Magazinrundschau - Archiv

The Times Literary Supplement

327 Presseschau-Absätze - Seite 28 von 33

Magazinrundschau vom 28.07.2003 - Times Literary Supplement

Mit dem Ruf des deutschen Expressionismus steht es in Großbritannien offenbar nicht zum besten. Er firmiert dort unter der Rubrik "hysterisches Gekreische", wie wir von Timothy Hyman erfahren. Nun findet in der Royal Academy die erste große Ludwig-Kirchner-Ausstellung überhaupt in London statt und Hyman ist begeistert: "In der Ausstellung sehen wir Kirchner augeregt durch Berlin streifen, vom Bleistift zu Tusche zu Pastell, von Radierung zu Lithografie zu Holzschnitt. Das Gefühl schwankt zwischen Lebenshunger und Angst... Höhepunkt der Schau und Kirchners Meisterwerk ist der 'Potdamer Platz'. Zwei Prostituierte stehen fast lebensgroß auf ihrer grauen Insel - sehr nah und zugleich doch unerreichbar. Am Rande machen sich kleine männlich Figuren auf, den enormen Strom zu durchqueren; die Frauen überragen uns - barbarische Göttinnen, Engel des Todes."

Der amerikanische Autor Edmund White macht sich in einem Essay darüber Gedanken, wie man einen Roman schreibt und welche Rolle die Liebe darin spielen muss. Nach Exkursen zu Benjamin, Barthes und Bovary kommt er zu dem Schluss: "Der fortschrittliche Romancier muss die Natur verbannen und der Geschichte wieder zu ihrem Recht verhelfen. Wir dürfen nicht suggerieren, dass Jungs immer Jungs bleiben, unabhängig von Zeit und Ort, oder dass Liebe ewigen Gesetzen folgt, unbeachtet der sozialen und ökonomischen Umstände. Denn die Liebe ändert sich ständig."

"Liest eigentlich noch jemand Emerson?", fragt Christopher Benfey, der dies zwar tut, aber auch nach zweihundert Jahren nicht sagen kann, ob Ralph Waldo Emerson nun "der Prometheus der amerikanischen Nationalliteratur war oder ihr Polonius". Sudhir Hazareesingh empfiehlt Benoit Peeters "fesselndes" Porträt des Comic-Zeichners Herge, das dessen frühere Nähe zum Faschismus, seine Kollaboration und chauvinistischen Anwandlungen nicht unterschlage und einem trotzdem die Freude an Tim und Struppi nicht nehme.

Magazinrundschau vom 21.07.2003 - Times Literary Supplement

Große Anerkennung zollt Thomas Laqeur dem Kompendium "Colonialism and Homosexuality", mit dem Robert Aldrich nicht nur sein "Who's Who" der schwul-lesbischen Geschichte fortschreibt, sondern auch anschaulich macht, wie homosexuelle Entdecker, Abenteurer und Schriftsteller - von Alexander von Humboldt über T.E. Lawrence bis Arthur Rimbaud - ihre Freiheiten in den Kolonien suchten. Oder wie Laqeur Rudyard Kipling zitiert: "Oh, East is East, and West is West, and never the twain shall meet. / But there is neither East nor West, Border, nor Breed, nor Birth, / When two strong men stand face to face, / tho' they come from the ends of the earth!"

Mit staunender Bewunderung hat Simon Goldhill ein Buch gelesen, "das Borges wie einen Realisten aussehen lässt": Eine "Genealogie der griechischen Mythologie", die in einem einzigen Stammbaum zeigt - oder zeigen will -, wie die 3.673 wichtigsten Gestalten miteinander in Verbindung stehen. Ganze achtunddreißig Jahre hat das Vater-Sohn-Duo Harold und Jon O. Newman daran gearbeitet. Würde man den Stammbaum in einem einzigen Diagramm zeigen, wäre dieses 54 Meter lang.

Weitere Artikel: Lindsey Hughes empfiehlt eine Reihe von neuen Publikationen zu Sankt Petersburg, die alle mit klugen Essays oder wunderbaren Fotografien aufwarten können, vor allem aber Kyril Zinovieff unübertroffenen "Companion Guide to St Petersburg", dessen Erinnerungen immerhin "von Putin bis Rasputin" reichen. Als ein ganz "ganz reizendes" Buch lobt Raleigh Trevelyan "Chasing Churchill", für das sich Celia Sandys auf die Spuren ihres reiselustigen Großvaters Winston Churchill begeben hat und mit dessen noch lebenden Kumpanen aus Frankreich, Südafrika oder Cuba ber die alten Zeiten geplaudert hat.

Nur im Print: Robert Irwin erklärt uns, wie wir persische Malerei lesen müssen. Und Peter Robinson schreibt über den Dichter William Empson (1906-1984, hier ein Gedicht) und seine Muse, deren hübsches Gesicht das Cover ziert.

Magazinrundschau vom 14.07.2003 - Times Literary Supplement

David Henn feiert Ian Gibsons gelungener Biografie "Cela, el hombre que quiso ganar" des spanischen Literaturnobelpreisträgers Camilo Jose Cela, den Henn als zensierten Zensor des Franco-Regimes beschreibt. Cela hatte sich während des Bürgerkriegs in Francos Armee eingeschrieben und arbeitete später als Zensor, bis er mit seinem "meisterhaften" Roman "La Colmena" selbst in Schwierigkeiten mit dem Ministerium für Öffentliche Erziehung geriet. Zehn Jahre lang haderte das Regime mit ihm, bis die Emigration so vieler Schriftsteller, Künstler und Intellektueller es dazu zwang, den letzten Autor von Rang im Land zu tolerieren.

War Queen Victoria die erste Medienmonarchin, die Königin des Spins? Dies zumindest behauptet der Historiker John Plunkett in seinem Buch "Queen Victoria". Daniel Karlin findet die These zwar ganz hübsch, aber leider völlig abwegig. Zugestehen mag er immerhin, dass Victoria die erste Königin war, die sich fotografieren ließ.

Graham Robb stellt zwei beachtliche Neuerscheinungen zur Tour de France vor: Geoffrey Wheatcrofts lebendige Chronik "Le Tour" sowie die Sammlung "inspirierender, informativer, oft auch lyrischer" Essays von Radsportjournalisten "Golden Stages of the Tour de France". Dabei sei vor allem Wheatcroft die Einsicht zu verdanken, dass Radfahren kein Sport von Masochisten sei, meint Robb. Richard A. Fortey schließlich lobt Rebecca Scotts tatsächlich fesselndes Buch "Darwin and the Barnacle" über die Erforschung der Seepocken.
Stichwörter: Emigration, Radfahrer, Stage+

Magazinrundschau vom 07.07.2003 - Times Literary Supplement

Georges Simenon hat es geschafft. Seine Romane sind in die Pleiade aufgenommen worden, die "prestigeträchtigste Reihe des prestigeträchtigsten Verlegers", nämlich Gallimard. Richard Vinen ist damit überhaupt nicht glücklich. Simenons eigentliche Welt war das Taschenbuch, meint er. "Die meisten Simenon-Romane wurden schnell geschrieben und kaum korrigiert; es gibt keinen Bedarf an einer endgültigen Version." Simenon, erklärt er, hatte "Gallimard abgewiesen, als er ihn Mitte der vierziger Jahre für den kleineren, aber lukrativere Verlag Presses de la Cite verließ. Er wollte zwar immer als Literat respektiert werden ... aber nicht auf Kosten des kommerziellen Erfolges." So gesehen begreift Vinen nicht, warum nur fünf der insgesamt 75 Maigret-Romane - Simenons bestverkaufte Bücher - in die Pleiade aufgenommen wurden.

Haben die modernen Theologen vor der säkularen Philosophie zu schnell kapituliert? Zumindest Stanley Hauerwas behauptet dies in seinen Vorlesungen "With the Grain of the Universe", und zwar mit soviel Witz und Angrifflust, dass Rowan Williams sich davon hat überzeugen lassen. Auch ihm scheinen die christliche Denker besonders in der Ethik "die Nerven verloren zu haben".

Weiteres: John Finlay empfiehlt "Vincent's Choice", den Begleitkatalog zur Amsterdamer Ausstellung, der Van Gogh nicht als gequälten, halb wahnsinnigen Mistanthropen zeige, sondern als Mann von subtilem Intellekt. Robert Iwrin hat mit viel Sympathie Azar Nafisis "Reading Lolita in Tehran" gelesen. Darin erzählt Nafisi, einst Professorin an der Teheraner Universität, wie sie den Kanon moderner englischer Literatur vor der iranischen Revolution zu retten versuchte.

Magazinrundschau vom 30.06.2003 - Times Literary Supplement

In Washington gehört es für politische Berater inzwischen zum guten Ton, einen Insider-Bericht oder auch eine Abrechnung zu schreiben, selten kommt dabei ein solch unausgewogenes, faktenarmes und dabei so großartiges Buch wie Sidney Blumenthals "The Clinton Wars" heraus, meint ein begeisterter Peter Strothard. Besonders überzeugend findet er, was Blumenthal zum Verhältnis zwischen Journalisten und Bill Clinton zu sagen hat: Bevor der Skandal begann, waren sie gelangweilt: "Einst mögen sie sich für Vietnam und Watergate interessiert haben, heute gieren sie nur nach Geld und Status - Dinge, die ohne Krieg oder Depression schwer zu erreichen waren."

Weitere Artikel: Vincent Deary hat von Paul Martins Buch über den Schlaf, "Counting Sheeps", nicht nur gelernt, dass die meisten Menschen müde sind, weil sie zu wenig schlafen, sondern dass daher auch einige ärgere Probleme rühren wie jugendliche Delinquenz, die Explosion der Challenger oder die Katastrophe von Tschernobyl.

Bharat Tandon ist ein wenig enttäuscht von der neuen Generation amerikanischer Erzähler, seit er die Anthologie "The Burned Children of America" gelesen hat, zu der von David Foster Wallace bis Jeffrey Eugenides alle Autoren von Rang und Namen beigetragen haben. In diesen Geschichten sei alles sehr melancholisch, sehr traurig und sehr gut geschrieben, aber nichts so überraschend oder schockierend wie bei Updike oder Roth. Tanya Harrod empfiehlt drei Ausstellungen, mit denen der hundertste Geburtstag der Bildhauerin Barbara Hepworth (mehr hier) begangen wird.

Magazinrundschau vom 23.06.2003 - Times Literary Supplement

Zum hundertsten Geburtstag von George Orwell (mehr hier) laufen die Druckerpressen auf Hochtouren. Stefan Collini findet es in seinem eigenen - leider nur auszugsweise zu lesenden - Jubiläumsartikel bemerkenswert, mit welch hohem Grad an Selbstidentifikation vor allem politische Journalisten über Orwell schreiben. Als hätten sie mit ihrem Arbeitsplatz auch gleich sämtliche Orwellschen Tugenden übernommen, die da wären: "Ehrenhaftigkeit, Tapferkeit, Klarheit, Unabhängigkeit, unverblümte Offenheit und so weiter."

Die meisten Künstler sind unwillig oder unfähig, über sich und ihre Arbeit zu sprechen, stellt der Soziologe Richard Sennett (mehr hier oder hier) ein wenig frustriert fest und nimmt dankbar zwei Bücher auf, die diese künstlerischen Verteidigungslinien ein wenig durchbrechen: John Tusas "On Creativity", für das der frühere Chef von BBC World zwölf Künstler über ihre Arbeit befragt hat, und "Parallels and Paradoxes", in dem sich Daniel Barenboim und Edward Said (der ebenfalls ein hervorragender Pianist sein soll) über die Bedeutung von Musik unterhalten haben. Besonders erfreulich findet Sennett, dass beide Bücher mehr darüber erzählen, "was Kunst schafft, als darüber, was sie bedeutet".

Karl Orend feiert die englische Ausgabe von Brassais "impressionistischen" Erinnerungen an Henry Miller, "Happy Rock", als eine ganz meisterhafte Einführung in Millers Leben und Werk. David Macdonald schließlich enthüllt ein Monument biologischer Feldforschung: Scott Creel and Nancy Marusha Creels Studie "The African Wild Dog".

Magazinrundschau vom 16.06.2003 - Times Literary Supplement

Susan Sontag denkt in einem Essay für das TLS über Sprache nach. Nach Ausführungen über die Schwierigkeit, beim Übersetzen Texttreue und literarische Qualität gleichermaßen zu bewahren, kommt sie zu dem überraschenden Schluss, dass alles nichts hilft, wir in einem "globalen Indien leben und uns ebenso auf die Sprache der Herrschenden als lingua franca verständigen sollten: "Wir leben in einer Welt, die zugleich radikal post-national und im banalsten Nationalismus verhaftet ist. Die Handelsschranken fallen, Währungen werden multinational. Doch es gibt eine hartnäckige Eigentümlichkeit in unserem Leben, die uns in den alten Grenzen festhält, die der fortgeschrittene Kapitalismus, die fortgeschrittene Wissenschaft und Technologie, und die fortgeschrittene imperiale Vorherrschaft (amerikanischen Stils) so belastend finden. Das ist die Tatsache, dass wir verschiedene Sprachen sprechen. Daher die Notwendigkeit einer internationalen Sprache. Und welche ist ein plausiblerer Kandidat als Englisch?" (Deutsch? Französisch? Italienisch? Russisch? Chinesisch?)

Leider nur in Auszügen zu lesen sind Michael Pinto-Duschinskys Anmerkungen zum EU-Verfassungsentwurf. Die Taktik des Verfassungskonvent erinnert ihn stark an die Geschichte vom Rabbi und dem armen Mann, die er folgendermaßen erzählt: "Der Mann vertraut dem Rabbi an, dass seine Frau krank sei, seine elf Kinder hungrig, alle leben in einem einzigen Raum, und sie haben nur eine einzige Ziege. 'Du musst die Ziege mit in den Raum nehmen', trägt ihm der Rabbi auf, 'und dann komm in einer Woche wieder'. Als der Mann beim nächsten Mal den Gestank beklagt, weist ihn der Rabbi an: 'Nimm die Ziege wieder raus. Und komm in einer Woche wieder.' Sieben Tage später kommt dann Mann wieder und preist den Rabbi für seine Hilfe. Seine eigentlichen Probleme hatte er inzwischen vergessen. Die Verfasser der Europäischen Verfassung haben ebenso begonnen, Begriffe und Wendungen zu benutzen, die allein darauf zielten, die Euroskeptiker zu schockieren und ihre Energien zu verschwenden.

Weitere Artikel: Neil Powell stellt Jean Moorcroft Wilsons Biografie des "georgian poet" Siegfried Sassoon (mehr hier oder hier) vor. Martin Daunton lobt Hermione Hobhouses Geschichte des Londoner Kristallpalastes (mehr hier), in dem Königin Vicoria die erste Weltausstellung eröffnete. Schließlich erzählt Garden S. Robinson anhand von Daniel Hahns "The Tower Menagerie" die "wundersame, wahre Geschichte der königlichen Sammlung wilder Tiere" im Tower.

Magazinrundschau vom 10.06.2003 - Times Literary Supplement

Man mag es ja kaum glauben, aber offenbar sind die Engländer derartig selbstbewusst, dass sie nicht einmal ein Nationalgefühl brauchen. Zumindest hat sich bisher keines bleibend herausgebildet, wie Vernon Bogdanor der Studie "The Making of English National Identity" des Soziologen Krishan Kumar entnommen hat. Dass die Engländer - im Gegensatz zu Schotten und Walisern - nicht mal ein eigenes Parlament wollen, liegt laut Bogdanor nicht daran, dass sie eh die privilegierte Mehrheit im Königreich stellen. "Es interessiert die Engländer einfach nicht. Sie bleiben einfach bei ihrer erwiesenen Abneigung gegen den Nationalismus und sind erfreulich zurückhaltend, wenn es darum geht, sich über ihren nationalen Charakter Gedanken zu machen. Wenn sie von Multikulturalisten oder konservativen Chauvinisten angestachelt werden, englische Löwen zu werden, werden sie zu Straußen. Wenn jemand eine Antwort haben will, tun sie einfach so, als hätten sie die Frage nicht gehört."

Weitere Artikel: Auch nach 250 Jahren sorgt das British Museum noch dafür, dass wir immer zivilisierter werden, jubelt Tom Philips anlässlich der Ausstellung "Art and memory in world culture".

Dass das letzte Wort über Jane Austen (mehr hier und hier) noch lange nicht gesprochen worden ist, beweisen Bharat Tandon (selbst Autor eines Buchs über Austen) gleich drei neue Bücher über Tante Jane. Besonders gut gefallen hat ihm "The Historical Austen", in dem William H. Galperins überzeugend darlegt, dass in all ihren Erzählungen die Handlung "marginal" sei. Weiteres: Clive Wilmer rühmt William Morris' großes Kompendium "The Earthly Paradise", in dem Morris (mehr hier) persische, isländische oder auch griechische Legenden zu einem einzigartigen "postromantische Gedicht" verwandele, dessen Modernität sich in der wohlüberlegten und strategischen Archaik beweise. Alastair Fowler lobt Mary Coshs Stadt-Biografie "Edinburgh" als gelungene soziale und kulturelle Geschichte, hätte sich aber eine gültige Klärung der Frage gewünscht, ob die Schotten in ihrem Goldenen Zeitalter (1770-1833) nun besser gekleidet waren als die Engländer oder nicht.

Magazinrundschau vom 02.06.2003 - Times Literary Supplement

Peter Davison and D. J. Taylor haben eine bemerkswerte Entdeckung gemacht: die bisher unveröffentlichte Korrespondenz zwischen George Orwell (mehr zum Beispiel hier) und dem Schriftsteller Malcolm Muggeridge (mehr hier oder hier) aus den Jahren 1945 bis 1950. Aus einem Brief Orwells vom 4. Dezember 1948, in dem er sich auf seinen Roman "1984" bezieht, zitieren sie etwa: "Ich bin gerade mit einem Roman fertig geworden, an dem ich seit vorigem Sommer herumbastele. Ich bin nicht wirklich zufrieden mit ihm, aber ich glaube, die Idee ist gut."

Weitere Artikel: Lorna Hutson stellt Alan Fowlers offenbar wegweisende Studie "Renaissance Realism" vor, in der Fowler untersucht, inwieweit die Perspektive auch bei Lesern der Renaissance-Literatur sozusagen die Standard-Einstellung war, bevor Literaturkritiker sich darauf festgelegt haben. Terry Apter hat einen ganzen Stapel Bücher über Familienplanung und Kinderziehung gelesen, fragt sich aber immer noch, warum Menschen sich das antun, wo doch zumindest alle vernünftigen Gründe dagegen sprechen. Sousa Jamba bespricht Justin Willis' Sozialgeschichte des Alkohols in Afrika, "Potent Brew", die feststellt, dass es sich beim Biertrinken um eine ausgesprochen prestigeträchtige Angelegenheit handelt, was der Abstinenzler Jamba aus leidvoller Erfahrung nur bestätigen kann. William Boyd lobt James Tobins Buch über die Gebrüder Wright "First to Fly", das ihm die ein für alle Mal die Überheblichkeit gegenüber provinziellen Vogelliebhabern ausgetrieben hat.

Magazinrundschau vom 26.05.2003 - Times Literary Supplement

Anlässlich einer Ausstellung in der National Portrait Gallery widmet Ferdinand Mount dem ersten modernen Bürokraten, Erfinder der professionellen Navy und Chronist des siebzehnten Jahrhunderts, Samuel Pepys, eine hübsche Hommage: "Pepys war das leuchtende Beispiel eines außergewöhnlichen Mannes mit einem gewöhnlichen Geist. So denken wir normalerweise nicht von Genies, doch es ist genau diese Kombination, die seine Tagebücher so genial macht. Wer sonst hat so einprägsam die wesentlichen Dinge des Lebens beschrieben - den Ritt an einem frostigen Morgen, zwei Mädchen in einem Londoner Park, Ärger im Büro, Streit im Bett? Er mag ein kleines Monster des sozialen Auftsiegs gewesen sein, ein herzloser Lüstling, von zweifelhafter Ehre, doch er besaß eine unübertroffene Fähigkeit, den freudigen Schlag der Gegenwart widerzugeben, während er auf das beharrliche Pochen der Zukunft hörte."

Sarah Bakewell macht uns mit Ben Rogers herrlicher Studie über den Nationalismus der Küchen bekannt: "Beef and Liberty". Darin erkläre Rogers ausgesprochen überzeugend, warum die Engländer am liebsten ein ehrliches Steak essen, während die anderen, vor allem natürlich die Franzosen, papistisch-dekadente Häppchen servieren. Ian Pindar hat von Robert Macfarlane Ideengeschichte "Mountains of the Mind" gelernt, dass ein Berg nicht nur eine Masse aus Stein und Eis sein, sondern das Symbol für den unbezwingbaren Geist des Mannes: "Gloria in excelsis". Abgefrorene Finger sind schließlich ein kleiner Preis für erwiesene Überlegenheit.

Michael Gorra lobt einen neuen Prachtband der Library of America: Henry James' Romane aus der Zeit von 1896 bis 1899. Auffällig fand er beim neuerlichen Lesen, dass James in seinen Liebesromanen nie von Liebe schreibt, sondern immer nur von Sex, und zwar im sublimen Gespräch über französische Romane. Stefan Collini empfiehlt die grollenden Tagebücher des Historiker A. L. Rowse als aufschlussreiches Beispiel für das gescheiterte Leben eines reaktionären Intellektuellen.