
Sarah Mazouz
liest ein
Buch des amerikanischen Soziologen
Rogers Burbaker: "Trans - Gender and Race in an Age of Unsettled Identities". Ausgehend von der Frauwerdung
Caitlyn Jenners, die von verzückten Magazintiteln begleitet wurde, und der Aberkennung des Schwarzseins im Fall
Rachel Dolezals, die ihre Stelle verlor, weil sie sich als Schwarze definierte, was sie nach Aussage ihrer Eltern nicht war, stellt sich Brubaker die Frage, ob es beim Begriff der "
Rasse" nicht weiterhin einen biologischen
Essenzialismus gebe, während beim Geschlecht alles eine Sache des Willensaktes wäre. Eigentlich erstaunlich, so Mazouz, denn "Rasse" wird viel mehr als ein Konstrukt angesehen als Geschlecht, das dann doch von ein paar biologischen Faktoren mit abhängt. Trotzdem widerspricht Mazouz dem Soziologen. Das entscheidende Kriterium für den Unterschied sei nämlich, dass bei "Rasse" auch die Anerkennung durch die
betreffende Gruppe vonnöten sei: "Die Echtheit der Identifizierung wird nicht nach den selben Kriterien gemessen. Im Fall von Transgender zählt nur das Wort der betroffenen Person, denn das Motiv einer Geschlechtsumwandlung ist eine psychische Forderung nach persönlicher Echtheit. Im Gegensatz dazu reicht es nicht aus, sich als afro-amerikanisch zu identifzieren, um als solcher zu gelten. Ohne die vorherige Anerkennung der anderen Mitglieder der Gruppe, zu der man sich bekennt, und die als
eine Autorisierung funktioniert, wird die physische Transformation als Betrug angesehen."
Außerdem in
La Vie des Idées: Florence Delmotte
sucht in der Soziologie
Norbert Elias' nach Inspiration für die #MeToo-Debatte.