Magazinrundschau - Archiv

The Times Literary Supplement

327 Presseschau-Absätze - Seite 27 von 33

Magazinrundschau vom 06.10.2003 - Times Literary Supplement

Lest Herodot!, ruft Peter Green, genau den, der jahrhundertlang als "archaischer Einfaltspinsel" galt, "als abergläubischer, unseriöser, Anekdotenerzähler mit einem bedauerlichen Interesse an Frauen". Den sauertöpfischen Thukydides können ja diejenigen weiterlesen, meint Green, die glauben, dass die Menschen grausam sind und Geschichte schön der Reihe nach erzählt werden muss. "Herodot ist ein Kosmopolit, wo Thukidides engstirnige Kirchturmpolitik betreibt, er ist warmherzig und witzig, wo sein Rivale mürrisch verurteilt. Er nennt nicht nur seine Quelle an, sondern legt auch anderslautende Erzählungen und Meinungen dar und lädt uns damit sein, selbst zu wählen. Er ist offen für Wunderliches und Wunderbares, wo immer sie ihm begegnen... Er ist fasziniert von Frauen und ihrer Rolle in der Gesellschaft, wie auch vom sexuellen Subtext so vieler öffentlicher Handlungen... Er ist, kurz gesagt, die Sorte Historiker, für die die meisten zeitgenössischen Akademiker die gleiche Abscheu empfinden, die Bill Clinton bei eingefleischten Republikanern hervorgerufen hat."

Alexander Masters, dessen Mutter, wie er erzählt, an einer Hexan-Vergiftung gestorben ist, die eine benachbarte Schuh-Fabrik ausgestoßen hat, hat Barbara Freeses "Geschichte der Kohle" irgendwie schon mit Gewinn gelesen: "Aber dankbar bin ich nicht. Sie hat meine Wut nur verschlimmert. Jetzt möchte ich jeden zusammenschlagen, von den früheren Nachbarn meiner Mutter bis zu George Bushs Energie-Team."

Weitere Artikel: David Schiff feiert Alfred Appels Band "Jazz Modernism", der einige der schönsten Anekdoten und originellsten Kritiken über Jazz enthält. Bee Wilson erinnert sich dank Alan Davidson "The Wilder Shores of Gastronomy" an die Anfänge der Nouvelle Cuisine und die roten Pfefferkörner, die nicht nur so schön dekorativ sind, sondern auch nicht dick machen und deshalb seit zwanzig Jahren auf jedem Teller landen. Und Lawrence Norfolk schließlich würdigt Robert Graves, diesen talentierten Verächter von Priester und Kritikern, und dessen große Erzählung "The Golden Fleece".
Stichwörter: Clinton, Bill, Mutter

Magazinrundschau vom 29.09.2003 - Times Literary Supplement

In bester Thatcher-Manier fordert Rosemary Righter (toller Name für die Leitartiklerin der Times), dass die USA sich als Hegemonialmacht noch ein bisschen mehr anstrengen sollten, ihre Ideale vom freien Handel in der Welt zu verbreiten, da dieser ja, wie wir von Toqueville wissen, auch die politische Freiheit bringt: "Dieser Krieg der Ideen muss gewonnen werden - an der gesellschaftlichen wie an der militärischen Front. Er kann nur unter amerikanischer Führung gewonnen werden. Und er muss zu einem Zeitpunkt geführt werden, da das alte Europa - besonders, aber nicht ausschließlich sein französisch-deutsches Herzland - von einem bösen Anfall von Anti-Amerikanismus geplagt wird, ein wiederkehrender Virus, der historisch gesehen immer in Krisen-Momenten aufgetreten ist, um die transatlantische Kooperation zu behindern. Die Europäer mögen nicht gern an ihre Abhängigkeit von Amerikas Macht oder an Washingtons Willen, diese auszuüben, erinnert werden. Doch seit dem 11. September hat diese Regierung anderes zu tun, als den Schein gleichberechtigter Partnerschaft zu pflegen."

Stanley Wells hat einen philologisch interessanten Fund gesichtet: die ersten Shakespeare-Kritiken, verfasst von William Scott, einem Mitverschwörer des Earls von Essex gegen Königin Elisabeth. Besonders angetan hatte es Scott offenbar "Richard II", während er dem "Raub der Lukrezia" nicht besonders viel abgewinnen konnte: "zu viele überflüssige Adjektive, um das Versmaß voll zu bekommen".

Declan Kiberd feiert R. F. Fosters großartige Yeats-Biografie, die angesichts von Yeats ästhetischem Verhältnis zur Wirklichkeit dringend nötig war. John Lucas empfiehlt Michael Foots Essay-Sammlung "The Uncollected Michael Foot", auch wenn Foot von einem natürlichen Interesse an Literatur und Geschichte beim Menschen ausgeht. Außerdem ist das Gedicht "The Long Way Home" zu lesen, mit dem Stephen Knight aus Swansea den "TLS/Blackwell Poetry Competition" gewann.

Magazinrundschau vom 22.09.2003 - Times Literary Supplement

Als journalistische Meisterwerke, "gemalte Prosa" oder auch "komponierte Essays Con Brio" feiert Paul Clements Jan Morris' gesammelte Reportagen "A Writer's World". Alles ist drin, versichert Clements, was Jan Morris (vor ihrer Geschlechtsumwandlung James) in ihrem jahrzehntelangen Reporterleben erfahren hat: Vom Scoop über die Erstbesteigung des Mount Everest 1953, über die Suez-Krise, den Algerien-Krieg, den Eichmann-Prozess, bis zum Fall der Berliner Mauer und die Übergabe von Hongkong. Clements Dank geht aber auch an den sudanesischen Minister für Nationale Orientierung, der Morris gesagt hat, ihre Berichte sollten "aufregend zu lesen sein, gute Nachrichten enthalten und wenn möglich mit der Wahrheit übereinstimmen".

Auch in der Philologie kann Europa noch zusammenwachsen. George Steiner freut sich deshalb über die Übersetzung von Erich Auerbachs monumentalem Werk "Mimesis" (mehr hier) ins Englische und damit über den Einzug der vergleichenden Philologie in die angelsächsische Welt, laut Steiner bisher eine Sache des Kontinents. "Der britische Beitrag war eher sporadisch, um nicht zu sagen dünn. Umgekehrt wurde die Literatur der englischsprachigen Welt auf Distanz gehalten. Nach den drei größten europäischen Dichtern gefragt, erklärte de Gaulle: 'Dante, Goethe, Chateaubriand.' 'Was ist mit Shakespeare?', warf der erstaunte Fragesteller ein. De Gaulles lapidare Erwiderung: 'Sie sagten doch 'europäisch'."

Elizabeth Winter verkündet die Gewinner der TLS-Übersetzungspreise: Der Schlegel-Tieck Prize etwa für Übersetzungen aus dem Deutschen ging an Anthea Bell für ihre Übertragung von Karen Duves "Regenroman". Gar nicht schlecht findet Terry Eagleton, was Michael Blakemore mit Michael Frayns Willy-Brandt-Stück "Democracy" im Cottesloe Theatre gemacht hat: "Als wäre Oscar Wilde auf die Wunderkinder losgelassen." Und Michael Caines empfiehlt zwei Bücher, die uns den genuinen Zusammenhang von Enzyklopädie und Theater näherbringen wollen: William N. Wests "Theatres and Encyclopedias in Early Modern Europe" und Dennis Kennedys "The Oxford Encyclopedia of Theatre and Performance".

Magazinrundschau vom 15.09.2003 - Times Literary Supplement

Sarah Churchwell stellt gleich zwei neue Biografie zu Patricia Highsmith vor, "Beautiful Shadow" von Andrew Wilson und "Highsmith" von Marijane Meaker, denen sie ein paar hübsche Zitate entnommen hat. Etwa: "Ich fand die allgemeine Leidenschaft für Gerechtigkeit immer ziemlich langweilig." Oder: "Es gibt keine Moral in meinem Leben. Ich habe keine außer: 'Steh auf und nimm's Dir' ("Stand up and take it)". "Harte Worte", meint Churchwell, "dabei war Highsmith eine verkappte Romantikerin, die in die Liebe und mit der Regelmäßigkeit desjenigen auch wieder hinausstolperte, der die Fantasie sicherer findet als Menschen."

Weiteres: Leider nur in wenig hilfreichen Auszügen zu lesen ist Nadine Gordimers Auseinandersetzung mit Albert Memmis Soziologie des Kolonialismus, (mehr hier) die unwiderlegbar die "unerschöpfliche Fähigkeit des Menschen zur Unmenschlichkeit" bewiesen habe. Angela Leighton freut sich über das neue Interesse an der sechzig Jahre lang vernachlässigten Vernon Lee, wovon zwei neue Biografien der viktorianischen Schriftstellerin und Feministin zeugen: Christa Zorns "Vernon Lee" und Vineta Colbys "Vernon Lee: A Literary Biography". Keith Miller zeigt sich zufrieden mit Scott Bergs Katherine Hepburn-Biografie, "Kate Remembered".

Magazinrundschau vom 08.09.2003 - Times Literary Supplement

Der bemerkenswerteste Artikel ist diesmal definitv Deborah L. Manzolillos Besprechung von Dale Petersens "Eating Apes". In dem Buch erklärt Petersen, warum man zwar die Kulturen anderer Völker achten, aber dennoch - aus toximologischen und ethischen Gründen - keine Primaten essen sollte. Klingt bekannt, aber Manzolillos Bestätigung hat es in sich: "Ich selbst verbrachte einen Teil meiner Kindheit unter Menschen, die seit Menschengedenken und nicht nur gelegentlich Kannibalismus praktizieren. Aber sie halten Grenzen ein: Sie würden niemals Menschen essen, die die gleiche Sprache sprachen."

Im nur auszugsweise zu lesenden Aufmacher schmettert Theo Tait den neuen Roman von Martin Amis, "Yellow Dog", als heillos "überartikuliert" ab (mehr zur gegenwärtigen Beststeller-Schlacht hier). Nicht J.G. Ballards (mehr hier) bester Roman, aber immer noch schön schräg findet Bharat Tandon "Millennium People". Darin spürt ein Psychologe den Mördern seiner Ex-Frau nach und stößt dabei auf eine Art marxistischer Matrix-Organisation, für die die britische Mittelklasse mit ihrer liberalen Erziehung und zivilen Verantwortung die ultimative Form des falschen Bewusstseins ist. Außerdem besprochen werden Stephen Fox' Geschichte der atlantischen Dampfschifffahrt "The Ocean Railway" und die Monet-Ausstellung in der Royal Scottish Academy von Edinburgh.

Magazinrundschau vom 01.09.2003 - Times Literary Supplement

Früher war alles besser, seufzt jetzt auch schon Nick Hornby (mehr hier): "Der Ideenreichtum, die Raffinesse und der Witz von Mainstream-Filmen und Popmusik schwinden dahin, da die großen Unterhaltungsunternehmen nach den Dollars der Zehnjährigen jagen. Vor kurzem kündete schon ein Artikel im New Yorker ("Das Ende der Musik") vom 'kulturell dunklen Zeitalter', in dem niemand mehr bereit ist, ohne entsprechende finanzielle Belohnung in Popkultur zu investieren.

Weiteres: Mit - nun ja - Interesse hat David Wootton das neueste Werk des Historikers Jonathan Clark "Our Shadowed Present" gelesen, in dem dieser sich in seiner Feindschaft gegenüber der Moderne selbst übertrifft. Diesmal nämlich gibt er dem letzten Stuart-König James II die Schuld an allem Übel: Wäre der nicht vor William dem Eroberer nach Frankreich geflohen, hätte es keine Hannover-Dynastie in England gegeben, hätte es keine Amerikanische Revolution, keine Französische und also auch keine Russische gegeben. Der nur in Auszügen zu lesende Aufmacher ist Leben und Werk des tschechischen Schriftsteller Karel Capek (mehr hier) gewidmet, dem wir nicht zuletzt den "Roboter" verdanken. Iwan Klima hat nun eine Biografie über ihn geschrieben, deren Begeisterung für ihr Sujet Rezensent Leo Carey nicht ganz folgen kann. Fasziniert zeigt sich Gerald Mangan von dem Buch "Stagolee Shot Billy" gelesen, in dem Cecil Brown die wahre Geschichte hinter der Blues-Ballade "Stagolee" erzählt, nach der nämlich der arme Billy Lyons vom grausamen Stagolee Lee Shelton ermordet wurde. Zachary Leader wirft einen Blick auf Kingsley Amis Frauenfantasien.

Magazinrundschau vom 25.08.2003 - Times Literary Supplement

James Murphy stellt drei Bücher von ehemaligen CIA-Mitarbeitern vor, die zwar keine sensationellen Neuigkeiten aufzuweisen haben, aber deshalb wohl nur Journalisten enttäuschen werden, für die, wie Murphy süffisant anmerkt, "die Wahrheit die beste Sache gleich nach einem Scoop ist". Allen anderen jedenfalls empfiehlt er etwa "The CIA'S Russians", in dem John Limond Hart erzählt, wie er gelernt hat, sowjetische Agenten umzudrehen, oder "A Look over my Shoulder" des früheren CIA-Chefs Richard Helms, der damit fertig werden musste, vom gefeierten Kalten Krieger zum verachteten Wegbereiter der chilenischen Putschisten zu werden.

Mit Robert Dalleks Buch "An Unfinished Life" ist der kindliche Glaube an das Kennedy-Märchen definitiv in ein seniles Stadium geraten, spottet Christopher Hitchens. Denn Dallek warte gerade mal mit der Enthüllung auf, dass John F. Kennedy während der Schweinebucht-Invasion vor allem mit einer konstant-akuten Diarrhoe und einer Infektion des Harntraktes zu kämpfen hatte.

Weiteres: Samuel Beckett hat seinen Interpreten wirklich unrecht getan, muss Karl Orend feststellen, der eine ganze Reihe von "faszinierenden", "eleganten" und "klugen" Büchern über ihn gelesen hat, etwa Anne Atiks Erinnerungen "How it was". Sarah Curchwell zeigt sich ein wenig enttäuscht von Alice Hoffmans "The Probable Future", der den Magischen Realismus nach Massachusetts trägt: "Zu viel Magie, zu wenig Realismus".

Magazinrundschau vom 18.08.2003 - Times Literary Supplement

In einem Brief aus Jalta beschreibt Zinovy Zinik seine recht unvorteilhaften Eindrücke der Stadt, über deren Promenade er natürlich nicht ohne seinen Tschechow geschlendert ist. "Nach einer Dekade des Chaos und der Anarchie, war Jalta durch eine Zeit des zoologischen Kapitalismus gegangen. Den Strand säumen nun grelle, kitschige und meistens leere Bars und Restaurants. Tschechow beschrieb das Yalta des Jahres 1888 in einem seiner Briefe folgendermaßen: 'Die frechen Gesichter der Tartaren, das Treiben der Damen mit ihrem unvornehmen Ausdruck von etwas sehr Abscheulichem, die Gesichter der müßigen Reichen auf der Suche nach billiger Unterhaltung, der Geruch von Parfüm anstelle des Duftes von Zedern und Meer.' Viel hat sich seitdem nicht geändert."

James Campbell versieht Robert Louis Stevensons "Collected Poems" mit der seltsamen Empfehlung: "Stevensons Lyrik ist wie eine gemischte Platte, die man am besten in großen Portionen zu sich nimmt". Der Leser dürfe nur nicht "einen ganzen Mund voll 'O!s' und 'Lo!s' und 'Harks!' auf einmal herunterzuschlucken". Allan Massie zeigt sich dagegen absolut überzeugt von Karl Millers Biografie des unergründlichen James Hogg, den Massie als halsstarrigen schottischen Bauern und "grandios fehlurteilendes Genie" schätzen gelernt hat. Daniel Karlin steht etwas ratlos vor Edmund Whites historischem Roman "Fanny: A Fiction", der so gar keinem der unlängst von White selbst aufgestellten Kriterien an einen guten Roman entspricht, weshalb Karlin glaubt, dass sich White hier einen großen Spaß erlaubt hat.

Magazinrundschau vom 11.08.2003 - Times Literary Supplement

"Selbst für die schrecklichen afrikanischen Standards" sei das Gemetzel, das sich in den vergangenen zehn Jahren im Gebiet der Großen Seen zugetragen hat, "außergewöhnlich", meint Gerard Prunier. Zur Erinnerung: Während des Völkermords 1994 in Ruanda wurden 800.000 Tutsi ermordet, anschließend 300.000 Hutus, im Bürgerkrieg in Burundi kamen seit 1993 300.000 Menschen ums Leben, und im Kongolesischen Bürgerkrieg zwischen zweieinhalb und vier Millionen Menschen. "Solch ein Grad von Gewalt betäubt den Verstand", meint Prunier, weswegen er dringendst Jean Pierre Chretien Buch "The Great Lakes of Africa" empfiehlt, das die insgesamt 2000-jährige Geschichte der Region nachzuzeichnen versucht. "Eine der Qualitäten von Jean-Pierre Chretiens Buch ist, dass es überhaupt existiert, dass es überhaupt wagt, sich mit diesem tragischen Teil unserer Welt auf normale Art zu befassen. Wer nach einer schnellen Erklärung dafür sucht, was hier schiefgelaufen ist, für den ist 'The Great Lakes of Africa' nicht das Richtige. Aber wer etwas über die kulturellen und politischen Traditionen im Herzen Afrikas erfahren möchte, für den ist das Buch ein ziemlich guter Anfang."

Robert Fraser ist hellauf begeistert von Delia da Sousa Correas wunderschönem Buch über "George Eliot, Music and Victorian Culture". Darin berichtet da Sousa zum Beispiel von Eliots Begegnung mit Franz Liszt, während einer Deutschland-Tournee. "Eliot war hingerissen: 'In einem Moment', erzählte sie dem Fraser' Magazine, 'denkt man, was für ein großartiges Gesicht, um eine Hexe in Macbeth abzugeben, mit den zerknitterten Brauen und diesem übernatürlichen Glanz in seinen Augen. In einem anderen dann, wenn er den Kopf zurückwirft und sich seine Nasenlöcher weiten, sieht er aus wie ein Prophet im Augenblick seiner Eingebung."

Nicht ganz überzeugt hat Munro Price der Essayband "George Washington's False Teeth", in dem Robert Darnton das 18. Jahrhundert gegen seine postmodernen Kritiker verteidigt. Zwar findet er Darntons Texte allesamt anregend und brillant geschrieben, doch ihren Blick auf die Aufklärung ein wenig zu rosig. In ihrer letzten Sommerkollektion ließen Dolce & Gabbana lauter adrette Artemisse in Sandalen und Minitunika über den Laufsteg hüpfen. Harold Koda kann also mit seinem Buch "Goddess" nicht so falsch liegen, in dem er behauptet, dass die antiken Göttinnen noch immer unsere Modevorstellungen bestimmen . Edith Hall hat das Buch trotzdem nicht besonders gefallen, ihr kommt es zu gewichtig daher. Richard Horton staunt über die Ausstellung "Medicine Man" im British Museum. Sie zeigt die fast vergessene Sammlung des Pharma-Giganten Henry Wellcome.

Magazinrundschau vom 04.08.2003 - Times Literary Supplement

In Auszügen druckt das TLS Marina Warners Oxforder "Amnesty Lecture in Human Rights" (der ganze Vortrag hier), in der die Schriftstellerin sich mit der neuen Mode unter Politikern und Päpsten beschäftigt, sich für die Verbrechen und Grausamkeiten der Vergangenheit zu entschuldigen, solange es nichts kostet. "Sollte Politik in diesem Ausmaß personalisiert werden? Sollte ein solch existenzielles Modell wie Subjektivität in die Struktur der Menschenrechte Einzug halten? Ich konnte nur müde lachen, als in San Francisco der katholische Erzbischof all diejenigen um Entschuldigung bat, die als Kinder von Nonnen und Priestern missbraucht wurden. Auch Blairs Einfall, sich der unbequemen Kolonialvergangenheit in Irland dadurch zu entledigen, indem er sagt, es tue ihm Leid, ließ mich nur verächtlich schnauben. Und ich möchte den Papst schütteln, so gebrechlich er auch ist, wenn er 2000 Jahre kirchliche Sünden gegen Frauen vergibt und Gott um Vergebung bittet." (Nun haben wir doch noch ).

Weiteres: Richard Thomson schwärmt von Margaret Werths prächtigem Band "The Joy of Life" über die idyllischen Visionen von Puvis, Signac und Matisse. Jahrzehntelang wurde H. H. Munros erster Roman "Mrs. Elmsley" von 1911 in sämtlichen Bibliografien beflissentlich übergangen, Michael Connor findet nach erstmaliger Lektüre der matten Liebesgeschichte, dass man es dabei auch belassen sollte. Einen typischen Fall von "Better to be read than dead" macht Stephen Abell in Peter Ackroyds mittelalterlicher Metafiktion "The Clerkenwell Tales" aus, die er nach allen Regeln der Kunst verreißt.