
Gut und viel in dieser Woche:
James McManus muss ein glücklicher Mann sein,
vermutet Robert R. Harris nach der "aufregenden" Lektüre von "Positively Fifth Street" (
erstes Kapitel). Eigentlich sollte McManus für das
Harper's Magazine in Las Vegas die Weltmeisterschaft im
Pokern verfolgen. Statt dessen entschied er sich, selbst mitzuspielen. Während des Turniers gewinnt er "
866.000 Dollar in einer einzigen Runde und übernimmt die Führung" schreibt Harris bewundernd. "Dann endet seine
Glückssträhne, plötzlich aber unausweichlich. Er schafft es noch bis zum Finale am fünften Tag, wird Fünfter (von 512) und spaziert schließlich mit etwas weniger als
250.000 Dollar heraus - und, für einen Reporter noch besser, auch noch mit einer guten Geschichte." McManus verknüpft seinen Report vom Turnier mit dem Prozess um den
ermordeten Sohn des Casinobesitzers. Harris findet die Erzählung vom Wettbewerb schon
"spannend wie einen Thriller" und glaubt, dass dieses Buch zurecht einen Platz auf dem Bücherregal neben dem Klassiker beanspruchen kann, von dem es inspiriert wurde, nämlich
"The Biggest Game in Town" by
Al Alvarez.
Wenn
Demokratie übertrieben wird, ist die
Freiheit in Gefahr - das ist die zentrale These von
Fareed Zakarias "The Future of Freedom", einem "mutigem" Buch "gegen den Zeitgeist", wie Niall Ferguson in seiner Rezension
urteilt. Aufgebaut auf seinem "brillanten", 1997 in
Foreign Affairs veröffentlichten Artikel (
Zusammenfassung), rate Zakaria allen Entwicklungsländern: "erst
reich werden (und damit einen Mittelstand, eine Zivilgesellschaft und einen Rechtsstaat aufbauen), dann
demokratisch werden. Memo für die arabische Welt: Reich werden aufgrund von Erträgen aus natürlichen Ressourcen zählt nicht." Und auch die Beobachtung, dass Amerika Schritt für Schritt zu einer "
illiberalen - oder zumindest dysfunktionalen - Demokratie", wird, verdient - wie das ganze Buch an sich - eine "breite Leserschaft", findet Ferguson.
Margo Jefferson
erinnert an die seit dem Film
"The Hours" wieder viel gelesene
Virginia Woolf und ihre Warnung davor, während des Krieges für die Freiheit (damals gegen den Faschismus) die Freiheit im eigenen Land zu vergessen. "Freiheit von
unwirklichen Loylitäten" nennt Woolf das. "Als Erstes muss man den Nationalstolz abschütteln, dann den religiösen Stolz, den Stolz auf Bildung, Familie und das Geschlecht, und all die unwirklichen Loyalitäten, die daraus folgen."
Aus den weiteren Besprechungen: Walter Kim
verreißt Don de Lillos Roman "Cosmopolis" (
erstes Kapitel) in lesenswerter Manier. Er findet die Geschichte des superreichen, gefühllosen und eiskalten Börsenmanagers Eric Packer
ausgelutscht und beschimpft sie als "
fossilen akademischen Futurismus" bar jeder Überraschung und Spontaneität. (James Wood
seufzt in seinem Verriss in
The New Republic:
Eric "hat keine Gedanken, er hat nur Meta-Gedanken".) Andrea Barrett
glaubt in der Kanadierin
Mary Swan eine vielversprechende Autorin entdeckt zu haben, die in der "brillanten" Titelgeschichte ihres Erzählbands "The Deep" (
erstes Kapitel) beweise, dass ihr vor allem die
schwierigsten Formen zu liegen scheinen. Richard Eder
freut sich außerdem, dass nach mehr als zwanzig Jahren nun endlich eine amerikanische Version der
"Memoiren eines italienischen Terroristen" erschienen ist, deren Authentizität zwar aufgrund des unbekannten Autors nach wie vor angezweifelt wird, die uns aber "gerade heutzutage" viel Wissenswertes über das
Innenleben eines Terroristen verraten, meint Eder.