Magazinrundschau - Archiv

Outlook India

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Magazinrundschau vom 19.09.2006 - Outlook India

Seema Sirohi erinnert an die 65.000 Inder, die im Ersten Weltkrieg unter britischer Flagge als Kanonenfutter gegen die Deutschen in Flandern eingesetzt wurden. Sirohi berichtet über die schlechte Ausrüstung und Bezahlung der indischen Soldaten (meist aus dem nördlichen Punjab) und das korrupte Rekrutierungssystem der Kolonisten: "Obwohl es offiziell keine Einberufung gab, ermutigten die Briten indische Grundbesitzer, ihre Loyalität zur Krone mit der Rekrutierung junger Männer unter Beweis zu stellen. Im Rahmen dieser Scheinautonomie, die von den Briten natürlich strikt kontrolliert wurde, bekamen die Landlords dafür den Titel 'Rai Bahadur' und 'Khan Bahadur' verliehen. Tausende wurden so in den Tod geschickt."

Ferner: In einem Beitrag des Titeldossiers macht sich Arindam Mukherjee Sorgen um den Nachwuchs in der traditionellen indischen Musik. Jaideep Madzumdar klagt über den spirituellen und physischen Verfall der einst von Rabindranath Tagore gegründeten Universität Santiniketan. Namrata Joshi findet Paul Greengrass' Kinofilm über Flug "United 93" gründlich. Und wir lesen einen Auszug aus Prem Shankar Jhas Globalisierungskritik "The Twilight Of the Nation State".

Magazinrundschau vom 05.09.2006 - Outlook India

Gandhi lebt! Mit der Globalisierung ist er zurückgekehrt, meint Sheela Reddy, die überall Neo-Satyagrahis entdeckt - nicht unbedingt mit dem Insignium des Spinnrads bewehrt, sondern mit dem Moped, aber doch mit den besten Absichten: "Wer in der Globalisierung das Ende seiner Ideale sieht, findet das Angebot unwiderstehlich: Alternative Lebensformen, gesellschaftliches Engagement, eine neue Lernerfahrung und alles frei von starrer Ideologie ... Die Gandhi-Jugend setzt sich ein für die Rechte enteigneter Stämme und die der Frau, veranstaltet Motorrad-Rallyes für den Frieden mit Pakistan, organisiert Symposien an Schulen und in Slums und diskutiert sogar mit Terroristen." Auch wichtig: Anders als die alten Gandhi-Anhänger lachen die neuen viel.

Ferner: Alam Srinivas bespricht die etwas faden Erinnerungen des legendären Kricket-Coaches John Wright ("John Wright's Indian Summers"). Anuradha Raman befragt Indiens Medienminister Das Munshi über sein restriktives Walten. Namrata Joshi stellt Bollywoods neue Drehbuchautorinnen vor. Und im Interview mit Sheela Reddy verrät der 92-jährige Autor Khushwant Singh das Geheimnis seines Erfolgs: "Sieh deinen Lesern in die Augen."

Magazinrundschau vom 22.08.2006 - Outlook India

"Ein dreifaches Hurra auf Ayaan", ruft die im Exil lebende bangladeschische Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Taslima Nasrin nach Lektüre von Ayaan Hirsi Alis Buch "The Caged Virgin". Dabei ist Nasrin längst nicht mit allem einverstanden, was Hirsi Ali schreibt. Frauenfeindlichkeit sei keine Domäne des Islam noch der Religion allein, so Nasrin. Ehrenmorde und Genitalverstümmelung seien kulturell, nicht religiös verankert. "Die Religion ist nicht verantwortlich für das Fortleben uralter, überholter Bräuche. Es sind die Menschen, die es versäumt haben, dagegen zu protestieren." Insofern sei das Buch dennoch ein wichtiger Impuls: "Männliche Reformer sind nutzlos. Um die muslimische Gesellschaft zu reformieren und dem Islam eine Absage zu erteilen, brauchen wir Tausende wütender Frauen".

Außerdem: Shobita Dhar schreibt über das neue Modemekka Kalkutta und seine Protagonisten. Im "Cola-Kampf" setzt T.R. Vivek auf die indischstämmige Pepsi-Chefin Indra K. Nooyi. Und im Interview mit Sheela Reddy spricht der Romancier Vikram Chandra ("Sacred Games") über den Unsinn des Bücher-Rankings und warum das unstrittigste Buch meist gewinnt.

Magazinrundschau vom 08.08.2006 - Outlook India

Im einem Interview mit Aditi Bhaduri spricht die berüchtigte Führerin der separatistischen kaschmirischen Frauenbewegung Dukhtaran-e-Millat (Töchter der Nation) Asiya Andrabi erstmals in der indischen Presse über ihre Unterstützung der Mudschaheddin im Kaschmir-Konflikt und über ein fernes Weltkalifat: "Ich glaube nicht an einen unabhängigen Staat Kaschmir, ich glaube nicht an Nationalismus. Für mich gibt es nur Moslems und Nicht-Moslems. Ich bin eine Muslimin, es ist mir egal, ob man mich eine Kashimiri nennt. Ich bin Andrabi, aus der Syed Dynastie. Tatsächlich bin ich gar keine Kashmiri, sondern Araberin, meine Vorfahren kamen aus Arabien nach Zentralasien. Ich glaube an einen islamischen Nationalismus." Das nächste Ziel, die Vereinigung Kaschmirs mit Pakistan, ist für Andrabi dann auch nur ein Zwischenschritt zur weltbeherrschenden Vereinigung aller Muslime. "Wissen Sie, es gibt hunderte und tausende solcher Bewegungen. Nicht nur Dukhtaran-e-Millat arbeitet daran. Lokale Bewegungen überall auf der Welt arbeiten daran. Aber sie sollten vereint werden. Die islamische Lehre sagt, es solle nur eine Ummah geben... wir arbeiten daran."

Außerdem: Shuddhabrata Sengupta entdeckt in Pankaj Mishras kritischer Studie "Temptations of the West" Kanonisches zum Thema Nationalismus. Und die Titelstory von Pramila N. Phatarphekar schlägt Alarm: Die weltgrößte Veggie-Nation hat ein Gewichtsproblem. Jeder Vierte aus der urbanen Mittelschicht leidet unter Fettleibigkeit.

Magazinrundschau vom 01.08.2006 - Outlook India

Angesichts sinkender Ausbildungsstandards unter Journalisten bangt Paul Danahar von der BBC um die Seriosität indischer Newssender. Statt aussagekräftiger Lebensläufe entdeckt er die Castingkultur auf dem Vormarsch. "Auf den Bewerbungsfotos posieren junge Aspiranten stirnrunzelnd vor dem Computer, um zu zeigen, dass sie sowohl schön als auch klug sind. Wenn die Qualifikation nicht ausreicht, werden dem potentiellen Arbeitgeber andere Reize offeriert: Eine Bewerberin stellte sich mir als 'jung und temperamentvoll' vor." Zum Glück für die Bewerber "signalsieren viele Fernsehkanäle oft: 'Erfahrung nicht nötig', ein Satz, den viele Politiker unterschreiben würden. Dem früheren Innenminister Indrajit Gupta folgte einmal auf seinem Weg ins Parlament hartnäckig ein junger Journalist. Als Gupta schließlich für die Nachrichtencrew stehenblieb, wurde ihm die Probefrage gestellt: 'Sir, könnten Sie bitte etwas sagen?' Die zweite Frage war: 'Und jetzt, Sir, wer sind Sie?'"

Außerdem: Prayaag Akbar zeigt, wie öffentlicher Protest mit Hilfe moderner Medien zum Event wird. Und Prem Shankar Jha erklärt, mit ihren Präventivschlägen hätten die USA den Westfälischen pax universalis unterlaufen und eine Art Hobbes'sche Dystopie eingeleitet, an der sich nun auch Israel beteilige.

Magazinrundschau vom 18.07.2006 - Outlook India

Das Titeldossier ist den Anschlägen in Bombay gewidmet. Ein Beitrag von Vinod Mehta erklärt die Verwundbarkeit der Metropole mit ihrer Weltoffenheit: "Dank der ewigen selbstgerechten Litanei von Leuten wie Bal Thackeray (der ultrarechte Hindu Nationalist, d. Red.) und ihrer kleinen miesen Anhängerschaft ist diese Stadt verflucht. Wenn mit ihrer Hilfe die bärtigen Fanatiker von Lashkar-e-Toiba (radikal-islamische Terrorgruppe aus Kaschmir, d. Red.) und Al Qaeda erst die Offenheit Bombays zerstört haben, wird es ihnen auch gelingen, diese ihnen so verhasste Gesellschaft wirtschaftlich und sozial zu ruinieren."

Ferner: Sheela Reddy schreibt zum Tode des indischen Autors Raja Rao ("Kanthapura"), der die englischsprachige Romanliteratur in Indien entscheidend geprägt hat. Manju Kapur empfiehlt Meena Arora Nayaks "Endless Rain", eine Familiengeschichte aus Kaschmir. Und Dunu Roy vermisst in Ramachandra Guhas Öko-Studie "How Much Should A Person Consume?" den Pragmatismus.
Stichwörter: Kaschmir, Familiengeschichte

Magazinrundschau vom 11.07.2006 - Outlook India

S. Anand erinnert an den ersten Aufstand hinduistischer und muslimischer indischer Soldaten gegen die Briten in Fort Vellore 1806. "Unzufriedenheit wuchs schon länger unter den indischen Soldaten. Sie litten unter schlechter Behandlung, dem Verlust ihres Status und der miserablen Bezahlung. Die auslösende Provokation für den Gewaltausbruch war jedoch die Verordnung eines kontroversen neuen Turbans und die Einführung von neuen Regeln über die Kastenzeichen auf der Stirn, Ohringe und Bärte." Der Aufstand endete mit hunderten von Toten auf beiden Seiten.

Weiteres: Raja Menon annonciert Shrabani Basus Tatsachen-Roman "Spy Princess" über die junge Inderin Noor Inayat Khan, die als britische Agentin in einem deutschen KZ endete. Namrata Joshi ist entsetzt von Bryan Singers Film "Superman Returns". Superman als verzweifelter Softie? Braucht kein Mensch, meint Joshi: "Lenkt nur ab von allem Wichtigen: Action + Unterhaltung nämlich." Sheela Reddy schließlich besucht den Kunstmäzen Ebrahim Alkazi, dessen geplante Stiftung die weltgrößte Sammlung indischer Kunst in Delhi vereinen soll.
Stichwörter: Superman, Delhi, Noor, Indische Kunst

Magazinrundschau vom 04.07.2006 - Outlook India

Juden in Bombay? Die gibt es. Payal Kapadia erzählt von der etwas anderen Diaspora der knapp 5.000, vor allem in Bombay lebenden indischen Juden - den Bene-Israelis und den so genannten Bagdad Juden, die im 18. Jahrhundert aus dem Irak kamen - und dass das Jüdische andere Identifikationsmöglichkeiten bietet als die Verfolgung: Diese Menschen "haben die schreckliche Erfahrung des Holocaust nicht gemacht noch wirklich begriffen. Macht sie das weniger jüdisch? Ganz und gar nicht. Im Gegenteil stellt es die Vorstellung vom geschlossenen, verfolgten Volk auf den Kopf."

Ferner: Pramila N. Phatarphekar führt durch das wieder eröffnete Küchen-Museum in Neu-Delhi, das Tafelsilber und Picknickkörbe der königlich-britischen Besatzer zeigt. Und Mahmood Farooqui bespricht zwei Bücher ("The Black Hole: Money, Myth and Empire" von Jan Dalley und "The Corporation that Changed the World" über die Ostindien-Kompanie von Nick Robbins), die das Raj ins genuin britische Visier fassen.

Magazinrundschau vom 27.06.2006 - Outlook India

Im Magazin aus Delhi annonciert William Dalrymple sein demnächst erscheinendes Buch "The Last Mughal", das den endgültigen Untergang des Mogulreichs und die Konsolidierung der britischen Kolonialherrschaft mit der Niederschlagung des Sepoy-Aufstands 1857 behandelt, und entdeckt ungeahnte Parallelen: "Der Aufstand war ein defensiver Akt in einem Krieg der Religion, gegen das Vordringen des Christentums und christlicher Werte und gegen die Fremdherrschaft allgemein ... Wenn in den Quellentexten von damals vom Jihad die Rede ist, klingt das heute leider alarmierend."

Außerdem: Khushwant Singh bespricht Kamla Patels leidenschaftliches Buch über das Schicksal im pakistanisch-indischen Teilungsprozess verschleppter Frauen. Und im Interview mit Sanjai Suri erzählt der Softporno-Regisseur Jagmohan Mundhra von seinem nächsten Film, mit Monica Bellucci als Sonia Gandhi.

Magazinrundschau vom 20.06.2006 - Outlook India

Outlook India mit einem Bollywood Music Special. In einem langen Beitrag des Dossiers zeichnet Sunil Menon die Geschichte des indischen Filmsongs nach und erklärt seine weitreichende Bedeutung: "Er erfüllt wichtige psychosoziale Bedürfnisse eines befreiten Volkes, dessen größter Wunsch es ist, modern zu sein ... Dazu gehört auch die bildliche Umsetzung sexueller Begierden ... Das romantische Duett vor Tulpen-Kulisse ist purer Sex-Ersatz. Es hüllt den Verstoß gegen den moralischen Kodex in einen betörenden Duft. Lieder im Wald dagegen symbolisieren die fleischliche Lust, vorehelichen Verkehr, Stammestänzer in Hula-Röcken, reine Körperlichkeit."

Außerdem: Im Interview mit Saibal Chatterjee spricht der Filmemacher und Liedtexter Gulzar über den Verlust der Poesie in der Filmmusik. Und im Buchteil entdeckt Nilanjana Roy den Geist Rabelais', Celines und Kafkas in einem Erzählband von Vilas Sarang.

Nur auf der Website besingt der israelische Friedensaktivist Uri Avnery sehr elegisch Sarajewo, die Stadt der Grabsteine, der Toleranz und der Schönheit: "In Sarajewo kann man einfach nicht indifferent bleiben. 'Auch die Steine in der Mauer werden schreien', schrieb der Prophet Habbakuk (2,11). Mauern, von Kugeln durchlöchert, Ruinen, die einst Heime waren, Menschen, die markerschütternde Erzählungen mit sich tragen, als wären sie erst gestern passiert. Eine Stadt, die das Herz erwärmt und zugleich bricht."