Magazinrundschau - Archiv

Vanity Fair

106 Presseschau-Absätze - Seite 7 von 11

Magazinrundschau vom 28.02.2012 - Vanity Fair


Nach dem Tod von Marie Colvin in Homs hat Vanity Fair dankenswerter Weise Evgenia Peretz Geschichte von 2002 über "The Girls at the Front" online gestellt, in der sie große Kriegsreporterinnen porträtiert: Christiane Amanpour, Maggie O'Kane, Jacky Rowland, Janine di Giovanni und eben Marie Colvin: "Abgesehen von ihrer Feuerfestigkeit geben sie zu, dass die Erfahrungen von Reporterinnen im Krieg sich von denen der Reporter unterscheidet. In traditionellen Gesellschaften, die noch dem Glauben anhängen, dass Frauen im Grunde harmlos sind, kommen sie unbehelligt oder sogar unbemerkt durch die Checkpoints. Unter muslimischen Extremisten, wie in Afghanistan, haben sie als einzige Zugang zu einer Hälfte der Bevölkerung, während die andere Hälfte diese westliche Frauen als andersartige Wesen betrachtet - ein drittes Geschlecht, wie Rowlands sagt -, das sowohl gemieden wie respektiert wird. Es gibt, meinen einige, einen wesentlichen, geradezu biologischen Unterschied in der Art, wie sie und ihre männlichen Gegenparts den Krieg wahrnehmen. 'Jungs sind von ihrem zweiten Lebensjahr an fasziniert von Spielzeug, das ändert sich nicht mehr' sagt Colvin. 'Das interessiert mich nicht, wenn ich aus einem Krieg berichte. Ich finde, die Geschichte sind die Menschen.'"

William D. Cohan erzählt, wie die Online-Videothek Netflix versucht, vom Versandverleih auf Streaming-Dienst umzustellen, und dabei so viele Fehler machte, dass ihm die Kunden in Scharen davonliefen. 

Magazinrundschau vom 10.01.2012 - Vanity Fair

In seinem letzten Artikel schrieb Christopher Hitchens eine Hommage auf Charles Dickens, der angeblich 1862 bei einem Treffen in London mit Dostojewski einige Selbstbekenntnisse abgelegt haben soll. Auf Russisch findet sich davon keine Spur, meint Hitchens, und auch Dickens hat es nie erwähnt. Macht nichts. "Es war schön, so lange es andauerte, dieses Gerücht über ein Treffen zweier literarischer Titanen: eine Begegnung, die einer von beiden nicht mal interessant genug fand um sie in einem Brief zu erwähnen. Es hätte passiert sein können, aber ich bezweifle es. Das ist das Wundervolle daran, Charles Dickens zu feiern: Er gehört wirklich zu unseren Unsterblichen, und es spielt wirklich keine Rolle, wenn die Legende wachsen und dann hier und da einen oder zwei Dostojewskis fallen lassen würde."

Außerdem: Salman Rushdies Nachruf auf Hitchens.

Magazinrundschau vom 13.12.2011 - Vanity Fair

Niemand würde beim Blick auf einen Film oder auf Fotos die siebziger mit den fünfziger oder den neunziger Jahren verwechseln. Doch während sich seit 1992 Technologie und Wissenschaft zigfach revolutioniert haben, stellt der Autor Kurt Andersen fest, herrscht in den Künsten, in Mode, Kunst und Musik Stillstand: "Versuchen Sie mal, die großen offensichtlichen Unterschiede zwischen 2012 und 1992 zu bestimmen. Filme und Musik haben sich nie weniger verändert als in den letzten zwanzig Jahren. Lady Gaga hat Madonna ersetzt und Adele Mariah Carey, Jay-Z und Wilco sind immer noch Jay-Z und Wilco. Abgesehen von einigen Details (keine Google-Suche, keine E-Mail, keine Handys) ist die ambitionierte Literatur (Couplands 'Generation X', Neal Stephensons 'Snow Crash', Martin Amis' 'Pfeil der Zeit') in keiner Weise überholt, und die Einfühlsamkeit und der Stil von Joan Didions Büchern erscheinen auch 2012 plausibel."

Bisher hat der Krebs ihn nicht getötet, aber er hat ihn auch alles andere als stärker gemacht, bemerkt Christopher Hitchens mit Blick auf Nietzsches Diktum. "Bis jetzt, habe ich beschlossen, alles einzustecken, womit mich meine Krankheitschlägt, und kampfbereit zu bleiben, während ich meinen unaufhaltsamen Niedergang vermesse."

Und Joseph Stiglitz fürchtet, dass dass nicht allein der Finanzcrash der amerikanischen Rezession zugrunde liegt, sondern eine echte Krise der Realwirtschaft: "Finanzpolitik wird uns nicht aus dem Schlamassel heraushelfen."

Magazinrundschau vom 20.09.2011 - Vanity Fair

Wochenlang hat die 20-jährige Zugbegleiterin Huang Yun ihr "Acht Zähne Lächeln" geübt, eine andere junge Frau hat sich um 4 Uhr morgens für Tickets angestellt, damit Simon Winchester und sein Fotograf Rob Howard am 30. Juni um Punkt drei Uhr nachmittags von der Rainbow Bridge Station in Schanghai mit dem ersten CRH380A-Zug in 4 Stunden und 48 Minuten nach Peking fahren können. Jetzt steht Winchester auf dem Bahnsteig: "Ich habe wahrscheinlich in meinem ganzen Leben nie einen so sauberen und schimmernden Berg von Titanweiß gesehen - eine pfeilgerade Röhre von glänzend polierten Abteilen, mit einem langen Brausen von getönten Fenstern und einem Streifen aus leuchtendem Blau darunter - der den gesamten Bahnsteig entlang reichte, soweit das Auge sehen konnte. Außerhalb jeder offenen pneumatischen Tür stand eine junge uniformierte Frau mit vor sich gefalteten Händen, die breit und selbstbewusst lächelte. Das ist Eisenbahn-Majestät, schienen die Frauen unisono zu sagen. Das ist Chinas Zukunft. Willkommen an Bord." Die große Frage ist: Ist der Zug - der zum großen Teil auf kopierter Siemenstechnik beruht - so gut wie ein japanischer? Die Antwort ist, wie einige spätere Ereignisse belehren, nein. Und das hat hausgemachte chinesische Gründe.
Stichwörter: Eisenbahn

Magazinrundschau vom 16.08.2011 - Vanity Fair

Die Deutschen lieben das Wort Scheiße und sind Spießer, die vergeblich den Nazi in sich zu übertünchen suchen, analysiert Michael Lewis. Kein Wunder, dass ihre Banker die dümmsten der Welt sind: "Während des Booms haben deutsche Banker alles getan, um sich dreckig zu machen. Sie verliehen Geld an amerikanische Subprime-Schuldner, an irische Immobilienbarone, an isländische Banktycoons, um Dinge zu machen, die kein Deutscher jemals tun würde. Die deutschen Verluste sind noch nicht ausgezählt, bei der letzten Rechnung beliefen sie sich auf 21 Milliarden bei den isländischen Banken, 100 Milliarden bei irischen Banken, 60 Milliarden bei amerikanischen Subprime-Bonds und ein noch unbestimmter Betrag in griechischen Bonds. Das einzige Finanzdesaster der letzten Dekade, das deutsche Banker ausgelassen haben, waren Investitionen mit Bernie Madoff (vielleicht der einzige Vorteil am deutschen Finanzsystem ohne Juden). Im eigenen Land verhielten sich die verrückt gewordenen Banker zurückhaltender. Die Deutschen erlaubten es nicht anders. Ein weiterer Fall von außen hui, innen pfui." (Hier Lewis' Reportagen aus Griechenland und Irland)

Magazinrundschau vom 07.06.2011 - Vanity Fair

Christopher Hitchens macht seiner Verachtung für Pakistan Luft, dessen Militärs seit Jahrzehnten ein doppeltes Spiel treiben, dessen Präsident jeden Tag wieder vor den Mördern seiner Frau Benazir Bhutto kuscht und in dem Ehre von der Bereitschaft abhängt, seine Schwester zu töten: Warum noch mit dem Land zusammenarbeiten? "Wenn wir aufhörten, unseren Stolz herunterzuschlucken, so wird mir in Washington ständig gesagt, würde sich die pakistanische Oligarchie noch grauenvoller verhalten und die Situation verschlimmern. Dieses schale und oberflächliche Argument ignoriert die schreckliche historische Tatsache, dass die pakistanische Führung jedes Mal, wenn sie schlimmer agierte, von den USA belohnt wurde. Wir haben jeden einzelnen Schritt in der Gegenevolution dieses elenden Staats unterstützt, bis zu dem Punkt, an dem er eine ernsthafte Bedrohung in der Region und zu einem unverhüllten Alliierten unseres schlimmsten Feindes wurde. Wie kann es schlimmer werden, wenn wir uns stattdessen mit Indien verbünden würden, unser einziger Rivale als multiethnische und multireligiöse Demokratie, eine Nation, in der genauso viele Muslime leben wie in Pakistan?"

Magazinrundschau vom 12.07.2011 - Vanity Fair

Will man den News-of-the-World-Redakteuren überhaupt Straftaten nachweisen? Sarah Ellison hat da ihre Zweifel. In dem bislang besten und ausführlichsten Artikel zu dem Thema beschreibt sie, wie verstrickt Murdochs Redakteure mit britischen Politikern - von Blair über Brown bis Cameron - sind. (News of the World hat viele Jahre Labour unterstützt!) Wie verstrickt Scotland Yard ist, das jahrelang trotz Berichten und Klagen nichts unternommen hat. Wie verstrickt andere - auch Nicht-Murdoch-Medien - sind, die selbst Telefone abgehört und deshalb jahrelang auf die Berichterstattung des Guardian kaum reagiert haben, bis die New York Times nachgeschoben hat. Ellisons Fazit: "Der Abhörskandal ist auf manche Weise eine durch und durch britische Affäre, das Produkt einer kleinen und von Inzucht geprägten Gesellschaft, in der die Eliten auf jedem Sektor durch Geschäft, Familie, Politik, Geld und Sex miteinander verbunden sind. Die Verbindungen sind schwer zu entwirren, wenn man am Fadenende zieht, schmerzt es alle. Aber die Lektion geht über Britannien hinaus. Sie lässt sich zum Beispiel auch auf die USA anwenden, wo viele der republikanischen Präsidentschaftskandidaten auf dem Lohnzettel von Murdochs Fox News stehen. Sie lässt sich auf jede Gesellschaft anwenden, in der die Beziehungen zwischen Presse und Staatsdienern eine Intimitätsgrenze überschreiten und die Entscheidung, wo die eigene Loyalität liegt, mehr als einen Augenblick des Nachdenkens bedarf."
Stichwörter: Geld, Labour, Fox News

Magazinrundschau vom 31.05.2011 - Vanity Fair

Das durchschnittliche Einstiegsalter für Prostituierte liegt in Amerika derzeit bei 13 Jahren, berichtet Amy Fine Collins in einer epischen online-Reportage für Vanity Fair. Und die Zahl steigt kontinuierlich. Collins beschreibt am Beispiel zweier Mädchen, wie der Frauenhandel abläuft - in Details, die man liebsten gar nicht wissen wollte. Das schockierendste an der Geschichte sind die Zuhälter und Kunden, die in einem Mädchen nichts als ein Stück Fleisch sehen. Die Psychologin "Melissa Farley glaubt, dass 'wir was den Frauenhandel angeht immer noch im Mittelalter leben, denn anders als Inzest, Vergewaltigung und häusliche Gewalt generiert der Frauenhandel massive Einnahmen - 32 Milliarden Dollar im Jahr weltweit.' Wie könnte es auch anders sein, fragt Dr. Sharon Cooper, wenn Lee Iacocca auf dem Golfplatz Abschläge übt mit Snoop Dogg, einem Rapper, der sich selbst als Ex-Zuhälter bezeichnet und Oden komponiert auf verprügelte Frauen oder 'breaking bitches' [lyrics]".

Magazinrundschau vom 05.04.2011 - Vanity Fair

Eine Herbizid-Attacke auf die Weinstöcke der Lage La Romanee-Conti ist in etwa so gravierend wie ein Säure-Attentat auf die Mona Lisa: Die vier Hektar große Lage im Burgund produziert die teuersten Pinot Noirs (und damit Weine) der Welt, 6.000 Euro pro Flasche in jüngeren Jahrgängen. Und dennoch ist es passiert. Der Täter, der perfide vorging, ist zum Glück gefasst, schreibt Maximilian Potter in einer langen Vanity Fair-Reportage, und erklärt, warum diese Meldung so wenig zirkulierte: "In den französischen Medien war kaum etwas über den Vorfall berichtet worden, der doch ein beispielloses und Aufsehen erregendes Verbrechen war. In den Vereinigten Staaten gab es nur Kurzmeldungen in der Weinpresse. Niemand im Burgund - inklusive des Patriarchen der im Familienbesitz befindlichen Domäne, Aubert de Villaine - wollte öffentlich darüber sprechen." Und um das jetzt durch Vanity Fair gebrochene Schweigen zu erklären, "sagte die Lokalpolitikerin und Winzerin Jeanine Gros: "'Wein' und 'Gift', diese beiden Wörter gehören einfach nicht in einen Satz."

In einer zweiten langen und schönen Geschichte erzählt Microsoft-Mitbegründer Paul Allen, wie er einst Bill Gates kennenlernte und wie er sich 1983 von Microsoft trennte.

Magazinrundschau vom 08.03.2011 - Vanity Fair

David Kirckpatrick porträtiert den 34-jährigen Jack Dorsey, den Erfinder von Twitter, der nicht auf geradem Wege sondern über eine Menge Selbstverwirklichungsstationen in Silicon Valley gelandet ist. Unter anderem studierte naturwissenschaftliches Zeichnen, praktizierte intensiv Massage, interessierte sich für Mode, Ballett und für Kunst. Nun hat er neben Twitter noch ein anderes Start up, Square, das es mit einer Smartphone-App und einer kleinen Plastikvorrichtung jedermann ermöglichen soll, Geld von Kreditkarten einzuziehen. Mit seinen Square-Leuten geht er ab und zu auch ins Museum und andere Kunststätten, um Kunstwerke zu betrachten: "Eines der letzten Kunsttreffen war den ästhetischen Qualitäten der Golden Gate Bridge gewidmet. 'Wir sind der einzige Bezahldienst der Welt, der sich auch für Design interessiert', sagt Prada-Fan Dorsey. Er zeigt ein dramatisches Foto von der Brücke, das von der Spitze eines der Pfeiler aufgenommen wurde. 'So etwas möchte ich bauen. Es hat Klasse, es ist inspirierend, grenzenlos. Jeder seiner Aspekte ist umwerfend..."