
Wunderbares Heft! Handelt von
Statistik. Anja Jardine
porträtiert den in Stanford lehrenden
Statistiker Persi Diaconis, eine Koryphäe auf seinem Gebiet. Diaconis' Karriere begann im Alter von 14 Jahren, da haute er von zuhause ab, um mit dem berühmten Zauberer
Dai Vernon durchs Land zu ziehen. Mit 24 entschied er, dass die Beherrschung
gezinkter Würfel und Karten ohne Wahrscheinlichkeitsrechnung nicht wirklich möglich ist, und belegte einen
Abendkurs in Mathematik. "Zwei Jahre später bewarb er sich unerschrocken in Harvard und wurde dank dem Referenzschreiben eines Kolumnisten des
Scientific American an der Eliteuniversität aufgenommen. Der Kolumnist hatte zwei von Diaconis erfundene
Kartentricks zu den zehn besten der Welt gezählt. Weitere drei Jahre später machte Diaconis seinen Doktor in Statistik und wurde Mitglied der Statistischen Fakultät von
Stanford." Dort hat er dann herausgefunden, "wie viele Mischvorgänge beim sogenannten
Riffle-Shuffle, der gängigsten Mischmethode, nötig sind, bis die Reihenfolge der Karten wirklich zufällig ist", wozu er sich in
nichtkommutative Geometrie versenken musste.
Der Sportreporter und Spieler
Todd Kobrin erklärt im
Interview, warum Statistiken im
Basketball als nützlich gelten: "Einer der besten Center aller Zeiten,
Shaquille O'Neal, war einer der
schlechtesten Werfer aller Zeiten von der Freiwurflinie aus. Jahrelang hat 'Shaq' mit Psychologen an seinem Freiwurf gearbeitet, ohne die Statistik verbessern zu können. Die statistisch belegbare Nervenschwäche O'Neals machten sich wiederum die Trainer der gegnerischen Mannschaften zunutze. In den letzten Sekunden eines Spiels wurde
immer O'Neal gefoult, im Wissen, dass er nur jeden zweiten Freiwurf verwandeln würde." Im
Fußball interessiert man sie dagegen nicht für Statistiken. "Fußball ist geprägt von archetypischen Interpretationen wie Führungsanspruch, Kampfgeist, Torriecher - ich würde gern die Zahlen hinter den Floskeln sehen."
Weitere Artikel: Ulrich Schnabel
stellt den bestgehassten
(und wahrscheinlich
bestaussehenden) Statistiker der Welt vor:
Björn Lomborg. Reto U. Schneider
bezweifelt die Aussagekraft von Umfragen, weil sogar in der
NZZ-Leserbefragung einige nachweislich
gelogen haben. Er
stellt auch das kuriose Benford-Gesetz vor, das "
Rätsel der abgegriffenen Seiten". Robert Matthews
hält medizinische Studien für wenig objektiv - sie sind einfach zu oft manipuliert. Und Martin Lindner
besucht Eurostat, eine der größten
Behörden in Brüssel.
In einer köstlichen
Duftnote vermutet Luca Turin, auch bei klassischen Düften gebe es, wie bei der Mozartschen Musik, einen
Hang zur Quinte. "Letztens ließ ich eine Computertomografie meines Gehirns machen, die keine größere Unregelmäßigkeit zutage förderte, trotzdem bin ich seit je der Überzeugung, dass Mozarts leichtere Stücke fruchtig sind und dass umgekehrt Obst,
besonders Fruchtsalat, einen wesentlich mozartischen Geruch hat. Dafür gibt es einen plausiblen Grund: Die Frequenzen von
Estern und Lactonen, den beiden Molekülstrukturen, die für 90 Prozent der fruchtigen Gerüche verantwortlich sind, stehen beinahe im Verhältnis einer reinen Quinte."