
Die Brigham Young University in Provo, eine Kaderschmiede der
Mormonen in Utah, hat sich darauf verlegt, "familienfreundliche"
Animationsfilme herzustellen oder für Hollywood-Filme die DVDs entsprechend von Zigaretten, Schimpfwörtern und anderem Unanständigen
zu säubern. Nachdem sich ein Pixar-Chef wohlmeinend über die begabten Tugendwächter geäußert hatte, versank der Dekan R. Brent Adams in Bewerbungen. Aber natürlich kommen nur die Besten durch,
erzählt Jon Mooallem: "Adams schickte allen den Ehrenkodex der Universität: Studenten müssen regelmäßig
zum Gottesdienst. Kein Sex außerhalb der Ehe ("Führe ein keusches und tugendsames Leben"). Kein Alkohol oder Kaffee (Es gibt nicht einmal koffeinhaltige Getränke im Automaten). Kein Fluchen. Kein Abweichen von den peinlich genauen Körperpflege-Standards (Wenn für einen Bart eine Ausnahme gewährt wurde, muss eine neue Studenten-ID ausgestellt werden) ... Das Programm der B.Y.U. soll eine Art ethisches Gegengewicht darstellen: Sie versucht, wertorientierte Regisseure in die Branche zu bringen, um diese dann zu sensibilisieren. 'Wir wollen', erklärt Adams, 'ohne zu predigen, etwas zur Kultur beitragen und die Leute zum Nachdenken bringen, wie sie bessere Menschen werden können:
produktiver, freundlicher, versöhnlicher.'"
Die
Titelgeschichte des New York Times Magazines ist passenderweise der Suche nach einer sexuelle Lust
stimulierenden Pille für Frauen gewidmet, die der Pharmaindustrie laut Daniel Bergner ebenfalls ein Tugendproblem beschert: "Was, wenn sich in Versuchen ein Medikament als zu wirksam erweist? Mehr als ein Branchenberater erklärte mir, dass Firmen die Aussicht beängstigt, die Ergebnisse ihrer Studien könnten zu gut sein und die FDA eine Anwendung ablehnen, aus Angst, dass ein Stoff zu
weiblichen Exzessen führen könnte, zu Orgien der Untreue, gesellschaftlicher Zersplitterung. 'Man möchte gute Ergebnisse, aber nicht zu gute', sagt Andrew Goldstein, der die Studie in Washington durchführt. 'Wir haben viel darüber diskutiert', berichtet er von seiner Beteiligung an der Entwicklung von
Flibanserin, 'wichtig war zu zeigen, dass wir Frauen nicht in Nymphomaninnen verwandeln'. Er staunt immer noch über die tief verwurzelten Vorstellungen von
Sittlichkeit, die aus dem sprachen, was er zu hören bekam. 'Es gibt Befangenheit - eine Angst davor, die
sexuell aggressive Frau zu schaffen.'"