Folio beschäftigt sich in seiner neuen Ausgabe mit dem Verständnis von
Freiheit. Ulrich Schmid
kritisiert die Bewunderung mancher Westeuropäer für die "neuen Freiheiten" in
Russland und
China. "Freiheit, wohin man schaut: Wer will, raucht im Restaurant, wer will, fährt mit dem Auto übers Trottoir, wenn die Straßen verstopft sind, und wer nachts um drei bei der Metrostation Bier und Hamburger kaufen will: bitte. Im Wohnblock im Stadtteil Otradnoje, in dem ich wohne, wenn ich in Moskau bin, kann jeder so lange und so laut Musik hören, wie er will, niemand ruft die Polizei. Als mich Moskauer Freunde in
Washington besuchten, waren sie entsetzt über die vielen Verbote und über die Beflissenheit, mit der sie befolgt wurden." Man kann das aber auch ganz anders sehen: "'Ist dir aufgefallen, dass russische Polizisten und Soldaten im Dienst rauchen?' fragt Lena, eine Moskauer Freundin. 'Das ist sie, unsere neue russische Freiheit: mies, selbstsüchtig,
stinkend.'"
In der
arabischen Welt wächst der Freiheitsdrang der Frauen. Und sie machen Fortschritte - wenn auch nicht immer aus den feinsten Gründen, wie Anja Jardine
erfahren hat. "'Kennen Sie den?' fragt der Taxifahrer auf dem Weg zum Flughafen; er heißt Gaffah, ist Inder und seit 30 Jahren in Kuwait. 'Ein Wissenschafter kommt vor der Invasion zum ersten Mal nach Kuwait und bemerkt, dass die Frauen auf der Straße grundsätzlich
hinter ihren Männern herlaufen. Als er nach der Befreiung zurückkehrt, ist er überrascht, zu sehen, dass die Frauen nun
vor ihren Männern gehen. 'Der Status der Frau hat sich in kurzer Zeit enorm verbessert', sagt er freudig zu einem Kuwaiter, 'was hat diesen Fortschritt bewirkt?' - 'Landminen', antwortet der Mann.' Und Gaffah will sich totlachen."
Weitere Artikel: Daniel Weber
interviewt Wim Wenders, den "großen Regisseur der Sehnsucht nach Freiheit". David Hesse
untersucht, was Freiheit von liberte, Saoirse, zi you und liberty unterscheidet. Michael Mirsch
fragt sich, ob Zootiere
Gefangene oder Luxusrentner sind. Eher letzteres, glaubt er: "Es ist ein Irrglaube, Wildtiere lebten stressfrei und glücklich". Und Till Rather
erzählt von der "mönchischen Freiheit" eines modernen Vaters.
Luca Turin
stellt in der "Duftnote" so genannte "
Nischenparfüms" vor, "kühne, poppige und trügerisch einfache" Parfüms, die nicht zum Mainstream passen und von kleinen Marken wie
L'Artisan kreiert werden. "Man sollte nie die französische Fähigkeit zum
Raffinement unterschätzen: Von Debussy bis zur Nouvelle Cuisine sind die Franzosen in Hinblick auf frische, knappe,
subtile Schönheit schlicht unübertroffen. Es gibt kein Parfum, das dies besser veranschaulichte, als Duchaufours sensationelles
'Timbuktu' (2004). Es ist ein
Vetiver (
mehr) wie kein anderes, mit der kühlen, rosigen Ausstrahlung der Morgendämmerung."