Magazinrundschau - Archiv

Foreign Affairs

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Magazinrundschau vom 14.02.2017 - Foreign Affairs

Unter der Trump-Regierung fürchtet Omar G. Encarnación das Schlimmste für die Sache der Homosexuellen in der ganzen Welt - und weist auf starke evangelikale Unterströmungen in der neuen amerikanischen Regierung hin. Amerikanische Evangelikale waren es etwa, die das berüchtigte ugandische Gesetz gegen Homosexuelle formulieren halfen (es gibt hier eine russisch-amerikanische Allianz, die sich im World Congress of Families organisiert, hat Politico neulich festgestellt, unser Resümee). "Die Fortschritte bei den Schwulenrechten in der westlichen Welt hatten einen schlimmen Preis: massive Rückschritte in Russland, Afrika, Teilen Asiens und praktisch im gesamten Nahen Osten, da die politischen Führer in diesen Ländern LGBT-Menschen zu Sündenböcken gemacht haben, die ihnen dazu dienen, konservative Sozialgesetzgebung durchzusetzen, um ihre Länder vor der angeblichen Bedrohung von außen zu schützen. Allein im Jahr 2013 wurde in Uganda das schwulenfeindliche Gesetz erlassen, wenn auch ohne die anfangs angedrohte Todesstrafe... Ähnlich Gesetze wurden darauf in Nigeria, Gambia und Liberia verabschiedet. Und Russland verabschiedete das 'Gesetz gegen homosexuelle und pädophile Propaganda', das jede Selbstdarstellung von Homosexualität zu einem Verbrechen macht, inklusive Symbolen wie der Regenbogenflagge oder die Teilnahme an Gay-Pride-Paraden."

Magazinrundschau vom 10.02.2015 - Foreign Affairs

In einem ganz interessanten Hintergrundartikel arbeitet Omar G. Encarnación Unterschiede zwischen der Podemos-Bewegung in Spanien, die sich zumindest teilweise an den linken Regimes der "bolivarischen" Länder wie Venezuela orientiert, und der griechischen Syriza-Partei heraus: "Syriza steht für "Koalition der radikalen Linken" und ist eine Sammlungsbewegung linker Grupppen, die zuvor schon existierten, wie Sozialdemokraten, Sozialisten, Trotzkisten und Eurokommunisten. Podemos dagegen bekennt anders als die "bolivarischen" Vorbilder eine klare Verpflichtung zu demokratischen Prinzipien. Podemos definiert sich als "postideologische Partei", reiht sich weder bei der Rechten noch bei der Links, sondern allein beim "Volk" ein. Die Strukturen sind horiziontal, viele Entscheidungen fallen in "Bürgerräten". Viele Anhänger haben nie einer politischen Partei angehört oder haben sich aus Ekel und Frustration von der Politik abgewandt."

Magazinrundschau vom 23.07.2013 - Foreign Affairs

William E. Scheuermann erzählt die Geschichte, wie die Marxisten von der Frankfurter Schule dem amerikanischen Geheimdienst erklärten, was es mit den Deutschen und den Nazis auf sich hatte. William Donovan, einer der Gründer des CIA-Vorläufers Office of Strategic Services (OSS) war klug genug, die Emigranten aus Deutschland einzuspannen, um mehr über Deutschland zu erfahren, und sie haben ihre Sache nicht so schlecht gemacht: "Am erhellendsten ist der wichtigste Ratschlag der Frankfurter an die amerikanischen Politiker. Die Alliierten sollten aufhören, Nazi-Deutschland durch die Brille des Ersten Weltkriegs zu sehen. Nur wenn die Vereinigten Staaten verstanden, wie stark die Gegenwart von historischen Vorläufern abwich, konnten sie den Frieden gewinnen und den Grund für eine deutsche Demokratie legen. Franz Neumann und sein Team kritisieren die US-Politiker für ihr Festhalten an anachronistischen Bildern von Deutschland als ein von einer Militärkaste dominiertes 'Preußen' - als ob das Land noch vom Kaiser regiert würde. Derart rückwärts gewandte Propaganda mochte geeignet sein, eine breite Unterstützung für den Krieg gegen Deutschland zu gewinnen, aber sie verkannte die Realitäten der Machtstrukturen unter den Nazis."
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Magazinrundschau vom 03.01.2012 - Foreign Affairs

Ist die Welt wirklich friedlicher geworden? Vielleicht, aber die Erklärungen, die Steven Pinker in seinem Buch "Gewalt" dafür bietet, stellen den Historiker Timothy Snyder nicht zufrieden. Einer der Gründe dafür: "Pinker glaubt, dass die Menschen friedlicher werden, wenn sie Zeit und Gelegenheit haben, im Gespräch zu bleiben und ihre Handlungen zu überdenken. Doch er hat Schwierigkeiten anzuerkennen, dass - seiner eigenen Erzählung folgend - es nur einen Agenten gibt, der diese Art von gepolsterter Gesellschaft mit gebildeten Köpfen und Freizeit garantieren kann: der Wohlfahrtsstaat. Diese Verweigerung scheint in Pinkers Bekenntnis zum marktwirtschaftlichen Liberalismus begründet zu sein. Seine Vision von einem kommenden Zeitalter des Friedens ist ein gutes Beispiel dafür, wie zwei Trends, die politische Passivität begünstigen - die narzistische Unbeständigkeit der amerikanischen Linke und die antistaatlichen Vorurteile der amerikanischen Rechten - im selben Wahn enden: dass während wir reden, reden, reden, die Märkte die Arbeit der Geschichte tun."

Magazinrundschau vom 19.10.2010 - Foreign Affairs

Eine leidenschaftliche und scharfe Debatte über den Islamismus - die gegenüber Debatten in deutschen Feuilletons den Vorzug der klaren Bezüge hat - findet seit einigen Monaten in Foreign Affairs statt. Es geht, mal wieder, um Paul Bermans Buch "The Flight of the Intellectualls", das vor allem um die Figur Tariq Ramadans und um historische Verbindungen zwischen Nazis und Islamismus kreist. Der Politologe Marc Lynch ließ in der Juli/August-Ausgabe kein gutes Haar an Berman, dem er vor allem vorwirft, nicht ausreichend zwischen den verschiedenen Spielarten des Islamismus zu differenzieren. "Es klafft eine Riesenlücke zwischen der salafistischen Vision erzwungene sozialer Uniformität und den moderaten islamistischen Vorstellungen von einem demokratischen Staat mit frommen Muslimen." Zu den Gemäßigten zählt Lynch die Muslimbrüder und ihren späten Abkömmling Tariq Ramadan, aber letztlich sogar die Hamas, die sich im Gaza-Streifen gegen noch radikalere Salafisten wehrt (mehr dazu in der taz).

Was den Fernsehprediger Yusuf al-Qaradawi angeht, den Lynch ebenfalls als "Seismografen" der muslimischen öffentlichen Meinung verteidigt, so stellt Berman jetzt in einer Antwort klar, dass Qaradawi nicht einfach eine "feindliche Einstellung zu Israel" hat, wie Lynch schreibt. "Daraus würde man niemals erraten, dass Qaradawi ein genozidaler Antisemit ist. Nach Qaradawis im Fernsehen verbreiteter Meinung hat Allah den Juden Hitler auferlegt, um sie 'dorthin zu bringen, wohin sie gehören'. Und Qaradawi ruft dazu auf, Hitlers Bemühungen zu erneuern: 'Oh Allah, zähle sie und töte sie bis hin zum letzten.'"

Auch Jeffrey Herf, Autor des Buchs "Nazi Propaganda for the Arab World" antwortet Lynch. Seine Recherchen beruhen auf Tausenden von Seiten islamistischer Nazipropaganda, die vom Mufti von Jerusalem in Zusammenarbeit mit den Nazis verantwortet wurde. Es handelt sich um Rundfunkreden, die von der amerikanischen Botschaft in Kairo seinerzeit dokumentiert wurden. "Wenn etwas in Sachen Zusammenarbeit von Nazis und Islamisten 'irrsinnig' ist", so antwortet Herf (gleicher Link weiter unten) auf Lynch, "dann die Tatsache, dass Spezialisten der Nahostpolitik ein so entscheidendes Material so lange nicht berücksichtigten." Lynch hat zuletzt eine Gegenantwort (gleicher Link weiter unten) geschrieben, in der er den Vorwurf mangelnder Differenzierung wiederholt.

Magazinrundschau vom 25.04.2006 - Foreign Affairs

Zwei Jahre lang hat eine Untersuchungskommission des amerikanischen Militärs das Regime Saddam Husseins analysiert. Dutzende Schlüsselfiguren wurden befragt, Hunderttausende Dokumente durchforstet. Der Bericht, der im Februar freigegeben wurde, umfasst 230 Seiten (hier als 7,2 MB große pdf-Datei). Die Herausgeber Kevin Woods, James Lacey, und Williamson Murray fassen die Ergebnisse in der Mai/Juni-Ausgabe von Foreign Affairs in einem immer noch stattlichen Artikel zusammen.

Magazinrundschau vom 01.11.2005 - Foreign Affairs

Melvin R. Laid, amerikanischer Verteidigungsminister von 1969 bis 1973, fordert in einem Essay, die Exit-Strategie von Vietnam auch im Irak einzusetzen. Ein allmählicher Abzug, einhergehend mit einer Irakisierung des Krieges. Bloß dürfe die finanzielle Unterstützung nicht wie 1975 plötzlich unterbrochen werden. "Die Regierung muss einen gewissen Ausbildungsstandard der irakischen Sicherheitskräfte anstreben, und wenn es soweit ist, damit beginnen, die so frei werdenden Truppen abzuziehen. So hat es in Vietnam funktioniert, angefangen beim ersten Abzug von 50 000 Soldaten 1969 bis zum letzten Flugzeug mit Kriegsgefangenen 1973. Außerdem sollten die Vereinigten Staaten im Irak nicht mehr allzu viele Wochen damit warten, ihr Vertrauen in das Training der irakischen Sicherheitskräfte zu demonstrieren, indem sie ein paar tausend Soldaten abziehen."

Unbemerkt haben die USA am 30. Juni eine neue Monroe-Doktrin für das Internet verabschiedet, berichtet Kenneth Neil Cukier. In dem kurzen Text des Handelsministeriums heißt es, dass die USA die Kontrolle des Internets auf unbegrenzte Zeit bei ICANN und damit bei einer amerikanischen Organisation belassen wollen. Neutral ist ICANN keineswegs, schreibt Cukier, und das Netz wandelt sich mit den Menschen, die es kontrollieren. "Bisher wurde das Internet von amerikanischen Ingenieuren und Akademikern der Woodstock-Ära verwaltet. Mit dem Ergebnis, dass das Netz die Philosophie dieser Gemeinschaft verkörpert: ein politischer und wirtschaftlicher Liberalismus führte zur Offenheit auf technischer Ebene." Was, fragt Cukier, wenn das Personal wechselt?

Magazinrundschau vom 30.08.2005 - Foreign Affairs

Nichts weist darauf hin, dass die Demokratisierung des Nahen Ostens den Terrorismus stoppen wird, meint Gregory Gause. Und "selbst wenn dort Demokratie einzieht, was für Regierungen würde sie hervorbringen? Würden sie mit den Vereinigten Staaten - abgesehen von der Eindämmung des Terrorismus - in wichtigen Feldern wie dem arabisch-israelischen Friedensprozess, der Sicherheit im Persischen Golf sowie der zuverlässigen Ölversorgung zusammenarbeiten? Keiner kann den Kurs vorhersagen, den eine neue Demokratie einschlagen wird, aber wenn man sich Meinungsumfragen und die jüngsten Wahlen in der arabischen Welt anschaut, wird der Einzug der Demokratie wahrscheinlich eher neue islamistische Regierungen hervorrufen, die weit weniger mit den USA kooperieren werden als die derzeitigen autoritären Herrscher."

Schwerpunkt dieser Ausgabe aber ist China. Kishore Mahbubani fordert die USA auf, endlich damit zu beginnen, China ernsthaft verstehen zu wollen. Wang Jisi schlägt in die gleiche Kerbe; er rät, die wachsende gegenseitige Abhängigkeit von kommender und bestehender Supermacht zu akzeptieren und China als gleichberechtigten Verhandlungspartner zu behandeln. Leider nur in einer mageren Vorschau zu lesen sind David Zweigs und Bi Jianhais Darstellung des skrupellosen chinesischen Rohstoffhungers sowie Zheng Bijians Artikel über das vitale chinesische Interesse am Weltfrieden. Online ebenfalls nur 500 Wörter lang dürfen Bruce Bueno de Mesquita und George W. Downs erklären, wie die Autokraten dieser Welt es zunehmend verstehen, die Wirtschaft zu liberalisieren, ohne dabei die Gesellschaft zu öffnen.
Stichwörter: Meinungsumfragen

Magazinrundschau vom 12.07.2005 - Foreign Affairs

Robert S. Leiken beschreibt den neuen Albtraum amerikanischer Sicherheitsbehörden: den Mudschaheddin mit europäischem Reisepass: "In rauchigen Kaffeehäusern in Rotterdam und Kopenhagen, in behelfsmäßigen Gebetshäusern in Hamburg und Brüssel, an islamischen Bücherständen in Birmingham und 'Londonistan' und in den Gefängnissen von Madrid, Mailand und Marseilles bewerben sich Einwanderer oder ihren Nachkommen als Freiwillige für den Dschihad gegen den Westen. Es war ein Muslim marokkanischer Abstammung, geboren und aufgewachsen in Europa, der im vergangenen November in Amsterdam den Filmemacher Theo van Gogh ermordete. Eine Untersuchung des Nixon Centers fand unter 373 Mudschaheddin in Westeuropa und Nordamerika mehr als doppelt so viele Franzosen wie Saudis und mehr Briten als Sudanesen, Yemeniten, Emiratis, Libanesen oder Libyer. Ein Viertel der verzeichneten Dschihadisten waren westeuropäischer Nationalität - berechtigt, ohne Visum in die USA zu reisen."

Für unbedingt erfolgreich hält Richard N. Haass die Strategie des Regimewandels, mit der immerhin ein Drittel der "Achse des Bösen" unschädlich gemacht worde sei (womit er den Irak meint). Leider fürchtet er, dass dieses Konzept für den Iran und Nordkorea nicht aufgehen wird. Hier brauche es wohl einen breiteren Ansatz aus Sanktionen, Gewaltandrohung und "geschmackloser Diplomatie".

Magazinrundschau vom 10.05.2005 - Foreign Affairs

Die Zukunft des Nahen Ostens beherrscht die außenpolitische Debatte in den USA. In einem kenntnisreichen Essay verweist der Islamforscher Bernard Lewis auf die lange Tradition von Freiheit und Gerechtigkeit, demokratische Elemente, die im Islam angelegt sind, derzeit aber ignoriert werden. Etwa die Pflicht des Herrschers, sich beraten zu lassen. "Im Koran wird sie explizit betont. Auch in den Überlieferungen des Propheten wird sie oft genannt. Deren Verneinung führt zu Despotismus; im Arabischen istibdad, ist 'Despotismus' ein Begriff mit sehr negativen Konnotationen. Es wird als etwas Teuflisches und Sündhaftes betrachtet. Einen Herrscher des istibdad zu bezichtigen, ist praktisch ein Aufruf zu seinem Sturz."

Ergänzend dazu schildert Fouad Ajami, Nahostexperte an der John Hopkins Universität, den Fall Libanon als Beispiel für den Herbst der Autokraten in der arabischen Welt. Der zu Einschüchterungszwecken verübte Mord an dem früheren Premierminister Rafiq Hariri hat eine Unabhängigkeitsbewegung entfacht, die Syriens Militär aus dem Land getrieben hat.