
Das geflügelte Wort
"Der Kunde ist König" ist so alt, dass es schon Patina angesetzt hat, sollte man meinen, doch nie war es so zutreffend wie jetzt, im Zeitalter der Informationstechnologien, meint Paul Markillie in einem
Spezial-Dossier. Denn "Wissen ist Macht", um bei den geflügelten Worten zu bleiben, und der Kunde wird, da er sich nun bedeutend umfassender informieren kann, zum selbstbewussten und klugen Käufer, der sich zwar noch von gut gemachter,
einfallsreicher Werbung unterhalten lässt, ihr aber nicht mehr hörig ist. Dies stelle zwangsläufig neue Anforderungen an die
Marketing-Strategen, nicht zuletzt angesichts des relativ jungen Phänomens des
"media multi-tasking", die Tatsache nämlich, dass mehrere Medien gleichzeitig genutzt werden. "Das hat enorme Konsequenzen für Werber und TV-Programmgestalter", sagt James Rutherfurd, Geschäftsführer einer New Yorker Handelsbank. "Früher ging es darum, die Menschen dazu zu bringen, den Fernseher anzuschalten. Jetzt kann es gut sein, dass der Fernseher läuft, doch nun geht es darum, die Aufmerksamkeit auf den Fernseher zu lenken, und das heißt jetzt weg vom Computer-Bildschirm, weg von der Zeitschrift,
weg vom iPod."
Einen neuen Fall von
französischer Resistance nimmt ein belustigter
Economist zur Kenntnis. Als Antwort auf
Googles Vorhaben, Millionen von Texten aus amerikanischen und englischen Bibliotheken online zur Verfügung zu stellen, wollen nun auch die Franzosen eine solche Textdatenbank bereitstellen, weigern sich jedoch, diese von Google durchforsten zu lassen, und befürworten die Gründung eines
"Google a la francaise". Doch "warum nicht Google die Arbeit machen lassen? Das französischsprachige Google wird bei 74 Prozent aller Internetsuchen in Frankreich genutzt. Die Antwort ist das
vulgäre Kriterium, dessen es sich bedient um die Ergebnisse zu ordnen. 'Ich glaube nicht', schrieb Kulturminister Donnedieu de Vabres in der Zeitung
Le Monde, 'dass der einzige Zugang zu unserer Kultur das automatische
Sortieren nach Beliebtheit sein sollte, welches Googles Erfolgsrezept ist.'"
In weiteren Artikeln erfahren wir,
was man in den Niederlanden unter
"harter Liebe" gegenüber der immigrierten Bevölkerung versteht und warum die Idee einer
multikulturellen Gesellschaft zu konservativ ist, und
ob die Australier mit ihrem Premierminister John Howard einer Meinung sind, wenn dieser verkündet, dass die Bindung zu den USA
"wesentlich für die australische Psyche" ist.
Nicht sehr beeindruckt
zeigt sich der Economist von
Dick Tavernes Buch "
The March of Unreason: Science, Democracy and the New Fundamentalism", in dem er den
rationalistischen Szientismus für unfehlbar erklärt und unbändig gegen alle Arten von Humbug, sprich alternativer Wissenschaft, wettert. Und schließlich
porträtiert der Economist die kürzlich verstorbene
Labour-Ikone Lord Callaghan als jemanden, der ein "auffallend schlechter Finanzminister, ein sich abplagender Innenminister und ein gewöhnlicher Außenminister" war, dann aber zu einem "beeindruckenden Premierminister" wurde.
Leider nur in der Printausgabe zu lesen: Das Geburtstagsständchen für die 225 Jahre alte
Neue Zürcher Zeitung.