Es gibt zu viele Bücher, ruft eine fast erschlagene Elke Heidenreich in der SZ, vor allem zu viele schlechte und zu dicke: "Es gibt ganz offensichtlich keine Lektoren mehr, die noch eine Auswahl treffen oder die Texte lesen". Thomas Steinfeld erinnert in der SZ an Goethes Ankunft in Weimar vor 250 Jahren.
Besprochen werden Yulia Marfutovas Roman "Eine Chance ist ein höchstens spatzengroßer Vogel" (NZZ), Malala Yousafzais Memoir "Finding My Way" (NZZ), Margaret Atwoods "Book of Lives" (FR), Volter Kilpis Roman "Zur Kirche" (FAZ), Livia De Stefanis Mafiaroman "Trauben schwarz wie Blut" (FAZ) und Michael Maars Essayband "Das violette Hündchen" (FAZ).
Bestellen Sie bei eichendorff21!Eine "literarische Situation" bejubelt Volker Weidermann in der Zeit: 470 bislang unbekannte Briefe von Anna Seghers an ihren späteren Mann László Radványi gibt der Aufbau-Verlag heraus. Hier erfährt der Rezensent zum ersten Mal einiges über einen Schlüsselmoment im Leben der Schriftstellerin, die, noch hieß sie Netty Reiling, aus ihrem behüteten Mainzer Elternhaus nach Heidelberg floh: "Sie will ein neues, ein ganz und gar anderes Leben als das ihrer Herkunft. Und das, obwohl sie ihre Eltern so liebt wie verehrt. Obwohl sie diese ganze Herkunftswelt, das Jüdische, das Rheinhessische, das Kunstgeschichtliche, so liebt. Sie liebt es - aber es ist ihre enge Kinderwelt. Etwas in ihr ahnt früh, dass sie, wenn sie ihre heimatlichen Fesseln sprengt, Großes erreichen kann. Großes für sich. Ob das dann auch Großes in der Welt sein wird, das wird sich zeigen müssen. Die Briefe, die wir hier lesen, sind so etwas wie Berichte von einer zweiten Geburt."
Weiteres: In der FAZ untersucht der Soziologe André Kieserling die Debattenkultur der "Gruppe 47". Im SZ-Interview unterhält sich der Schriftsteller Frank Schätzing mit Christian Mayer über seine neues Buch "Space Boy", in dem er den Einfluss von David Bowies Musik auf seine Jugend schildert. Besprochen werden Lukas Potschs Buch "Nullpunkt der Ordnung. Modernes Denken über den Bürgerkrieg" (FAZ), Felix Bohrs "Vor dem Untergang. Hitlers Jahre in der 'Wolfsschanze'" (FAZ), Sarah Jägers Roman "Das Feuer vergessen wir nicht" (Zeit) und Jörg Mühles Bilderbuch "Das war doch keine Absicht!" (FR). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.
Die Slawistin Yelizaveta Landenberger besucht für die FAZ das der ukrainischen Literatur gewidmete FestivalMeridian, bei dem einige Autoren per Zoom in Kampfmontur zugeschaltet sind - sie kämpfen an der Front und haben von der Armee keinen Urlaub für das Festival erhalten. Insgesamt sind Veranstaltungen wie das Meridian Teil eines Versuchs, den Einfluss der russischen Kultur zurück zu drängen: "Bei den Lesungen in Odessa und Mykolajiw wurde deutlich, dass man in der Ukraine das Eigene zu bewahren versucht, auch indem man sich vom Feindlichen befreit und dagegen abgrenzt. Schnell wird die russische Sprache und Kultur mit dem Feind assoziiert - eine Reaktion, die verständlich ist in Zeiten, da Moskau mit seinem täglichen Terror aus der Luft den Willen der ukrainischen Bevölkerung zu brechen versucht" und aktiv die Russifizierung der besetzten Gebiete vorantreibt (mehr dazu hier). Landenberger ist sich nicht ganz sicher, was sie davon halten soll: "Die bekannteste literarische Persönlichkeit Odessas überhaupt, Isaak Babel, dessen Muttersprache Jiddisch war und der seine Werke in einem idiosynkratischen Russisch, das von ukrainischen Einflüssen durchzogen ist, schrieb, könnte künftig im Namen der Derussifizierung so wie Puschkin aus dem Stadtbild verschwinden."
Die Memorial-Mitgründerin Irina Scherbakowa weist in einer taz-Glosse auf die erdrückende Allgegenwart von Zensur in Russland seit Sowjetzeiten hin: "Die Bolschewiki führten Zensur sofort nach der Machtergreifung ein. Sie beriefen sich dabei auf den Bürgerkrieg. Doch auch nach dessen Ende erklärte Lenin, dass Pressefreiheit für die neue Macht ein Selbstmord sei - und so erfasste die Zensur immer mehr Bereiche. Ihre Funktion war die Einschüchterung der Autoren. Man musste von Anfang an darüber nachdenken, was die Zensur durchlassen würde. In ihrem Eifer, 'Schädlinge' zu entdecken, trieb die Zensur die Absurdität auf die Spitze. Zensoren hielten Zeitungen gegen das Licht, betrachteten mit der Lupe Briefmarken - und fanden natürlich Verdächtiges. Mal glaubte man, auf der Streichholzschachtel das Porträt Trotzkis zu erkennen, mal auf einer Briefmarke ein Hakenkreuz."
Weitere Artikel: Die Weltberichtet, dass Ayse Irem bei der Deutschen Meisterschaft im Poetry Slam in Chemnitz zur Siegerin gekürt wurde. Johanna Adorján huldigt in der SZLaurent Mauvignier und dessen Roman "La Maison vide", der soeben den Prix Goncourt gewonnen hat. Im Tagesspiegel kommentiert Gerrit Bartels den neuen Spiegel-Literaturpreis. Haftbefehls Pöbel-Rap hat literarisch hochkarätige Vorläufer, lesen wir ebenfalls in der SZ, bei Alexander Estis, der unter anderem einschlägige Walther-von-der-Vogelweide-Verse ausgräbt: "Walther wird euch immer voraus sein/ wie der Weizen der Spreu, /Singt ihr eins, so singt er drei,/Das gleicht sich wie Arsch und Mond."
Besprochen werden unter anderem Walter Moers' "Qert" (FAZ), Jörg Piringers Gedichtband "Verbrenner" (FAZ), Eva Schmids "Neben Fremden" (FAZ), Florian Illies' "Wenn die Sonne untergeht" (FR), Dan Jones' Sachbuch "Kreufahrer" (FR), der von Renate Heß herausgegebene Band "Der Pitangabaum der Nachbarin" (FR) und Harald Jähners Epochenporträt "Wunderland" (Tagesspiegel).
Dan Diner hat am Sonntag in Darmstadt den Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa erhalten. In seiner Rede, die die FAZ heute abdruckt, denkt er bemerkenswerter Weise über Albert Camus und Algerien nach. Im wesentlichen liest er nochmal Camus' hinterlassenen Roman "Der erste Mensch": "Anhand des 'Ersten Menschen', obschon ein Torso, ist zu erkennen, dass dessen Protagonist im Romanfragment sich als neuen Menschen zu erschaffen sucht, als Mensch ohne eine ihn behindernde Vergangenheit und mit offener, in Freiheit gestalteter Zukunft. Diese Verwandlung, diese 'Zweite Geburt' im Sinne Arendts sucht Camus auf die im Kampf miteinander verkeilten Kollektive zu übertragen, um daraus eine dritte Zugehörigkeit zu begründen - eine Zugehörigkeit des Ortes statt der Abstammung, ein Algerien jenseits von Kolonialismus und Nationalismus, gar jenseits von Europäern und Arabern." Diner stellt keine expliziten Parallelen zur Gegenwart oder gar zu Israel her, dennoch ist man versucht, sie hineinzulesen: "Camus' 'Erster Mensch' ist eine Schrift der Trauer", schreibt er. Und "Camus ist im Prozess der Trennung vom französischen Algerien begriffen, dessen sinnloses Bewahren ihm bewusst ist."
Besprochen werden die Ausstellung "Out of the Box" mit Schätzen aus dem Archiv der Berliner Akademie der Künste (NZZ), die Erinnerungen Alexander Gaulands (Welt), Boris Beckers Memoiren (FR), Irina Scherbakowas Moskauer Erinnerungen "Der Schlüssel würde noch passen" (FAZ), Miloš Vec' Biografie des Völkerrechtlers Wolfgang Preiser (FAZ) und Gerhard Barkleits Biografie des Atomphysikers Heinz Barwich (FAZ).
Die FAZ druckt die Büchner-Preis-Rede Ursula Krechels ab. Sie erinnert an die Gemetzel der "Völkerschlacht", vor allem aber an Georg Büchners viel zu unbekannte Schwester Luise, die das Glück hatte, länger zu leben als ihr Bruder: "Ein Paukenschlag ist 1855 ihr Manifest 'Die Frauen und ihr Beruf', das sie in verschiedenen Auflagen weiterentwickelt. 'Freiheit, Selbständigkeit, Unabhängigkeit' sind Luise Büchners Ziele. Wie sollte es anders sein: Sie kämpft für Frauen aus dem Bürgertum. Dienstmägde, Markthändlerinnen, Hutmacherinnen kommen ihr nicht in den Blick. Sie schreibt, organisiert mit anderen den Allgemeinen deutschen Frauenverein, genießt das Wohlwollen der so viel jüngeren Darmstädter Großherzogin Alice, einer Tochter von Queen Victoria."
Für Mladen Gladic in der Welt war die am Vorabend der Preisverleihung stattfindende Lesung Krechels der Höhepunkt dieses langen Akademie-Wochenendes. Sie las nicht aus ihren Romanen, sondern "einen Gedichtzyklus und Kapitel aus ihrem Essay 'Vom Herzasthma des Exils' - der Titel ist von Thomas Mann geborgt. Das Kapitel über die Prager Journalistin Milena Jesenská, 1944 im KZ Ravensbrück gestorben und 'gemeinhin bekannt als Kafkas Milena', die 1937 über Flüchtlinge aus Nazideutschland schrieb - 'verordnete Nichtarbeit, systembedingte Arbeitslosigkeit, isoliert, deprimiert, diskriminiert' - machte deutlich, was Laudatorin Sabine Küchler am Samstag über Krechels Schreiben sagte: Es ist der Versuch, 'den vergessenen Menschen mit allen literarischen Mitteln ein Gesicht zu geben, einen Verstand und ein pochendes Herz.'" In der FAZ resümiert Tilman Spreckelsen die Veranstaltungen rund um die Preisverleihung: In den Reden ging es unter anderem auch um die prekäre Finanzlage der Akademie.
Bestellen Sie bei eichendorff21!In einem "Vorwort" stellt Angela Schader den libyschen Autor Hisham Matar vor, dessen neuer Roman "Meine Freunde" demnächst erscheint (Leseprobe): "Matar war zwanzig, als sein Vater Jaballa der Familie auf grausame Art entrissen wurde: Er hatte sich im Widerstand gegen das libysche Regime engagiert, wurde 1990 von Gaddafis Schergen entführt und kam wahrscheinlich im berüchtigten Abu-Salim-Gefängnis in Tripolis um. Während die Umstände seines Todes bis heute ungeklärt sind, weiß der Schriftsteller, dass der Vater aufs Grausamste gefoltert wurde - und unter der Tortur nicht brach. Diese Erfahrung wird, allerdings stark verfremdet, seine ersten Romane prägen. Und die Vermutung liegt nahe, dass sie auch seinem generellen Interesse an Männlichkeit und Männerbeziehungen den Boden bereitet haben könnte."
Besprochen werden unter anderem Ping Lus Taiwan-Thriller "Dunkle Gewässser" (FAZ), Kevin Chens Roman "Geisterdämmerung" (NZZ), die Autobiografie von Ex-Greenpeace-Chef und Foodwatch-Gründer Thilo Bode mit dem Titel "Resist. Aufruf zum Widerstand" (SZ) und Alexander Clapps Buch "Der Krieg um unseren Müll" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Der Schriftsteller Alexander Schimmelbusch trifft sich für die Welt mit seinem Freund, dem SchriftstellerPeter Schneider, der einst zu den prägenden Köpfen der deutschen Studentenbewegung gehörte und dessen neuer Roman "Die Frau an der Bushaltestelle" von seiner großen Liebe Isabel und den rebellischen 68ern handelt. Von der RAF distanziert er sich allerdings deutlich: "Ich habe nie in die Richtung tendiert, dass wir jemanden umbringen müssen, damit wir hier was in die Gänge bringen oder so. Das hat mir nie eingeleuchtet, daran habe ich immer Kritik geübt, auch an Rudi Dutschke, der von Präfaschismus sprach. Die BRD war aber eine postfaschistische Gesellschaft, in der die ganzen Nazis noch herumwerkelten. Das ist eine ganz andere Analyse, als wenn zu fürchten ist, wir müssen den neuen Faschismus aufhalten. Das war immer falsch. Es war nie der Fall, dass ein neuer Faschismus gedroht hätte. Kein einziges Mal in der deutschen Nachkriegsgeschichte."
Außerdem: Jens Ulrich Eckhard grübelt in der Welt über Pier Paolo Pasolinis Tod nach, Dominik Straub tut es ihm im Standard gleich. Ebenfalls in der Welt verneigt sich Tilman Krause ein weiteres Mal vor Rainer Maria Rilke. Tobias Rüther spricht in der FAS mit Frank Schätzing darüber, weshalb dessen neues Buch "Spaceboy. Über David Bowie. Und über mich" mehr von Frank Schätzing als von David Bowie handelt. Detlev Schöttker zeichnet ebenfalls in der FAS ausführlich wechselseitige Verbindungen und Abneigungen zwischen Armin Mohler, Ernst Jünger und Thomas Mann nach. In der FAZ gratuliert Volker Reiche den Gewinnern des "Strizz"-Literaturpreisrätsels. FAZ-lerin Sandra Kegel besucht T.C. Boyle in dessen Anwesen im kalifornischen Montecito und plaudert mit ihm unter anderem über Trump.
In der Frankfurter Anthologie widmet sich Christian Metz diesmal Versen von Ursula Krekel: "Der Denkende kommt zu spät, wenn er sagt: Ich denke / dachte ich, oder das Denken hat ihm einen Streich gespielt".
Besprochen werden unter anderem Albert Ostermaiers "Die Liebe geht weiter" (FAZ), Fabian Andinas "Sechzehn Monate" (FAZ), Kaśka Brylas "mein vater der Gulag die krähe und ich" (FR), Dorothy Thompsons "Das Ende der Demokratie" (FAS), Florian Illies' "Wenn die Sonne untergeht. Familie Mann in Sanary" (FAZ) und Sibylle Bergs "PNR: La Bella Vita" (Welt). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.
Jan Wiele (FAZ) und Johan Schloemann (SZ) berichten sehr zufrieden von ihrem Rundgang durch die neueSchiller-Dauerausstellungin Marbach: Von modischen Mätzchen wird man verschont, betont Schloemann, "nur ein vertikales Textlaufband sorgt in einigen Räumen für etwas Bewegung, sonst stehen die Originale weiterhin im Mittelpunkt. Kein digitales Austoben, das hat man ja sonst schon genug. Äußerlich ist alles sehr dezent, schlicht, in reduzierter, ruhiger Farbgestaltung. Zum Leben erweckt wird Schiller aber, wenn man in den Vitrinen liest und schaut - ganzklassisch."
Weiteres: Michael Wurmitzer spricht im Standard mit der SchriftstellerinMartinaHefter, die Ende November die Europäischen Literaturtage in Krems eröffnen wird, unter anderem über das Wahre und Echte in der Literatur, insbesondere in Zeiten von KI. Roman Bucheli erinnert in der NZZ an das Gratisbuch, das ein Schweizer Germanistikstudent 1971 in der Schweiz herstellen ließ und damit für einiges Aufsehen sorgte. Besprochen werden unter anderem SorjChalandons "Herz in der Faust" (FR), RomainGarys "Europäische Erziehung" (taz), FrançoisBégaudeaus "Die Liebe" (online nachgereicht von der FAZ) und Julia Pustets "Alles ganz schlimm" (Freitag). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Katharina Teutsch porträtiert für die ZeitKamelDaoud, der vom französischen Exil aus nicht müde wird, das algerische Regime und dessen Beschweigen der Gräueltaten im Algerien der Neunziger anzuprangern. Entsprechenden Attacken ist er ausgesetzt, insbesondere nach seinem aktuellen Roman "Huris", der ausspricht, was Islamisten und deren Verbündete in den westlichen Metropolen lieber unter den Teppich kehren. "Seine Kritik an Algeriens erinnerungspolitischem Kurs, dem Festhalten an der Opferrolle im Kampf gegen eine übermächtige Kolonialmacht, sind wiederum der französischen Linken ein Dorn im Auge. 'DieDekolonialen', wie Daoud die linken Islamismus-Versteher in Frankreich nennt, verurteilen den Schriftsteller dafür, dass er darüber schreibt, was Araber anderen Arabern angetan haben. ... Daoud ist Universalist", doch "der Universalismus hat es heute schwer - auch unter westlichen Intellektuellen, die unter dem Eindruck postkolonialer Theoriebildung jeden Ideenexport in die ehemalige Kolonie für paternalistisch halten. Für ein Land allerdings, in dem man sich frei bewegen, freifühlen, freiausdrücken könne, seien die sogenannten westlichen Werte die wichtigste Geschäftsgrundlage, findet Daoud."
Weitere Artikel: August Modersohn berichtet in der Zeit von seiner Reise nach Klütz, wo er das Gespräch mit den Beteiligten an der Kontroverse rund um die Ausladung Michel Friedmans am dortigen Literaturhaus gesucht hat, aber auch nur von anhaltenden gegenseitigenVorwürfen berichten kann. Seit dem Nobelpreis für JonFosse erfreut sich Oslo geradezu eines Fosse-Tourismus, berichtet Aldo Keel in der NZZ: Insbesondere Übersetzer reisen in Heerscharen an. Jan Küveler porträtiert in der Welt den SchriftstellerMichaelMaar. Leon Lindenberger blickt im Zeit-Gespräch mit VolkerKutscher auf dessen mittlerweile abgeschlossenes Krimi-Epos um den Ermittler Gereon Rath zurück.
Besprochen werden unter anderem ThomasPynchons "Schattennummer" (Jungle World), NoraOsagiobares "Daily Soap" (online nachgereicht von der FAZ), JensHarders Comic-Epos "Gamma ...visions" (FAZ.net), das neue Asterix-Abenteuer (taz), LavieTidhars Thriller "Adama" (FR), SibylleBergs "PNR: La Belle Vita" (NZZ), der Briefwechsel zwischen HugovonHofmannsthal und RudolfAlexanderSchröder (FAZ), neue Krimis, darunter SusanneTägders "Die Farbe des Schattens" (Zeit), und PercivalEveretts "Dr. No" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.
Eher skeptisch blickt Dirk Knipphals im taz-Kommentar auf den neuen Spiegel-Buchpreis, dessen zwanzig Nominierungen bereits am 8. Oktober verkündet wurden, während ab dem 3. November nach dem Adventskalenderprinzip die Platzierungen bekannt gegeben werden. "Dotiert ist der Preis darüber hinaus nicht, was für das Selbstbewusstsein des Magazins sprechen mag, dass eine Erwähnung in ihm schon Preis genug ist, aber dennoch fragwürdig bleibt. Hilft hier der Spiegel der Literatur - oder soll die Literatur dem Spiegel helfen? Man wird sehen."
Bestellen Sie bei eichendorff21!Raoul Löbbert spricht für Zeit Online mit DidierConrad und Fabcaro über deren neuen Comic "Asterix in Lusitanien". Die Auflagen, die ihnen gemacht werden, um dieses Traditionsformat weiterzuführen, seien gar nicht so hoch, erzählt Zeichner Conrad. "Vertraglich sind wir gegenüber den Erben nur dazu verpflichtet, die Comicreihe im ursprünglichen Geist weiterzuführen. Und Albert Uderzo meinte kurz vor seinem Tod einmal zu mir, dass es im Grunde nur zwei Regeln gibt, gegen die nie verstoßen werden darf. Erstens: Die Piraten müssen vorkommen. Und zweitens: Am Ende gibt es ein großes Festessen unter den Sternen." Eine Liebesgeschichte zwischen Asterix und Obelix wird es aber auch weiterhin nicht geben: "Im gallischen Dorf gibt es keinen Sex, egal ob hetero- oder homosexuell."
Weitere Artikel: Jakob Hessing gratuliert in der FAZ der ÜbersetzerinRuthAchlama zum 80. Geburtstag. In der SZ blickt Aurelie von Blazekovic zurück auf 20 Jahre "Twilight", die Vampir-Romansaga von StephenieMeyer, die damit den heutigen Boom an Romantasy-Literatur begründet hat.
Besprochen werden unter anderem RolandSchimmelpfennigs Gedichtband "Bericht von der Mondlandung" (FR), ChiZijians "Das letzte Viertel des Mondes" (online nachgereicht von der FAZ), BettinaFlitners "Meine Mutter" (NZZ) und KaterinaPoladjans "Goldstrand" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.
Die SZ bringt ein 2006 geführtes Gespräch aus dem Archiv des FotografenSeppDreissinger mit der 2016 gestorbenen Wiener LyrikerinIlseAichinger, die darin herrlich österreichisch-existenzialistisch vom Leder zieht: Jeden Vormittag war sie auf "bis zu fünf Tassen" im Café Demel. "Der Grund dafür, warum ich ins Kaffeehaus gehe, ist derselbe, warum ich ins Kino gehe." Es "ist für mich der Versuch, zum Teil der Existenz zu entgehen, zu verschwinden. Im Saal wird es finster. Im Demel wird es zwar nicht finster, aber verschwunden ist man auch hier. Man ist weg von zu Hause, man ist anonym. Es ist ein sehr kostspieliger Versuch zur Anonymität. Zum Glück geht das im Augenblick, weil ich sonst nur die Kinoleidenschaft habe. Am Nachmittag bin ich immer im Filmmuseum. Ich nenne das Zeitverwüstung. Da sind immer fünf bis sechs Stunden weg."
Bestellen Sie bei eichendorff21!Martin Seng blickt für die taz auf Cancel-Culture-Exzesse in den USA, wo christliche Fundamentalisten, rechtsradikale Freiheitsfeinde, MAGA-Antiamerikanisten und sonstige Idioten einen Feldzug gegen Schulbibliotheken führen und mit alleine im letzten Jahr fast 7000 Buchverboten Jugendlichen aus insbesondere armen Bevölkerungsschichten den Zugang zu Literatur verbauen. Ganz weit oben auf der Abschussliste: "A Clockwork Orange" von Anthony Burgess und "Der Report der Magd" von Margaret Atwood. "Die Verbote treffen auffallend oft Werke, die Sexualität thematisieren und sich mit Verhütung oder auch Scheidung - darunter auch 'Breathless' von Jennifer Niven - kritisch auseinandersetzen. Literatur wie 'Verkauft' von Patricia McCormick, die sich gegen die Ausbeutung von jungen Mädchen und patriarchale Gewalt stellt, wird stigmatisiert" ebenso wie Bücher, die Homosexualität, Missbrauch, Suizid und Rassismus thematisieren.
Außerdem: Andrea Pollmeier resümiert in der FR das Textland-Festival in Frankfurt, wo unter anderem die SchrifstellerinAntjeRávikStrubel auftrat. Stephan Klemm spricht in der FR mit der Bestseller-Autorin SusanneAbel über deren aktuelles Buch "Du musst meine Hand fester halten, Nummer 104", in dem sie von Heimkindern nach dem Zweiten Weltkrieg erzählt. Michael Moorstedt schaut sich für die SZ in der Welt des "PerformativeReading" um, einem Netztrend, bei dem man sich beim Buchlesen in der Öffentlichkeit fotografiert.
Besprochen werden unter anderem GaëlFayes "Jacaranda" (Standard), ÉdouardLouis' "Der Absturz" (online nachgereicht von der Welt), VirginiaWoolfs "The Life of Violet" mit drei frühen, bislang unveröffentlichten Geschichten (NZZ), HelleHelles "Hafni sagt" (FAZ) und BoraChungs "Dein Utopia" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.
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