Magazinrundschau - Archiv

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366 Presseschau-Absätze - Seite 6 von 37

Magazinrundschau vom 04.03.2025 - HVG

Der Publizist Árpád Tóta W. kommentiert die Neupositionierung der USA, und das shockingly respektlos: "Trumps Auftrag lautet, Amerika wieder groß zu machen und die Interessen Amerikas in den Vordergrund zu stellen. Damit ist er bereits gescheitert. Amerika ist auf dem Weg, der Clown der Welt zu werden, an dem sich schläfrige Diktatoren ihre Stiefel abwischen. Er demütigt die Ukraine, die seit drei Jahren heldenhaft gegen die Russen kämpft - doch Amerika war groß, als es die Supermacht Sowjetunion mit Wettrüsten, Wirtschaft und klug rationierten Waffenlieferungen in Afghanistan demütigte. Mit Kultur. Mit Freiheit. Jetzt tänzelt es wie eine Hilfshyäne um ein zerbombtes kleines Land herum, beugt sich und lässt Russland vor, damit es weiterbomben kann. Ronald Reagan dislikes it. (...) Es ist keine neue Weltordnung, denn im Wahnsinn gibt es kein System. Er ist ein Systemfehler. Die Republikanische Partei ist die erste, die das in Ordnung bringen muss, aber wenn sie es nicht tut, werden die Wähler das übernehmen. Und sie werden es nicht wegen der Ukraine oder der ausbleibenden Unterstützung der freien ungarischen Presse tun, sondern weil Amerika so nicht wieder groß wird. Und das Leben nicht billiger."

Magazinrundschau vom 25.02.2025 - HVG

Der Regisseur und Schauspieler Pál Mácsai ist scheidender Intendant des Budapester Örkény Theater, das nach dem Regierungswechsel 2010 durch große Anstrengungen die Unabhängigkeit bewahren konnte. Mácsai spricht nun in der Wochenzeitschrift HVG u.a. über das Verhältnis der darstellenden Künste zur Politik und erklärt, warum er sich nie offen für die Opposition gegen Victor Orban engagiert hat: "Grundsätzlich glaubt die Politik gerne - die jetzige allerdings mehr als andere - dass die darstellenden Künste ihre Handlanger seien. Wer ihre Ideologie in der einen oder anderen Form propagiert, bekommt Geld, wer souverän ist, geschweige denn sich kritisch äußert, der wird nicht berücksichtigt. So primitiv einfach ist das. In dieser Hinsicht ist die Gegenwart nicht anders als die 1960er und 1970er Jahre. Das untergräbt freilich das unabhängige Denken, das Herzstück unseres Berufes. (…) Sicherlich akzeptiere ich es, wenn sich jemand für seine Überzeugungen auf die Bühne der Opposition stellt, denn dazu gehört heute eine gewisse Portion Mut, aber auch hier verlasse ich mich auf meine bescheidene Fähigkeit, nein zu sagen. Ich habe zu viele Beispiele für den Verlust der persönlichen Souveränität in der Politik gesehen. Und ich denke, mein ganzes Schaffen sagt genauso viel aus wie es eine politische Rede von mir täte."

Magazinrundschau vom 18.02.2025 - HVG

Anlässlich des 200. Geburtstags des Schriftstellers Mór Jókai spricht der Literaturhistoriker Márton Szilágyi im Interview mit Balázs Illényi über die Literatur des 19. Jahrhunderts und die Aktualität von Jókais Werken. Jókai ist bis zum heutigen Tage der wohl meist gelesene Schriftsteller in Ungarn. Seine Romane wie "Der Goldmensch" (1872 - erschien damals in Übersetzung sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch) sind bis zum heutigen Tag Pflichtlektüre an ungarischen Schulen. "Als ich 9 oder 10 Jahre alt war, lernte ich aus Jókais Texten, dass es sich lohnt, bestimmte Leseschwierigkeiten zu überwinden. Man sollte jungen Menschen beibringen, dass es in Ordnung ist, wenn sie etwas nicht verstehen, denn wenn sie einen Roman in einer Fremdsprache lesen, kennen sie ja auch nicht jedes Wort, manchmal müssen sie anhalten, nachschauen, nachdenken. Doch es geht dabei nicht nur um den Literaturunterricht. Es fällt vielen Kindern von heute auch schwer, Mathe- und Physikaufgaben zu lösen, weil sie nicht sorgfältig lesen können. Auch scheinen sich in letzter Zeit Schüler immer weniger der Ironie der Sprache bewusst zu sein, weil sie sich an die Vorstellung gewöhnt haben, dass etwas ironisch ist, wenn es einen Smiley am Ende hat. Mit Jókai lässt sich auch die Interpretation der Ironie gut üben."

Magazinrundschau vom 04.02.2025 - HVG

Der Cutter Dávid Jacsó arbeitet seit längerer Zeit mit Regisseuren wie Kornél Mundruczó und Brady Corbet zusammen. Für seine Arbeit im Corbets letzten Film "Der Brutalist" wurde Jancsó für den Oscar nominiert. Im Interview mit Dóra Matalin erzählt er über die Herausforderung der ungarischen Sprache für die Schauspieler beim Dreh, sowie über die Arbeit als Cutter. "Ich war am Set, es gibt ein paar Szenen, die ich Adrian Brody, der den ungarischen Architekten spielt, im Vorfeld vorgesprochen habe. Als das Drehbuch geschrieben wurde, wollte ich vermeiden, dass der Architekt im Film Ungar ist, weil man das mit den Schauspielern sprachlich einfach nicht machen kann. Ich wusste auch, dass ich im Schneideraum sitzen und leiden werde, weil sprachlich alles nicht richtig ist. (…) Zum Beruf des Regisseurs habe ich nicht genug Ideen und ich mag es nicht, im Winter in der Kälte und im Sommer in der Hitze am Set zu sein. Ein Film entsteht tatsächlich am Schneidetisch. Nur wenige Menschen wissen, was für ein einzigartiger, unvergleichlicher Teil des Filmemachens der Schnitt ist.. Unsere Aufgabe ist es, uns anzupassen und zu versuchen, aus den Leuten, die den Film gemacht haben, das herauszuholen, was sie erreichen wollten. (...) Es ist ein enormer Stress, wenn ein Regisseur Entscheidungen über die Arbeit von 50, 150, 200 Leuten treffen muss und dann nicht alles so wird, wie er oder sie es sich vorgestellt hat. Vielen Leuten fällt es schwer, das loszulassen, sie bringen es mit in den Schneideraum. Der Regisseur hat nicht den gleichen objektiven Blick auf den Schnitt wie der Cutter. Deshalb gehe ich nicht gerne zum Drehort, ich muss das Material mit den Augen des ersten Zuschauers sehen."

Magazinrundschau vom 20.01.2025 - HVG

Heute gibt es in Ungarn kaum noch Raum und Achtung für die Kritik, weder für die Theater- noch für die Literaturkritik - nur noch aus persönlicher Leidenschaft pflegen einige Kritikerinnen und Literaturhistoriker das Genre, seufzt der Schriftsteller Krisztián Grecsó: "Das ist ein medienhistorischer Verlust. (...) Warum sollte es heute für einen jungen Menschen attraktiv sein, zum Beispiel Literaturkritiker zu werden, sechshundert Seiten zu lesen, zu durchdenken, in Worte zu fassen? Für fünftausend Forint knapp 12 Euro? Es ist aber auch deswegen nicht einfach, die neue Generation zu integrieren, weil sich die gedruckte Presse in Osteuropa in einer schwierigen Situation befindet. Es gibt keine Mittelschicht, deren Mitglieder Essays und Kunstkritiken lesen wollen, aber auch Wirtschafts- oder Kulturanalysen lassen sich am Bildschirm kaum durchblättern. Die Art von Haltung, welche die gedruckte Presse jenseits der Leitha (Grenzfluss zu Österreich, der oft als imaginierte Grenze für den Beginn der Hochkultur und als Anfang der westlichen Zivilisation benannt wird - Anm. d. Red.) verteidigt, hat sich hier nicht etablieren können. Es ist müßig, dem Leser zu sagen, dass eine jahrzehntealte Werkstatt, wenn sie einmal geschlossen ist, nicht wieder aufgebaut werden kann. Siehe Népszabadság! Dann gibt es noch die Komitats-Tageszeitungen, die regionale Presse, die eine nach der anderen aus politischen Gründen eingestellt wurden und die leider, da die Regierung sie seit zehn Jahren unter ihrer Fuchtel hat, unlesbare Propagandaprodukte geworden sind. Die älteste Zeitung Ungarns, die Délmagyarország, mit einem der renommiertesten Feuilleton-Teil ist ihrer Vernichtung zum Opfer gefallen (…)."

Magazinrundschau vom 14.01.2025 - HVG

Der Haushaltsrat des ungarischen Parlaments wurde als unabhängiges Gremium zur Überwachung der sachgemäßen Planung und Verwendung von Haushaltsmittel im Jahre 2008 gegründet. Der Ökonom György Kopits war der erste Vorsitzender des Rates, bis er Ende das Jahres 2010 von der damals neugewählten Orbán-Regierung zum Rücktritt gedrängt wurde. Kopits, der in Argentinien aufwuchs und in den USA lernte, spricht im Interview mit Zoltán Farkas über den Kontext der ungarischen Wirtschaftspolitik: "Ich habe irgendwo gelesen, dass 'wirtschaftliche Neutralität' eine ideologiefreie Beschaffung bedeutet, bei der es keine Rolle spielt, ob die Rohstoffe, das Kapital oder die Arbeitskräfte aus dem Osten oder dem Westen kommen. Wenn man sich jedoch die Entwicklungen in der Batterieindustrie anschaut oder die Eisenbahnlinie Budapest-Belgrad, die mit einem unbekannten chinesischen Kredit finanziert wird, dann kommen Technologien, Mittel und Ressourcen eher aus dem Osten. Ich glaube, dass die Infrastruktur - zum Beispiel die Renovierung des bestehenden Schienennetzes -, das Bildungs- und das Gesundheitswesen mehr zur Stärkung des Wachstumspotenzials beitragen würden, und dass damit die Grundlagen für ein langfristiges Wachstum gelegt würde. Aber vielleicht ist nicht die wirtschaftliche Neutralität das Hauptproblem, und es geht nicht einmal darum, mit welchem Staats- oder Regierungschef der Premierminister befreundet ist, sondern darum, seine natürlichen Verbündeten, seine europäischen Beziehungen und seine Nachbarn nicht zu verärgern. Ich bin viel in Europa unterwegs und sehe, dass Ungarn sein früheres Ansehen und seine Zuverlässigkeit verloren hat und zu einem der größten Hindernisse für das Funktionieren der EU geworden ist."

Magazinrundschau vom 07.01.2025 - HVG

Im Interview mit Márton Gergely spricht der achtzigjährige, in Jerusalem geborene Schriftsteller Miklós Haraszti über die Möglichkeiten, den Rechtsstaat in Ungarn zu restaurieren: "Für die Regierung ist es einfacher, die Gewalt zu eskalieren, als die Strategie zu ändern, insbesondere um die persönliche Macht von Viktor Orbán zu schützen. Der Premierminister ist nur noch von totalitären Philosophien beeinflusst, lernte von Carl Schmitt, dass nur der wahre Souverän die demokratischen Pflichten des Staates ungestraft außer Kraft setzen und den Ausnahmezustand ausrufen kann. Und von Antonio Gramsci, dass nur derjenige wirkliche Macht hat, der der Gesellschaft seine kulturelle Hegemonie aufzwingt. Orban hat die absolute Macht gekostet, und es ist sehr schwierig, einen 'Paradigmenwechsel' zu vollziehen. (...) Ja, die liberale Demokratie hat auch in Ungarn eine Chance, aber sie wird immer gefährdet sein. Es gibt keine perfekte Demokratie, vor allem nicht hier am westlichen Rand des Kommunismus oder, wenn man so will, östlichen Rand der Demokratie. Aber es ist erfreulich, dass Oppositionelle sich zunehmend auf die nach dem Sturz Orbáns notwendigen Reformen der Rechtsstaatlichkeit, der gegenseitigen Kontrolle und des Wahlsystems konzentrieren. Viktor Orbán hat uns viele Jahre gekostet, aber er hinterlässt uns ein sehr nützliches Erbe: eine vollständige Liste mit Tipps, was und wie man es nicht machen sollte. Eine Rückkehr zur politischen Normalität besteht darin, diese Orbán-Liste Schritt für Schritt abzuhaken."

Magazinrundschau vom 17.12.2024 - HVG

Die junge Dokumentarfilmemacherin Izabella Mazzag wurde in Ungarn durch ihren Film über den aktuell erfolgreichsten Sänger und Songwriter Azahriah bekannt, drehte zuvor eine Dokumentation über Patientinnen, die mit Borderline diagnostiziert wurden. Im Interview mit Dóra Matalin spricht sie über die Beweggründe für ihre Filme: "Ich mache nicht gerne etwas, was alle zu sehr verstehen. Nicht, weil ich böse bin und den Leuten unverständliche Dinge aufdrängen will, sondern weil ich glaube, dass man nicht alles verstehen muss, manchmal reicht es, einfach nur zu fühlen. Wenn die Zuschauer meinen Film nicht ganz verstehen, sondern ihn einfach auf sich wirken lassen wollen, ist das für mich ein Erfolg. (...) Die Behandlung psychisch Kranker in Ungarn ist so schlecht, dass zum Beispiel viele Frauen mit Autismus falsch diagnostiziert werden. Das hat mich inspiriert, denn über dieses Thema wird in Ungarn kaum gesprochen, also wollte ich es angehen. Oder früher wurden Schwule verfolgt, deshalb hat sich niemand wirklich geoutet, wenn er schwul war. Bei den mentalen Problemen glaube ich nicht, dass es in der Generation Z mehr davon gibt, aber mehr von ihnen sprechen darüber. (...) Ich lebe und arbeite gerne in Ungarn, trotz der Situation, die wir hier haben und würde das Land nicht verlassen, aber mein Ziel ist es wohl, für einzelne Jobs ins Ausland zu gehen."
Stichwörter: Generation Z

Magazinrundschau vom 10.12.2024 - HVG

Der Kunsthistoriker Péter Bátonyi arbeitete bis vor kurzem im Bau und Verkehrsministerium als Chefberater für Denkmalschutz. Er war nach der Ankündigung, jedoch vor der Veröffentlichung eines Interviews entlassen worden, in dem er die Ausschreibepraktiken des Ministeriums kritisierte und ihm Dilettantismus und Profitgier vorwarf. Nun spricht er im Interview mit Péter Hamvay über die Situation: "Die Bauindustrie will schnell und billig mit der ihr bekannten Technik produzieren. Es ist viel einfacher, ein altes Gebäude abzureißen und ein neues mit Betonelementen hinter der Fassade zu bauen, als Kompromisse einzugehen, ein einhundert oder zweihundert Jahre altes Gebäude an die heutigen Anforderungen anzupassen, Wandgutachten zu erstellen, Fenster und Türen zu erneuern und historische Strukturen zu verstärken. Das andere ist der allgemeine Analphabetismus von Eigentümern, Investoren und sogar Planern. Sie mögen reichlich Geld haben, sie mögen reisen, sie mögen die Welt sehen, aber sie haben nicht den Bildungsfilter, um zu entscheiden, was gute und was schlechte Praxis ist. Wer als Kind gelernt hat, mit Messer und Gabel zu essen und auf einem Stuhl zu sitzen, wird diese Regeln nicht als Halsgeige empfinden, sondern als Normalität. Dass sich der Investor gegen die Regeln des Denkmalschutzes sträubt, hat nicht nur mit finanziellem Desinteresse zu tun, sondern auch mit Unkenntnis und Dilettantismus. Es kommt dem Investor nicht einmal in den Sinn, weniger Gewinn aus einem herausragenden Denkmal zu ziehen und dafür dessen Wert zu bewahren."

Magazinrundschau vom 26.11.2024 - HVG

Szene aus "Bolshoi" von Anna Hárs


Im Interview mit Zsuzsa Mátraházi spricht die Dramatikerin und Dramaturgin Anna Hárs über ihr neues Projekt "Bolshoi", die über eine weitere Facette der ungarischen Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg erzählt. Premiere feierte das Werk am 25. November im Budapester Radnóti Theater, am Gedenktag der in die Sowjetunion deportierten Ungarn. "Theater ist auch dann Gegenwart, wenn das Stück in der Vergangenheit oder in der Zukunft spielt. Jeder ist daran interessiert, was er mit seinem Leben oder der Welt um ihn herum in Verbindung bringen kann. Meine eigenen Stücke spielen meist in der Gegenwart, weil das die Zeit ist, die ich am besten kenne. Besonders gerne habe ich jedoch 'Bolschoi' geschrieben, das in Budapest und Sibirien vor achtzig Jahren spielt. Die Korrespondenz eines getrennten Intellektuellenpaares bildet das Rückgrat des Dramas. Die Liebe, die Sehnsucht, die Ungewissheit, die Angst, die Wut, die Hilflosigkeit, die ihre Zeilen durchdringen, ein Gefühl, das in allen Zeiten vertraut ist (...) Die Grundidee: Der Ehemann wird zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion verschleppt, und seine Frau, die in Budapest bleibt, wird von einem sowjetischen Soldaten vergewaltigt und geschwängert. (…) Mein Hauptanliegen war es, die beiden in jeder Hinsicht gleichberechtigt nebeneinander zu stellen. Die ungarische Geschichtserzählung ist traditionell männerzentriert, aber Allgemeingültigkeit hat sie nur zusammen mit der weiblichen Version. Geschichte ist nicht eine Aneinanderreihung von Fakten, sondern viele, viele Geschichten nebeneinander. 'Bolschoi' ist zum Beispiel eine Geschichte über eine wunderbare Liebe in einer brutalen Lebenssituation."