
Am interessantesten ist ein Artikel, der zwar auf den
Buchseiten, aber nicht direkt in der Review steht: David D. Kirkpatrick
berichtet über
Querelen bei Random House. Nachdem die renommierte Cheflektorin
Ann Godoff gefeuert worden war, weil sie nicht genug Profit gemacht haben soll, lockt sie jetzt renommierte Random House-Autoren (darunter auch Bestsellerautoren) zu ihrem neuen Arbeitgeber
Penguin USA.
Gina Centrello, Verlagschefin von Ballantine und Random House, hat Schwierigkeiten, einen Nachfolger zu finden, weil der offenbar sehr viel weniger Entscheidungsfreiheit haben wird als Godoff. Dafür muss er enger mit Ms. Centrello zusammenarbeiten, die von der
Marketing- und Finanzseite kommt. Außerdem auf den Buchseiten: eine zwiespältige
Rezension von John Rockwell zu
Frederic Spotts Studie über
Hitler als Kunstkritiker.
T. Coraghessan Boyle (
homepage) hat sich für seinen "unmäßig unterhaltsamen" neuen Roman "Drop City" eine Hippie-Kommune im Kalifornien der Siebziger ausgesucht, die als Hintergrund für zwei
ungewöhnliche Liebesgeschichten dient, wie Dwight Garner in seiner Rezension
erklärt. Boyle schreibe "unglaublich gut über die
Freak-Parade, die er da auf den Leser loslässt", lobt Garner und ist erstaunt darüber, "wie viel menschliche Komplexität" Boyle in dieses Szenario packt. Kurz und gut, "einer der lustigsten und gleichzeitig
subtilsten Romane über die
Hippie-Ära, die langsam zu verblassen scheint", urteilt Garner, der nur einen Wermutstropfen beklagt: den etwa übereilten Schluss.
In seinem neuen Buch
"Spooky Art" (
erstes Kapitel) hat
Norman Mailer (mehr
hier) einige seiner Aussagen zur
Kunst des Schreibens versammelt. Das Buch sei aber keineswegs eine Liste von
Do's and Don'ts,
beruhigt James Campbell, "aber wenn es
professionelle Tipps gibt, dann sind sie recht grundlegend". Viele von Mailers Überlegungen hätten aber auch rein gar nichts mit dem Schreiben zu tun. Mit dem Schlusskapitel, in dem Mailer über andere Autoren und Kritiker herzieht, kann Campbell nichts anfangen. "Ein solches
Übermaß an Neid und Konkurrenzdenken ist ungesund", rät er dem Altschriftsteller und bescheidet Mailer schließlich, dass er wie viele seiner Kollegen wenig hilfreich sei, andere in die Kunst des Schreibens einzuführen.
"Die Schriftsteller sind unsere öffentlichen Intellektuellen geworden, unsere
Universalgelehrten, unsere Geografen, unsere Erforscher der materiellen Welt", stellt Judith Shulevitz in ihrem
Close Reader fest. Trotzdem sind
Intellektuelle als Handelnde Mangelware im modernen Roman, wundert sie sich, um sich dann einem Buch zu widmen, in dem alles anders ist:
Richard Powers' ''The Time of Our Singing'' (
hier die Rezension).
Außerdem: Timothy Naftali
hält Thomas Powers Abriss der
Geheimdienstarbeit seit 1941,
"Intelligence Wars", für eine nützliche Einführung in einen bisher vernachlässigten Teil der amerikanischen Geschichte. Kathryn Harrison
findet in
Valery Martins "Property" (
erstes Kapitel) vor allem die Nebengeschichte spannend und faszinierend, den Kampf zwischen der
vernachlässigten Ehefrau eines Plantagenfarmers und ihrer
Sklavin Sarah.
Colin McGinn, Philosophieprofessor an der Rutgers University,
verreißt Antonio Damasios "Looking for Spinoza" (
erstes Kapitel). Damasio ist
Neurologe und hat bereits zwei Bücher über
Gefühl und Gehirn geschrieben. Und schließlich druckt die
Book Review Tropico, ein Gedicht von
Nicholas Christopher, das schon recht tropisch beginnt: "On the abandoned tennis court in the
coconut grove where the cows chew weeds along the baseline ...".