
"Selbst für die
schrecklichen afrikanischen Standards" sei das
Gemetzel, das sich in den vergangenen zehn Jahren im Gebiet der
Großen Seen zugetragen hat, "außergewöhnlich",
meint Gerard Prunier. Zur Erinnerung: Während des Völkermords 1994 in Ruanda wurden 800.000 Tutsi ermordet, anschließend 300.000 Hutus, im Bürgerkrieg in Burundi kamen seit 1993 300.000 Menschen ums Leben, und im Kongolesischen Bürgerkrieg zwischen zweieinhalb und vier Millionen Menschen. "Solch ein Grad von Gewalt
betäubt den Verstand", meint Prunier, weswegen er dringendst
Jean Pierre Chretien Buch "The Great Lakes of Africa" empfiehlt, das die insgesamt 2000-jährige Geschichte der Region nachzuzeichnen versucht. "Eine der Qualitäten von Jean-Pierre Chretiens Buch ist, dass es überhaupt existiert, dass es überhaupt wagt, sich mit diesem tragischen Teil unserer Welt auf normale Art zu befassen. Wer nach einer schnellen Erklärung dafür sucht, was hier schiefgelaufen ist, für den ist 'The Great Lakes of Africa' nicht das Richtige. Aber wer etwas über die kulturellen und politischen Traditionen im Herzen Afrikas erfahren möchte, für den ist das Buch ein ziemlich guter Anfang."
Robert Fraser ist hellauf
begeistert von
Delia da Sousa Correas wunderschönem Buch über
"George Eliot, Music and Victorian Culture". Darin berichtet da Sousa zum Beispiel von Eliots Begegnung mit
Franz Liszt, während einer Deutschland-Tournee. "Eliot war hingerissen: 'In einem Moment', erzählte sie dem Fraser' Magazine, 'denkt man, was für ein großartiges Gesicht, um eine
Hexe in Macbeth abzugeben, mit den
zerknitterten Brauen und diesem
übernatürlichen Glanz in seinen Augen. In einem anderen dann, wenn er den Kopf zurückwirft und sich seine Nasenlöcher weiten, sieht er aus wie ein
Prophet im Augenblick seiner Eingebung."
Nicht ganz
überzeugt hat Munro Price der Essayband
"George Washington's False Teeth", in dem
Robert Darnton das 18. Jahrhundert gegen seine postmodernen Kritiker verteidigt. Zwar findet er Darntons Texte allesamt anregend und brillant geschrieben, doch ihren
Blick auf die Aufklärung ein wenig
zu rosig. In ihrer letzten Sommerkollektion ließen
Dolce & Gabbana lauter adrette Artemisse in Sandalen und Minitunika über den Laufsteg hüpfen.
Harold Koda kann also mit seinem Buch
"Goddess" nicht so falsch liegen, in dem er behauptet, dass die
antiken Göttinnen noch immer unsere Modevorstellungen bestimmen . Edith Hall hat das Buch trotzdem nicht besonders
gefallen, ihr kommt es zu gewichtig daher. Richard Horton
staunt über die Ausstellung
"Medicine Man" im British Museum. Sie zeigt die fast vergessene Sammlung des Pharma-Giganten
Henry Wellcome.