Magazinrundschau - Archiv

Atlantic

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Magazinrundschau vom 26.02.2013 - The Atlantic

Jonathan Cohn schildert, wie Roboter, Computer, Big Data und das Internet die Medizin revolutionieren. Vieles ist Zukunftsmusik, aber einiges schon heute möglich - und für manches reicht bereits ein Smartphone: "Firmen entwickeln Sensoren, die, an Smartphones angeschlossen, biologische Daten aller Art sammeln. The Firmen Withing und iHealth bieten beispielsweise Blutdruckmanschetten fürs iPhone an, die die Daten dann per Email an Gesundheitsspezialisten schicken oder direkt in die Patientenakte eintragen können. Andere Hersteller verkaufen Geräte, mit denen Diabetiker ihren Blutzuckerspiegel messen können. In Großbritannien hat ein Konsortium eine Smartphone-App entwickelt, mit der sich der Nutzer auf sexuell übertragbare Krankheiten testen kann. (Der Test beinhaltet offenbar, auf einen ans Handy angeschlossenen Chip zu urinieren.)" Ausgewertet werden all diese Daten am Ende nicht mehr von ihrem Arzt, sondern von Watson, dem Supercomputer. Noch lernt er...

Außerdem: Graeme Wood erzählt, wie Ethnologen große Firmen mit Konsumentendaten versorgen. Emily Bazelon erzählt, wie Experten von Facebook, vom MIT und von Anonymous jeder auf ihre Art versuchen, Internet-Bullies zu stoppen (in dem Zusammenhang lesenswert ist auch die Geschichte von Adalia Rose Williams, einer 6-Jährigen, die unter Progarie leidet - vorschnelles Altern - und die, seit sie in einem Video zu "Ice Ice Baby" tanzte, Licht- und Schattenseiten des Internetruhms erfuhr). Christopher Orr beklagt den Niedergang der romantischen Komödie im Film. Großes Lob von Benjamin Schwarz für Karl Schlögels Buch über Moskau 1937, das zu den "spannendsten Werken der Wissenschaft und der historischen Vorstellungskraft gehört, das ich seit Jahren gelesen habe". Und eine Kurzkritik empfiehlt "The Master of us all", Mary Blumes Biografie über Cristobal Balenciaga, als eine der "intelligentesten Biografien, die je über einen Modedesigner geschrieben wurden".

Magazinrundschau vom 12.02.2013 - The Atlantic

Joshua Lang entwickelt ein Szenario, das auch schon durch Horrorstories des 19. Jahrhunderts geisterte. Was ist eigentlich, wenn man in der Narkose gar nicht bewusstlos ist, sondern danach nur vergessen hat, was man durchgemacht hat? "Diese Erfahrung nennt sich 'intraoperatives Erwachen' oder 'Betäubungsbewusstsein', und sie kommt häufiger vor als Sie vielleicht glauben. Trotz abweichender Studien sind sich die meisten Experten einig, dass unter tausend Patienten in Vollnarkose ein bis zwei zu Bewusstsein kommen. Patienten, die erwachen, hören die Plaudereien der Chirurgen, die Schleif- und Schmatzgeräusche der Organe, das Blubbern des Bluts in den Kanülen; sie spüren die tastenden Finger der Ärzte, das Rucken und Ziehen an den Eingeweiden; sie riechen verätztes Fleisch und versengtes Haar. Aber da einer der ersten Schritte einer Operation das Zukleben der Augen ist, können sie nicht sehen. Und da sie meistens auch gelähmt werden, um Muskelzuckungen zu unterbinden, können sie den Ärzten nicht mitteilen, dass sie wach sind."

Magazinrundschau vom 04.12.2012 - The Atlantic

Die Fabrikjobs kommen zurück in die USA. Charles Fishman erklärt das Phänomen am Beispiel von General Electric, wo in diesem Jahr drei Produktionsstraßen den Betrieb wieder aufnahmen, die jahrzehntelang stilllagen. Gründe dafür: Der Ölpreis ist dreimal so hoch wie 2000, was die Frachtkosten erhöht. Erdgas in den USA ist dagegen günstig, was die Produktionskosten zu Hause senkt. Die Lohnunterschiede sind nicht mehr so riesig. Produkte sind immer kurzlebiger und müssen schneller produziert werden. Fishman beschreibt das am Beispiel einer neuen Produktionsstraße für Geschirrspüler: "Ein Designerteam brachte einen Geschirrspüler in den Raum und nahm ihn auseinander. Im Originaldesign hatte er vier sichtbare Schrauben. Die Marketingleute im Team wollten eine Tür ohne sichtbare Schrauben. Sie wollten sie glatt wie ein Iphone. Den Anlagenleitern gefiel diese Idee - vier Schrauben bedeuten eine Menge Fließbandarbeit. Die Ingenieure und Designer entwickelten schließlich ein Design mit einer versteckten Schraube und einer Strebe, die die Tür zusammenhalten. 'Es ist einfacher herzustellen', sagt Calvaruso, 'es ist billiger. Und es sieht besser aus.' (...) Die Geschichte dieser vier verschwundenen Schrauben an einer Geschirrspülertür sind der Grund, warum GE-Manager Jeffrey Immelt genug Vertrauen hat, 800 Millionen Dollar auszugeben, um Produktionsstätten in Appliance Park wieder zum Leben zu erwecken." Journalisten, Courage! Wenn das stimmt, wird wieder alles möglich.

Außerdem: Auch in China sieht James Fallows Anzeichen dafür, dass ein Teil der Produktion in die USA zurückkehren könnte. Ein Grund ist die Erfindung von 3D-Druckern, die die Zeitspanne von der Idee bis zur Produktion so beschleunigen, dass an eine Auslagerung nach China gar nicht zu denken ist. Und Die Autorin Ann Patchett erzählt, wie sie, als der letzte Buchladen in Nashville zumachte, kurzerhand selbst einen eröffnete, Parnassus Books. Und es funktioniert!
Stichwörter: 3D-Drucker, Iphone, Erdgas

Magazinrundschau vom 20.11.2012 - The Atlantic

Alexis C. Madrigal stellt das Dreamteam der Programmierer vor, die Obamas Wahlkampf entscheidend mitgeprägt haben, allen voran Harper Reed, der genauso so aussieht, wie man sich einen obercoolen Nerd vorstellt. "Als Obamas Wahlkampfleiter Jim Messina Reed anheuerte, sagte er zu ihm: 'Willkommen im Team. Versau es nicht.' Als der Wahltag endete und der Staub sich gelegt hatte, war klar: Reed hatte es nicht versaut. Die Kampagne erreichte mehr freiwillige Helfer und Sponsoren als 2008. Sicher, die Feldorganisation war fester verwurzelt und erfahrener, aber den Unterschied machte zu großen Teil die Technologie. Die Schlüsselprodukte des Technikteams - Dashboard, Call Tool, Facebook Blaster, PeopleMatcher und Narwhal - machten es einfacher für jeden, sich für die Wiederwahl des Präsidenten zu engagieren. Aber einfach war es nicht. Reeds Team kam als Außenseiter zu der Kampagne und das blieben sie im wesentlichen auch. Anfang 2012 drohten die kulturellen Differenzen zwischen Technikern und allen anderen das ganze großartige Experiment zum Scheitern zu bringen. Am Ende produzierte die Kampagne genau, was sie sollte: einen Hybrid der Sehnsüchte von jedermann in Obamas Team. Sie sammelten online hunderte Millionen Dollar Spenden, machten beispiellose Fortschritte in der Ansprache von Zielgruppen und bauten das alles auf der stabilsten technischen Infrastruktur auf, die je eine Präsidentschaftskampagne hatte. Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen und sagen, dass dieser Zusammenprall der Kulturen eine gute Sache war: Die Nerds brachen die versteinerte technische Struktur der Demokraten auf und die Politicos lehrten die Nerds ein oder zwei Dinge über Stress, Basispolitik und die Bedeutung von Wahlen."

Magazinrundschau vom 30.10.2012 - The Atlantic

Als Zeichen für eine krisenhafte Modernität wertet der Autor Teju Cole die Vorfälle von Lynchjustiz, die sich immer wieder und in sehr brutaler Form in Nigeria ereignen. Anfang Oktober etwa wurden vier des Diebstahls beschuldigte Männer bei lebendigem Leib verbrannt. Ein häufiger Anlass zur Bildung eines Mobs ist aber auch der vermeintliche Penisklau, eine in Westafrika verbreitete Form der Hysterie. Aus heiterem Himmel glauben Männer plötzlich, sie seien um ihre Männlichkeit gebracht worden: "Im Jahr 2011 beschuldigte in Gusau der Bankangestellte Idowu Olatunji den Journalisten Saminu Ibrahim des Penisklaus. Auf einmal befand sich Ibrahim in tödlicher Gefahr. Eine Menge umzingelte ihn mit mörderischer Absicht, und nur die Anwesenheit eines geistesgegenwärtigen Polizisten bewahrte ihn vor einem grausigen Tod. Was diesen Fall aber wirklich ungewöhnlich machte und zu einem Lehrbuchfall für Nigerias Neurosen und verwirrte Modernität, war, dass Ibrahim später Olatunji wegen Verleumdung und falscher Beschuldigung vor Gericht brachte. Er beantwortete das Gesetz des Dschungels mit dem bürgerlichen Recht. Und genau an diesem Punkt verschwand die Geschichte aus der Öffentlichkeit."

Magazinrundschau vom 25.09.2012 - The Atlantic

Das Parteispendensystem ist intransparenter geworden, berichtet James Bennet in einem ausführlichen kritischen Artikel über den Zustand der amerikanischen Demokratie. Die unbegrenzten, teilweise anonymen Spenden, die in sogenannten Super PACs gesammelt werden, werden die Wahlkämpfe grundlegend verändern: "Früher konnten Kandidaten abschätzen, wie viel Geld sie für einen bevorstehenden Wahlkampf aufbringen mussten. Heute, unter dem Risiko riesiger, völlig unvorhersehbarer Summen aus unbekannten Quellen, können sie nie sicher sein, dass sie genug beisammen haben. Das bedeutet, dass alle ständig mehr Geld herbeischaffen müssen."

Magazinrundschau vom 11.09.2012 - The Atlantic

Mächtig beeindruckt berichtet Alexis C. Madrigal von einem Besuch bei Google Maps, wo inzwischen innerhalb von zwei Wochen mehr Daten organisiert werden als Google im ganzen Jahr 2006 zur Verfügung hatte - und das schließt nicht aus, dass Kreuzungen nach Nutzerbeschwerden von Hand neu gezeichnet werden. Madrigal sieht in diesen Daten womöglich den größten Vorteil Googles gegenüber dem größten Konzern der Welt - Apple: "Nicht nur um ihrer selbst willen, sondern weil Ortungsdaten alles, was Google tut, wertvoller machen. Oder, wie mein Freund und Science-Fiction-Autor Robin Sloane es mir sagte: 'Ich bleibe dabei, dass dies Google Kerngeschäft ist. In 50 Jahren wird Google die self-driving car company sein, ermöglicht durch die tiefe Detailkenntnis in den Karten. Und, ach ja, eine Suchmaschine wird es auch noch irgendwo haben."

Magazinrundschau vom 21.08.2012 - The Atlantic

Offenbar sind auch im Westen viele Gläubige entschlossen, schnurstracks ins Mittelalter zurückzukehren, damit sie endlich wieder gefahrlos Frauen schurigeln können. "Es geht schon wieder los", berichtet Garance Franke-Ruta. "Diesmal hat der republikanische Abgeordnete Todd Akin das zeitgenössische Äquivalent zu dem frühen amerikanischen Glauben breitgetreten, nur Hexen würden nicht untergehen, als er im Interview mit einer lokalen Radiostation in Missouri verkündete, eine 'echte Vergewaltigung' führe nicht zu einer Schwangerschaft. 'Nachdem was ich von Ärzten weiß, ist eine solche Schwangerschaft sehr selten', erklärte Akin im Interview mit KTVI-TV. 'Wenn es eine echte Vergewaltigung ist, dann kennt der weibliche Körper Wege, sich gegen eine Schwangerschaft zu verschließen.'" Dieser Schwachsinn ist nicht neu. Franke-Ruta zitiert einige haarsträubende Beispiele, darunter den republikanischen Politiker Stephen Freind, der laut Philadelphia Daily News 1988 erklärte: "Die Chancen, dass eine vergewaltigte Frau schwanger wird, 'stehen eins zu Millionen und Millionen und Millionen'. Der Grund dafür sei, so Freind, dass die traumatische Erfahrung einer Vergewaltigung bei der Frau dazu führe, dass sie 'ein bestimmtes Sekret absondert', das Spermien tötet."

Ob die edlen Lebensschützer die krebskranke Sechzehnjährige gerettet hätten, die in der dominikanischen Republik starb, nachdem man ihre eine Chemotherapie verweigert hatte mit der Begründung, dies würde ihren knapp drei Monate alten Fötus gefährden?

Magazinrundschau vom 29.05.2012 - The Atlantic

Vietnam sucht mehr und mehr die Unterstützung der USA, um ihre Interessen in der South China Sea gegen China zu verteidigen. Dieses Meer ist nicht nur einer der wichtigsten Handelswege in Asien, dort liegt vermutlich auch mehr Öl als sonst irgendwo auf der Welt, Saudiarabien ausgenommen, berichtet Robert Kaplan. "Wie ein chinesischer Diplomat mir erklärte: 'China ist siebzehn Mal in Vietnam eingefallen. Die USA sind einmal in Mexiko eingefallen und sehen Sie, wie empfindlich die Mexikaner deswegen sind. Wir wachsen mit Büchern auf, die voller Geschichten sind über Nationalhelden, die die Chinesen bekämpften.' Die vietnamesische Furcht vor China ist genau deshalb so tief, weil Vietnam der Umarmung dieses gigantischen Nachbarn, dessen Bevölkerung fünfzehn Mal größer ist, nicht entkommen kann."

Außerdem: Abnehmen ohne Jojo-Effekt ist möglich, behauptet David H. Freedman - mit modernen Apps und den Methoden des Verhaltensforschers B.F. Skinners.

Stichwörter: Apps, Vietnam

Magazinrundschau vom 17.04.2012 - The Atlantic

Taylor Clark porträtiert den Videospiel-Erfinder Jonathan Blow, ein Mann, den selbst seine Freunde als "schwierig" und "stachelig" beschreiben, der mit dem Spiel Braid großen Erfolg hatte und mit dem so gewonnenen Geld jetzt das tut, was ihm am meisten am Herzen liegt: das Videospiel zur Kunst zu treiben. Keine Kleinigkeit, denn Videospiele sind, von zwei Ausnahmen abgesehen, schlicht dämlich, meint Clark. Eine von den zwei Ausnahmen ist Braid: "Auf der Oberfläche ist Braid ein schlichtes zweidimensionales Plattformerspiel, das dem abgenutztesten Aufbau eines Videospiels folgt. 'Tim ist weg, um die Prinzessin zu retten', liest man im ersten Buch, das Tim in den Wolken findet. 'Sie wurde von einem grässlichen bösen Monster entführt.' Aber Braid handelt so wenig von der Rettung einer Prinzessin wie Kafkas 'Verwandlung' von einem Käfer. Durch die Bücher, die Tim findet, enthüllt Blow, dass Tim einen Fehler gemacht hat und hofft, ihn wiedergutzumachen, was in den zentralen Spielmechanismus von Braid führt: Tims einzigartige Fähigkeit, die Zeit zurückzuspulen. Während Tim versucht, die Vergangenheit ungeschehen zu machen, muss er gleichzeitig Rätsel lösen, die sich um seine Kontrolle über den Zeitfluss ranken. Inspiriert von den wechselnden Realitäten in Calvinos 'Unsichtbare Städte' und Alan Lightmans 'Einsteins Traum' hat Blow fünf Hauptreiche geschaffen, in denen sich die Zeit jeweils anders verhält... Das verblüffendste an Braid ist jedoch, dass es sich, viel mehr als jedes andere Spiel, wie ein Autorentext anfühlt - so reich an Bedeutung und Gefühlen wie jede gut erzählte Geschichte."

Weitere Artikel: Stephen Marche überlegt, ob Facebook uns nicht in Wirklichkeit einsamer macht und findet nach Lektüre diverser Studien heraus: Kommt darauf an. Wenn man es nutzt, um Verabredungen im wirklichen Leben zu treffen, hilft es. Wenn man es nutzt, um Verabredungen im wirklichen Leben zu vermeiden, schadet es. David Samuels hat wochenlang jedes Konzert der "Watch the throne"-Tournee von Kanye West und Jay-Z besucht und eine Vorliebe für Kanye West entwickelt.