
Am 24. April jährte sich der Beginn des
Völkermords an den Armeniern in der Türkei. Der in den USA lehrende Soziologe und Historiker
Taner Akcam ist einer der ersten türkischen Wissenschaftler, der sich mit dem Thema befasste und sich nicht scheut, die Türkei dafür zur Verantwortung zu ziehen. Im Gespräch
erläutert er die zentrale These seines in Kürze in Frankreich erscheinenden Buchs "Un acte honteux. Le genocide armenien et la question de la responsabilite turque" (Denoel), wonach die
türkische Leugnung dieses Verbrechens mit den Verknüpfungen der kemalistischen Republik mit der ottomanischen Epoche zu tun habe. Demnach waren zahlreiche am Völkermord Beteiligte die ersten gewesen, die sich Kemal anschlossen und mit ihm den türkischen Staat gründeten. Diese Tatsache sei in der Türkei, wo man ihn als
Lügner bezeichnet, einfach nicht ausreichend bekannt. "Einer der Gründe für diese '
Erinnerungslücke' ist zweifellos, dass sich die Regierungseliten seit der Republikgründung nicht verändert haben. Erst seit die islamische Partei AKP an die Macht kam, merkt man positive Veränderungen. Ein weiterer, wesentlicherer Grund ist, dass keine Nation gerne zugibt, dass ihre
Gründerväter Mörder und Diebe sind.“
Zu
lesen ist des Weiteren ein Gespräch mit der ehemaligen georgischen Außenministerin und Oppositionsführerin
Salome Zourabichvili über die verfahrene Situation in ihrem Land.