
Angesichts des Bestrebens der indischen Regierung, das 150. Jubiläum des
Sepoy-Aufstands von 1857 als indischen Independence Day zu feiern,
erinnert Tarlochan Singh an "gleichwertige Unabhängigkeitskämpfe": "Sollten wir uns nicht an den
ersten Krieg zwischen
Sikhs und
Briten 1846 erinnern, als der britische Generalgouverneur um ein Haar von Sikhs gefangengenommen worden wäre? Wenn es den Sikhs gelungen wäre, nach Delhi zu marschieren, wer weiß, vielleicht hätten die Briten schon damals abziehen müssen." Grund genug, vor kleinlichem Geschichtsrevisionismus zu warnen: "Geschichte als
evolutionäre Abfolge von Ereignissen zu begreifen, ist Sache des Westens. Unsere Zeit ist
zyklisch, weil die indische Weltordnung zeitgleich mit der Zeit selbst entstand; sie ist ohne Anfang und Ende. 1857 hatte seine Folgen, aber indem wir es als ersten Schritt in unsere Unabhängigkeit bezeichnen, trivialisieren wir die Geschichte."
Passt die
indische Literaturkritik auf einen Waschzettel? Sheela Reddy
entlarvt das Verfassen von Klappentexten als so lukratives wie inzestuöses Geschäft, das den Leser täuscht: "'Die meisten namhaften Verfasser solcher Texte', verrät mir Khushwant Singh, 'lesen das betreffende Buch gar nicht. Sie loben es, weil sie den
Autor mögen oder ihn persönlich kennen.' In Indien sind Beziehungen alles. Autoren verlassen sich mehr und mehr auf entsprechende Netzwerke und nehmen das Geschäft mit den Waschzetteln selbst in die Hand."
Weiteres: In der
Titelstory bringt Namrata Joshi das
neue Bollywood auf die simple Formel: Bessere Filme, mehr Besucher. Anita Roy stellt einen bahnbrechenden
Sammelband zum Thema
Mutterschaft vor (Rinki Bhattacharyas "
Janani. Mothers, Daughters, Motherhood"). Und John Elliott
bereist die im Nordwesten Kaschmirs liegende
Gilgit-Region, wo die Verachtung für die USA mit Händen zu greifen ist.