Peter Bogdanovich war einst der vielleicht am höchsten gehandelte Regisseur am Himmel von New Hollywood - bis einige Flops und taktisch unkluge Entscheidungen seine Karriere de facto zum Erliegen brachten. Auch ein
Meister der epischen Interviews mit alternden Hollywood-Größen ist er gewesen - im Herbst seines Lebens ist er nun selbst Gegenstand eines solchen, an Anekdoten und Sottisen
reichen Gesprächs, in dem Hollywood einmal mehr als
Haifischbecken voller Verrat,
Verletzungen und Ehebrüchen erscheint. Unter anderem geht es um
Dorothy Stratton, die 1980 von ihrem Ehemann ermordet wurde: Das frühere Playmate spielte in Bogdanovichs "They All Laughed" mit und hatte zu diesem Zeitpunkt mit ihrem Regisseur eine schon länger andauernde Affäre. Bogdanovich berichtet: "Ich war noch nie so dermaßen am Boden zerstört. Wissen Sie, niemand aus Hollywood hat mich angerufen, als Dorothy ermordet wurde. Niemand, außer den Leuten, die direkt am Film beteiligt waren und sie kannten. Niemand rief mich an außer
Cary Grant. Cary war sehr freundlich. ... Später rief ich
Bob Fosse an. 'Stimmt das, dass Du
einen Film über Dorothy drehst', fragte ich. Er bejahte das, worauf ich ihn fragte: 'Und warum tust Du das?' Er dann: 'Weil das eine
gute Geschichte ist.' Und ich: 'Woher zur Hölle weißt Du denn, was hier die Geschichte ist?
Ich weiß nicht, was hier die Geschichte ist.' 'Naja, es geht hier nicht um Dich, sondern um sie.' Und ich: 'Das wäre mir völlig egal, wenn es um mich ginge. Völlig egal. Lass es mich mal so ausdrücken, Bob: Wenn
Dir das passiert wäre, würde
ich keinen Film darüber drehen.' ... Ich musste den Film dann später sehen, weil Nelly darin dargestellt wird. Für mich verwendeten sie einen anderen Namen, also konnte ich nichts dagegen tun. Ich schaute ihn mir aus rechtlichen Gründen an und es war schrecklich. Ich saß da bei Warner alleine im Vorführraum und in der ersten Szene als meine Figur unter anderem Namen auf der Leinwand erscheint, sagt sie: 'Nun, weißt Du denn irgendwas von mir?' Und ich denke mir nur so: 'Okay, Bob, verstanden. Du bist auch nur ein verdammtes Arschloch.'
Eifersüchtig,
neidisch,
zur Hölle mit ihnen allen."
Außerdem in der
aktuellen Ausgabe: Simon van Zuylen-Wood
fragt sich, warum sich in Brooklyn und Queens jeder Hipster mittlerweile als
Sozialist bezeichnet. Tatsächlich "hat die radikale Linke seit den späten 60er und frühen 70ern keinen solchen Moment mehr erlebt",
erklärt der demokratisch-sozialistische Historiker
Michael Kazin im flankierenden Interview. "Vielleicht hat dieser Moment sogar noch mehr Potential. Diese frühere Phase war von der Black-Power-Bewegung, der Anti-Kriegs-Bewegung und den Anfängen der schwulen und lesbischen Bewegung bestimmt. Insbesondere die letzten beiden Bewegungen sind bis heute gut aufgestellt. Aber all diese Bewegungen waren eher auf sich bezogene Fragmente als Bestandteil einer größeren, selbstbewussten Linken. Im Gegensatz dazu ist es heute vielversprechend, dass die Linke derzeit offenbar einen Weg findet, sich auf
ökonomische Themen zu konzentrieren - den Sozialstaat ausbauen, mehr Gleichberechtigung -, Ziele also, die einen größeren Kreis an Leuten erreichen können."