
Von Bahgat Elnadi und Adel Rifaat, die unter dem Pseudonym
Mahmoud Hussein bereits mehrere Bücher zum Islam geschrieben haben, erscheint bei Grasset nun ihr jüngstes Buch: "Penser le Coran". In dem Essay plädieren die beiden französischen Intellektuellen ägyptischer Herkunft für eine
Lektüre des Koran
gegen den Islamismus. Im Gespräch
erläutern sie ihre Kernthese, wonach das Dilemma der Muslime in einer allzu wörtlichen Lektüre und Auslegung besteht, die die beiden Autoren "rasend macht". Einen Ausweg aus diesem Dilemma sehen sie darin, den Koran zu "denken" statt ihn lediglich zu "
psalmodieren". "Man muss ihn ohne Voreingenommenheit lesen. Dann zeigt er sich als eine 'mit der Zeit gehenden Transzendenz'. Seine
zeitliche Komponente und sein göttlicher Ursprung sind nicht zu trennen. Gott hat sein Wort in einer ganz bestimmten Welt und zu einer ganz bestimmten Zeit geschrieben. Der Gläubige, der dieses Wort in anderen Gegenden, in anderen Jahrhunderten lebt, kann es deshalb
nicht wortwörtlich nehmen. Im Gegenteil, er ist verpflichtet, sich um eine Interpretation zu bemühen. Den Koran 'lesen' bedeutet, ihn zu verstehen, und dies muss die erste Pflicht eines Moslems sein."
Außerdem: In einem weiteren Interview
spricht der französische Historiker für zeitgenössische arabische Geschichte
Henry Laurens über die
Aktualität des Anti-Imperialismus; dabei geht er unter anderem auf die Vergleichbarkeit des römischen und zeitgenössischen amerikanischen Imperialismus ein und erklärt, weshalb der
Dschihad keine antiimperialistische Bewegung sein kann.
Besprochen wird das Buch "Une histoire des haines d'ecrivains" von Anne Boquel et Etienne Kern, worin es um die
Gemeinheiten geht, mit denen sich
Schriftsteller des 19. Jahrhunderts von Chateaubriand bis Proust gegenseitig überzogen
(Flammarion). Sie sind empörend. Ein Beispiel:
Barbey d'Aurevilly sagte über
Prosper Merimee: "Er hat zwar die Beine eines Pfaus, aber nicht den Schwanz."