Magazinrundschau - Archiv

The Economist

428 Presseschau-Absätze - Seite 27 von 43

Magazinrundschau vom 26.07.2005 - Economist

Der Economist registriert die Entstehung eines spezifisch britischen Islam. "Eine neue Generation britischer Muslime definiert sich nicht mehr über ihre Herkunft, sondern über die gemeinsame Religion. Im besten Falle könnte das ein Anzeichen dafür sein, dass die britischen Muslime erwachsen werden - sich also über die sprachlichen und sektiererischen Unterschiede erheben, die frühere Generationen behinderten." Der Economist hofft, dass sie moderater sind als ihre Eltern, kulturelle Tabus über Bord werfen und am demokratischen Leben des Landes teilnehmen.

Der Schwerpunkt beschäftigt sich mit der Notwendigkeit, mehr Frauen in Führungspositionen zu etablieren. Zudem fordert der Economist, die jahrzehntelange Blockadehaltung gegenüber dem inkompetenten Militärregime von Myanmar (früher Burma) aufzugeben. Sie führt zu nichts. Schließlich wird berichtet, wie Indien und die USA sich um engere Beziehungen bemühen und wie unterschiedlich Männer und Frauen Schmerz empfinden.

Auch diesmal gebührt dem Schlagabtausch mit Frankreich ein fester Platz im Heft: Sieben der letzten zehn französischen Premierminister kommen aus der Politiker-Kaderschmiede ENA (mehr). Könnte diese "riesige Maschine, die Klone produziert" vielleicht schuld sein, dass die Politik gerade in einer Vertrauenskrise steckt, fragt der Economist mit spitzer Zunge. Und im Wirtschaftsteil wird natürlich die heftige Reaktion auf die Übernahmegerüchte von Danone durch PepsiCo durch den Kakao gezogen.
Stichwörter: Behinderte, Myanmar, Burma

Magazinrundschau vom 19.07.2005 - Economist

Eine Woche nach den Londonder Bombenattentaten zieht der Economist eine vorläufige Bilanz und berichtet vom gestörten Verhältnis der Londoner zu ihrem Verkehrsmittel Nummer Eins. "Rucksäcke ziehen nervöse Blicke auf sich. Die Leute sind äußerst bemüht, jungen Männern mit dunkler Haut nicht in die Augen zu sehen. Es wurde viel geredet vom Blitzkrieg-Geist, den die Londoner im Lauf der letzten Woche gezeigt hätten. Doch der Vergleich hinkt: Während der Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg stiegen die Menschen in die U-Bahn hinab, um dort Schutz zu suchen. Jetzt ist es die Rolltreppe nach oben, die Sicherheit verspricht."

Weiterhin berichtet der Economist über die Reaktionen im Ausland. Nachdem zwei der drei im Irak involvierten "Bs" - Bush, Blair und Berlusconi - von Terrorattentaten heimgesucht wurden, glaube sich nun auch Rom im Visier der Terroristen, und rüste auf. Auch in den USA reagiert man laut Economist mit erhöhter Anspannung auf die Attentate. Denn einerseits habe es seit dem 11. September keine nennenswerten Attentate auf dem amerikanischen Boden gegeben, doch andererseits könnte es sich dabei lediglich um die Ruhe vor einem Sturm katastrophalen Ausmaßes handeln.

Außerdem zu lesen: Zunächst ein verspielter Nachruf auf den englischen Dichter und Theaterautor Christopher Fry. Dann sieht der Economist sich genötigt, eine Art Nachruf auf einen Nachruf zu schreiben. In seiner Würdigung des südafrikanischen Arztes Hamilton Naki (siehe die Magazinrundschau vom 14. Juni) ist er einer beschönigenden (und in seinen Augen geschmacklosen) Legende der Post-Apartheid aufgesessen. In weitaus bessere Laune hat den Economist Lucy Kellaways Business-Satire "Martin Lukes: Who Moved My BlackBerry?" versetzt.

Und schließlich: Besorgt schaut der Economist nach Amerika, wo das Prinzip der Meritokratie sich insofern zu verselbstständigen beginnt, als es zunehmend zur dynastischen Machterhaltung der Eliten beiträgt. Wie sich die USA vom Melting Pot zur Zentrifuge wandeln, erläutert im Einzelnen das Dossier.

Magazinrundschau vom 12.07.2005 - Economist

Nach den tödlichen Bombenattentaten auf die Londoner City spricht ein furchtloser Economist den Attentätern jegliche Form von Erfolg ab und den Londoner Mut zu. "Keine Stadt kann Terroristen restlos stoppen. Man kann jedoch sagen, dass auch Terroristen nicht in der Lage sind, Städte zu stoppen. Vielleicht könnte dies einer Armee gelingen, wenn sie Anschlagwelle auf Anschlagwelle durchführte, vor allem wenn es sich dabei um biologische, chemische oder nukleare Waffen handelte. Ansonsten werden Städte nach dem anfänglichen Schock immer schnell wieder auf ihre Beine fallen. Sie sind unverwüstliche Organismen, mit starken sozialen und wirtschaftlichen Gründen, den Terrorismus abzuschütteln. New York und Madrid zeigen dies beide auf triumphale Weise. Und das gleiche wird sicherlich auch für London zutreffen."

Weitere Artikel: Angesichts des Misstrauensvotums gegen Bundeskanzler Schröder nennt der Economist Deutschland ein Land mit zwei Regierungen und fragt sich, ob die Deutschen bereit sind für ein politisches Experiment. Drei Bücher beleuchten laut Economist auf sehr unterschiedliche Weise, wie Rom zur Ewigen Stadt wurde. In seinem Nachruf auf Jack Kilby würdigt der Economist den Nobelpreisträger für seine Erfindung des integrierten Stromkreises, die unsere technologisierte Welt, wie sie ist, erst ermöglicht hat. Eine Tatsache übrigens, die Kilby selbst in seiner Dankesrede vor der Königlichen Schwedischen Akademie kommentiert hat: "Biber und Hase starren auf den Hoover-Damm. Sagt der Biber zum Hasen: 'Nein, ich habe ihn nicht selbst gebaut. Aber er basiert auf einer meiner Ideen!' "

Außerdem zu lesen: Inwiefern die Amtsniederlegung der Obersten Richterin Sandra Day O'Connor George Bush vor die schwierigste innenpolitische Entscheidung seiner Amtszeit stellt, warum von den möglichen Kandidaten zur Nachfolge des scheidenden Tory-Chefs Michael Howard nur die drei Davids - Davis, Willetts und Cameron - stichhaltig sind, dass Amerikas drei Atombomben-Labore voraussichtlich nicht in universitärer Hand bleiben werden, und warum kaum Hoffnung auf afrikanische Selbsthilfe besteht.

Magazinrundschau vom 28.06.2005 - Economist

In einem ausführlichen Artikel versucht der Economist die Frage zu klären, warum das religiöse Amerika politisch zunehmend nach rechts abdriftet und macht dafür liberale Tendenzen in anderen Bereichen der Gesellschaft verantwortlich - etwas die Verbote der Schulgebete und die Zulassung von Abtreibung durch die Rechtsprechung: "Die Tatsache, dass die Gerichte der öffentlichen Meinung in diesem allgemein religiösen Land so weit voraus waren, stärkte der religiösen Rechten in zweierlei Hinsicht den Rücken: Zum einen hatte dies zur Folge, dass weiße Gläubige sich ins politische Getümmel zu stürzen. Und zum anderen überzeugte dies alle religiösen Richtungen sich miteinander zu verbünden. Protestanten und Katholiken, die sich einst ständig in den Haaren lagen, haben jetzt Gemeinsamkeiten entdeckt, insbesondere was die Frage der Abtreibung angeht."

Weitere Artikel: Diesen Herbst jährt sich die Schlacht um Trafalgar zum 200. Mal, und der Economist nimmt sich ihres Helden und Siegers - General Nelson - an. Drei Neuerscheinungen werden vorgestellt und gelobt, ganz besonders Roger Knights Biografie "The Pursuit of Victory", die nach Ansicht des Economist das Zeug zum endgültigen Nelson-Porträt hat. Und der Economist gibt der Legende des jiddischen Theaters Lilian Lux das letzte Geleit.

Außerdem: "Hallo Nachbarn!" Im Dossier schaut der Economist nach Osten, von den unmittelbaren Anrainerstaaten der EU bis hin nach Russland, und geht der Frage nach, wie eine osteuropäische Integrationspolitik in Zukunft aussehen könnte. Dazu gibt es auch etwas auf die Ohren: ein Interview mit dem Zentraleuropa-Korrespondenten Robert Cottrell.

Magazinrundschau vom 21.06.2005 - Economist

Die britischen Zeitungen haben erhebliche Schwierigkeiten, im Internet zu bestehen, berichtet der Economist, und dies nicht zuletzt aufgrund der ausgezeichneten - weil aus öffentlichen Geldern finanzierten - Online-Präsenz der BBC. "Ein Teil des Online-Problems, das sich den Zeitungen stellt, besteht darin, dass sie eben Zeitungen sind: Sie verstehen nichts von beweglichen Bildern und Grafiken. Die Fernseherfahrung der BBC gibt ihr ein Gefühl dafür, was gut im Internet funktioniert. Entscheidend ist ebenfalls, dass sie über weit mehr Journalisten verfügt als jede Zeitung. Als das vierköpfige Nacht-Team der Sun-Webseite diese Woche im Eiltempo über das Urteil in Michael Jacksons Kindermissbrauchs-Prozess Bericht erstattete, war Herausgeber Pete Picton bestürzt zu sehen, wieviel die BBC zu bieten hatte und über welche Ressourcen sie verfügte. 'Sie hatten eine Mikro-Seite', sagt er, 'massenhaft Journalisten, verschiedene Blickwinkel und ihr eigenes Filmmaterial. Wir können mit ihrem Material einfach nicht mithalten.'"

Weitere Artikel: Der Economist berichtet über "dieses Gefühl, nicht zu gewinnen", das sich in den USA immer breiter macht und die öffentliche Zustimmung zum Irak-Krieg schwinden lässt. Darüber hinaus hat der Economist eine Reihe von Büchern zum Thema Kinderlähmung gelesen und lobt Daniel J. Wilsons "Living with Polio: The Epidemic and its Survivors" als besonders gelungenes Porträt dieser Krankheit, die Amerika als eine Art "persönlicher Beleidigung" empfand. Der "undiplomatischen Diplomatie" seines kürzlich verstorbenen ehemaligen UN-Botschafters Adolfo Aguilar Zinser, so die Einschätzung des Economist, hat es Mexiko zu verdanken, dass es auf der UNO-Ebene niemals im Schatten der USA stehen musste. Und schließlich: Israels Ölsucher werden bibelfest, wie der Economist weiß.

Magazinrundschau vom 14.06.2005 - Economist

Er wurde von der medizinischen Geschichtsschreibung vergessen, weil er bei seiner chirurgischen Pionierleistung als schwarzer Südafrikaner gegen geltendes Recht verstoßen hatte. Die Rede ist von Hamilton Naki, dem Mann, der maßgeblich an der ersten Herztransplantation beteiligt war, und dem der Economist in seinem Nachruf die ihm gebührende Ehre erweist. "Naki hätte diesen Körper eigentlich nicht berühren dürfen. Die junge Frau, Denise Darvall, war weiß, und er war schwarz. Die Regeln des Krankenhauses sowie die Apartheid-Gesetze des Landes untersagten es ihm, einen weißen Operationssaal zu betreten, weißes Fleisch zu schneiden, oder mit weißem Blut in Berührung zu kommen. Doch für Naki hatte das Groote Schuur Krankenhaus eine geheime Ausnahme gemacht. Dieser schwarze Mann mit seinen ruhigen, geschickten Händen und seinem rasiermesserscharfen Verstand war einfach zu begabt für die heikle, blutige Arbeit der Organtransplantation. Der Chefchirurg für Transplantationen, der junge, gutaussehende, berüchtigt temperamentvolle Christiaan Barnard, hatte ihn für sein Team angefordert. Das Krankenhaus hatte zugestimmt und - wie Naki sich erinnerte - gesagt: 'Schauen Sie, wir erlauben Ihnen, das hier zu tun, aber Sie müssen wissen, dass Sie schwarz sind, und dass dies das Blut einer Weißen ist. Niemand darf davon erfahren.' Und in der Tat - niemand erfuhr davon."

Außerdem zu lesen: Welches kuriose und irritierende Verhältnis zwischen amerikanischer und ausländischer Gesetzsprechung besteht, warum man sich über das Schweizer Ja zum Schengener Abkommen nicht zu früh freuen sollte, welche neuen Bücher sich mit dem globalen Aufstieg Asiens beschäftigen, warum die Briten sich eher von Cherie Blair trennen möchten als vom fundamentalistischen muslimischen Geistlichen Abu Hamza mit seiner eigentlich unschlagbaren Kombination von Glasauge und Haken, dass sich Pornografie im Internet zukünftig auf .xxx-Domänen abspielen soll, ob der blutige Krieg im Kongo nun endlich vorbei ist, warum sich der Aufschub der palästinensischen Parlamentswahlen zugunsten der Hamas auswirken wird, und was der neueste Stand in der Biomimetik ist.

3, 2, 1... meins! Im Aufmacher gratuliert der Economist eBay zum 10. Geburtstag und beschreibt die heikle Beziehung zwischen Online-Firmen und ihren Kunden. Der Special eBay-Report darf allerdings nur im Print gelesen werden.

Magazinrundschau vom 07.06.2005 - Economist

Das Nein zur EU-Verfassung, ausgesprochen durch die Referenden in Frankreich und den Niederlanden, ist Hauptthema dieser Ausgabe.

Und wem haben wir das zu verdanken, fragt der Economist verschmitzt. Dem perfiden Albion! Man könne nicht anders als feststellen, dass mit dem Scheitern der EU-Verfassung die strategischen Bemühungen Großbritanniens der letzten zwanzig Jahre in Erfüllung gegangen sind. Doch wie genau lautet diese Strategie? "Eine grundsätzliche Regel des europäischen Spiels besteht darin, dass jede Seite ihre jeweilige Politik immer mit Bezug auf hehre Ideale begründen muss. Daher wird man die reinste Form der britischen Europa-Strategie nicht in einem offiziellen Dokument formuliert finden (Pathos ziemt sich nicht), sondern in einer alten Fernsehserie, 'Yes, Minister', die Lieblingsserie der damals regierenden Margaret Thatcher. In einer Folge aus dem Jahr 1980, erklärt der katzenhafte Staatsbeamte Sir Humphrey seinem fassungslosen Minister: 'Seit mindestens 500 Jahren verfolgt Großbritannien dasselbe außenpolitische Ziel: ein gespaltenes Europa zu schaffen.' Und der Schlüssel dazu, fügt er hinzu, ist die Erweiterung des europäischen Clubs: 'Je mehr Mitglieder es gibt, desto mehr Streit wird dies schüren, und desto nutzloser und machtloser wird das Ganze.' Jede Ähnlichkeit zwischen einer 25 Jahre alten Comedy-Show und dem wirklichen Leben ist, natürlich, völlig zufällig."

Weiterhin tadelt der Economist die USA für ihr blindes Frohlocken über das Scheitern der EU-Verfassung. Darüber hinaus bewertet er das französische Nein in erster Linie als Absage an Chirac. Demnach hätte dieser, in gaullistischer Tradition, seinen Hut nehmen müssen.

Außerdem zu lesen: "Fantastic", Laurence Leamers Biografie von Arnold Schwarzenegger, hat dem Economist gut gefallen, doch vermisst er Hinweise darauf, wie der Gouverneur von Kalifornien politisch tickt. Im Nachruf würdigt der Economist den verstorbenen Filmproduzenten Ismail Merchant als einzigartige Mischung aus künstlerischem Geschmack, Disziplin und unternehmerischem Scharfsinn. Weiter berichtet der Economist, dass auch der notorisch gemäßigte Islam Malaysiens für Konflikte sorgt. Und schließlich Erstaunliches aus der Wissenschaft: Mag sein, so der Economist, dass Liebe durch den Magen geht, aber Vertrauen geht durch die Nase. Und es scheint einen evolutionsbedingten Zusammenhang zwischen der überdurchschnittlichen Intelligenz der aschkenasischen Juden und ihren typischen erblichen Krankheiten zu geben, so die provokante These des wissenschaftlichen Ikonoklasten Gregory Cochran.

Magazinrundschau vom 17.05.2005 - Economist

Geradezu hingerissen zeigt sich der Economist von der unkonventionellen ökonomischen Weisheit, mit der Steven D. Levitt und Stephen J. Dubner ("Freakanomics: A Rogue Economist Explores the Hidden Side of Everything") für jedes erdenkliche Phänomen eine Erklärung finden, indem sie auf unerwartete Zusammenhänge aufmerksam machen. So kommen sie zum Beispiel nach hieb- und stichfester Analyse zu dem Schluss, dass der merkliche Einbruch in der Anzahl der Verbrechen, der Ende der Neunziger in den USA zu verbuchen war, auf die Legalisierung der Abtreibung zwanzig Jahre davor zurückzuführen sei. "'Welche Art von Frau wird dazu geneigt gewesen sein, sich das Urteil Roe gegen Wade zunutze zu machen?', fragt das Buch. 'Sehr oft war sie unverheiratet oder noch keine zwanzig oder arm, und manchmal alles zugleich? Mit anderen Worten legten genau die Faktoren, die Millionen amerikanischer Frauen zu einer Abtreibung bewogen, auch nahe, dass ihre Kinder, wären sie geboren worden, ein unglückliches und möglicherweise kriminelles Leben geführt hätten? In den frühen Neunziger Jahren, gerade als die erste Riege der nach Roe gegen Wade Geborenen auf die Zwanzig zugingen - jenes Alter, in dem junge Männer ihr erstes Verbrechen begehen - begannen die Verbrechenszahlen zu fallen' " Für den Economist ist das Buch schlichtweg ein Genuss, nicht zuletzt weil es zeigt, "was die gute alte Ökonomie in den Händen eines grenzenlos neugierigen und ungemein bewandten Praktikers vollbringen kann."

Weitere Artikel: Die Geister, die ich rief - Im Aufmacher warnt der Economist Europa und Asien davor, die nukleare Aufrüstungspolitik von Nordkorea und Iran als rein amerikanisches Problem anzusehen oder gar als George Bushs gerechte Strafe durch die von ihm dämonisierte "Achse des Bösen". Ferner gewinnt der Economist zunehmend den Eindruck, dass es die Türken sein könnten, die der EU eine Absage erteilen, weil ihnen der Abschied vom Atatürkismus als Preis für den EU-Beitritt zu hoch ist. Und schließlich findet der Economist es auffällig, in welch engem Verhältnis die Wahlergebnisse der Labour-Partei mit der Vergabe von öffentlichen Geldern stehen. In den Midlands und im Norden, wo in den letzten Jahren große Summen verwendet wurden, genieße die Blair-Regierung weitaus mehr Zuspruch als anderswo.

Magazinrundschau vom 10.05.2005 - Economist

Der Economist richtet die Augen auf Moskau, wo am 9. Mai die offiziellen Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag des V-Day stattfinden. Dass gerade das autoritäre Russland mit großem Pomp den Sieg über die Barbarei feiert und dabei den Hausgeist Stalin und seine Verbrechen vergisst, mag so manchen ironisch stimmen. Doch es ist mehr als legitim, in Moskau zu feiern, findet der Economist, schließlich hat die Sowjetunion, und das sollten die Westmächte nicht vergessen, entscheidend zum Sieg über Hitler beigetragen und dabei 27 Millionen Tote (mehr als alle anderen Alliierten zusammen) beklagen müssen. Die Russen haben Stalin und ihre eigene dunkle Geschichte nicht vergessen, im Gegenteil. Gerade deshalb ist "die Bezwingung Hitlers für viele Russen die letzte (und vielleicht einzige) fraglos gute Tat, die ihr Land je vollbracht hat".

Der Economist bringt auch einen Artikel zur Kapitalismusdebatte in Deutschland und stellt am Beispiel von Daimler Chrysler und anderen vor allem die Lage des Kapitalismus in Deutschland selbst als relativ trübe dar: "Die Aktien vieler Gesellschaften werden zu Discountpreisen gehandelt, weil die Investoren den Eindruck haben, dass diese Gesellschaften schlecht geführt werden."

Weitere Artikel: Das neue China - selbst die Chinesen tun sich schwer es zu verstehen. Drei Bücher, so der Economist, wollen Licht ins Dunkel bringen, und einem gelingt dies vorzüglich, nämlich Rachel DeWoskins scharfsinnigem und warmherzigen Buch "Foreign Babes in Beijing: Behind the Scenes of a New China". Und schließlich werden wir ins MIT eingeladen, zur ersten und letzten Tagung für Zeitreisende (es braucht eben nur eine einzige Tagung, um alle Zeitreisende der vergangenen und zukünftigen Welt zu versammeln).

Im leider nicht frei zugänglichen Aufmacher, der natürlich den britischen Unterhauswahlen vom 5. Mai gewidmet ist, deutet der Economist den Wahlausgang als schmerzhafte Ohrfeige ("Ouch!") für Tony Blairs Labour-Partei und sucht nach Gründen.

Magazinrundschau vom 03.05.2005 - Economist

Wie bei jeder britischen Parlamentswahl gibt der Economist auch dieses Mal sein politisches Votum ab. Und mit einem weinenden Auge muss er feststellen, dass Tony Blairs Labour nicht nur das kleinste Übel, sondern auch das Beste ist, was die politische Riege Großbritanniens zu bieten hat. "Wäre die Parlamentswahl lediglich ein Referendum über Tony Blair und die Labour-Regierung, die er seit 1997 angeführt hat, dann bestünde tatsächlich die Möglichkeit, dass die Wähler ihm und Labour einen Schlag versetzen. Auch der Economist hätte nicht schlecht Lust dazu, wenn auch zweifellos aus anderen Gründen. Doch ist dies eben kein Referendum, sondern eine Abstimmung darüber, welche der drei großen nationalen Parteien die glaubwürdigste und am besten geeignete Regierung für die nächsten vier oder fünf Jahre bietet. Unsere Antwort auf diese Frage lautet wie die Ergebnisse der Wahlumfragen: Gewinnen sollte wieder Labour, unter der Führung von Tony Blair." Verdient hätten das die Tories allemal, nicht zuletzt, wie der Economist an anderer Stelle findet, aufgrund ihres miserablen Wahlkampfes.

Neben den Wahlen widmet diese Ausgabe einen weiteren Schwerpunkt dem Öl. Unter anderem begrüßt der Economist die Gründung der US-amerikanischen "Energy Future Coalition", die sich für eine Abkehr vom Öl einsetzt. Spannend findet der Economist dabei vor allem die Zusammensetzung dieser "geo-grünen" Lobby, denn neben eingefleischten Baum-Umarmern finden sich auch radikalkonservative Sicherheitsexperten, denen schon schlecht wird, wenn sie das Wort "grün" nur hören.

Außerdem zu lesen: Dass die EU Anzeichen von Erweiterungsmüdigkeit erkennen lässt, dass man in Frankreich schon darüber nachdenkt, wie mit dem sich anbahnenden Nein zur EU-Verfassung umzugehen ist, dass 30 Jahre nach Ende des Vietnam-Krieges zwar nicht die Amerikaner gesiegt haben, wohl aber der Kapitalismus, dass der Pop-art-Pionier Eduardo Paolozzi gestorben ist, und schließlich dass die islamistischen Parteien der arabischen Welt lange nicht so demokratiefeindlich sind, wie man es vielleicht erwarten würde.