Magazinrundschau - Archiv

Wired

201 Presseschau-Absätze - Seite 13 von 21

Magazinrundschau vom 05.01.2016 - Wired

Chinas Tech-Szene ist beträchtlich im Kommen, berichtet Clive Thompson. Nicht nur das Risikokapital sitzt lockerer, auch ein Gesinnungswandel ist in der nachrückenden Generation festzustellen, schreibt er: "Vor zehn Jahren beschwerten sich High-Tech-Beobachter noch über den Mangel an kühnen Innovatoren im Land. Sicher gab es enorm erfolgreiche Unternehmen, doch nahmen sie selten kreative Risiken auf sich und kopierten im wesentlichen Erfolge aus dem Silicon Valley. Das Westküsten-Mantra - scheitere schnell, scheitere oft, um das Hitprodukt besser zu finden - klang für Jugendliche aus einem Bildungssystem, das auf Auswendiglernen fokussiert und Fehler hart bestraft, fremdartig, sogar gefährlich. Die Absolventen suchten Jobs in großen, soliden Firmen. Das Ziel war Stabilität: Das urbane China war gerade erst aus Jahrzehnten der Armut hervorgegangen und weite Teile der Provinz hatten das noch vor sich. Da duckte man sich lieber und ging auf Nummer Sicher. Doch diese Einstellung ist im Verschwinden begriffen, weggeschwemmt von einem steigenden Wohlstand, der ein neues Selbstbewusstsein und eine neue Kühnheit unter den jungen, urbanen Techies des Landes mit sich bringt. ... Sie wollen nicht mehr für Google und Apple arbeiten. Wie ihre Kollegen in San Francisco wollen sie das nächste Google und Apple bauen."

Magazinrundschau vom 15.12.2015 - Wired

2015 markiert das Jahr, in dem Netflix mit seinem explosionsartig gewachsenen Bouquet an Eigenproduktionen endgültig zum vollausgebauten Fernsehsender herangereift ist, schreibt K.M. Farland. Auch vor diesem Hintergrund erweise sich die berüchtigte Politik des Online-PayTV-Senders, die Abrufzahlen im Einzelnen selbst vor den Showrunnern unter Verschluss zu halten, als problematisch: "Dieser Mangel an Transparenz stellt einen Nachteil für die Kreativen dar, deren Fähigkeit zu verhandeln davon beeinträchtigt wird. ... Einerseits ist das großartig: Es befreit sie von dem Druck, der üblicherweise auf TV-Produzenten lastet. Aber einige (...) hält es auch davon ab, einen Lohn auszuhandeln, der im Verhältnis zur Leistung der eigenen Show steht. Jahrzehntelang haben wir gelesen, wie die Darsteller aus 'Friends', 'Modern Family' oder 'Big Bang Theory' im Zuge steigender Einschaltquoten oder Auszeichung beträchtliche Lohnerhöhungen erhalten haben; zwar lässt es sich nicht sicher sagen, aber die Chancen stehen gut, dass ein solches System bei den meisten Streamingdiensten nicht vorgesehen ist."

Und von Julia Greenberg erfahren wir, warum Netflix ausgerechnet auf einen Exklusiv-Deal mit dem in den USA in jüngerer Vergangenheit zusehends als Has-Been gehandelten Adam Sandler setzt, um ein globales Filmpublikum an sich zu binden.

Magazinrundschau vom 27.10.2015 - Wired

Beeindruckend findet es Bijan Stephen, welche Wirkmacht die sozialen Medien in den letzten zwei Jahren im Zusammenhang mit der schwarzen Bürgerrechtsbewegung entwickelt haben. Auch wegen dieser medialen Voraussetzung lasse sich die digitale Bürgerrechtsbewegung nur schwer mit den klassischen Organisationen der 60er Jahre vergleichen: "'Es verläuft dezentral, aber koordiniert', meint Maurice Mitchell, ein Organisator einer Gruppe, die sich Blackbird nennt, 'es gibt keine von oben nach unten arbeitende Mandate.' Man könnte es so sehen: Die Bewegung der 60er Jahre benötigte eine große institutionelle Struktur, damit die Sache lief - zum Teil wegen der technischen Begrenztheiten jener Tage. Heutzutage zeigen sich solche Strukturen nur noch in Schwundstufen. Nachdem Michael Brown in Ferguson, Missouri, erschossen worden war und die Stadt eine große aktivistische Welle auf sich konzentrierte, fiel es [dem Aktivisten] Mckesson wie Schuppen von den Augen, was den Aufbau einer Bewegung betrifft: 'Wir brauchten keine Institutionen mehr, um das zu bewerkstelligen', sagt er. Die sozialen Netzwerke konnten als Quelle für rohe Live-Informationen dienen. Man konnte Leute auf die Straße bringen und ihre Bewegungen in Echtzeit koordinieren. ... So diffus und vielgestaltig diese Bewegung auch anmuten mag, ist es ihr dennoch gelungen, einen so beherzten Aktivismus auf die Beine zu stellen, wie es ihn seit den 60ern Jahren kaum mehr gab."

Magazinrundschau vom 22.09.2015 - Wired

Für Wired hat Matt Simon die RoboGames besucht, ein dreitägiges Turnier, bei dem von ihren Erbauern ferngesteuerte Roboter in einer Arena aufeinander losgehen und, wie auch die illustrierenden Fotografien eindrucksvoll belegen, die (Metall-)Fetzen fliegen lassen (hier zudem der Videobeweis). Simon wird dabei zunehmend unwohl: "Wir sprechen hier von absurd gewalttätigen Maschinen. Und auch wenn sie in Käfige gesperrt sind, sind sie der Beweis auf Rädern dafür, was für eine Energie in heutigen Robotern steckt. Ich habe tatsächlich Angst, wenn ich hier stehe und all die Kämpfe beobachte, während die Splitter vom Sicherheitsglas abprallen [...] Doch woanders, draußen in der Welt, befinden sich Roboter, die so ausgeklügelt sind, dass sie den menschlichen Verstand auf andere Weise schocken. Zum Beispiel habe ich Zeit in Krankenhäusern verbracht, in denen autonome Roboter eigenständig durch den Flur fahren, Aufzüge rufen und mit den Menschen um sie herum kommunizieren. Die Maschinen sind endlich und wirklich hier. Weshalb ich in diesem Moment, in dem ich das Klink-Klink-Klink der Splitter höre, daran denke, welche beträchtliche Verantwortung in den Händen der Menschheit liegt."

Magazinrundschau vom 25.08.2015 - Wired

Da sind "Dallas" und "Denver Clan" nichts dagegen: Amy Wallace berichtet in Wired von Intrigen und Frontbildungen in der Science-Ficton- und Fantasy-Fanszene rund um die Hugo Awards. Dieser jährlich von Fans im Wahlverfahren verliehene Preis zählt zu den weltweit wichtigsten Auszeichnungen im Genre. Für in Autoren- und Fanblogs heiß diskutierten Trubel (etwa hier, hier und hier) sorgte in diesem Jahr eine rechtskonservative Gruppe von Autoren und Fans: Die "Sad Puppies" sehen das traditionell eher weiß, männlich und amerikanisch besetzte Genre bedroht. Mit einer groß angelegten Kampagne haben sie offenbar dafür gesorgt, dass in zahlreichen Kategorien vor allem ihre Protegés platziert wurden: Denn "in den letzten Jahren, in denen Science Fiction soweit gewachsen ist, um auch Erzähler zu integrieren, die Frauen, schwul und lesbisch oder People of Color sind, haben sich auch die Hugos gewandelt. Zu den Göttern mit Raketen gesellten sich bei der jährlichen Auszeichnung im August zusehends auch Göttinnen und solche aus anderen Ethnien, Geschlechtern und sexuellen Orientierungen, von denen einige Geschichten erzählen wollen, die von mehr als bloß Raumschiffen handeln." Aufgegangen ist das Vorhaben der Traditionalisten im übrigen nicht.

Magazinrundschau vom 28.07.2015 - Wired

Seit drei Jahren versetzt die neue Gentechnologie Crispr-Cas9 die Biologie in Aufregung, berichtet Amy Maxmen: Dank dieser wird es möglich, Gencodes präzise und mit wenig Aufwand aufzutrennen, einzelne Gene zu isolieren oder sie durch neue zu ersetzen. Den Möglichkeiten sind schier keine Grenzen gesetzt - genau wie den Gefahren: "Bio-Ingenieure haben Crispr bereits genutzt, um die Gene von Hefe so zu ändern, dass sie pflanzliche Stoffe aufnehmen und Ethanol ausscheiden, was ein Ende der Ölabhängigkeit in Aussicht stellt. ... Je nachdem wer du bist, lässt Crispr Dich eine glänzende Zukunftswelt sehen, eine Nobelpreisauszeichnung oder Dollarzeichen. Die Technik ist revolutionär und wie alle Revolutionen ist sie riskant. Crispr übersteigt alles, was 1975 auf der Asilomar-Konferenz unter Biologen diskutiert wurde. Sie könnte es Genforschern zumindest gestatten, all das in die Welt zu setzen, von dem irgendwer mal glaubte, dass sie es tun würden - Designer-Babys, angreifende Mutanten, spezies-spezifische Biowaffen und ein Dutzend weiterer Science-Fiction-Ideen. Damit gehen komplett neue Regeln für die Forschungspraxis in den Lebenswissenschaften einher. Doch keiner weiß, welche das im einzelnen sind..."

Man macht sich ja in Zeiten von GoogleMaps und Smartphones keinen Begriff mehr davon, mit welch kräftezehrenden Aufwand es insbesondere im Kalten Krieg verbunden war, detaillierte Karten von der Welt zu erstellen. Eine Ahnung davon vermittelt Greg Miller mit einer großen Reportage über das Phänomen der (verhältnismäßig) hochauflösenden Sowjet-Karten, mit denen die Sowjetunion einst ihr eigenes und ihr erhofftes zukünftiges Gebiet jenseits des Eisernen Vorhangs kartografiert hat: Mehrere Millionen durften erstellt worden sein, die, als einstiges Militärgeheimnis, beim Zusammenbruch der UdSSR von geschäftstüchtigen Offiziere kiloweise verscherbelt wurden und nun im Liebhaber-Handel kursieren. Sie sind erstaunlich kleinteilig, gerade auch, was amerikanische und europäische Städte betrifft. "Vermerkt sind auch Fakten wie die exakte Angabe von Straßenbreiten, die Belastbarkeit von Brücken und die verschiedenen Arten von Fabriken. Jene Sorte von Hinweisen also, die nützlich sind, wenn man eine Panzerinvasion plant..." Mehr zu sowjetischen Karten auf dieser Website.

Magazinrundschau vom 21.07.2015 - Wired

Dass die Filmarchive unterbesetzt und unterfinanziert sind und daher damit hinterher kommen, die verfallenden Artefakte zu restaurieren und zu digitalisieren, ist bekannt. Auch Bryan Gardiner kommt in seiner Reportage über den Besuch des Packard Campus for National Audio-Visual Conservation in Virginia darauf zu sprechen. Aber er schildert auch die Erfolgsgeschichten: Zwar ist die Digitalisierung der sich zersetzenden Videotapes aus den 70er und 80er Jahren noch lange nicht abgeschlossen, doch beträchtliche 500000 Digitalisate mit einem Datenvolumen von acht Petabytes stehen der Library of Congress bereits auf einem Server zur Verfügung: Dieser ist "mit einem 75 Meilen langen Glasfaserkabel direkt mit DC verbunden. Wenn ein Forscher den Lesesaal aufsucht, ist er in der Lage, herauszufinden, ob ein bestimmtes Tape oder eine Tonaufnahme bereits digitalisiert wurde (...) Will er die Aufnahme sichten oder hören, kann er ebenfalls in Erfahrung bringen, ob die Datei umgehend online zur Verfügung steht. ... Videodateien sind so groß, dass Packard auf ein Cachesystem zurückgreift. Zu diesem Zweck ist ein vielbeschäftigter Roboterarm im Einsatz - er greift nach dem Speicherband, auf dem die Quicktime-Dateien abgelegt wurden, bewegt sie in ein Laufwerk und schickt die Datei an einen laufenden Diskserver. Dort angekommen, reist die Datei das Glasfaserkabel weiter und kommt schließlich in dem Cache, zu dem sie der Forscher bestellt hatte. Die gesamte Wartezeit? Drei Minuten."

Magazinrundschau vom 02.06.2015 - Wired

Lange Zeit bildete die Mengenlehre die theoretische Basis für die Mathematik. Wenn man Kevin Hartnett und seinem von vielen Exkursen ins Feld der mathematischen Theorie gestützten Porträt des Mathematikers Vladimir Voevodsky glauben kann, steht hier allerdings seit einiger Zeit eine buchstäblich an die Grundlagen rührende Revolution bevor: Um zu verhindern, dass bei der Beweisführung mathematischer Grundannahmen übersehene Fehler mitgeschleppt werden und sich festsetzen, arbeitet dieser an einer computergestützten, univalenten Sprache, anhand derer theoretische Mathematiker ihre Arbeiten besser darstellen und vor allem besser überprüfen können: "Schlussendlich möchte Voevodsky die univalente Basis dafür nutzen, um Aspekte der Mathematik zu erforschen, die unter den Bedingungen der Mengenlehre unzugänglich waren. Doch bis auf weiteres arbeitet er sorgfältig an der Entwicklung dieser univalenten Grundlagen. Die Mengenlehre hat die Mathematik länger als ein Jahrhundert gestützt. Und Voevodsky weiß, dass es notwendig ist, das Fundament von Anfang an richtig aufzubauen, wenn die univalenten Grundlagen eine ähnliche Langlebigkeit aufweisen sollen."

Magazinrundschau vom 26.05.2015 - Wired

George Lucas" Special-Effect-Schmiede "Industrial Light and Magic" ist ein tolles Beispiel für erfolgreiches amerikanisches Unternehmertum: Als der Filmemacher sich in der Hochphase von New Hollywood anschickte, "Star Wars" zu drehen, stellte er fest, dass die krisengeschüttelte 20th Century Fox keine eigene Abteilung für Spezialeffekte mehr besaß. Um seinen Film dennoch drehen zu können, tat er sich kurzerhand mit ein paar jungen, bastelwütigen Branchen-Frischlingen zusammen und erfand gewissermaßen aus der Garage heraus die Welt der Spezialeffekte von Grund auf neu. Der Rest ist Geschichte: "Star Wars" wurde zum Blockbuster-Phänomen und "Industrial Light and Magic" zu den wichtigsten, bis heute Ton angebenden Tech-Pionieren Hollywoods, die fast schon nebenbei sogar noch Pixar mitbegründeten. Das alles erfährt man in dieser umfangreichen Oral History über Entstehung und Geschichte von ILM, in der viele Protagonisten von damals und heute zu Wort kommen. Auch erfährt man dabei, dass es nicht immer die Multimillionen-Dollar-Effekte sein müssen, die am wirkungsvollsten sind. Sounddesigner Gary Rydstrom spricht über eine Szene aus James Camerons "Terminator 2": "Die Szene, in der der T-1000 in der geschlossenen Anstalt durch die Tür gleitet? Wir kamen irgendwann darauf, dass der dabei entstehende Klang, wenn man eine Dose Hundefutter umdreht und der Zylinder herausgleitet, die perfekte Kombination aus Schlamm, Metall und einem Absaug-Geräusch darstellt. Dieser Soundeffekt hat 75 Cents gekostet."

Magazinrundschau vom 19.05.2015 - Wired

Wired bringt den zweiten Teil von Joshuah Bearmans epischer Reportage über die langwierigen Ermittlungen gegen die im Darknet für regen Drogenhandel genutzte, anonymisierte Verkaufsplattform Silk Road (hier der erste Teil). In der Fortsetzung spitzen sich die Untersuchungen zu und führen schließlich zur genau konzertierten Verhaftung des mutmaßlichen Betreibers Ross Ulbricht. Wie die einzelnen, disparaten Indizien schließlich eine Person einkreisten, ist ein kleines Lehrstück in allzu offenherziger Onlinekommunikation: Ein in mehreren Foren genutztes Alias, das mit einschlägigen Suchanfragen auftauchte, führte schließlich zu einer E-Mail-Adresse mit Klarnamen, der den nötigen Kontext zum Datenabgleich lieferte: "Ermittler Tarbell hielt es für amüsant, dass als die Hinweise völlig offen verstreut waren. Am Ende war Google eines der wertvollsten Instrumente für die Exekutive. Es schien offensichtlich, dass Ross keinen Schimmer hatte, dass Silk Road ein solcher Erfolg werden würde, und verhielt sich in der Frühphase sehr saumselig. Und in einem Zeitalter, in dem Informationen eine lange Lebensdauer aufweisen, reicht es schon aus, nur ein einziges Mal saumselig gewesen zu sein. Eine schnelle Durchsicht von Ross" Präsenz in den sozialen Netzwerken offenbarte ein digitales Porträt, das dem von [Silk-Road-Betreiber] Dread Pirate Roberts unglaublich ähnlich war. Sein LinkedIn-Profil wies dieselbe libertäre Rhetorik auf. Auf Youtube listete er die Videos des Mises Institute unter seinen Favoriten und damit die politischen Säulenheiligen von DPR. Auf Google+ (...) erkundigte er sich, ob jemand jemanden kenne, der für UPS, FedEx oder DHL arbeite."