Magazinrundschau - Archiv

Telerama

71 Presseschau-Absätze - Seite 4 von 8

Magazinrundschau vom 11.11.2014 - Telerama

Vincent Remy unterhält sich mit dem Politikwissenschaftler Olivier Roy über dessen jüngstes Buch, den Gesprächsband "En quête de l"Orient perdu". Roy legt darin eine luzide Sicht auf die Konflikte und Bruchlinien des Nahen Ostens vor, jedoch keine Schreckensvision: Der Dschihadismus ist für ihn eine aussichtslose Sache und der politische Islam ohne Zukunft. "Der Dschihad ist die Folge des Scheiterns des politischen Islam! Es gibt keinen islamischen Staat, die Dschihadisten sind unfähig, einen Staat zu gründen und werden es auch niemals tun. Keine islamistische Bewegung ist fähig, einen Staat auf islamistische Art und Weise zu führen ... Der Iran ist der einzige Ort, wo sich diese Staatsform halten konnte, doch die Mullahs haben gegen ihren Willen die säkularste Gesellschaft des gesamten Mittleren Ostens produziert. Die Dschihadisten ... leben im Mythos des Kalifats, aber das sind Kranke: Der IS wird sich höchstens ein Jahr halten."

Magazinrundschau vom 20.10.2014 - Telerama

Der Mythos von der vielversprechenden Jugend, die Hoffnung für die Zukunft macht, schleift sich ab. Das meint jedenfalls die Historikerin Ludivine Bantigny, die viele Klischees über die Jungen für schlicht nicht zutreffend hält. Im Gespräch mit Michel Abescat erklärt sie, warum es wenig sinnvoll sei, von "der" Jugend zu sprechen, da es sich dabei um einen schwankenden Begriff handele, der keineswegs zu jeder Zeit oder in jeder Gesellsckaft existiert habe. Kritisch sieht sie auch den behaupteten "Generationskonflikt", jedenfalls ins unseren heutigen Gesellschaften: ""Riss" und "Generationskonflikt" sind starke Begriffe und Synonyme für Kluft, Opposition, Feindseligkeit. Die wahren Gräben verlaufen nicht zwischen Generationen, sondern eher bei der gesellschaftlichen und beruflichen Zugehörigkeit oder auf der Ebene des Bildungsabschlusses. Sie bilden die Trennungslinien innerhalb der Jugend, genau wie in der gesamten übrigen Gesellschaft. Nicht die Zugehörigkeit zu verschiedenen Generationen."

Magazinrundschau vom 14.10.2014 - Telerama

Weshalb muss man als Muslim den Terrorismus öffentlich verdammen? Über diese Frage unterhält sich Gilles Heuré mit dem Essayisten Akram Belkaïd, der in den entsprechenden Appellen nach der Enthauptung des französischen Bergführers Hervé Gourdels durch algerische Islamisten die Fortdauer eines französischen Unbehagens sieht. "In diesen Appellen kommt ein fundamentaler Widerspruch zum Ausdruck: einerseits warnt man die Muslime vor jeglicher Form des Kommunitarismus; andererseits fordert man sie auf diese schändliche Tat als Muslim offiziell zu verurteilen. Auf diese Weise bestätigt man, dass Muslime im republikanischen Modell noch immer eine Sonderstellung innehaben. Es ist gleichgültig, welcher Mensch diese entsetzlichen Verbrechen missbilligt. Man muss niemanden auffordern, sich zu distanzieren oder seinen Abscheu zum Ausdruck zu bringen: das ist doch logisch."

Außerdem ist ein Gespräch mit Arnaud Guigue zu lesen, Autor des Buchs "Truffaut & Godard, la querelle des images". Der fragt sich in seinem Vowort, wie es überhaupt möglich sein konnte, dass diese beiden Regisseure je Freunde waren.

Magazinrundschau vom 09.09.2014 - Telerama

Die Pressefotografie ist in der Krise. Das sieht auch Laurent Abadjian, Bildchef von Telerama, so, plädiert jedoch dafür, statt nach Sündenböcken zu suchen, sich lieber an die unausweichlichen Entwicklungen des Berufs anzupassen: "Digitalkameras, Handys oder Satellitentelefone gestatten Fotografen heute, eine ausgefeiltere Handschrift zu entwickeln, länger im Spiel zu bleiben, eine größere Bildauswahl zu versenden und sich nicht mehr mit nur einem einzelnen Beweisfoto eines Ereignisses zu begnügen. Auch wenn so viele Bilder im Internet kursieren, stammen die von Rang und Bestand zum allergrößten Teil von Profis, Fotojournalisten oder Dokumentarfotografen, die ihren Blick reflektierend auf die Welt richten."

Magazinrundschau vom 12.08.2014 - Telerama

"Antisemitismus ist die Matrix aller Rassismen", erklärt die Historikerin und Psychoanalytikerin Elisabeth Roudinesco in einem Gespräch mit Juliette Bénabent und Yohav Oremiatzki. Sie kommt darin auch auf zwei Jahrhunderte Antisemitismus in Frankreich zurück, zu einem Zeitpunkt, an dem die pro-palästinensischen Demonstrationen die ererbten Spaltungen im Land wieder zutage treten lassen. "Der politische Kontext der letzten Monate in Frankreich hat darauf einen Einfluss. Der Front National ist nicht antisemitisch, er setzt einen Prozess in Gang ... Das Erstarken eines bestimmten politischen Diskurses schürt derzeit den Judenhass, gleichzeitig aber auch den Hass auf die Araber. Antisemitismus und anti-arbischer Rassismus sind die zwei Facetten des gleichen rechtsextremen Denkens, das man in Frankreich anwachsen sieht."

Magazinrundschau vom 04.08.2014 - Telerama

Die berühmte Serie "The Wire" ist in Frankreich nicht allzu bekannt, schreibt Arthur Frayer. Kritiker haben sie zwar gefeiert, geguckt wird sie aber vor allem in den Banlieues von Paris und Marseille, wo man sich mit den Kriminellen der Serie identifiziert, wie Frayer anhand einiger aktueller Rap-Songs aus Frankreich zeigt. Rapper Fababy kann das im Gespräch nur bestätigen: ""Stringer Bell, der ist mehr wie die Leute aus Neuf-Deux (das heißt aus dem Department Nummer 92, westlich von Paris, d.Red.). Der denkt erst ans Business, dann handelt er. Avon Barksdale ist da gegen mehr wie die Typen aus 93, nordöstlich von Paris. Die sind mehr für Gewalt, schießen erst und denken dann." Der Rapper Berthet One gibt zu, dass er ein Faible für Stringer Bell hat, jenen Dealer, der Abendkurse nimmt, verkörpert von dem charismatischen Idris Elba. "Es gibt eine Menge superqualifizierte Typen wie ihn in den Stadtvierteln. Sie investieren ihr Drogengeld in Geschäfte und Immobilien. In einem anderen Milieu wären sie Anwälte.""

Magazinrundschau vom 15.07.2014 - Telerama

Lorraine Rissignol berichtet über Probleme bei der Umwandlung der Wohnhäuser von Schriftsstellern in Museen oder Schreibresidenzen. Am Beispiel des neu eröffneten Hauses von Julien Gracq in Saint-Florent-le-Vieil geht sie der Frage nach, ob sich das Geheimnis des literarischen Schöpfungsprozesses anders als durch Kulissen und Objekte verkörpern lässt. Die sehr französische – Antwort lautet: Ja, "indem man die Konzepte von Museum und Refugium, Pädagogik und Heiligem miteinander vermischt. Damit aufhört, den Charme der Örtlichkeiten einfach zu zerstören, denn die für Publikunsverkehr erforderlichen Einrichtungen wie Kasse, Toiletten, Aufzüge und Rampen für Behinderte, Nachbeleuchtung etc. fügen sich selten harmonisch in die Intimität dieser Häuser ein, die meist bescheiden und winzig sind.“"

Magazinrundschau vom 08.07.2014 - Telerama

Über einen der größten Skandale der Filmgeschichte spricht Frédéric Strauss für Télérama.fr mit dem Schriftsteller François-Guillaume Lorrain, der dieser Tage ein Buch - "L"Année des volcans" - über Ingrid Bergman und Roberto Rossellini zur Zeit ihres Films "Stromboli" veröffentlichte. Es geht Lorrain vor allem um die Interferenzen zwischen filmischer und historischer Realität: die Vaterfigur Rossellini, das "Gefängnis" Ehe sowie das Fremdsein in einem fernen Land. Ingrid Bergmann "spielt eine von allem entfremdete Frau. Fremd auf Stromboli, entfremdet von ihrem Mann, entfremdet von ihrem eigenen Bild und selbst entfremdet von der Welt an sich... Rossellini verstand, dass sie eine Gefangene auf der Suche nach Erlösung war. Und das sollte auch die Rolle sein, die sie in seinem Film spielt. Er ließ sich von ihr inspirieren. Dann, während der Dreharbeiten wurde sie schwanger von ihm; auch das verarbeitete er sogleich und integrierte es in den Film. Damit hielt er sich sehr nah an der Wahrheit: Im Allgemeinen hat "Stromboli" einen ausgeprägt dokumentarischen Charakter und indem er Ingrid Bergman derart inszenierte, realisierte er fast eine Art Dokumentation über sie und ihre Liebe."

Magazinrundschau vom 24.06.2014 - Telerama

Unter der Überschrift "Wie kann man Frauen die Stadt zurückgeben?" schreibt Marion Rousset über ein Phänomen, mit dem sich inzwischen Stadtplaner und Soziologen beschäftigen: die geschlechtsspezifisch unterschiedlichen Nutzung und Wahrnehmung der Stadt. Während die Straße eigentlich als Gemeingut gilt, sei sie dennoch für Männer ein Ort des Spielens und der Geselligkeit, für Frauen hingegen ein latent feindliches Milieu. Sie hätten einfach nicht die "Unbekümmertheit von Männern" zitiert sie eine Stadtplanerin. "Was die Stadt angeht, müssen die Karten noch einmal neu gemischt werden. Und man muss sich daran erinnern, dass Testosteron schon weit vor dem Schulabschluss unter Jugendlichen die Vormachtstellung einnimmt. Bereits in der Grundschule drängen sich die kleinen Mädchen an den Rändern und in Winkeln des Schulhofs zusammen, während ihre männlichen Klassenkameraden dessen Zentrum okkupieren."
Stichwörter: Stadtplanung

Magazinrundschau vom 19.04.2014 - Telerama

Alle wissen, dass sich in Algerien nichts ändern wird“, erklärt die algerische Schriftstellerin Maïssa Bey in einem Interview mit Telerama zur politischen Situation in ihrem Land wenige Tage vor der Präsidentschaftswahl. Doch trotz aller Resignation sei die Stimmung heute eine vollkommen andere als vor den letzten Wahlen. „"Bis zu diesen letzten Monaten hatten alle, mich eingeschlossen, die alten Reflexe. Wir haben uns, ein wenig hysterisch, gesagt, dass sie die Macht und sämtliche Mittel hätten, diese bis in alle Ewigkeit zu festigen. Deutlich gesagt: dass es zwecklos ist, dagegen aufzubegehren. Im Privatbereich hatten wir die Muße, unserer Missstimmung Ausdruck zu verleihen, aber das hat nie auf den öffentlichen Bereich übergegriffen. Heute äußern sich kritische Stimmen in den sozialen Netzwerken, auf der Straße. Sie verschaffen sich zunehmend Gehör, jeden Tag lauter.“"