
In dieser Woche beherrscht das Thema
Verleger und Verlage die aktuelle Ausgabe. Der
Obs bringt
Auszüge aus den
Erinnerungen des (ehemaligen) Verlegers
Jean-Jacques Pauvert, der es Anfang der fünfziger Jahre als erster gewagt hatte,
de Sade in einer nicht anonymen Ausgabe herauszubringen, und deshalb auch vor Gericht stand. Das Manuskript der "Histoire d'O." wiederum hatte ihm Jean Paulhan bei einem Abendessen mitgebracht und ans Herz gelegt. "Paulhan hatte Recht: Das war der Text, nach dem ich seit Jahren gesucht hatte. (...) Ich wusste: Ich bin der
Traumverleger für die 'Geschichte der O.', weil die 'Geschichte der O.' für mich das
Traumbuch ist. In fünfzig Jahren hat es kein zweites Zusammentreffen wie dieses gegeben. Ich war völlig aus dem Häuschen."
Ein Artikel
stellt weitere
Ex-Verleger vor, die
geschluckt wurden, aufgegeben oder ihren Verlag verlassen haben, und fragt nach, was sie fühlen, wenn sie heute Bücher lesen, die unter "ihrem" Namen erscheinen. Und der amerikanische Verleger
Andre Schiffrin (Autor von
"Verlage ohne Verleger") erklärt in einem
Interview, warum er die
Konzentration im französischen Verlagswesen für
"selbstmörderisch" hält. Frankreich riskiere damit, "sich in die gleiche Situation zu bringen wie Großbritannien oder die USA. Dort sind die
Großkonzerne, die gehofft hatten, mit Büchern mehr Geld zu verdienen als mit Fernsehen oder Presse, allmählich
fett geworden und versuchen nun, ihre 'schwierigeren' Programmzweige loszuwerden, vor allem die, die am wenigsten einbringen. (...) Man vergisst, dass von den ersten Büchern von Brecht oder Kafka nur 600 oder 700 Stück verkauft wurden!"
In einem Gespräch über das
"Böse" in der Politik und das Recht auf Einmischung
erklärt der bulgarische Literatur- und Sozialwissenschaftler
Tzvetan Todorov (mehr
hier): "Die USA praktizieren derzeit eine Art
Moralpolitik, in der die Durchsetzung des Guten schon ein ausreichender Grund dafür ist, gegen andere Krieg zu führen. Sollte sich dieses Prinzip verfestigen, wäre das eine Quelle ständiger Konflikte."
Vorgestellt wird der
Debütroman der albanischstämmigen Videokünstlerin und Malerin
Ornela Vorpsi "Le Pays ou l'on ne meurt jamais" (Actes Sud), ein weiteres
Dokument sexueller Bekenntniswut, "Cent Coups de brosse avant d?aller dormir" (Lattes) von
Melissa P., das in Italien 600.000 Leser fand, in Frankreich aber vorerst in der eher schüchternen Auflage von 7.000 Exemplaren herauskommt, und
"Immortel", der neue
Film von
Enki Bilal.