Magazinrundschau - Archiv

Die Weltwoche

110 Presseschau-Absätze - Seite 6 von 11

Magazinrundschau vom 20.03.2007 - Weltwoche

Julian Schütt besucht die Gulf Art Fair in Dubai. Er durfte Omar Bin Sulaiman, Leiter des Finanzzentrums von Dubai, auf seinem Eröffnungsrundgang begleiten. Omar ist die Nummer 81 in der Hierarchie, eine Tatsache, die man in dem Scheichtum angeblich am Autokennzeichen ablesen kann. Reich scheint er immer noch zu sein. "Einige Werke betrachtet er eingehender. Ein Blick von zwei bis drei Sekunden heißt: Das Bild ist reserviert. Ein Blick, der noch länger dauert, heißt: Das Bild ist gekauft. Offenbar auch ein gigantischer Sam Francis von sechs Metern Länge und drei Metern Höhe. An anderem geht Dr. Omar eher gelangweilt vorbei, zum Beispiel an einem realen Mini Cooper, den Damien Hirst mit Tupfen bemalt hat und der deswegen als Kunst gilt. Das Beste daran ist der kleine Kofferraum, in dem die Galeristin ihre Handtasche verstauen kann."

Der ehemalige Nestle-Chef Helmut Maucher animiert Ralph Pöhner im Interview zu mehr Riskofreude. "Die totale Sicherheit ist ein Problem unserer Zeit. Denn die letzten zwei Prozent an Sicherheit kosten bekanntlich am meisten Geld. Und das läuft überall. Heute will man überall Sicherheit: Sicherheit am Arbeitsplatz, Sicherheit bei der Ernährung - die letzten Milliardstelteile irgendeines Stoffes müssen raus, obwohl Sie Tonnen verzehren müssten, bevor der Organismus etwas spürt. Dieses Denken trägt dazu bei, dass wir langsam degenerieren - und zugleich immer mehr Kosten produzieren."

Weiteres David Signer schreibt eine kleine Geschichte des Yogas im Westen. Peer Teuwsen erfährt von Kiera Chaplin, Enkelin Charlie Chaplins, wie ihr betrügerischer Mann ihre Firma ruiniert hat. Hanspeter Born rechnet dem französischen Rechtspopulisten Jean-Marie Le Pen gute Chancen im bevorstehenden Wahlgang aus.

Magazinrundschau vom 06.03.2007 - Weltwoche

David Signer hat nach einem Besuch Andre Glucksmanns und der Lektüre seiner letzten Bücher ein sehr schönes Porträt verfasst. Es geht unter anderem um Identität, eine Sache, um die Glucksmann, der von deutschen Juden abstammende Franzose, und Linke, der heute Sarkozy wählt, bestens Bescheid weiß. "Ein großer Teil der Weltbevölkerung lebe heute weder in der alten Welt der agrarischen Gewissheiten noch in westlichen Rechtsstaaten, wo das Zusammenleben verschiedener Gruppen mehr oder weniger geregelt verlaufe, sondern müsse sich in einer gewalttätigen Zone der Identitätsunsicherheit und der Identitätskonflikte zurechtfinden. Das sei der ideale Nährboden für Nihilismus. Der Nihilist im glucksmannschen Sinne mag sich nationalistisch, marxistisch oder islamistisch gebärden, aber das sind nur Alibis. Eigentlich ist er bodenlos und leer, sein einziges Motiv Hass, die Zerstörung des andern. (...) Drei Ziele bieten sich für den Nihilisten besonders an: der 'kapitalistische Westen', weil er aus der Mobilisierung von allem und jedem ein Prinzip gemacht hat; der Jude, weil er gerade aus seiner Entwurzelung seine Identität bezieht; und die Frau, weil sie die Totalität des Mannes in Frage stellt. In ihrem Hass auf die drei treffen sich, so Glucksmann, die unterschiedlichsten Bewegungen. 'Es ist der Hass der Pseudoverwurzelten gegen die universal Entwurzelten.'"

Magazinrundschau vom 30.01.2007 - Weltwoche

Christoph Neidhart porträtiert den zweitmächtigsten Mann Russland, Wladislaw Surkow. "Nominell ist Wladislaw Surkow der stellvertretende Chef der Präsidialverwaltung. Tatsächlich ist er der zweitmächtigste Mann des neuen Russland. Von der Innenpolitik über die Verbindung zur Duma - man munkelt, er greife per SMS in Parlamentsdebatten ein - bis zum Präsidentenpreis für Kultur umfasst die offizielle Liste seiner Aufgaben über zwanzig Jobs, für die man anderswo je einen Chef einstellen würde. Als enger Freund Putins spielt er die Rolle eines imperialen Einflüsterers, der unter anderem auch den Namen für das neorussische Staatsmodell erfunden hat: 'souveräne Demokratie'."

Außerdem online zu lesen: im Interview erklärt der Klimatologe Heinz Wanner, warum es immer wärmer wird, obwohl es eigentlich immer kälter werden müsste.

Magazinrundschau vom 23.01.2007 - Weltwoche

Noch können Joost nur einige hundert Testseher verfolgen, aber Ralph Pöhner ist sich sicher, dass dies der Durchbruch fürs Fernsehen übers Internet ist. "Das Bild zeigt tatsächlich: So könnte das Fernsehen der Zukunft funktionieren. Joost bündelt Fernsehsender aus aller Welt und bringt ihre Programme bildschirmfüllend auf den Computer. Die Bilder laufen ohne Ruckeln a la Youtube, und auch im Großformat stöckelt Paris Hilton so scharf durchs Blitzlichtgewitter wie im guten alten Wohnzimmergerät."

Der Altamerikanist Nikolai Grube nimmt im Interview mit Mathias Plüss die Maya gegen Mel Gibson in Schutz, der diese in seinem Film "Apocalypto" als dekadente Opfermörder darstellt. "Wir haben überhaupt keine Belege für diese Blutopfer. Es gab die Tötung von Gefangenen als Folge von Kriegszügen. Aber es ging nie darum, möglichst viele Menschen zu fangen, damit man sie opfern konnte. Es gab keine Opfersteine. In keiner einzigen Maya-Stätte haben wir einen Opferstein gefunden, über den man einen Gefangenen hätte legen können, um ihm das Herz herauszureißen."
Stichwörter: Gibson, Mel, Maya, Youtube, Weltwoche

Magazinrundschau vom 09.01.2007 - Weltwoche

In einem langen Interview wünscht sich der Historiker Hans-Ulrich Wehler etwas mehr Biss von der jüngeren Generation. "Das irritiert mich zutiefst. Es herrscht professionelle Zurückhaltung. Und wenn ich einem Jüngeren sage: Schreib doch mal, dass die Türkei nicht nach Europa gehört, wenn du das schon denkst - dann sagt der mir: Muss das jetzt sein, sich so zu exponieren? Und die gehen auch gar nicht mehr so gerne raus, in fremde Länder, und setzen sich der Unsicherheit aus, andere Sprache, andere Studenten... Ich habe meinen Studenten immer gesagt: Ihr müsst euch engagieren, egal für was. Im Augenblick ist mein Fleißigster der Paul Nolte, der macht die Klappe auf."

Thomas Widmer hat im Grand Casino Baden am Poker-Turnier teilgenommen: "Ich gestehe es an dieser Stelle: 'Tom The Mask' war leicht überfordert. 'Wenn du nach einer halben Stunde am Tisch noch nicht weißt, wer der Dumme ist, dann bist du der Dumme', hat die Pokerlegende Amarillo Slim einmal gesagt. Mir war auch nach vier Stunden am Tisch unklar, wer hier der Dumme war."

Weiteres: Lorenzo de' Medici erinnert an seine Urahnin Caterina de Medici, der die Franzosen die Schokolade, das Parfum und die Bartholomäusnacht verdanken. Und Bernard-Henri Levy fordert, nach Pinochet möge mit Castro nicht noch ein Diktator friedlich im Bett sterben.

Magazinrundschau vom 19.12.2006 - Weltwoche

Urs Gehriger und Sami Yousafzai protokollieren ebenso nüchtern wie fesselnd, wie sie in Afghanistan von Taliban entführt wurden: "Der Alte, der uns zuerst wie ein Retter erschienen ist, befiehlt seinen Leuten, unsere Taschen zu leeren. Pässe, Geldbörsen, mehrere hundert Dollar, Digitalkamera, sogar meine Brille, alles wird uns entrissen und auf einen Haufen in den Sand geworfen. Dann schreitet der Alte auf uns zu, zielt mit dem Gewehr auf uns und befiehlt: 'Niederknien, in einer Reihe!' Bis zu diesem Zeitpunkt hat mich die Hoffnung nie verlassen. Doch jetzt lassen die inneren Kräfte nach. So sinnlos kann ein Leben nicht enden, versuche ich mir verzweifelt einzureden. Dabei weiß ich, dass Entführungsfälle oft genauso banal und tragisch verlaufen."

Bisher hat sich noch fast jede Prognose als falsch erwiesen, und die wirklich umwälzenden Ereignisse hat niemand vorhergesehen, bilanziert Michael Miersch die Geschichte der Prophezeiungen: Weder den Siegeszug der Pille noch des Autos hat jemand geahnt: "'Die Computer der Zukunft werden vielleicht nur noch 1,5 Tonnen wiegen', spekulierte die amerikanische Zeitschrift Popular Mechanics 1949. Der damalige IBM-Chef prognostizierte: 'Ich glaube, es gibt einen weltweiten Bedarf von vielleicht fünf Computern.' '640 K', davon war Bill Gates noch 1981 überzeugt, 'sind genug für jeden.' Und im Jahr 2001 schrieb die deutsche Tageszeitung Die Welt: 'Das Internet wird kein Massenmedium, weil es in seiner Seele keines ist.'"

Magazinrundschau vom 05.12.2006 - Weltwoche

Bei den Wahlen in den Niederlanden haben die beiden großen Volksparteien schwere Einbußen erlitten, die Parteien der Ränder dagegen zugelegt. Der Autor Leon de Winter versucht sich zu erklären, was in dem Land gerade vor sich geht: "Wie ist es möglich, dass es bei derartigem Wohlstand zu diesem Resultat kam? Ich möchte den Schock der politischen Morde, die wir 2002 und 2004 miterlebten, nicht herunterspielen - es waren Ereignisse, wie sie in den letzten 400 Jahren nie geschehen sind. Aber die gegenwärtige Rastlosigkeit eines Teils der Wählerschaft hat nichts damit zu tun. Es besteht ein allgemeines Missbehagen, die Leute fühlen sich unwohl, entfremdet; sie glauben, das politische Establishment habe den Kontakt zur Wirklichkeit verloren." Gar nicht verstehen kann er den Erfolg der linkspopulistischen Sozialisten: "Wie in aller Welt ist es möglich, dass ein so gut organisiertes Land - gut organisiert wie die Schweiz -, in dem die Leute sich im Allgemeinen anständig aufführen, wo die Leute höflich sind, wo wir alle zweimal im Jahr in die Ferien reisen, ein Land mit niedriger Arbeitslosigkeit und einer ausgezeichneten Gesundheitsversorgung - wie ist es möglich, dass ein großer Anteil der Wähler für eine maoistische Partei stimmt?"

Weiteres: Bei aller Liebe zum Eigensinn zeigt Signer Enervierungserscheinungen gegen die Appenzeller, die wieder einmal gegen eine sinnvolle Erneuerung gestimmt haben (der Erhöhung der Kinderzulage von 185 auf 200 Franken): "Dauernd gegen nationale Vereinheitlichung und Bevormundung zu schimpfen und auf Föderalismus zu pochen, während die Subventionen fließen, ist widersprüchlich." Nigel Lawson konstatiert in einem vom Spectator übernommenen Text, dass der Klimawandel zu wenig wissenschaftlich gesichert sei, um teure Gegenmaßnahme zu treffen. Und Julian Schütt singt eine Ode auf das Kaffeehaus.

Magazinrundschau vom 28.11.2006 - Weltwoche

"Wenn Ihnen jemand ein Band oder ein Interview mit Bin Laden anbietet, zögert man nicht, die Offerte anzunehmen, sogar wenn es Sie nach Guantanamo führen würde." Ahmed Sheikh, Chefredaktor des TV-Senders Al-Dschasira, erscheint im Interview mit einem etwas zahnlosen Pierre Heumann als Paradox aus einem allein der Nachricht verpflichteten Journalisten, der von festem ideologischen Grund aus operiert. "Der israelisch-palästinensische Konflikt ist einer der wichtigsten Gründe für das Weiterköcheln all dieser Krisen und Probleme. Der Tag, an dem Israel gegründet wurde, legte das Fundament für unsere Probleme. Der Westen sollte das endlich verstehen. Es wäre viel ruhiger, wenn die Palästinenser zu ihrem Recht kämen."

Mit aller Vorsicht berichtet Alex Baur über ein delikates Thema: Immigranten aus dem Balkan scheinen in der Schweiz für einen überproportional hohen Anteil an Vergewaltigungen bzw. sexuellen Belästigungen verantwortlich zu sein. Die fehlgeleitete Integrationspolitik gehe aber munter weiter, klagt Alex Baur. "Statt dass Kindern von Immigranten möglichst im Vorschulalter zu einer soliden Sprachbasis verholfen wird, sollen die Kleinen nun bereits im Kindergarten Schriftdeutsch lernen - eine Fremdsprache, die außer Lehrern hierzulande im Alltag nur Ausländer sprechen."

Magazinrundschau vom 21.11.2006 - Weltwoche

Die Taliban sind dabei, Afghanistan zurückzuerobern. Sami Yousafzai und Urs Gehriger haben sich mit dem Kader Mullah Sabir getroffen, der im Interview frohlockt: "Schauen Sie sich die Nachrichten an. Halb Afghanistan ist wieder unter unserer Macht. Wir sind bis vor die Tore Kabuls vorgedrungen. Präsident Hamid Karzai ist gefangen in seinem Palast. Zwar fliegt er dauernd in der Welt herum und hausiert bei den Mächtigen des Westens. Doch in seinem eigenen Land traut er sich nicht einmal auf Kondolenztour. Sie können sich vorstellen, dass bei unserem Treffen der 33 Taliban-Chefs alles andere als Grabesstimmung herrschte."

Dazu veröffentlicht die Weltwoche den neuen Kodex für die Taliban, der offenbar den allzu lockeren Sitten unter den Gotteskrieger Einhalt gebieten soll: "...17) Mudschaheddin haben kein Recht, Geld oder persönlichen Besitz von Zivilisten zu konfiszieren. 18) Mudschaheddin sollten das Rauchen von Zigaretten unterlassen. 19) Mudschaheddin ist es nicht erlaubt, Jünglinge ohne Bartwuchs auf das Schlachtfeld oder in ihre Privatgemächer mitzunehmen."

Weiteres: Hanspeter Born rekapituliert, wie Donald Rumsfeld im Irak scheiterte. Philipp Gut bezweifelt, dass mehr Kinderkrippen zu mehr Nachwuchs führen und die Erwerbsquote von Müttern steigern würden. Markus Somm stellt den Schweizer Politiker und "neoliberalen Sanguiniker" Pascal Couchepin vor. Und Daniela Niederberger unterhält sich mit der Blick-Sexkolumnistin Eliane Schweitzer.

Magazinrundschau vom 07.11.2006 - Weltwoche

Die sieben Milliarden Dollar teure Grenzmauer zwischen den USA und Mexiko ist völlig sinnlos, betont Mario Vargas Llosa. Zum einen sei sie spielend zu umgehen, zum anderen seien Immigranten ein Segen für die Wirtschaft. Llosa demonstriert das an seiner amerikanischen Putzhilfe Emerita, die für zwei Stunden früher sechzig und nun hundert Dollar nimmt. "Sie besitzt das neuste Buick-Modell und ultramoderne Geräte, um zu fegen, zu polieren, zu putzen und zu waschen. Am Samstag - sie arbeitet sechs Tage pro Woche und nimmt sich den Sonntag frei - hilft ihr der Ehemann, der ansonsten als Gärtner arbeitet. Wie viel er verdient, weiß ich nicht, aber Emerita reinigt durchschnittlich vier bis fünf Häuser pro Tag, womit sie ein Monatseinkommen von mindestens 8.000 Dollar erzielt. So haben sie und ihr Mann sich ein Haus in Washington und eines in ihrer Heimat kaufen können."

Weiteres: In der Schweiz werden Schulkinder mit Soldaten in Kampfanzügen und Handschellen für die schrecklichen Erlebnisse von Flüchtlingskindern sensibilisiert, empört sich Philipp Gut. Samiha Shafy erforscht, ob Ehrgeiz antrainiert ist oder vererbt wird. Im Gespräch mit Ralph Pöhner erinnert sich Steve Wozniak an die goldenen Anfänge von Apple.