Magazinrundschau - Archiv

Die Weltwoche

110 Presseschau-Absätze - Seite 5 von 11

Magazinrundschau vom 17.07.2007 - Weltwoche

Pierre Heumann hat in der Türkei Stimmen gesammelt, die vor einer wachsenden Islamisierung des Staates warnen. "Die AKP besetzt die Verwaltung gezielt mit konservativen islamischen Beamten. Die Islamisten beeinflussen die Kinder, wie der Besuch einer Istanbuler Schule zeigt. Im Unterrichtsbereich, sagt ein Lehrer, seien 98 Prozent aller neuen Stellen mit Angehörigen der muslimischen Lehrergewerkschaft besetzt worden. 'Zwei Drittel der frisch ernannten Schulleiter sind bei der islamistischen Lehrergewerkschaft eingeschrieben.' Ihr Vordringen hat Konsequenzen: Die Zahl der Gebetsstätten an den Schulen steigt. Fromme Rektoren stellen ihr Zimmer für ein Gebet zur Verfügung oder dispensieren Berufsschüler fürs Freitagsgebet. Während der Ferien besuchen Schüler Koranschulen, die von Moscheen finanziert werden. Hinter diesen privaten Initiativen stecken oft türkische Islamisten, die vom Ausland aus operieren. Zum Beispiel Fethullah Gülen, einer der prominentesten türkischen Religionsführer. Er investiert in ein Netzwerk von Schulen, Gymnasien und Universitäten. Gülen hat ein klares Ziel: eine 'goldene Generation' von Muslimen heranzuziehen, um die 'moralischen Werte' des Islam voranzubringen und die Politik auf einen religiösen Kurs zu trimmen."

Magazinrundschau vom 10.07.2007 - Weltwoche

Eine ausführliche Exegese des noch gar nicht erschienenen siebten Harry-Potter-Bandes sowie eine Reflexion über verschiedene Versionen seiner möglichen Handlung erfragt ein namentlich nicht genannter Interviewer vom Potter-Experten Michael Maar. Auf die Frage, ob Harry Potter sterben werde, antwortet Maar: "Ich würde hoch dagegen wetten. Es gibt ungeschriebene Verträge, die man nicht brechen soll, wenn man den Zorn der Götter nicht herausfordern will. Ein ungeschriebenes Gesetz der Kinder- und Jugendliteratur ist, dass der Held nicht am Ende sterben darf. Rowling spielt gern mit Regelbrüchen und kleinen Gesetzesübertritten, aber dieses letzte große Tabu wird sie nicht missachten. Vielleicht wird Harry seine Zauberkraft verlieren und als gewöhnlicher Muggel enden, das wäre eine mögliche und gar nicht unelegante Lösung. Aber sterben? Da sind andere in Gefahr: Neville Longbottom, wie gesagt, Hagrid, auch Ginny und selbst Hermine..." Auf Englisch erscheint der Band am 21. Juli.

Magazinrundschau vom 03.07.2007 - Weltwoche

Ein wenig vorteilhaftes Bild zeichnet Beatrice Schlag von der "Auster" Hillary Clinton, die in ihrem Kampf um die amerikanische Präsidentschaft die "Emotionalität einer Parkuhr" verbreite. Von der Hingabe, mit der sie noch während der Lewinsky-Affäre für die Ehre ihres Mannes stritt, sei nichts mehr übrig: "Der Öffentlichkeit vom eigenen Mann als gutgläubige Idiotin vorgeführt zu werden, ist mehr, als die meisten Frauen aushalten. Nicht alle verstanden, warum sie bei ihm blieb. Aber es berührte jeden. Neun Jahre später ist Hillary Clinton eine erfahrene Senatorin und als erste Frau in den USA Favoritin für die demokratische Präsidentschaftskandidatur. Vor diesem nach dem Lewinsky-Skandal unvorstellbaren Comeback will man auch heute noch den Hut ziehen. Schwieriger geworden ist das Bewundern. In eigener Sache ist Hillary Clinton - elende und verbreitete Frauenkrankheit - so reserviert und spröde, wie sie im Einsatz für ihren Gatten rückhaltlos und leidenschaftlich war. Man hört und sieht ihr zu und spürt - nichts."

Das Autorenduo Sami Yousafzai und Urs Gehriger hat den neuen Militärchef der Taliban, Mansur Dadullah, aufgestöbert:, der sich im Interview nicht die Chance entgehen lässt, kräftig dem Westen zu drohen: "Auf einem steinigen Hausboden sitzend, hinter sich eine AK-47 an die Wand gelehnt, gelobt Mansur Dadullah, der sein Alter mit 35 Jahren angibt, das Werk seines Bruders weiterzuführen. Sein Bruder Mullah Dadullah war der legendäre 'Schlächter von Urusgan', der mit gefilmten Enthauptungen und Selbstmord-Attacken die Taliban wieder in die Schlagzeilen brachte. Nach monatelanger Jagd wurde er im Mai von Koalitionstruppen erschossen. Er werde eine neue 'Front von Selbstmordattentätern anführen', verkündet Mansur, an Freiwilligen mangle es nicht."

Magazinrundschau vom 26.06.2007 - Weltwoche

Die harscheste Kritik an der documenta und ihren Kuratoren Roger M. Buergel und Ruth Noack kommt aus der Schweiz. Claudia Spinelli findet die Zusammenstellung der Kunstwerke in höchstem Maße zufällig. Die Eitelkeit der Kuratoren überlagere jede Aussage. "Wirklich vielschichtige und vor allem auch einleuchtende Metaphern sind in der d12 eher selten. Das meiste wirkt sehr bemüht, wenn nicht belanglos: Wenn es um formale Analogien zwischen der kulturellen Produktion unterschiedlichster Provenienz - japanische Miniaturen und westliche minimalistische Zeichnungen - geht, dann ist das weder brisant noch besonders interessant. Eines ist in jedem Fall klar: Wer durch diese Ausstellung geht, sollte akademisch geschult, beseelt von österreichischer Bildungsbeflissenheit und bierernst sein. Dass selbst in diesem Idealfall kaum die intellektuellen Verbindungen hergestellt werden können, um die Setzungen des Ehepaars auch nur ansatzweise zu verstehen, ist Teil eines elitären Spiels, das man auch totalitär nennen könnte."

Mathias Plüss führt ein Interview mit dem österreichischen Physiker Walter Thirring. Der 80jährige spricht über Einstein, den er als junger Assistent kennen lernen durfte und über den Zusammenhang von Physik und Religion. "Für mich ist offensichtlich, dass ein Plan da ist, dem die Natur unterworfen ist. Diesen Plan haben wir mit den einsteinschen Gleichungen in den Händen, denn sie beschreiben die Gesetze des Kosmos. Intelligent nenne ich den Plan deswegen, weil er sich dem menschlichen Geist erschließt, genauer gesagt, dem intelligenten Geist, der zur Abstraktion der höheren Mathematik befähigt ist."

Magazinrundschau vom 19.06.2007 - Weltwoche

Interessante Frauen in dieser Weltwoche - die auf dem Cover nicht mitgezählt. Peer Teuwsen porträtiert die Verhaltensökonomin Iris Bohnet, die an der Kennedy School in Harvard unterrichtet: "Es kommt vor, dass die Frau, die schon als Mädchen die Welt verändern wollte, in einem Hörsaal in Harvard steht. Ihr gegenüber, in Plastiksitze gequetscht, zehn Minister aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Sie redet mit ihnen über die Rolle des 'Vertrauens' im gesellschaftlichen Leben, erzählt von Feldforschungen, Theorie und Praxis. (...) Iris Bohnet, eine blonde Frau mit sehr offenem Gesicht, versucht, die Scharia, das islamische Gesetz, zu verstehen, weiß durch Aufenthalte in der Golfregion um die gesellschaftlichen Strukturen, die auf dem Clan-Gedanken und einem 'Beziehungsvertrauen' beruhen - und dass man dort Fremden nur sehr schwer vertraut. Die mächtigen Minister wiederum wissen, dass sie ein Problem haben. Weil Außenstehende fast nicht in die islamischen Gesellschaftsstrukturen eindringen können, bleiben deren Investitionen gering. Und wer der Region, die derzeit vor allem dank dem immensen Vermögen der Scheichs wächst, langfristige Perspektiven geben will, der muss zum Beispiel mit der Verhaltensökonomin Bohnet reden."

Und Thomas Widmer porträtiert die 1982 verstorbene Philosophin und Romanschriftstellerin Ayn Rand als liberale Anarchistin, Gegenwartskritikerin und Polemikerin.

Magazinrundschau vom 29.05.2007 - Weltwoche

Franziska K. Müller hat sich im eigentlich exklusiven Nobelinternat Le Rosey am Genfersee umgetan. Hier wird den Erbfolgern der Aga Khans, al-Fayeds oder Rockefellers Fleiß, Disziplin und tadelloses Benehmen beigebracht, damit sie nicht in der Glamourgosse enden, wie Paris Hilton. "Jugendlichem Sturm und Drang beugt die Internatsleitung mit einem lückenlosen Beschäftigungsprogramm vor, kritischen Gedanken zum Weltgeschehen mit dem Verzicht auf Tageszeitungen, Fernsehen und politische Diskussionen. Mit 'Underground' bringen die flausenlosen Teenager allenfalls die unterirdische Kirche in Verbindung. Kämpfen sie für nichts? Doch: für Gleichberechtigung in der Nutella-Frage. Der süße Brotaufstrich war bisher den Mädchen vorbehalten. Und dafür, dass in naher Zukunft nicht mehr die Schüler, sondern das Personal die Mahlzeiten serviert."

Als so "temperamentvoll wie sachkundig" lobt der Historiker Hans-Ulrich Wehler das neue Buch "Die Antwort" von Alice Schwarzer und möchte doch einmal würdigen, wie wichtig Schwarzer für die deutsche Geschichte gewesen ist: "Ohne diese ganz individuelle Motorik, ja sei's drum, ohne diese Leidenschaft, im offenen Streit für ihre gerechte Sache unentwegt voranzugehen, hätte der Frauenbewegung, aber auch den Entscheidungsgremien der Parteipolitik ein wesentlicher Impuls gefehlt."

Magazinrundschau vom 15.05.2007 - Weltwoche

Peer Teuwsen entziffert das Erfolgsgeheimnis des unter Kitschverdacht stehenden, dafür aber in der Schweiz unerreicht erfolgreichen Schriftstellers Peter Bieri alias Pascal Mercier. "Tausende von Leserbriefen haben ihn erreicht, der Taxifahrer, die Krankenschwester, die Schauspielerin Senta Berger schreiben ihm, dieses Buch drücke aus, was sie seit langem fühlten. Peter Bieri bemüht sich, zu verstehen. Zu verstehen, was den Menschen bewegt, seine Zweifel, seine Unruhe, seine Sehnsucht nach einem anderen Leben, einer anderen Zeit, einem anderen Takt. Und dies macht er nicht, indem er seine Figuren unendliche Qualen erleiden lässt, sie bloßstellt, seziert, massakriert, nein, er lässt sie nach Wahrheit streben, eine Selbstfindung durchlaufen, seine Charaktere sind Menschen, deren Handeln nachvollziehbar ist und die man dafür gern hat. Und diese Art der Behutsamkeit, der plötzlichen Langsamkeit, die dem Berner Autor entspricht, trifft auf ein ungeheures Echo."

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit erklärt Roger Schwawinksi im Interview seine protestantische Haltung zum Partyfeiern. "Das Durchhalten ist überhaupt kein Problem. Damit muss ich leben. Wenn ich da nicht hingehe, kriege ich auch Ärger. Vielleicht ist es mein Fehler, dass ich den Leuten das Gefühl gebe, dass ich da gerne bin. Bei vielen bin ich auch gerne, bei manchen nicht. Das ist auch eine Dienstleistung."

Weiteres: Thomas Widmer hinterfragt die theologische Notwendigkeit der in der Schweiz geplanten "Bonsai-Minarette". Philipp Gut beobachtet ein Comeback der Hausfrauen.

Magazinrundschau vom 08.05.2007 - Weltwoche

Urs Gehringer interviewt den Autor Lawrence Wright, der für seine Recherche "The Looming Tower - Al-Qaeda and the Road to 9/11" (Auszug) den Pulitzer-Preis bekommen hat und als einer der besten Kenner von Al Qaida überhaupt gilt. Er hält die Bekämpfung Al Qaidas mit den Mitteln des Krieges für fatal: "Wir sollten den Kampf gegen Al Qaida und den radikalen Islam auf eine strikt politische Basis verlegen. Wir sollten sie fragen: 'Was offeriert ihr?' Die Wahrheit ist: Al Qaida offeriert nichts. Sie hat keine politische Agenda. Beim Durchblättern von Tausenden Dokumenten habe ich keine einzige Seite über Politik gefunden. Al Qaida hat keinen Wirtschaftsplan, keinen Plan gegen Arbeitslosigkeit, keine Umweltpolitik. Al Qaida bietet ihren Anhängern nichts, außer Zerstörung." Durch den Irak-Krieg wurde Al Qaida wieder gestärkt, meint Wright: "Es kommt die Zeit, da die Dschihadisten aus dem Irak weiterziehen. Sie werden in ihre Heimatländer zurückkehren, nach Europa, woher viele kommen. Sie werden gut trainiert, hoch motiviert und gut organisiert sein."

Vorletzten Sonntag stand Bob Dylan in der Schweiz auf der Bühne. Unerträglicher als Stimme und Mundharmonika des Mannes sind nur seine Verehrer, meint Albert Kuhn mit giftigem Blick auf eine Berufsgruppe. "Der reflexartige Kniefall vor Sankt Bob ist für Journalisten über dreißig sozusagen der global gültige Presseausweis. Keine Redaktion ohne berufsmäßigen Dylan-Exegeten mit dem Hang zur vollen Zeitungsseite. Kein anderer Künstler hat eine Branche derart an der Gurgel wie dieser, dieser... Aber warum denn?"

Magazinrundschau vom 03.04.2007 - Weltwoche

Putin ist vielleicht kein lupenreiner Demokrat, aber seine Regierungsbilanz ist positiv, meint Roger Köppel: "Es war rückwirkend vielleicht ein Wunder, dass sich die Entwicklung nicht vollzog, die damals für plausibel gehalten wurde: dass Russland zu einer Art Weimarer Republik zerfallen würde mit den bekannten mörderischen Weiterungen. Man muss sich das Beispiel Jugoslawien vor Augen halten, um den Weg zu verstehen, den Moskau mit einigem Erfolg zurücklegte. Instruktiv in sachen Putin-Bashing bleibt der Fall Chodorkowski. Der Oligarch, der sich im Westen gern als Friedenstaube inszenierte, war ein rabiater Geschäftsmann, der sich sein Öl-Imperium dank behördlicher Duldung zu fragwürdigen Tiefstpreisen zusammenkaufte und mit Konkurrenten nicht gerade zimperlich umsprang. Vor allem aber kreuzte er die Wege des Kreml-Chefs, als er Duma-Abgeordnete bestach, um sich eine Gegenmacht zum Präsidenten zu sichern... Putin musste Chodorkowski stoppen. Falsch waren der Schauprozess und die plumpe Zerschlagung des Konzerns."

Im Interview mit Peer Teuwsen widerspricht der amerikanische Klimaforscher Richard S. Lindzen recht offensiv den "hysterischen" Theorien vom Klimawandel: "Wenn man die Unsicherheiten in den Daten berücksichtigt, hatte man Erwärmung von 1920 bis 1940, Abkühlung bis 1970, Erwärmung wieder bis Anfang der neunziger Jahre. Aber man kann das nicht so genau sagen, wie immer behauptet wird. Es gibt keine wesentlichen Unterschiede zwischen den Temperaturen von heute und jenen in den zwanziger und dreißiger Jahren. Das System ist nie konstant. Und das Ende der Welt auszurufen angesichts von ein paar Zehntelgraden, ist lächerlich."

Magazinrundschau vom 27.03.2007 - Weltwoche

In seinem epischen Porträt versucht sich Bruno Ziauddin dem seit drei Jahren weltbesten Tennisspieler Roger Federer zu nähern. Federer scheint rundum perfekt zu sein, und sehr medieneffizient, wie wir im angehängten Kurzinterview erfahren. "Das Coole an meinem Job ist ja: Ich bin mein eigener Boss und kann machen, was ich will. Nicht wie ein Fußballer, der einfach irgendwohin transferiert wird oder dem man verbieten kann, sich in eine Hängematte zu legen, weil es nicht zum Image des Vereins passt. Es ist allein meine Entscheidung, ob ich in einem Anzug oder füdliblutt durch die Gegend laufe. - Noch zwei Fragen?"

Leider nicht online ist Anne Applebaums Charakterisierung von Wladimir Putin als ein dem Sowjetstil verhafteter Autokrat.