Magazinrundschau - Archiv

The Economist

428 Presseschau-Absätze - Seite 29 von 43

Magazinrundschau vom 08.02.2005 - Economist

Sie war eine Wissenschaftlerin der alten Schule, und ihr Leben ein regelrechter Flohzirkus, lesen wir im Nachruf auf Dame Miriam Rothschild, die ihre ganze Energie der Erforschung von Flöhen gewidmet hat. "Das vielleicht schönste Porträt von ihr war jenes im lateinischen Zitat ihres Oxford-Ehrendoktors. 'Sie ist zu diesem unserem Capitol aufgestiegen, nicht über Titel und Stufen, sondern mit einem Sprung wie dem ihrer Flöhe, in einem triumphalen Wagen, gezogen nicht von Venus' Tauben, Junos Pfauen, Alexanders Greifen oder Pompejus' Elefanten, sondern von ihren fünf Dutzend Spezies Vogelparasiten.' "

George W. Bush hat eine Affäre. Und dazu noch eine intellektuelle. Und dazu noch mit "dem Buch eines jüdischen Intellektuellen über einen abstrakten Begriff", verkündet der Economist mit unverhohlenem Amüsement. Ein Blick auf den Liebhaber erklärt jedoch einiges, so der Economist weiter: Der Intellektuelle ist der israelische Minister und Hardliner Natan Sharansky und der abstrakte Begriff die Demokratie ("The Case for Democracy: The Power of Freedom to Overcome Tyranny and Terror"), natürlich hübsch eingegliedert in eine manichäische Weltansicht. "Mr. Sharanskys Botschaft beinhaltet drei wesentliche Punkte. Erstens: 'Realpolitik' ist bankrott. Amerika kann nicht länger tyrannische Regimes wie Saudi Arabien hätscheln, weil diese Regime ausnahmslos ihre innere Stabilität mit dem Export von Hass erkaufen. Zweitens: Demokratie ist die beste Versicherung gegen militärische Angriffe. Drittens: Die Welt ist wirklich geteilt zwischen Gut und Böse."

In weiteren Artikeln erklärt der Economist Gerhard Schröder zum Überlebenskünstler und Comeback-Kanzler, fragt sich allerdings, ob die für die Regierung günstige Trendwende nicht etwas zu früh kommt, will heißen: zu lange vor den nächsten Wahlen. Großes Lob ernten zwei Bücher über die Abschaffung der Sklaverei. Adam Hochschilds "Bury the Chains: Prophets and Rebels in the Fight to Free an Empire's Slaves" und Steven Wises "Though the Heavens May Fall: The Landmark Trial that Led to the End of Human Slavery", schreibt ein schwärmender Economist, gemahnen uns, "wie eine engagierte Minderheit die Mehrheit davon überzeugen kann zu sehen, was sie zunächst nicht sehen kann oder sehen will." Schließlich wertet der Economist die Wahlen im Irak als Erfolg für die Demokratie - und den Irak.

Der Aufmacher ist der neuen Welle von Firmen-Fusionen gewidmet, die laut Economist erfolgreicher zu sein versprechen als die großen Pleiten der Neunziger (siehe AOL und Time Warner).

Magazinrundschau vom 01.02.2005 - Economist

Der Economist untersucht die wohltätige Arbeit des Bill Gates - der auch auch auf diesem Feld eine Art Monopol anzustreben scheint: "Die Gates-Stiftung ist eine der reichsten Stiftungen der Welt. Sie ist mit 28 Milliarden Dollars ausgestattet. Ihr Einkommen übertrifft das mancher kleiner Länder." Gerade hat Bill Gates außerdem 750 Millionen Dollar für die "Global Alliance for Vaccines and Immunisation" (GAVI) gespendet, zum zweiten Mal nach fünf Jahren. Warum der Stiftung Impfungen so am Herzen liegen, erklärt der Economist so: Gates wolle zwar kein Monopol, aber eine Art "Monopsony", das heißt eine dominierende Nachfragemacht nach Impfstoffen schaffen. "Die Impfung von Kindern ist ein kosteneffektiver Weg, Leben zu retten, und eines der Rezepte der Stiftung ist es, Leben billig zu 'kaufen', denn so können mehr Menschenleben gerettet werden. GAVI erlaubt es, die Kosten noch weiter zu senken. Indem ein Nachfragefonds geschaffen wird, der die Erfordernisse von 70 Nationen mit einem Prokopf-Einkommen von unter 1.000 Dollar bündelt, schafft GAVI eine regelmäßige Nachfrage, die die Pharmafirmen in der Produktion von Impfstoffen stimuliert und einen Anreiz schafft, neue Stoffe zu entwickeln und die Preise pro Einheit zu senken."

Außerdem erklärt der Economist in seiner aktuellen Ausgabe, wie es Toyota schaffte, General Motors als größten Autoproduzenten auszustechen. Und es wird eine neue Biografie über Robert Louis Stevenson vorgestellt.

Magazinrundschau vom 25.01.2005 - Economist

In einem großen Porträt zweifelt der Economist an der demokratischen Gesinnung des südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki, der in der Welt als Hoffnungsträger Afrikas gilt, zu Hause aber auch einmal die Polizei anweist, politischen Gegnern das Leben schwer zu machen. "Mr. Mbeki attackiert eine mysteriöse Gruppe von Reichen, die, so behauptet er, 'die Agenda setzen' für Debatten. Berühmt ist seine Verachtung für den Oppositionsführer Tony Leon, dem er nie antwortet oder ihn auch nur zu erkennen scheint. Der Präsident hat auch die Partei und staatliche Strukturen benutzt, seine Macht zu festigen. William Gumede, dessen neues Buch 'Thabo Mbeki and the Battle for the Soul of the ANC' detailliert Mr. Mbekis grimmige Sehnsucht nach Parteidisziplin und zentralistischer, präsidialer Kontrolle beschreibt, behauptet, dass der Raum für Debatte rapide schwindet, sowohl im als auch außerhalb des ANC ... Am alarmierendsten ist jedoch, dass Mr. Mbeki staatliche Organe gegen Rivalen in der Partei einsetzt. 2001 wies er die Polizei an, gegen drei Männer zu ermitteln - Mr. Ramaphosa, Tokyo Sexwale and Matthews Phosa - weil sie sich verschworen hätten, ihn zu 'stürzen'. Es war eine lächerliche Anklage, aber sie sorgte dafür, dass die drei Männer aus der Politik verschwanden. Mr. Gumede fürchtet, dass all dies die junge Demokratie bedroht."

Weitere Artikel: Ein Leitartikel fordert mehr Konsequenzen aus dem britischen Folterskandal, als nur die direkt Verantwortlichen zu bestrafen. Herzerweichend der Bericht über das Haus des schottischen Nationaldichter Robert Burns, das so heruntergekommen ist, dass hereinlaufendes Regenwasser einige Originalmanuskripte beschädigte. In weiteren Artikeln geht es um die Aufbruchsstimmung in dem von Camorra-Kriegen erschütterten Neapel, die Zukunft des sowohl von arabischen Irakern als auch Kurden beanspruchten Kirkuk, den Aufruhr über die Wiederaufnahme der Todesstrafe in den Neuenglandstaaten sowie die geplante Aufnahme patriotischer Unterweisungen in japanische Lehrpläne und zwei Bücher zur turbulenten jüngeren Vergangenheit der New York Times.

Im Titelpaket, aus dem nur der Einführungsartikel frei zugänglich ist, geht es um die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen.

Magazinrundschau vom 18.01.2005 - Economist

Wir sind in einem Teufelskreis des Unglücks gefangen, behauptet Richard Layard in "Happiness", einer Abhandlung über die Glücksökonomie, die der Economist recht interessiert bespricht. Glück werde in zunehmender Weise als wichtiger wirtschaftlicher Faktor betrachtet, allerdings sei der Glückspegel in den industrialisierten Ländern schon seit Jahrzehnten eingefroren. "Wenn man 90 Stunden pro Woche im Büro verbringt, verbessert man vielleicht sein eigenes Einkommen, aber man macht im Gegenzug andere Leute unzufrieden mit ihrem Verdienst. Vielleicht werden sie dadurch angespornt, mehr zu arbeiten, um mithalten zu können, indem sie sich die Zeit nehmen, die vorher für Familie und die Gemeinschaft aufgebracht wurde."

Ein anderer Artikel stellt das neue Feld der Neuroökonomie vor, die ein wenig Angst macht. "Ökonomen werden sich nicht länger auf grobe statistische Modelle verlassen müssen, um herauszufinden, wie die Leute auf politische Kursänderungen wie eine Zins- oder Steuererhöhung reagieren. Sie werden vielmehr direkt ins Gehirn spähen können, um das Verhalten vorherzusagen."

Außerdem gibt es einen Nachruf auf den verstorbenen Comic Zeichner Will Eisner, einen hoffnungsvollen Blick auf die irakischen Wahlen, die vielleicht nur von den Sunniten boykottiert werden, neue Ergebnisse über die Entstehung von Universen und Sonnensystemen, eine Antwort auf die Frage, warum Frauen länger leben, eine Zusammenfassung der aktuellen Lageeinschätzung des britischen Kapitalismuskritikers Will Hutton, der seine vor zehn Jahren erstellte Analyse überprüft, einen Artikel über die gar nicht so isolierten Taliban-Geistlichen in Pakistan und eine kurze Schilderung der Schwierigkeiten der baltischen Staaten mit den Weltkriegsfeiern in Moskau.

Ein Special Report befasst sich mit den Punkten, die George Bushs zweite Amtszeit prägen werden, etwa die derzeit heiß diskutierte Frage nach der Zukunft der Sozialversicherung. Aus dem Taiwan-Schwerpunkt ist leider nur ein Beitrag über die mittlerweile völlig voneinander unabhängigen Wirtschaften der beiden Erzfeinde frei geschaltet.

Magazinrundschau vom 11.01.2005 - Economist

Hier im alten Europa haben die Intellektuellen es gut, befindet der Economist in einem beherzten Nachruf auf Susan Sontag: Sie gelten als unverzichtbar, werden hofiert und - mitunter - sogar gelesen. "In Amerika hingegen werden Intellektuelle als 'Eierköpfe' und 'plaudernde Krösusse' verspottet. Sie stellen eine winzige, sich abmühende Spezies dar, deren Lebensraum auf einige wenige Appartements in der New Yorker Uptwon und die Fachbereiche bestimmter Universitäten beschränkt ist. Dort blättern sie in dünnen, traurigen Monografien über das Selbstbild und die Rolle der Geschlechter in der Kritik oder umgekehrt, während im nationalen Fernsehen Oprah Winfrey als Schiedsrichter über den literarischen Geschmack bejubelt wird. Susan Sontag hat somit das nahezu Unmögliche vollbracht: Sie war eine europäisch anmutende Intellektuelle in Amerika, und viele Amerikaner hatten nicht nur von ihr gehört, sondern auch ihre Bücher gelesen."

Ein Artikel erklärt uns, warum es nicht absurd ist, dass das winzige Luxemburg zum 10. Januar den Vorsitz über die 25 EU-Staaten übernimmt. Schließlich sind die Luxemburger mit ihrem "fast zwanghaften Streben nach Konsens" alte Hasen in Sachen Europa. Eine gewisse Komik kann der Economist der Situation jedoch durchaus abgewinnen, betrachtet man die Verhältnismäßigkeiten: "Wenn Präsident Bush nächsten Monat zu Besuch nach Brüssel kommt, ist sein Gegenüber der luxemburgische Premierminister Jean-Claude Juncker. Das ist, als ob die USA beschließen würden, dass für die nächsten sechs Monate alle ausländischen Staatsoberhäupter mit dem Bürgermeister von Fresno, California verhandeln müssten."

In weiteren Artikel ist zu lesen, wie mit der zunehmenden sprachlichen Integration in der kanadischen Provinz Quebec auch die Spannungen zwischen frankophoner und anglophoner Gemeinschaft nachlassen, dass das Copyright vieler Rock-Oldies sehr zum Ärger ihrer Interpreten demnächst frei wird, warum die geplante Lockerung bei der Vergabe von Alkohol-Lizenzen den Briten zunehmend Kopfschmerzen bereitet, und warum den US-Kongress eine - wie der chinesische Fluch besagt - "interessante" (sprich: riskante) Legislaturperiode erwartet. Schließlich gratuliert der Economist dem Dubliner Abbey Theatre zum 100. Geburtstag.

Magazinrundschau vom 04.01.2005 - Economist

Vom Tellerwäscher zum Millionär - Dem amerikanischen Traum zum Trotz laufen die USA Gefahr, in einer europäisch anmutenden, auf Klassen basierten Gesellschaft zu erstarren, beobachtet der Economist. Denn Amerikas ehemals dynamische Elite trage nun zunehmend dynastische Züge. "Das Bemerkenswerteste an der anhaltenden Macht von Amerikas Elite - und ihrer wachsenden Kontrolle über das politische System - ist, wie wenig sie kommentiert wird. Großbritannien würde in hellen Aufruhr geraten, kämen all seine Parteiführer von Eton oder Harrow ... Die USA sehen dem imperialen Großbritannien immer ähnlicher, mit ihren wuchernden dynastischen Banden, ihren verriegelten sozialen Kreisen, ihren stärker werdenden Mechanismen des sozialen Ausschlusses und ihrem wachsenden Graben zwischen den Leuten, die die Entscheidungen fällen und die Kultur gestalten und der breiten Mehrheit der gewöhnlichen arbeitenden Bevölkerung."

Der Aufmacher ist dem Seebeben in Asien gewidmet. Man muss der Flutwelle, heißt es darin, jetzt etwas Positives abgewinnen: Zunächst gibt es unter den Toten viele Touristen aus reichen Ländern, das erhöht die Spendenbereitschaft - "who noticed while millions were dying in Congo's wars?" - und zum anderen könnten sich die Länder Asiens, die sich teilweise gegenseitig mit tiefem Misstrauen beäugt haben, durch die Katastrophe näher kommen.

1905 wurde zu Albert Einsteins annus mirabilis, in dem er sowohl die Relativitätstheorie als auch die Quantenphysik entdeckte. Hundert Jahre danach versucht der Economist, dem geneigten Leser beide verständlich zu machen, und labt sich daran, wie Einstein, gerade "indem er ständig versuchte, Löcher in seine Theorie zu schlagen, sie de facto stärker und klarer machte."

Weitere Artikel: Gelobt werden zwei Bücher, die mit dem Klischee der "aus dem Sumpf kreischenden" afrikanischen Mau-Mau-Krieger aufräumen (David Andersons "Histories of the Hanged: The Dirty War in Kenya and the End of Empire" und Caroline Elkins' "Imperial Reckoning: The Untold Story of the End of Empire in Kenya"). In seinem Nachruf auf Lord Leslie George Scarman erinnert der Economist an die Ermittlungen im Fall des Londoner Brixton-Aufstandes 1981 und an Lord Scarmans Engagement gegen den instituitionalisierten Rassismus innerhalb der britischen Polizei. Schließlich: Warum Sheriffs derzeit Mangelware sind (weil sie in den Irak abgezogen wurden) und warum die Pakistanis Pervez Musharrafs Kleider nicht mögen (weil der General sich entgegen seinem Versprechen weigert, zum Jahreswechsel Zivilperson zu werden).
Stichwörter: Empire, Irak, Rassismus, Lorde

Magazinrundschau vom 21.12.2004 - Economist

In Anlehnung an König James I., dem die widersprüchlichsten Eigenschaften nachgesagt werden, sucht der Economist den "weisesten Narren" der letzten 50 Jahre und bittet seine Leser um Vorschläge. "Er oder sie sollte grundsätzlich ein Idiot sein, aber ein gewitzter oder ein gerissener. Die Kandidaten brauchen keine Christen sein, aber sie müssen noch leben, oder es im Laufe der letzten 50 Jahre getan haben. Sie können aus der Welt der Politik, der Universität oder der Wirtschaft stammen - oder vielleicht aus Kirche, Bühne oder Journalismus. Oder sonstwoher: Auf der 'Titanic' wurde einer von ihnen gesehen, wie er in Richtung Bar lief, während alle anderen zu den Rettungsbooten stürmten."

Das Jahresende naht und, wer weiß, vielleicht auch das Ende der Welt, amüsiert sich der Economist und widmet seinen Aufmacher der langen - weil dem Ausbleiben des tatsächlichen Weltendes geschuldeten - Tradition der Weltendphantasien.

Weitere Artikel: In Erwartung reicher Gaben sagt der Economist dem Weihnachtsmann brav sein Gedicht auf - ein gereimter Rückblick auf das Jahr 2004. Desweiteren geht er der Frage nach, ob George Bush religiöser ist als der amerikanische Durchschnitt, und ob er ernsthaft glaubt, einen göttlichen Auftrag zu erfüllen. Eine Frage, die sich bei dem Fernsehprediger Billy James Hargis erübrigt, wie ein Nachruf feststellt. Außerdem gibt es noch mehr Zeichen und Wunder: Wir lernen die letzten Führerkulte der Welt kennen, erfahren, warum man im Ölparadies Irak für Benzin Schlange stehen muss und dass es noch Amerikaner gibt, die voller Hochachtung von Europa sprechen.
Stichwörter: Bush, George, Irak, Titanic, Idiot

Magazinrundschau vom 13.12.2004 - Economist

Großbritannien fürchtet um sein Recht auf Religionssatire, so der Economist. In der Tat plant die Regierung einen Gesetzeserlass, der neben Anstiftung zum Rassenhass auch Anstiftung zum Religionshass unter Strafe stellt. Nun befürchten britische Komiker, ihren Beruf nicht mehr anständig ausüben zu können. Doch auch die vermeintlichen Opfer des Spottes sprechen sich gegen ein solches Gesetz aus: "Ich bin mit dem, was Rowan Atkinson (alias Mr. Bean) über das Christentum sagt, nicht einverstanden", erklärt Don Horrocks von der Evangelical Alliance in einem wie der Economist findet sehr voltairehaften Moment. "Aber ich würde für sein Recht, mich beleidigen zu dürfen, jederzeit in den Kampf ziehen.?

Weitere Artikel: Russlands Vorwurf, der Westen versuche in der Ukraine einzugreifen, um die Region zu destabilisieren, findet der Economist selbst an sowjetischen Standards gemessen deprimierend scheinheilig. Frankreichs politische Riege zeigt sich zunehmend von ihrer privaten Seite, berichtet ein zutiefst verwunderter Economist und spricht das gruseligste aller Worte aus: Amerikanisierung.
Sie war die ideale Verkörperung der Giselle, seufzt der Economist in seinem Nachruf auf die prima ballerina Alicia Markova, die so sehr schwebte, dass ihre Tanzpartner mitunter Mühe hatten, sie auf die Erde zurückzuholen.

Außerdem zu lesen:
Dass die iranische Pressefreiheit sich wieder auf dem Rückzug befindet (oder warum schreibt ein großer Herausgeber über einen Nachrichtensprecher im Exil: "Es ist absolut notwendig, diesen verfluchten und gotteslästerlichen Kopf mit einer Kugel zu durchbohren. Und ach, wie sehr würde der Absender dieser Kugel geliebt werden!"?) Warum Linkshänder selten sind, aber keineswegs vom Aussterben bedroht. Und wie das chinesische Propaganda-Ministerium, das sich hübscherweise "Werbe-Abteilung" nennt, auf "öffentliche Intellektuelle" zu sprechen ist (schlecht).

Schließlich empfiehlt der Economist Bücher für Kinder jeden Alters.

Magazinrundschau vom 07.12.2004 - Economist

Vieles ist wahr an Tom Wolfes Universitäts-Satire "I am Charlotte Simmons", seufzt der Economist, doch eines habe Wolfe übersehen: "Die akademische Welt ist der Teil Amerikas, der am stärksten von Vielfalt besessen ist, und zugleich der am wenigsten vielfältige Teil des Landes. Einerseits reißen sich die Hochschulen ein Bein aus, um Professoren und Studenten aus den Minderheiten zu gewinnen - mithilfe einer aufblühenden Bürokratie von 'Minderheits-Verantwortlichen'. Wenn es allerdings um Politik geht, ist ihnen die Vielfalt nicht nur gleichgültig, sondern sie sind dagegen regelrecht allergisch." Für Diskussion sei kein Raum, lediglich für das immergleiche Echo linksliberaler Einstellung.

Zwar liegt die Kernaufgabe der UNO in der Prävention, doch muss die UNO angesichts der veränderten Weltsicherheitslage eine neue, angemessene Rechtsgrundlage zur Bewältigung von Konflikten finden, erklärt UN-Generalsekretär Kofi Annan und kommentiert den Bericht, den das von ihm einberufene Forum der Weisen jetzt vorgelegt hat. Dieser verzichte zwar auf eine Änderung des Artikels 51 der UN-Charta, formuliere jedoch fünf grundlegende Richtlinien, die der Situationseinschätzung und somit einem Einschreiten der UNO zugrundeliegen sollen.

Im Aufmacher erörtert der Economist die Frage, wie lange der Dollar seinen Status als weltweit anerkannte Reservewährung noch halten kann. Weiter wird ausführlich darauf eingegangen, inwiefern die amerikanische Währungspolitik zur Gefährdung des Dollars beiträgt.

Weitere Artikel: Der Economist liest Gabriel Garcia Marquez' neuen Roman "Memoria de mis Putas Tristes" als Plädoyer für das Alter und der Chance einer Neugeburt, die es bietet. Der Trubel um den britischen Innenminister David Blunkett hat sich nunmehr zu einem Drama Shakespeareschen Ausmaßes ausgeweitet, bemerkt der Economist. Was durchaus als Zeichen der Anerkennung zu werten ist - schließlich hat nicht jeder das nötige Format zur Shakespeare-Figur. Und schließlich berichtet der Economist, dass die "Voice-over-IP"-Technologie (sprich: Telefonieren übers Internet) kräftig am Sockel der internationalen Telefon-Riesen rüttelt.

Magazinrundschau vom 30.11.2004 - Economist

Die jüngsten Übergriffe in den Niederlanden und in Belgien auf sowohl christliche als auch muslimische Einrichtungen bestätigen laut Economist die unlängst von Francis Fukuyama geäußerten Befürchtungen, dass Europa nicht ein Krieg, sondern ein Bürgerkrieg gegen Terrorismus bevorsteht. Denn "der radikale Islam bedroht Europa von innen, und dies auf viel ernstere Weise als es für Amerika der Fall ist, wo die Bedrohung lediglich von außen kommt".

Weitere Artikel: Dass sich das linksliberale CBS-Urgestein Dan Rather nun aus dem Journalismus zurückzieht, wertet der Economist als - durchaus begrüßenswertes - Ende eines Medienzeitalters. Altes Frankreich, neues Frankreich - nach der Wahl von Nicolas Sarkozy zum Vorsitzenden der konservativen Mehrheitspartei UMP wundert sich der Economist über die ungewöhnliche Kraft, die die Franzosen mit Sarkozy verbindet: Nicht Zuneigung und Wärme (wie Jacques Chirac gegenüber), sondern schiere Faszination. Aus den USA wird gemeldet, dass sich die Justiz neuerdings auf unverschämte Art und Weise ins Schulwesen einmischt. Außerdem berichtet ein Artikel von einer neuen Methode der Authentizitätsprüfung bei Kunstwerken, die darin besteht, "jedes Kunstwerk in eine Reihe von mathematischen Funktionen zu konvertieren", und dabei so etwas wie den "Pinselstrich des Künstlers" zu festzumachen. Und schließlich hat der Economist seine "Bücher des Jahres" zusammengestellt.

Der Titel widmet sich den "neuen Königen des Kapitalismus": "private equity"-Firmen. Dazu gibt es neben dem Leitartikel ein ganzes Dossier - leider nur in der Printausgabe.