
Die
New York Times Book Review beschäftigt sich heute intensiv mit
Deutschlands Vergangenheit und bespricht zwei Bücher über die schicksalsträchtigen Verhandlungen zwischen und während den beiden
Weltkriegen.
Margaret McMillans Margaret McMillans Studie über die Friedenskonferenz in "Paris 1919" (
erstes Kapitel) tritt an gegen "Peacemaking 1919" von
Harold Nicolson und
John Maynard Keynes "The Economic Consequences of the Peace". Auch wenn McMillan an deren Stil und "intellektuelle Feuerkraft" nicht heranreicht, löst sie ihre Aufgabe doch recht gut,
findet Tony Judt. Besonders die Kapitel über die einzelnen Länder gefallen ihm. In ihrem Element sei McMillan, "wenn sie Persönlichkeiten beschreibt und charakterisiert, nicht nur die führenden wie
Woodrow Wilson,
David Lloyd George und
Georges Clemenceau, sondern auch Randfiguren wie Königin
Marie von Rumänien und eine Reihe von eher
glücklosen Unterhändlern von Peking bis Budapest."
Michael Beschloss hat seine Untersuchung der Rolle von
Roosevelt und Truman bei den Verhandlungen über die
Zukunft Deutschlands unterbrochen, um auf die Öffnung einiger Archive zu warten, und diese Besinnungspause hat "The Conquerors" (
erstes Kapitel) gutgetan,
schreibt Thomas Powers. Besonders Roosevelt, der die Formel der
bedingungslosen Kapitulation geprägt hat, erscheine in einem neuen Licht. "Der gewöhnliche Amerikaner sah in Roosevelt einen
Fels, ernst und zuversichtlich, aber für die Männer in seiner Umgebung war er ein
Rätsel. Niemand kannte seine wahren Pläne, niemand konnte sicher sein, was er anderen erzählte oder wann die Linie des Präsidenten sich ändern würde und Mitarbeiter plötzlich um ihren
Rücktritt gebeten würden."
Dick Teresi hätte sich für seine "Lost Dicoveries" (
erstes Kapitel), in denen er überzeugend und erschöpfend auf die
nicht-westlichen Ursprünge der Wissenschaft hinweist, keinen besseren Zeitpunkt aussuchen können,
jubelt Stephen S. Hall. Und spannend sei die Suche nach den
arabischen, indischen, chinesischen oder polynesischen Wurzeln unseres Denkens auch noch. Hall empfiehlt es als
Pflichtlektüre, für die High School wäre es vielleicht "ein bißchen zu detailliert und überwältigend, geradezu ideal könnte es aber für Seminare über den westlichen Kanon an der Universität sein, oder noch besser, als Grundlage für eine Lektion der Ideengeschichte namens
'Demut 101'."
Außerdem zu lesen in dieser wahrhaft lohnenden Ausgabe: Robert W. Merry ist hoffentlich objektiv, wenn er
John F. Stacks "Scotty", ein Porträt der Journalistenlegende
James B. Reston (kurze Biografie
hier), als klarsichtig und unsentimental
feiert. Er nennt Reston die "mächtigste Stimme der mächtigsten Zeitung des Landes" - der
New York Times. In den "Selected Poems, 1957-1994" kann man nicht nur die herausragende Poesie des
Ted Hughes (alle besprochenen Bücher
hier, mehr über Hughes
hier) bewundern, sondern bekommt auch neue Einblicke in die
künstlerische Entwicklung von Englands großem Poeten,
verspricht Peter Davison. Die
Krimi-Ecke birgt fünf Kurzbesprechungen neuer Kriminalliteratur, unter anderem
Richard Starks "Break Out". Judith Shulevitz
schaudert es schließlich im
Close Reader vor Dichtern, die ihre Werke nicht vorlesen können, und rät
Poeten mit diesbezüglichen Defiziten, doch bitte zu trainieren - für sich und ihre Zuhörer.