Magazinrundschau - Archiv

Outlook India

338 Presseschau-Absätze - Seite 14 von 34

Magazinrundschau vom 01.02.2007 - Outlook India

Outlook India hält Rückschau auf das Jahr 2006, das der Redakteur Vino Mehta ganz klar als das "Jahr des indischen Mittelstands" identifiziert. Der muss sich noch an einiges gewöhnen. Das Heft lädt nämlich gleichzeitig zu einer kulinarischen Rundreise durch die Städte des heutigen Indien. Sheela Reddys Artikel über die Stadt Kohima beginnt so: "Drei Hunde, Promenadenmischungen mit borstigem Fell und Schwänzen, die ein Fragezeichen machen, springen den Gartenweg entlang und bleiben dann vor Naro stehen, an der sie in dieser typisch hündischen, liebesbedürftigen Art hochblicken. 'Das sind Haustiere', erklärt Naro. Unnötigerweise, wie ich zuerst denke. Aber in Kohima ist diese Unterscheidung bedeutend..."

Magazinrundschau vom 12.12.2006 - Outlook India

Er kommt spät und wäre das Todesurteil gegen Mohammed Afzal planmäßig am 10. Oktober vollstreckt worden, zu spät: Fünf Jahre nach dem Anschlag auf das indische Parlament und dem umstrittenen Eilprozess gegen den vermeintlichen Strippenzieher Afzal, bringt Penguin mit "13 December: A Reader" einen Essayband heraus, in dem u. a. die Schriftstellerin Arundhati Roy, eine Wiederaufnahme des Verfahrens fordert: "Eine ordentliche Untersuchung, keine politische Hexenjagd, hätte festzustellen, welche Rolle etwa die Geheimdienste spielen. Beweisfälschung und die krasse Missachtung verfahrensrechtlicher Normen sind bloß die Spitze des Eisbergs ... Es mag utopisch sein anzunehmen, die Regierung werde so mutig sein, die Wahrheit herauszufinden. Ein gewisses Maß an Feigheit ist anscheinend jeder Regierung eigen. Aber die Hoffnung bleibt." Mehr aus dem Vorabdruck.

Weiteres: Dileep Padgaonkar staunt über das politische Know-how in einem Band mit ausgewählten Reden von Premierminister Manmohan Singh. Girish Karnad lobt die Präzision in den "Collected Stories" von Shama Futehally. Und Ravina Rawal prüft die gastgeberischen Kompetenzen ausländischer Diplomaten: "Die Deutschen werden dafür gelobt, dass sie oft einladen und große Mengen an Bier, Würstchen und ernster Konversation anbieten. Experten beschweren sich nur, dass ihre Parties oft überfüllt sind."

Magazinrundschau vom 28.11.2006 - Outlook India

Angesichts des Bestrebens der indischen Regierung, das 150. Jubiläum des Sepoy-Aufstands von 1857 als indischen Independence Day zu feiern, erinnert Tarlochan Singh an "gleichwertige Unabhängigkeitskämpfe": "Sollten wir uns nicht an den ersten Krieg zwischen Sikhs und Briten 1846 erinnern, als der britische Generalgouverneur um ein Haar von Sikhs gefangengenommen worden wäre? Wenn es den Sikhs gelungen wäre, nach Delhi zu marschieren, wer weiß, vielleicht hätten die Briten schon damals abziehen müssen." Grund genug, vor kleinlichem Geschichtsrevisionismus zu warnen: "Geschichte als evolutionäre Abfolge von Ereignissen zu begreifen, ist Sache des Westens. Unsere Zeit ist zyklisch, weil die indische Weltordnung zeitgleich mit der Zeit selbst entstand; sie ist ohne Anfang und Ende. 1857 hatte seine Folgen, aber indem wir es als ersten Schritt in unsere Unabhängigkeit bezeichnen, trivialisieren wir die Geschichte."

Passt die indische Literaturkritik auf einen Waschzettel? Sheela Reddy entlarvt das Verfassen von Klappentexten als so lukratives wie inzestuöses Geschäft, das den Leser täuscht: "'Die meisten namhaften Verfasser solcher Texte', verrät mir Khushwant Singh, 'lesen das betreffende Buch gar nicht. Sie loben es, weil sie den Autor mögen oder ihn persönlich kennen.' In Indien sind Beziehungen alles. Autoren verlassen sich mehr und mehr auf entsprechende Netzwerke und nehmen das Geschäft mit den Waschzetteln selbst in die Hand."

Weiteres: In der Titelstory bringt Namrata Joshi das neue Bollywood auf die simple Formel: Bessere Filme, mehr Besucher. Anita Roy stellt einen bahnbrechenden Sammelband zum Thema Mutterschaft vor (Rinki Bhattacharyas "Janani. Mothers, Daughters, Motherhood"). Und John Elliott bereist die im Nordwesten Kaschmirs liegende Gilgit-Region, wo die Verachtung für die USA mit Händen zu greifen ist.

Magazinrundschau vom 14.11.2006 - Outlook India

Von wegen faul! Der indische Historiker Irfan Habib antwortet auf die vor einigen Wochen in Outlook erhobenen Vorwürfe des in Delhi lebenden britischen Historikers William Dalrymple ("The Last Mughal"), indische Historiker begegneten der indischen Vergangenheit mit Indifferenz, ja Faulheit. Kritik übt Habib aber vor allem an Dalrymples Sicht der islamischen Beteiligten am Sepoy-Aufstand von 1857 als Vorläufer der Terrororganisation Al-Qaida: "Dass Religion damals das adäquate Medium war, in dem sich der Groll über die zahlreichen Ungerechtigkeiten der britischen Herrschaft kundtat, bleibt so unberücksichtigt... Die Sepoys der bengalischen Armee bewahrten durchweg eine erstaunliche Einheit ihrer Gemeinschaft, eine Tatsache, die Syed Ahmed Khan in seinem Buch 'Asbab Baghawat-i Hind' beschrieben hat. Er gab zu, dass die hinduistischen und muslimischen Sepoys, die solange gemeinsam ihr Blut für die britischen Herren vergossen hatten, so eng in einer gemeinsamen Bruderschaft verbunden waren, dass sie gar nicht anders konnten, als bis zum Ende des Aufstandes zu kämpfen. Dieser antikoloniale Geist beschwört Analogien herauf zu Vietnam, Irak oder Palästina. Es wäre zu engstirnig, ihn nur innerhalb eines Jehad-Konstrukts eigener Machart zu betrachten."
Stichwörter: Faulheit, Irak, Vietnam, Delhi

Magazinrundschau vom 07.11.2006 - Outlook India

Arshad Alam, Mitarbeiter des Center for Jawaharlal Nehru Studies, fordert die europäischen Länder auf, in der Verschleierung der Frauen nicht ein Symbol der Abgrenzung zu sehen, sondern den Wunsch, sich zu integrieren: "Die alte Weltsicht vieler Eltern grenzte die Bewegungsfreiheit und Freiheit muslimischer Mädchen in der Pubertät ein. In vielen muslimischen Familien wurde der Schleier zu einem Symbol des Kompromisses: Er gibt Eltern die Sicherheit, dass ihre Töchter gemäß islamischer Normen gekleidet sind, so dass niemand die Familie in Frage stellen kann, während er zugleich den muslimischen Mädchen die Freiheit gibt, eine höhere Ausbildung oder einen Job zu suchen. Ironischerweise wird der Schleier, in dem viele ein Symbol der Unterdrückung sehen, zu einem Symbol der Freiheit. Gerade im europäischen Kontext ist der Schleier nicht immer ein Symptom von Tradition und Rückwärtsgewandheit, sondern ein Mittel, das die Integration von muslimischen Frauen in die moderne Lebenswelt befördert."

Weiteres: Saba Naqvi Bhaumik berichtet, dass das All India Muslim Personal Law Board für Indien entschieden hat, dass es jeder Frau selbst überlassen bleiben soll, ob sie einen Schleier trägt oder nicht. Die Titelgeschichte prangert die Praxis indischer Geheimdienste an, keine Muslims bei sich arbeiten zu lassen. Besprochen werden die "Mutter aller Bollywood-Bücher", Mushtaq Shiekhs Shahrukh-Khan-Biografie "Still Reading Khan" und Bob Woodwards Buch "State Of Denial".

Magazinrundschau vom 31.10.2006 - Outlook India

Payal Kapadia nimmt die Schönheitssalons unter die Lupe, die in den Slums von Bombay und Delhi wie Pilze aus dem Boden schießen. "Einen Salon in den ärmsten Gegenden der Stadt zu betreiben, ist eine Herausforderung. Die Preisliste muss moderat bleiben: Zehn Rupien (17 Cent) fürs Augenbrauenformen, einen einfachen Haarschnitt gibt es für 50 Rupien (87 Cent). Die Konkurrenz ist beinhart: gerissenes Marketing mit Mobiltelefonen sowie strategische Dumping-Preise. Anu Salunkhe, Eigentümerin des Diksha Schönheitssalons, macht die Augenbrauen für 7 Rupien, um Kunden von anderen Salons in Dharavi abzuwerben. Sparsamkeit und Recycling sind das Maß aller Dinge, frisch geschnittenes Haar wandert nicht in die Mülltonne, sondern - zu einem gewissen Preis - zu anderen Frauen, die Zöpfe und Haarteile herstellen. Es gibt auch Schläger, um die Gauner zu vertreiben, die die Ladenbesitzer belästigen."

In einem wütenden Kommentar verdammt Saba Naqvi Bhaumik mit einer in Europa seltenen Schärfe die falsche Toleranz gegenüber der Unterdrückung der Frauen im muslimischen Teil der Gesellschaft. "Die Einstellungen dieser muslimischen 'Führer' sind erschreckend mittelalterlich, aber ironischerweise spielen wir mit, um Minderheitenrechte zu verteidigen." Im Aufmacher platzt Arindham Mukherjee fast vor Selbstbewusstsein, wenn er beschreibt, wie potente indische Firmen sich auf Einkaufstour in der westlichen Welt begeben.

Magazinrundschau vom 24.10.2006 - Outlook India

In einem leidenschaftlichen Appell fordert die Schriftstellerin und gefürchtete Aktivistin Arundhati Roy die Begnadigung des infolge des Anschlags auf das indische Parlament vom 13. Dezember 2001 gleich zweifach zum Tod verurteilten Mohammed Afzal. Roy übt scharfe Kritik an Justiz und Presse. Während die Zeitungen nichts besseres zu tun hätten, als die Länge des Stricks zu diskutieren, an dem der Verurteilte hängen werde, stütze sich das höchste Gericht auf ein illegales Geständnis Afzals und übe im Namen des kollektiven gesellschaftlichen Bewusstseins praktisch Lynchjustiz, empört sich Roy. "Afzal hat das Recht, ein Individuum, eine reale Person zu sein, scheinbar verwirkt. Er verkörpert alle möglichen Fantasien - die der Nationalisten, die der Separatisten und die der Gegner der Todesstrafe. Für Indien ist er der große Verbrecher, für Kaschmir der große Held und ist doch nur Beweis dafür, dass der Kaschmirkrieg weitergeht ... Aufgrund eines durch Folter erpressten Geständnisses wurden Hunderttausende Soldaten an die Grenze zu Pakistan geschafft, und Indien nahm die ganze Welt in die Geiselhaft seines nuklearen Wagnisses." Die für den 20. Oktober vorgesehene Hinrichtung ist inzwischen aufgrund eines Gnadengesuchs von Afzals Frau ausgesetzt worden.

Magazinrundschau vom 10.10.2006 - Outlook India

Elf Jahre Outlook India. Lauter Rückblicke zieren das Magazin, so auch literarisch: Sheela Reddy stellt fest, es war die Dekade der Sachbücher: "Die moderne Welt zu interpretieren ist nicht zuletzt ein höchst kreatives Geschäft, und wer könnte das besser als Rushdie oder Roy? Vielleicht können wir uns nicht mehr den Luxus erlauben, die sieben oder zehn Jahre zu warten, die Schriftsteller brauchen, ihre Parallelwelt und deren Charaktere zu schaffen - wir wollen sie jetzt, auch um den Preis der Romanhandlung und Romanwelt. .... Vielleicht liegt es am 9. September, oder die Zeit dafür war einfach gekommen, aber mit einem Mal haben die Schriftsteller ihre Geschichten vom Roman befreit. Erzählen, und selbst gutes Erzählen, braucht nicht länger die Tarnkappe der Fiktion." Autoren, die auf diese "Tarnkappe" verzichtet haben, sind laut Reddy Roy und Vikram Seth. Sollte sich deshalb nicht auch der Booker-Preis für Sachbücher öffnen, fragt sie.

Außerdem: Khushwant Singh bleibt schamhaft und erstellt seine persönliche Belletristik-Bestenliste der vergangenen elf Jahre. Tabish Khair porträtiert seinen Favoriten: Amitav Gosh. Und Aniruddha Bahal überblickt den Zustand der Presse und fordert mehr investigativen Journalismus (z. B. gegen Muftis, die gegen Bares Fatwas in die Welt setzen).

Magazinrundschau vom 03.10.2006 - Outlook India

Überhaupt nicht witzig findet Amir Mir die Autobiografie des Präsidenten von Pakistan, Pervez Musharraf (hier kurze Auszüge aus "In the Line of Fire"). B. Raman vergleicht das Buch gar mit Hitlers "Mein Kampf": Wie dieses sei "Musharrafs Buch der Lügen nicht wegen seines Inhalts bedeutsam und besorgniserregend, sondern weil es auf den kranken Geist eines selbstherrlichen Individuums hinweist, das in einer selbst erschaffenen Phantasiewelt lebt. Adolf Hitler war überzeugt davon, dass er der Retter des deutschen Volkes und der Welt sei. Musharraf ist davon überzeugt, er sei der Retter des pakistanischen Volkes und der Welt."

Ferner: Sandeep Pandey kritisiert Lloyd I. Rudolphs und Susanne Hoeber Rudolphs Buch "Postmodern Gandhi" für seine Überbewertung westlicher Einflüsse auf Gandhis Denken. Ranjit Lal empfiehlt ein packendes Buch über Elefanten. Und im Gespräch mit Paromita Mukhopadhyay verrät der Starkoch Anthony Bourdain seine größte kulinarische Herausforderung: Lebenden koreanischen Oktopus. "Er wickelt sich um deine Zunge und saugt sich fest."

Magazinrundschau vom 26.09.2006 - Outlook India

In einem sehr persönlichen Interview mit Sheela Reddy erklärt der indische Bestseller-Autor Vikram Seth ("Eine gute Partie") sein Engagement für die Abschaffung des Paragrafen 377, der Homosexualität in Indien unter massive Strafe stellt: "Es ist um so schlimmer, als es sich um ein selektiv angewandtes Gesetz handelt. Rechtsstaatlichkeit gerät zur Willkürherrschaft einzelner Leute. Was mich selbst betrifft, so war ich beunruhigt und verängstigt, als ich merkte, dass ich Gefühle für Frauen und Männer hatte. Bin ich ein Krimineller? Es hat lange gedauert, damit zurecht zu kommen. Man kann sich vorstellen, was das für jemanden mit einem weniger liberalen Umfeld bedeutet."

Ferner: Seema Sirohi erörtert das Paradox, die Aussagen des Papstes über einen gewalttätigen Islam, mit Gewalt zu beantworten. In der Titelstory zeigt Saikat Datta, wie leicht sich der Sprengstoff RDX erwerben lässt. Daniel Lak preist das Buch "In Spite of the Gods: The Strange Rise of Modern India" des ehemaligen Südasien-Korrespondenten der Financial Times, Edward Luce. Im Gespräch mit Ashish Kumar Sen stellt die "indische Jane Fonda" Sarina Jain den neuen Fitnesstrend Masala Bhangra vor.