
Nicolas Rapold
spricht ausführlich mit
Joshua Oppenheimer und dessen
Dokumentarfilm über das
Massaker an den
indonesischen Kommunisten in den 60er Jahren "The Act of Killing", der auf Festivals weltweit derzeit vor allem auch deshalb für Aufsehen sorgt, da er darin die Täter von damals ihre Taten in theater- und filmartigen Settings nachspielen lässt (siehe etwa auch diese
Kritik und
hier Slavoj Žižek im
New Statesman). Das Vertrauen der in Indonesien im Rang von
Volkshelden stehenden Täter zu erlangen fiel dem Regisseur nicht weiter schwer: "Die Vereinigten Staaten hatten den Völkermord unterstützt - das wussten sie (...) und sie wussten, ich bin ein amerikanischer Filmemacher, und
sie lieben amerikanische Filme. Und da ich das Land nach Belieben bereisen und verlassen konnte, wurde einfach angenommen, dass ich automatisch auf der Seite jener Leute stehe, die über solche Finanzmittel und also über ein gewisses Maß an Macht verfügen. Deshalb müsste ich wohl auf ihrer Seite stehen. Alles was ich tun musste, war, mich ihnen gegenüber so zu verhalten, wie ich es auch jetzt Ihnen gegenüber tue: Nett sein, zugewandt sein, sie wie Menschen behandeln. Und das spüren sie. (...) Alle möglichen Wörter, die nach Völkermord riechen, haben eine heroische und
glorreiche Konnotation erfahren. Das Wort 'Ausrottung' etwa, das uns an den Holocaust denken lässt, hat dort eher ein 'Jawoll, ich war an der Ausrottung der Kommunisten beteiligt' zur Folge. Als ob das etwas Großartiges wäre. Das gestattete es mir, sehr, sehr ehrlich zu sein. Ich konnte also sagen 'erzählen Sie mir etwas über die Ausrottung der Kommunisten'. Und so weiter, solange es mir gelang, die emotionalen Reaktionen zurückzuhalten, die sich einstellten, als sie mir diese Geschichten erzählten. Das war
schwierig."
Außerdem
blickt Regisseur
Paul Schrader auf seine turbulenten Erfahrungen beim Dreh mit
Lindsay Lohan zurück, die Anfang dieses Jahres vor allem nach einem
Setbericht im
New York Magazine für Aufsehen sorgten. Für den Profi zählt im Nachhinein natürlich nur das Ergebnis, nicht der Weg dorthin - und er sieht einige Parallelen zu
Marilyn Monroe in ihrer letzten, beschwerlichsten Schaffensphase, als sie mit
John Huston "The Misfits" drehte: "Parallelen? Saumseligkeit, Unberechenbarkeit, Wutanfälle, Fehlzeiten, Hilfsbedürftigkeit, Psychodrama - ja, all das, doch auch noch mehr, diese eine Sache, die Dich eine Person auf einer Leinwand weiter beobachten lässt, diese Sache, von der Du Deine Augen nicht abwenden kannst, diese Magie,
dieses Mysterium. Diese Sache, von der John Huston in seinen Erinnerungen schreibt, dass er sich wundert, warum er sich das alles zumutet. Doch dann sah er die täglichen Abzüge des belichteten Materials. ... Von einem egoistischen Standpunkt aus betrachtet, vom Standpunkt eines Regisseurs, war es hervorragend mit Lindsay zu arbeiten. All das Drama, all der Stress - bedeutet
nichts."