Magazinrundschau - Archiv

The Spectator

157 Presseschau-Absätze - Seite 11 von 16

Magazinrundschau vom 20.02.2007 - Spectator

Die britische Gesellschaft sollte sich von der Vision einer "liberalen Monokultur", in der Muslime zu westlichen Werten bekehrt werden sollen, verabschieden, meint der Philosoph John Gray in einem Essay. Im besten Fall sei ein friedliches Zusammenleben denkbar, das Teilen der gleichen Ansichten dagegen unrealistisch. "Der Austausch von Menschen und Ideen im großen Maßstab, der Einfluss der Medien und eine kontinuierliche kulturelle Innovation haben Großbritannien weit pluralistischer als früher gemacht. Diese anarchische Vitalität scheint mir eine der akttraktiveren Seiten der Globalisierung zu sein, und wird bleiben, was auch immer man darüber denkt. In Großbritannien findet sich eine noch nie dagewesene Mischung von Lebensstilen und Weltanschauungen. Es gibt Fundamentalisten aller Coleur, meist unauffällige Enklaven traditionellen Lebens und unzählige Menschen, die sich aus den diversen Überlieferungen das heraussuchen, was ihnen passt. Warum sollten ausgerechnet die Muslime dafür an den Pranger gestellt werden, dass sie von einem nationalen Konsens abweichen, der mittlerweile zum großen Teil ein Mythos ist?"

Magazinrundschau vom 06.02.2007 - Spectator

Toby Young zerstört den Mythos von Robert Redfords Sundance Festival als Festival des unabhängigen Films. Vielmehr holen sich dort in Wahrheit von den Studios produzierte Filme nur ihren Authentizitäts-Stempel ab. "Die meisten der dort erstmals gezeigten Filme haben noch keinen Verleih gefunden, werden aber kurz nach dem Debüt von einem Verleiher gekauft - typischerweise von einer der studioeigenen Independent-Firmen wie Miramax. Tatasächlich wimmelt es bei Sundance nur so von Angestellten dieser Unternehmen. Es ist jedoch ein offenes Geheimnis in Hollywood, dass viele der Filme, die auf dem Sundance Festival einen Abnehmer finden, von den Studios vorfinanziert wurden, die nur so tun, als würden sie erst nach der Produktion an Bord kommen. So wirkt der entsprechende Streifen nicht nur wirklich 'unabhängig', sondern profitiert auch noch zusätzlich von dem Umstand, dass er auf Sundance 'entdeckt' wurde."

Magazinrundschau vom 30.01.2007 - Spectator

Schade, dass die britischen Konservativen so intellektuellenfeindlich sind. Etwas neidisch blickt Michael Grove auf eine Gruppe linker Intellektueller, die sich aus komfortabler Selbstzufriedenheit befreien und linke Gewissenheiten wie Relativismus und Multikulturalismus hinterfragen. Grove zählt ein paar auf: Nick Cohen ("What's Left"), David Aaronovitch, John Lloyd, Christopher Hitchens. "Ian McEwan, Martin Amis und natürlich Salman Rushdie haben alle - wenn auch unterschiedlich - argumentiert, dass der Islam, wie zuvor der Faschismus und der Kommunismus, eine totalitäre Ideologie ist, die die menschliche Freiheit leugnet. McEwan hat angeprangert, dass die Linke, 'moralisch selektiv" in ihrer Wut, Amerika mit größerem Furor verurteilt als Saddam oder die Taliban. Amis war typisch furchtlos in seiner Attacke auf diese 'Leute mit liberalen Sympathien, verdummt durch Relativismus, diese Apologeten einer religiösen Springflut, die rassistisch, frauenfeindlich, homophob, imperialistisch und mörderisch ist'."

Magazinrundschau vom 09.01.2007 - Spectator

"Innerhalb der nächsten zwölf Monate werden die Amerikaner oder die Israelis Militärschläge gegen den Iran führen, um dessen atomare Ambitionen zunichte zu machen. Diese Schläge werden eher früher als später kommen. Und sie werden wahrscheinlich atomar sein", schreibt Douglas Davis, der offenbar eine sprudelnde Quelle in Israel aufgetan hat. Das Problem für Davis ist nur, dass der Iran genau dies zu provozieren scheine: "Es gibt Berichte, nach denen der Iran zusätzlich zu seinem eigenen Atomprogramm mehrere Atombomben 'aus dem Regal' von Schurken-Technikern aus der früheren Sowjetunion gekauft hat. Der Iran könnte also, ganz abgesehen von der Aufregung um sein Atomprogramm, längst mehrere taktische Atomwaffen in seinem Arsenal haben. Wenn Israel sich zu einem Vorausschlag veranlasst fühlt, könnten die Iraner denken, dass die internationale Gemeinschaft eine atomare Antwort des Irans für proportional, wenn nicht gar gerechtfertigt ansehen würde."

In London soll die bisher größte britische Moschee gebaut werden: 70.000 Menschen sollen darin Platz haben, 300 Millionen Pfund sind als Kosten veranschlagt, berichten Irfan al-Alawi und S. Schwartz: "Unter Nicht-Muslimen wird die Errichtung einer solch großen Moschee auf Ablehnung stoßen. Aber sie weckt auch Unbehagen unter Muslimen. Die Markaz-Moschee wird keine Minarette habe - sunnitische Fundamentalisten hassen Minarette -, sondern ein System von Windturbinen, mit denen sie wie aus einem Science-Fiction-Film aussehen wird. Noch umstrittener ist jedoch, dass das Projekt von der islamischen Separatisten-Bewegung Tabligh-i-Jamaat unterstützt wird. Die Tabligh ist eine missionierende Sekte, die seit den Schreckenstaten vom 11. September unter scharfer Beobachtung steht. Mit ihrer Interpretation des Islams ist sie keine Hauptrichtung, sondern, nach eigenen Behauptungen, reformistisch - wie die von den Saudis finanzierten Wahhabiten, die extremistische Muslim-Bruderschaft in Ägypten und die Jamaat-e-Islami in Pakistan."

Weiteres: In einem aus dem Telegraph übernommenen Artikel kann sich Niall Ferguson die Tatsache, dass Saddam Hussein am Galgen endete, nur mit dessen Blödheit erklären: "Damit ein (allmächtiger) Diktator sein Leben am Strick oder vor dem Erschießungskommando beendet, braucht es eine seltene Kombination von Verruchtheit und Dummheit: Erstere um den Zorn seiner Landsleute zu erregen, letztere um sich mit Armeen anzulegen, die stärker als seine eigene sind."

Magazinrundschau vom 19.12.2006 - Spectator

Dass sich die Anzahl an verliehenen Preisen in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt hat, kann Boris Johnson nur zu gut verstehen. Denn alle profitieren von dem Rummel. "Jede Branche hat mindestens ein Magazin, und die Unternehmen erwarten von ihm die fröhliche Vertretung ihrer Interessen. Deshalb veranstaltet das Magazin - und es gibt Hunderte von ihnen, von PR Week to New Civil Engineer - eine Preisverleihung, um die Moral zu heben, das Korpsgefühl zu stärken und sich selbst zu feiern. Jedes Jahr wächst das Ansehen, die Aufregung steigt, das Geld fließt üppiger. Das Magazin bucht ein Hotel, und natürlich spendiert das Haus gerne das Abendessen, bis zu 1.800 Portionen - das Limit im Grosvenor House. Ein Handel wird ausgemacht. Das Magazin lädt diverse Industrievertreter in die unterschiedlichen Preisklassen ein, und bis zu tausend Firmen zahlen anstandslos die 150 bis 200 Pfund Antrittsgebühr, weil ihre Augen schon glänzen beim Gedanken an den siebeneckigen Plastikklumpen, den es zu gewinnen gilt."

Rachel Johnson probiert Schuhe mit Masai Barfuß-Technik aus, die sie zwar hässlich findet, die aber immerhin die Füße von Emma Freud, Jemima Khan oder Cherie Blair verunstalten. "Nachdem man sich durch die Liste von Verbesserungen gearbeitet hat, die dieses plumpe Schuhwerk einem auf magische Weise ohne Operation oder Fitness-Studiobesuch beschert, würde man auch jedem glauben, der MBTs als Antwort auf den Klimawandel, die globale Erwärmung und den Frieden im Nahen Osten rühmt."
Stichwörter: Geld, Johnson, Boris, Klimawandel, Emma

Magazinrundschau vom 28.11.2006 - Spectator

Neil Barnett rekapituliert seine Treffen mit dem vergifteten russischen Ex-Spion Alexander Litwinenko und erfährt interessante Neuigkeiten von dessen Freund Wladimir Bukowski. "Im Juli hat die Duma zwei sehr interessante Gesetze verabschiedet. Eines erlaubt den Sicherheitskräften, Extremisten auch im Ausland zu töten. Das zweite weitet die Definition von 'Extremist' auch auf jene aus, die das Regime in ehrenrühriger Weise kritisieren. Es läuft so: In Abwesenheit wird das Todesurteil gefällt, dann der FSB oder GRU angewiesen, es auszuführen. Als ich Sascha vor ein paar Wochen traf, sprach er nicht von Überwachung oder Drohungen, aber wahrscheinlich nur deshalb, weil sie zu einem permanenten Teil seines Leben geworden waren."

Außerdem: Küchentisch-Magnaten nennt Judi Bevan die immer zahlreicher werdenden Frauen, die dank des Internets Firmen gründen, von zu Hause leiten und gleichzeitig Kinder großziehen können.

Magazinrundschau vom 31.10.2006 - Spectator

Wie aufgeräumt, nett und klug sind doch die in den Thatcher-Jahren geborenen Kinder, die jetzt als Universitätsabsolventen auf Jobsuche gehen, staunt Boris Johnson. Vor zwanzig Jahren war das noch ganz anders: "Wo ist die Wut geblieben? Überall nur noch iPods, tiefhängende Jeans und Lässigkeit. Unsere Rockstars hießen Sid Vicious, bissen Tauben den Kopf ab oder warfen ihren Freundinnen einen Fön ins Badewasser. Heute gibt es James Blunt mit seinen coolen Strickmützchen, der einem genialisches Zuckerzeug in die Ohren träufelt. Brillant, aber nicht gerade rebellisch, oder?" Maggies Kinder sind superlieb, superclever und müssen sich nie um einen Job sorgen. Na dann, so Johnson, "kann Thatcher letztens so eine böse kleine Mutter nicht gewesen sein".

Weitere Artikel: Problemschüler bringen es im Leben am weitesten, meint Rachel Johnson: Tony Blair, Richard Branson, Stephen Fry zeichnen sich alle dadurch aus, dass sie von ihrer Schule geflogen sind. Musterknaben wie Gordon Brown und Michael Howard blieben dagegen die ewigen Zweiten. Und James Shaw berichtet, wie er im Studium gescheitert ist: Er hat nach dem ersten Semester hingeschmissen, weil er sich unterfordert fühlte.

Magazinrundschau vom 14.11.2006 - Spectator

Allister Heath porträtiert den jungen Konservativen John Hulsman, der gerade zusammen mit dem "feurigen linken Pamphletisten" (NYT) Anatol Lieven ein Buch über Amerikas künftige Rolle in der Welt veröffentlicht hat: "Ethic Realism". Hulsman hat sich vom Befürworter in einen scharfen Gegner von Bushs Irakkrieg gewandelt. Was ihn für Heath interessant macht, "ist die Tatsache, dass er immer noch zutiefst von der Notwendigkeit überzeugt ist, Al Qaida zu bekämpfen - anders als die linken Kriegsgegner, die es meist vorziehen, den Umfang und das Ausmaß des Risikos zu leugnen, das von den Fanatikern ausgeht. 'Die Bedrohung durch islamische Terroristen muss sehr ernst genommen werden, ernster als andere Sicherheitsfragen', sagt Hulsman und er meint es auch so. 'Die Neocons haben sich geirrt, als sie uns Humanitarismus auf Steroiden anboten', sagte er mir. 'Es war ein falscher Realismus zu glauben, man könne Demokratie mit einer Kanone errichten und die Leute würden das mögen. Als ob eine Größe allen passen würde - Kultur und Geschichte spielen keine Rolle. Im Grunde sind die Neokonservativen immer noch jakobinische utopistische rousseauistische Trotzkisten, Verfechter der permanenten Revolution. Das ist ihr Ding.'"

War der Prozess gegen Saddam Hussein fair? Das kümmert Alasdair Palmer einen Dreck: "Ein Prozess ist besser als eine sofortige Hinrichtung. Und es gibt eine Sache, die noch schlimmer ist als die sofortige Hinrichtung eines früheren Staatsoberhauptes, das ein Massenmörder war: seine Freilassung. Das ist natürlich eine Option, die ein 'fairer Prozess' offen halten muss. Und es ist der Grund, warum Prozesse gegen Massenmörder niemals fair sein sollten."

Magazinrundschau vom 17.10.2006 - Spectator

In seiner Titelgeschichte über Südafrika kann Rian Malan auch etwas Positives melden: "Es wird keinen Bürgerkrieg geben." Ansonsten aber sieht er schwarz: "Noch vor neun Jahren sah es es so aus, als könnte sich Südafrika mit seiner Friede-Freude-Eierkuchen-Art durchwursteln. Die Wirtschaft wuchs, wenn auch langsam. Die Züge fuhren, wenn auch nicht pünktlich. Wenn man die Polizei rief, kam sie manchmal. Wir dachten, unser Tisch sei relativ stabil und wir könnten ewig daran sitzen und Regenbogennationen-Ambrosia schlürfen. Fast über Nacht haben wir mit Bestürzung realisiert, dass vieles um uns herum faul ist. Fast die Hälfte unserer Provinzen und Gemeinden stehen vor dem Kollaps. Ein mörderischer Thronfolgestreit ist im regierenden ANC ausgebrochen. Unser Rechnungshof verbringt Berichten zufolge schlaflose Nächte über Milliarden, die nicht genau zugeordnet werden können. Die Weißen haben sich schon vor Jahren darüber beklagt, aber wenn Präsident Thabo Mbeki die 'nackte Tatsache' einräumt, dass seine Regierung von Glücksrittern infiltriert ist, die sich über das Geld des Volkes hermachen wollen - dann wissen wir, dass wir in ernsthaften Schwierigkeiten sind."

Allister Heath hat den französischen Philosophen Bernard-Henri Levy getroffen, der einmal mehr erklärte, dass Anti-Amerikanismus eine Form von Faschismus sei. Spannend fand Heath aber, was Levy über Multikulti in Großbritannien zu sagen hatte: "'Britische Bürger, älteren oder jüngeren Ursprungs, sollten sich zusammen an einen Tisch setzen und versuchen, einen neuen Gesellschaftsvertrag zu schreiben. Es ist dringend. Wenn nicht, werden Sie überall Unruhen bekommen, so wie wir in Frankreich, aber Ihre werden noch schlimmer ausfallen.' Nach der Bemerkung zuckte Levy mit den Achseln und ich fragte mich zum ersten Mal in meinem Leben, ob wir besser dran wären, wenn unsere Intellektuellen ein bisschen mehr wie die in Frankreich wären."

Magazinrundschau vom 05.09.2006 - Spectator

Wie kann man auf neue Formen des Terrorismus reagieren und dennoch die bürgerlichen Freiheiten schützen? Der Harvard-Jurist Alan Dershowitz kritisiert die westlichen Demokratien, die nach dem 11. September schlicht versäumt hätten, sich mit den "moralischen und intellektuellen Herausforderungen durch das relativ junge Phänomen von Selbstmordattentaten" auseinanderzusetzen. "Das traditionelle Paradigma - warten, bis das Unheil geschieht und dann den Schuldigen bestrafen, um andere abzuschrecken - kann bei Selbstmordattentätern, die die Todesstrafe förmlich begrüßen, nicht funktionieren." Natürlich könnten Demokratien nicht auf "tyrannische Methoden" wie etwa der Nazis oder des Stalinismus zurückgreifen. Doch eine effektive Terrorprävention, basierend auf grundlegenden moralischen und gesetzlichen Normen, sei "unabdingbar für den Erhalt bürgerlicher Freiheiten... Deshalb müssen sich jene, die die Freiheit lieben, an die Spitze der Anstrengungen der Terrorprävention stellen, selbst wenn dies einige Kompromisse hinsichtlich eines maximalistisch formulierten Paradigmas bürgerlicher Freiheiten erfordert."

Zu lesen ist außerdem ein unterhaltsamer Bericht über einen "Interviewtermin der Hölle", den der eigenwillige britische Journalist Toby Young mit der für ihre Interviews berüchtigten Journalistin Lynn Barber - Spitzname: "Satan Barber" - erlebte (hier Youngs Website mit Barbers Porträt, das am 2. September im Observer erschien).