Und dass alle Farben so primär daherkommen! Das ist einfach ein krasses Licht. Aber im Westen ist es wahr! Wenn man es dann einmal akzeptiert hat und dann einmal weiß, wie sehr das alle Dinge heraushebt und wie sehr sich jede Figur abhebt - das ist eigentlich schon 3D."
Außerdem: Für den Filmdienstspricht Thomas Klein mit RPKahl über dessen Peter-Weiss-Adaption "Die Ermittlung" (unsere Kritik). Andreas Scheiner erinnert in der NZZ daran, wie CharlieChaplin nach vielen Hass- und Hetzkampagnen in der Schweiz Ruhe fand.
Besprochen werden Zar Amir Ebrahimis und GuyNattivs "Tatami" über die Drangsalierungen, die eine iranischeJudoka bei einem internationalen Sportwettbewerb seitens des Teheraner Regimes ausgesetzt ist (Freitag), NatjaBrunckhorsts Wendekomödie "Zwei zu Eins" mit SandraHüller (Standard, unsere Kritik), RolandEmmerichsAmazon-Serie "Those About to Die" über das antike Rom (Presse) und JanusMetz' auf Arte gezeigtes Tennis-Biopic "Borg & McEnroe" (Tsp).
Ringen um Verständigung: "Averroès & Rosa Parks" von Nicolas Philibert Mit seiner Dokumentation "Auf der Adamant" gewann NicolasPhilibert 2023 den Goldenen Bären der Berlinale (unsere Festivalkritik), nun liegt mit "Averroès & Rosa Parks" die direkte Fortsetzung vor. Erneut geht es um psychiatrischeZusammenhänge, diesmal um die Erfahrungen von Patienten und Pflegepersonal. SZ-Kritiker Sebastian Jutisz sah "ein eindrucksvolles Plädoyer gegen ein Effizienzdenken, das das soziale Gefüge unserer Gesellschaften bedroht". Zwar gestatten die Patienten Einblick in "sehr intime Details aus ihrem Leben", aber niemand werde "bloßgestellt": "Es ist nicht das Leid der Patienten, das im Vordergrund steht. ... Auch die Unterfinanzierung der psychiatrischen Kliniken und die Überlastung des Personals schwingen zwar im Subtext mit, werden aber kaum explizit thematisiert." Der Regisseur "klagt nicht an, er beschränkt sich darauf, die Dinge so zu zeigen, wiesiesind".
In diesem Film "sehen wir Menschen beim Reden zu, beim wilden oder langsamen Denken, beim Schweigen, beim Zuhören, beim Ringen um Verständigung", schreibt Christiane Peitz im Tagesspiegel. "Es sind oft asymmetrische, sprunghafte Gespräche, unterbrochen nur durch kurze Impressionen der Innenhöfe und Klinikflure. Innenwelt und Außenwelt passen nicht zusammen bei dem Paranoiker, der olfaktorische Halluzinationen fürchtet, bei der selbstmordgefährdeten jungen Frau oder dem Burn-out-Akademiker und Geschwindredner Noé, der versichert, er sei seinem eigenen Größenwahn gewachsen."
Außerdem: Welt-Kritiker Jan Küveler findet das Programm der FilmfestspieleVenedig in diesem Jahr sehr vielversprechend. Besprochen werden RolandEmmerichs im antiken Rom angesiedelte Amazon-Serie "For those about to die" mit AnthonyHopkins (NZZ, SZ), RPKahls "Die Ermittlung" (taz, mehr dazu bereits hier), die Netflix-Serie "The Decameron" (Presse), Shawn Levys Superheldenfilm "Deadpool & Wolverine" (ZeitOnline) und die im ZDFgezeigte, spanische Serie "Simple" (taz).
Texttreu auf der Theaterbühne: RP Kahls "Die Ermittlung" Die Filmkritik diskutiert über RPKahls wortgetreue, vierstündige und ihrerseits in einem Theatersetting inszenierte Kino-Adaption von PeterWeiss' Theaterstück "Die Ermittlung" aus dem Jahr 1965 über den FrankfurterAuschwitzprozess. Anders als Tobi Müller auf Zeit Online (hier unser Resümee) siehtPerlentaucher Tilman Schumacher eine genuin filmische Annäherung an den Stoff. Die Kamera "lässt uns, viel mehr als es die buchstäbliche Distanz zwischen Ensemble und Zuschauenden im Theater je ermöglichen könnte, an den Emotionen teilhaben, die sich in den herangerücktenGesichtern von Zeugen, Ankläger und anderen abzeichnen." Doch "Kahls opulenter Dialogfilm vertraut merkwürdigerweise nicht in letzter Konsequenz auf die Wirkung seines Dialogs. Im Gegensatz zu Weiss möchte Kahl sichergehen, wie man sich bei den Berichten übers Lagerleben fühlt." Diese "Nahbarkeit, vielleicht auch Didaktik, für die sich Kahl bei aller augenscheinlichenAbstraktheit des Settings entscheidet, verleiht dem Ganzen in meinen Augen den Beigeschmack von Schulklassenkino."
Artechockliefert zum Film zwei Kritiken: Dunja Bialas erlebte "einen konzentrierten Film", welcher "zunehmend zu einer Höllenfahrt direkt ins Zentrum der Vernichtung wird". "Wie erzählt man von Auschwitz", fragt sich Rüdiger Suchsland. "Distanz ist wichtig. Schauspieler können nicht 'nachfühlen', wie es ist nach Auschwitz zu gehen. ... Dieser Film erzählt uns damit auch etwas über das Kino. Er entfaltet die Dialektik von Zeigen und Sehen und vom Nicht-Zeigen und Sehen. Das Ergebnis ist ein Zeigen, ohne abzulenken." Daniel Kothenschulte ist in der FR vor allem künstlerisch sehr begeistert: "Selten ist das Kino bereit, sich Theaterformen unterzuordnen, dabei kann dadurch sogar eine neue Kunstform entstehen, wie Kahls Film beweist." Denn das Kino ist "ein idealer Wirkungsort, sich der Bildkraft dieses Textes auszusetzen." Und Sofia Glasl hält in der SZ fest: "Erinnerungskultur ist hier kein trockener Schulstoff, sondern lebensnahe Konfrontation." Hanns-Georg Rodek berichtet in der Welt von den Dreharbeiten.
Themenwechsel: Mit der Abschaffung der Preisgelder beim DeutschenFilmpreis wird der deutsche Film noch ein bisschen unfreier als eh schon, schreibt Rüdiger Suchsland auf Artechock und bekräftigt damit die Kritik, die etwa schon Günter Rohrbach an dieser Entscheidung geäußert hatte (unser Resümee). "Allein schon die Nominierung für den 'Besten Film' beim Deutschen Filmpreis bedeutete, dass Produzenten 250.000 € bekamen, die sie relativ frei in neue Projekte investieren konnten." Und im Erfolgsfall kam nochmal gut was oben drauf. "Ein großes Glück für jede Produktionsfirma! Insbesondere für die etwas kleineren Independent-Produktionen, die bei den Filmpreisen oft nominiert sind. Der Deutsche Filmpreis war damit der einzige Preis der öffentlichen Bundesfilmförderung, in dem das fertige Ergebnis, das eigentliche Filmkunstwerk ausgezeichnet wird, nicht die guteAbsicht, der besteAntrag, die Erwartungen einer anonymen Kommission."
Weitere Artikel: Felicitas Kleiner bietet im Filmdienst einen Überblick über das Programm des kommenden Filmfestivals in Venedig. Besprochen werden NatjaBrunckhorsts Wendekomödie "Zwei zu Eins" (Perlentaucher, Artechock), NicolasPhiliberts Dokumentarfilm "Averroès & Rosa Parks" (taz, Artechock), QuentinDupieuxs Biopic-Komödie "Daaaaaalí" (NZZ), Shawn Levys Superheldenfilm "Deadpool & Wolverine" (FAZ, NZZ, FR, Artechock), die auf Disney+ gezeigte Serie "The Veil" (FAZ) uind das auf Apple TV+ gezeigte Serien-Remake von Terry Gilliams Science-Fiction-Klassiker "Time Bandits" (taz). SZ und Filmdienst bieten außerdem einen Überblick über die wichtigsten Kinostarts der Woche.
In der SZ ärgert sich Filmproduzenten-Legende GünterRohrbach darüber, dass der DeutscheFilmpreis nach Claudia Roths Verfügung künftig undotiert sein wird: Auf elf Produktionen wurden dabei immerhin annähernd drei Millionen Euro verteilt - an die Bedingung geknüpft, dass diese in neue Produktionen investiert werden müssen. "Was das für ein Film sein würde, wollte man den Produzenten überlassen, denn gerade darin, in diesem Moment von Freiheit, entfaltete sich der Lohn für die künstlerische Leistung." Diese Mittel wandern nun wieder in die Töpfe, für die man Anträge stellen muss. Aber "der deutsche Film braucht keine zusätzliche Kulturförderung, er ist jetzt schon mehr Kultur, als der Markt überhaupt aufnehmen kann. Woran es uns Deutschen offenbar mangelt, ist die Fähigkeit zu guter Unterhaltung." Diese "überlassen wir weiterhin den Amerikanern, ohne die es die großen Kinohäuser in unseren Städten nicht mehr gäbe. Wir dagegen pflegen fleißig unser Kulturgärtchen."
Weitere Artikel: Im Filmdiensterinnert Leo Geisler an SidneyLumets "Hundstage". Besprochen werden ThomasArslans "Verbrannte Erde" (Jungle World, unsere Kritik hier) und NatjaBrunckhorsts Ost-West-Komödie "Zwei zu Eins" (Tsp).
Gedenkübung: RP Kahls "Die Ermittlung" Eher ratlos steht Tobi Müller von Zeit Online vor RPKahls Verfilmung von "Die Ermittlung", Peter Weiss' Theaterarbeit aus dem Jahr 1965 über den ersten Frankfurter Auschwitzprozess, das "wohl wichtigste deutsche Theaterstück der Sechzigerjahre". Dass Carlo Chatrian den Film nicht zur Berlinale eingeladen hat, kann Müller nun besser verstehen, den Protest dagegen hingegen weniger. "Die Pressetexte zum Film bewerben ihn als 'ein künstlerisch radikales Filmprojekt!' Aber was ist radikal daran, ein Theaterstück abzufilmen? ... Für wen ist diese neue Ermittlung gemacht? Für jüngere Menschen, die man damit bilden könnte oder sollte, wären vier Stunden praktisch bewegungslose Einstellungen im Studio eine sehr hohe Hürde. Liebhaber der Theatergeschichte? Der Film fügt den berühmten Inszenierungen kaum etwas hinzu, erst recht nichts Radikales. Dritte Möglichkeit, nach langem Nachdenken: Der Film ist als eine Art Gedenkübung gedacht, als Teil der deutschen Erinnerungskultur, um sich dem Thema in einem gemeinschaftlichen Raum auszusetzen. Allein: Dazu ist das Theater der bessere Ort, gerade wenn man von der Bühnenästhetik so wenig abweicht wie dieser Film. "
Bert Rebhandl berichtet in der FAZ vom Filmfestival in Odessa und verzeichnet, wie im ukrainischenKino - das seit einer Reform von 2020 stärker in den ukrainischen Staat eingebunden ist - Verhandlungen von Identitätsfragen und ein ästhetischer Konservatismus stärker werden. Daneben sind Spuren auszumachen, wie die Ukraine sich selbst in der Zukunft sieht, "am deutlichsten vielleicht in 'Yasa' von Sergii Masloboischtschikow, dem ehrgeizigsten Film im Nationalen Wettbewerb. Ein Kammerspiel wie früher bei Ingmar Bergman, mit zwei Frauen in einem neureichen Ambiente, wie es so nur oligarchischen Konstellationen entstammen kann. Die ältere Hanna, die eine junge Frau namens Darka von einem Kriegstrauma befreien will, das diese im Donbass erlitten hat, ist eine Figur der alten Systeme: einflussreich geworden unter dem Präsidenten Janukowitsch, versucht sie bis heute, auf allen Seiten gleichzeitig zu stehen. Sie verzweifelt an Darka. Und dieser Generationenkonflikt, hier in einem künstlerisch überladenen Prestigefilm, wird die Ukraine prägen."
Weitere Artikel: Reinhard Kleber erzählt im Filmdienst von seiner Begegnung mit PeterKönig, der als Filmagent Kinos mit Filmen versucht. Maxi Leinkauf porträtiert im Freitag die Schauspielerin UrsulaWerner, die aktuell im Kino in "Zwei zu eins" zu sehen ist. Mit der Regisseurin dieses Films, NatjaBrunckhorst, hat sich Bert Rebhandl für die FASgetroffen. Sandra Kegel berichtet in der FAZ von den Dreharbeiten zu NikiSteinsARD-Film "Stammheim - Hauptstadt der RAF". Die gemütliche RTL-Krimireihe "Miss Merkel", in der eine fiktive Variante der Altbundeskanzlerin Kriminalfälle ausknobelt, hat im italienischen Fernsehen ansehnliche Einschaltquoten, meldet Daniele Muscionico in der NZZ.
Besprochen werden ShawnLevys Superhelden-Film "Deadpool & Wolverine" (Presse, Standard, Welt) und die Netflix-Doku "Skywalkers: A Love Story" (SZ).
RP Kahls Film "Die Ermittlung" nach Peter Weiss' Stück über den Auschwitz-Prozess 1963, ist schwer auszuhalten, aber man sollte es versuchen, meint Jürgen Kaube in der FAZ. Man sieht und hört kein Drama, keine Tränen, kaum Emotionen, nur Aussage nach Aussage: "Die Wahrheit des Satzes, dass die Kamera, anders als der Zuschauer im Theater, alles sieht, wird spürbar. Wenn Sabine Timoteo als Zeugin Nummer 17 unter ihrer Aussage zum Individuum wird, obwohl sie doch nur Zeugin 17 ist, entanonymisiert der Film die Opfer, die Weiss mehr als Kollektiv betrachtet hatte. Denn wir spüren sogleich, dass dieses Absehen von Gefühlen bei ihnen und den Tätern einen ganz anderen Hintergrund hat. Die einen geben sich, als wäre in Auschwitz gar nichts Außerordentliches geschehen, die anderen bezwingen ihren Schmerz, weil sie wissen, dass das Ungeheuerliche als solches keine juristische Kategorie ist. ... Der Verteidiger, von Bernhard Schütz furchteinflößend als Relativierer der Untaten gespielt, zieht jede gezeigte Regung zum Beleg heran, die Zeugen hätten ein von Gefühlen getrübtes Bewusstsein."
Besprochen wird außerdem die Apple-Serie "Lady in the Lake" mit Natalie Portman (taz, SZ).
Besprochen werden Lee Isaac Chungs Remake von Jan de Bonts "Twister" (NZZ), Roland Emmerichs Sandalenfilm "Those About to Die" (Zeit online, Ulf Lippitz unterhält sich mit dem Regisseur im Tsp über dessen Film), Gabriela Cowperthwaites Thriller "I.S.S." (SZ), Thomas Arslans Noir "Verbrannte Erde" (SZ), Levan Akins "Crossing - Auf der Suche nach Tekla" (FAZ), Natja Brunckhorsts Komödie "Zwei zu eins" über das Jahr 1990 in der DDR (FAZ) und Mike Hodges' "Croupier" (FAZ).
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