
Das Doppelheft des
Merkurs widmet sich dem allseits herangezogenen Experten. In der
Finanzwirtschaft,
erklärt der
Ökonom Michael Streeck, ist ein Experte jemand, der in keiner Notregierung mehr fehlen darf - und im Dienst von
Goldmann Sachs steht: Larry Summers, Robert Rubin und Hank Paulsen in den USA, in Europa
Lucas Papademos,
Mario Draghi und
Mario Monti: "Die Böcke als Gärtner und die Brandstifter als Biedermänner? Ist das, was sie angerichtet haben, tatsächlich derart, dass nur sie es wieder entwirren können? Oder ist, was als Rettung deklariert wird, in Wirklichkeit eine
Schlüsselübergabe an übermächtig gewordene Belagerer, verbunden mit ergebenen Bitten um milde Behandlung? Es trifft zu, dass die meisten nicht durchschauen, was die '
Super-Marios' treiben - ob sie uns 'retten' wollen oder die, denen sie nahestehen, und ob sie tatsächlich dem Abschöpfen abgeschworen und sich dem Wertschöpfen zugewandt haben. Da es um Geld geht - um Kredite, Zentralbanken, Leistungsbilanzen usw. -, lässt sich die Sache nur allzu leicht durch Verwissenschaftlichung mystifizieren: viel zu kompliziert für Otto Normalverbraucher, mit seiner drei minus in Mathe. So viel von Harvard, Columbia e tutti quanti
zertifizierte Brillanz kann nur bewirken, dass man sich geradezu lächerlich vorkäme, wenn man gegen sie auf dem eigenen gesunden Menschenverstand bestünde."
Ekkehard Knörer
denkt sehr grundsätzlich darüber nach, wie sich mit dem Medienwandel auch die
Position des Kritikers verändert. Eine
Demokratisierung der Kritik droht seiner Ansicht aber ebenso wenig wie ein allgemeiner Niveauverlust: "Allerdings multipliziert und fragmentiert sich die Öffentlichkeit endgültig zu Öffentlichkeiten, der Kanonkonsens zu
Wertegemeinschaften mit untereinander nicht vereinbaren Urteilskoordinaten. Die Tätigkeit der Kritik wird dabei nun klarer erkennbar als das, was sie stets war: ein Sprachspiel, in dem einzelne in Expertenfunktion Urteile fällen, die klingen, als gälten sie für die Allgemeinheit."
Weiteres: Christian Demand
erkennt in der
Architekturkritik eine Tendenz zur "
bürgerlichen Bausündenschelte" und plädiert für eine ästhetische Erziehung, die lehrt, "die Welt auch dort auszuhalten, wo sie sich den eigenen ästhetischen Präferenzen gerade nicht fügen will". Rudolf Burger
befasst sich mit der
Futurologie der siebziger Jahre.