Susan Sontag denkt in einem Essay für das
TLS über
Sprache nach. Nach Ausführungen über die Schwierigkeit, beim Übersetzen
Texttreue und literarische Qualität gleichermaßen zu bewahren,
kommt sie zu dem überraschenden Schluss, dass alles nichts hilft, wir in einem "
globalen Indien leben und uns ebenso auf die Sprache der Herrschenden als lingua franca verständigen sollten: "Wir leben in einer Welt, die zugleich
radikal post-national und im
banalsten Nationalismus verhaftet ist. Die Handelsschranken fallen, Währungen werden multinational. Doch es gibt eine
hartnäckige Eigentümlichkeit in unserem Leben, die uns in den
alten Grenzen festhält, die der fortgeschrittene Kapitalismus, die fortgeschrittene Wissenschaft und Technologie, und die
fortgeschrittene imperiale Vorherrschaft (amerikanischen Stils) so belastend finden. Das ist die Tatsache, dass wir verschiedene Sprachen sprechen. Daher die Notwendigkeit einer internationalen Sprache. Und welche ist ein
plausiblerer Kandidat als Englisch?" (Deutsch? Französisch? Italienisch? Russisch? Chinesisch?)
Leider nur in Auszügen zu lesen sind
Michael Pinto-Duschinskys Anmerkungen zum EU-Verfassungsentwurf. Die Taktik des
Verfassungskonvent erinnert ihn stark an die Geschichte vom
Rabbi und dem
armen Mann, die er folgendermaßen erzählt: "Der Mann vertraut dem Rabbi an, dass seine Frau krank sei, seine elf Kinder hungrig, alle leben in einem einzigen Raum, und sie haben nur eine einzige Ziege. 'Du musst die Ziege mit in den Raum nehmen', trägt ihm der Rabbi auf, 'und dann komm in einer Woche wieder'. Als der Mann beim nächsten Mal den Gestank beklagt, weist ihn der Rabbi an: 'Nimm die Ziege wieder raus. Und komm in einer Woche wieder.' Sieben Tage später kommt dann Mann wieder und preist den Rabbi für seine Hilfe. Seine
eigentlichen Probleme hatte er inzwischen
vergessen. Die Verfasser der Europäischen Verfassung haben ebenso begonnen, Begriffe und Wendungen zu benutzen, die allein darauf zielten, die
Euroskeptiker zu schockieren und ihre Energien zu verschwenden.
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