
Im aktuellen
Magazin der
New York Times untersucht Parul Sehgal das Phänomen kollektiven Gedächtnisverlustes, genauer das
vorsätzliche Ausblenden ganzer sozialer Gruppierungen im öffentlichen Diskurs, Frauen, Minoritäten, sozial Schwache. Eine Machtdemonstration: "Mit der jüngsten Inflation solcher Auslöschungsversuche geht auch der Versuch der Korrektur einher. Versuche, der betroffenen Gruppierungen, die Verdrängung zu hierarchisieren.
Wer hat wen ausgestochen und zum Verstummen gebracht? Wer zieht jetzt alle Aufmerksamkeit auf sich? Solche Scharmützel können recht kleinlich werden, aber sie zeigen auch, wie sehr wir von sich ständig wandelnden Machtbeziehungen abhängen. Unsere Identitäten und Privilegien sind niemals statisch, sondern zutiefst kontextabhängig. Wir, die wir ausgeblendet und stillgestellt wurden, können jederzeit andere ausblenden und stillstellen."
Weitere Artikel: Vinson Cunningham
porträtiert den Lektor
Chris Jackson, der in einem Buchmarkt, in dem gerade mal
4 Prozent der Angestellten Schwarze sind, eine schwarze Literaturbewegung aufbaut. Cecilia Kang
beschreibt den Kampf um
Netzneutralität. An vorderster Front: Jonathan Sallet, Chefjurist der bundesstaatlichen Behörde für Kommunikation. Touré
analysiert Kanye Wests Tweets und stellt fest: ganz schön spätpubertär, der Junge. Und Helen Macdonald
begegnet einer fremden Intelligenz, einem
wilden Keiler: "Von einer nicht-menschlichen Seele erfasst zu werden, bringt dich dazu, die Grenzen deiner selbst zu bedenken. Der Blick des Keilers machte mir klar, wie wenig ich über dieses Tier wusste. Gesicht an Schnauze überlegte ich, was ein Keiler eigentlich war und was ich wohl für ihn."
In der
Sunday Book Review bespricht Adam Haslett
Darryl Pinckneys Roman "
Black Deutschland", John Reed
stellt Michael Peppiatts Erinnerungen an
Francis Bacon vor. Interessant klingen auch Laura Secors Buch "Children of Paradise: The Struggle for the
Soul of Iran" (
Kritik), das von Yunte Huang herausgegebene "Big Red Book of Modern
Chinese Literature" (
Kritik) und Chris Jennings' Band "Paradise Now: The Story of
American Utopianism" (
Kritik).