Magazinrundschau - Archiv

Wired

198 Presseschau-Absätze - Seite 13 von 20

Magazinrundschau vom 22.09.2015 - Wired

Für Wired hat Matt Simon die RoboGames besucht, ein dreitägiges Turnier, bei dem von ihren Erbauern ferngesteuerte Roboter in einer Arena aufeinander losgehen und, wie auch die illustrierenden Fotografien eindrucksvoll belegen, die (Metall-)Fetzen fliegen lassen (hier zudem der Videobeweis). Simon wird dabei zunehmend unwohl: "Wir sprechen hier von absurd gewalttätigen Maschinen. Und auch wenn sie in Käfige gesperrt sind, sind sie der Beweis auf Rädern dafür, was für eine Energie in heutigen Robotern steckt. Ich habe tatsächlich Angst, wenn ich hier stehe und all die Kämpfe beobachte, während die Splitter vom Sicherheitsglas abprallen [...] Doch woanders, draußen in der Welt, befinden sich Roboter, die so ausgeklügelt sind, dass sie den menschlichen Verstand auf andere Weise schocken. Zum Beispiel habe ich Zeit in Krankenhäusern verbracht, in denen autonome Roboter eigenständig durch den Flur fahren, Aufzüge rufen und mit den Menschen um sie herum kommunizieren. Die Maschinen sind endlich und wirklich hier. Weshalb ich in diesem Moment, in dem ich das Klink-Klink-Klink der Splitter höre, daran denke, welche beträchtliche Verantwortung in den Händen der Menschheit liegt."

Magazinrundschau vom 25.08.2015 - Wired

Da sind "Dallas" und "Denver Clan" nichts dagegen: Amy Wallace berichtet in Wired von Intrigen und Frontbildungen in der Science-Ficton- und Fantasy-Fanszene rund um die Hugo Awards. Dieser jährlich von Fans im Wahlverfahren verliehene Preis zählt zu den weltweit wichtigsten Auszeichnungen im Genre. Für in Autoren- und Fanblogs heiß diskutierten Trubel (etwa hier, hier und hier) sorgte in diesem Jahr eine rechtskonservative Gruppe von Autoren und Fans: Die "Sad Puppies" sehen das traditionell eher weiß, männlich und amerikanisch besetzte Genre bedroht. Mit einer groß angelegten Kampagne haben sie offenbar dafür gesorgt, dass in zahlreichen Kategorien vor allem ihre Protegés platziert wurden: Denn "in den letzten Jahren, in denen Science Fiction soweit gewachsen ist, um auch Erzähler zu integrieren, die Frauen, schwul und lesbisch oder People of Color sind, haben sich auch die Hugos gewandelt. Zu den Göttern mit Raketen gesellten sich bei der jährlichen Auszeichnung im August zusehends auch Göttinnen und solche aus anderen Ethnien, Geschlechtern und sexuellen Orientierungen, von denen einige Geschichten erzählen wollen, die von mehr als bloß Raumschiffen handeln." Aufgegangen ist das Vorhaben der Traditionalisten im übrigen nicht.

Magazinrundschau vom 28.07.2015 - Wired

Seit drei Jahren versetzt die neue Gentechnologie Crispr-Cas9 die Biologie in Aufregung, berichtet Amy Maxmen: Dank dieser wird es möglich, Gencodes präzise und mit wenig Aufwand aufzutrennen, einzelne Gene zu isolieren oder sie durch neue zu ersetzen. Den Möglichkeiten sind schier keine Grenzen gesetzt - genau wie den Gefahren: "Bio-Ingenieure haben Crispr bereits genutzt, um die Gene von Hefe so zu ändern, dass sie pflanzliche Stoffe aufnehmen und Ethanol ausscheiden, was ein Ende der Ölabhängigkeit in Aussicht stellt. ... Je nachdem wer du bist, lässt Crispr Dich eine glänzende Zukunftswelt sehen, eine Nobelpreisauszeichnung oder Dollarzeichen. Die Technik ist revolutionär und wie alle Revolutionen ist sie riskant. Crispr übersteigt alles, was 1975 auf der Asilomar-Konferenz unter Biologen diskutiert wurde. Sie könnte es Genforschern zumindest gestatten, all das in die Welt zu setzen, von dem irgendwer mal glaubte, dass sie es tun würden - Designer-Babys, angreifende Mutanten, spezies-spezifische Biowaffen und ein Dutzend weiterer Science-Fiction-Ideen. Damit gehen komplett neue Regeln für die Forschungspraxis in den Lebenswissenschaften einher. Doch keiner weiß, welche das im einzelnen sind..."

Man macht sich ja in Zeiten von GoogleMaps und Smartphones keinen Begriff mehr davon, mit welch kräftezehrenden Aufwand es insbesondere im Kalten Krieg verbunden war, detaillierte Karten von der Welt zu erstellen. Eine Ahnung davon vermittelt Greg Miller mit einer großen Reportage über das Phänomen der (verhältnismäßig) hochauflösenden Sowjet-Karten, mit denen die Sowjetunion einst ihr eigenes und ihr erhofftes zukünftiges Gebiet jenseits des Eisernen Vorhangs kartografiert hat: Mehrere Millionen durften erstellt worden sein, die, als einstiges Militärgeheimnis, beim Zusammenbruch der UdSSR von geschäftstüchtigen Offiziere kiloweise verscherbelt wurden und nun im Liebhaber-Handel kursieren. Sie sind erstaunlich kleinteilig, gerade auch, was amerikanische und europäische Städte betrifft. "Vermerkt sind auch Fakten wie die exakte Angabe von Straßenbreiten, die Belastbarkeit von Brücken und die verschiedenen Arten von Fabriken. Jene Sorte von Hinweisen also, die nützlich sind, wenn man eine Panzerinvasion plant..." Mehr zu sowjetischen Karten auf dieser Website.

Magazinrundschau vom 21.07.2015 - Wired

Dass die Filmarchive unterbesetzt und unterfinanziert sind und daher damit hinterher kommen, die verfallenden Artefakte zu restaurieren und zu digitalisieren, ist bekannt. Auch Bryan Gardiner kommt in seiner Reportage über den Besuch des Packard Campus for National Audio-Visual Conservation in Virginia darauf zu sprechen. Aber er schildert auch die Erfolgsgeschichten: Zwar ist die Digitalisierung der sich zersetzenden Videotapes aus den 70er und 80er Jahren noch lange nicht abgeschlossen, doch beträchtliche 500000 Digitalisate mit einem Datenvolumen von acht Petabytes stehen der Library of Congress bereits auf einem Server zur Verfügung: Dieser ist "mit einem 75 Meilen langen Glasfaserkabel direkt mit DC verbunden. Wenn ein Forscher den Lesesaal aufsucht, ist er in der Lage, herauszufinden, ob ein bestimmtes Tape oder eine Tonaufnahme bereits digitalisiert wurde (...) Will er die Aufnahme sichten oder hören, kann er ebenfalls in Erfahrung bringen, ob die Datei umgehend online zur Verfügung steht. ... Videodateien sind so groß, dass Packard auf ein Cachesystem zurückgreift. Zu diesem Zweck ist ein vielbeschäftigter Roboterarm im Einsatz - er greift nach dem Speicherband, auf dem die Quicktime-Dateien abgelegt wurden, bewegt sie in ein Laufwerk und schickt die Datei an einen laufenden Diskserver. Dort angekommen, reist die Datei das Glasfaserkabel weiter und kommt schließlich in dem Cache, zu dem sie der Forscher bestellt hatte. Die gesamte Wartezeit? Drei Minuten."

Magazinrundschau vom 02.06.2015 - Wired

Lange Zeit bildete die Mengenlehre die theoretische Basis für die Mathematik. Wenn man Kevin Hartnett und seinem von vielen Exkursen ins Feld der mathematischen Theorie gestützten Porträt des Mathematikers Vladimir Voevodsky glauben kann, steht hier allerdings seit einiger Zeit eine buchstäblich an die Grundlagen rührende Revolution bevor: Um zu verhindern, dass bei der Beweisführung mathematischer Grundannahmen übersehene Fehler mitgeschleppt werden und sich festsetzen, arbeitet dieser an einer computergestützten, univalenten Sprache, anhand derer theoretische Mathematiker ihre Arbeiten besser darstellen und vor allem besser überprüfen können: "Schlussendlich möchte Voevodsky die univalente Basis dafür nutzen, um Aspekte der Mathematik zu erforschen, die unter den Bedingungen der Mengenlehre unzugänglich waren. Doch bis auf weiteres arbeitet er sorgfältig an der Entwicklung dieser univalenten Grundlagen. Die Mengenlehre hat die Mathematik länger als ein Jahrhundert gestützt. Und Voevodsky weiß, dass es notwendig ist, das Fundament von Anfang an richtig aufzubauen, wenn die univalenten Grundlagen eine ähnliche Langlebigkeit aufweisen sollen."

Magazinrundschau vom 26.05.2015 - Wired

George Lucas" Special-Effect-Schmiede "Industrial Light and Magic" ist ein tolles Beispiel für erfolgreiches amerikanisches Unternehmertum: Als der Filmemacher sich in der Hochphase von New Hollywood anschickte, "Star Wars" zu drehen, stellte er fest, dass die krisengeschüttelte 20th Century Fox keine eigene Abteilung für Spezialeffekte mehr besaß. Um seinen Film dennoch drehen zu können, tat er sich kurzerhand mit ein paar jungen, bastelwütigen Branchen-Frischlingen zusammen und erfand gewissermaßen aus der Garage heraus die Welt der Spezialeffekte von Grund auf neu. Der Rest ist Geschichte: "Star Wars" wurde zum Blockbuster-Phänomen und "Industrial Light and Magic" zu den wichtigsten, bis heute Ton angebenden Tech-Pionieren Hollywoods, die fast schon nebenbei sogar noch Pixar mitbegründeten. Das alles erfährt man in dieser umfangreichen Oral History über Entstehung und Geschichte von ILM, in der viele Protagonisten von damals und heute zu Wort kommen. Auch erfährt man dabei, dass es nicht immer die Multimillionen-Dollar-Effekte sein müssen, die am wirkungsvollsten sind. Sounddesigner Gary Rydstrom spricht über eine Szene aus James Camerons "Terminator 2": "Die Szene, in der der T-1000 in der geschlossenen Anstalt durch die Tür gleitet? Wir kamen irgendwann darauf, dass der dabei entstehende Klang, wenn man eine Dose Hundefutter umdreht und der Zylinder herausgleitet, die perfekte Kombination aus Schlamm, Metall und einem Absaug-Geräusch darstellt. Dieser Soundeffekt hat 75 Cents gekostet."

Magazinrundschau vom 19.05.2015 - Wired

Wired bringt den zweiten Teil von Joshuah Bearmans epischer Reportage über die langwierigen Ermittlungen gegen die im Darknet für regen Drogenhandel genutzte, anonymisierte Verkaufsplattform Silk Road (hier der erste Teil). In der Fortsetzung spitzen sich die Untersuchungen zu und führen schließlich zur genau konzertierten Verhaftung des mutmaßlichen Betreibers Ross Ulbricht. Wie die einzelnen, disparaten Indizien schließlich eine Person einkreisten, ist ein kleines Lehrstück in allzu offenherziger Onlinekommunikation: Ein in mehreren Foren genutztes Alias, das mit einschlägigen Suchanfragen auftauchte, führte schließlich zu einer E-Mail-Adresse mit Klarnamen, der den nötigen Kontext zum Datenabgleich lieferte: "Ermittler Tarbell hielt es für amüsant, dass als die Hinweise völlig offen verstreut waren. Am Ende war Google eines der wertvollsten Instrumente für die Exekutive. Es schien offensichtlich, dass Ross keinen Schimmer hatte, dass Silk Road ein solcher Erfolg werden würde, und verhielt sich in der Frühphase sehr saumselig. Und in einem Zeitalter, in dem Informationen eine lange Lebensdauer aufweisen, reicht es schon aus, nur ein einziges Mal saumselig gewesen zu sein. Eine schnelle Durchsicht von Ross" Präsenz in den sozialen Netzwerken offenbarte ein digitales Porträt, das dem von [Silk-Road-Betreiber] Dread Pirate Roberts unglaublich ähnlich war. Sein LinkedIn-Profil wies dieselbe libertäre Rhetorik auf. Auf Youtube listete er die Videos des Mises Institute unter seinen Favoriten und damit die politischen Säulenheiligen von DPR. Auf Google+ (...) erkundigte er sich, ob jemand jemanden kenne, der für UPS, FedEx oder DHL arbeite."

Magazinrundschau vom 05.05.2015 - Wired

Breaking Bad im Internet? Wired bringt den ersten Teil von Joshuah Bearmans großer Reportage über die Gründung und Zerschlagung von Silk Road, jener von 2011 bis 2013 aus dem anonymen Darknet heraus operierenden Onlineplattform für Drogen- und Waffenhandel. Und der stark mit literarischen Mitteln arbeitende Text liest sich wirklich so kurzweilig wie ein guter Thriller - dabei handelt es sich ja bislang nur um die Exposition. "Da jede Abteilung darum bemüht war, ihre Flagge aufs Feld zu setzen, wuchsen sich die Ermittlungen zu einem enormen bürokratischen Kampf aus... Doch in dem bürokratischen Geäst der US-Regierung ist die Zuständigkeit für Internetkriminalität nicht eindeutig geklärt. Es handelt sich um einen im Wachsen begriffenen Bereich, der die Finanzmittel zur Verbrechensbekämpfung füllt, was wiederum Egos und die Politik anzieht. Silk Road kam hier die Rolle der neuen Frontier des Verbrechens zu, eines Wilden Westens des digitalen Zeitalters. Wie bereits die ursprüngliche Frontier, wollte Washington auch diese einzäunen - und wer immer das Gesetz über die Gesetzlosen bringen würde, würde als Held gefeiert werden. Bändige die digitale Frontier und ein Orden wartet auf Dich, weshalb sich der Silk-Road-Fall zur größten Online-Menschenjagd der Geschichte mauserte."

Magazinrundschau vom 07.04.2015 - Wired

Die immer günstiger werdenden, vornehmlich in China hergestellten Gadgets, auf die wir im Alltag selbstverständlich zugreifen, kommen zu einem hohen Preis: Zahlreiche chinesische Fabrikarbeiter müssen empfindliche gesundheitliche Einschränkungen hinnehmen und werden überdies, trotz offiziell anders lautender Verordnungen, von den chinesischen Behörden im Stich gelassen, berichten Michael Blanding und Heather White in einer ausführlichen Reportage. "Keiner weiß, wie viele Arbeiter verletzt oder krank werden; die offiziellen chinesischen Statistiken sprechen im Schnitt von 115 Verletzten pro 10.000 Arbeitern - etwas höher als der US- und signifikant höher als der europäische Schnitt. Doch wenige Beobachter trauen diesen Zahlen. ... Neuerungen im Bereich der chinesischen Kompensation für Arbeiter zwingen die Firmen dazu, in einen gemeinsamen Topf einzuzahlen und damit für einen Anteil des Lohns, der Lebenskosten und der Medizinversorgung eines verletzten Arbeiters aufzukommen. Damit haben die Firmen ein Motiv in Abrede zu stellen, dass ein Arbeiter bei der Erledigung seiner Arbeit verletzt wurde. Korruption und andere Störmanöver seitens der Regierung haben weitere Verzögerungen und Rückschläge für Patienten zur Folge, die daher oft auf Jahre hinaus ihre Behandlung aus der eigener Tasche finanzieren müssen oder in langwierigen juristischen Auseinandersetzungen gefangen sind."

Ebenfalls lesenswert: Eine Reportage der BBC über die Müllhalden im chinesischen Hinterland, wo die bei der Herstellung technischer Geräte anfallende Schlacke entsorgt wird. Wahrlich kein schöner Anblick.

Magazinrundschau vom 31.03.2015 - Wired

Man sollte es ja nicht meinen, aber ausgerechnet um Sand wird erbittert gekämpft, in Indien haben sich ganze Mafias gebildet, um an Sand zu kommen, erfahren wir von Vince Beiser. Der Grund: Der in rauen Mengen vorhandene Wüstensand ist ungeeignet, die Zwecke zu erfüllen, derentwegen weltweit enormer Sandbedarf herrscht. Aber wofür bracht man soviel Sand, dass dafür sogar schmutzige Morde in Kauf genommen werden? "Unsere Zivilisation ist buchstäblich auf Sand gebaut. ... Verschiedene Arten Sand sind ein essenzieller Bestandteil von Reinigungsmitteln, Kosmetik, Zahnpasta, Solarzellen, Silikonchips und insbesondere Gebäuden. Jede Betronstruktur besteht im wesentlichen aus Tonnen von mit Zement verklebtem Sand. ... Seit 2005 hat der Sandminenbau zwei Dutzend indonesische Inseln zum Verschwinden gebracht. Das Material landete größtenteils in Singapur, wo ein atemberaubender Bedarf herrscht, um das Bauprogramm fortsetzen zu können, im Zuge dessen dem Meer immer mehr Land abgewonnen wird. Der Stadtstaat hat auf diesen Weise in den vergangenen 40 Jahren 130 Quadratkilometer hinzugewonnen und ist weiterhin im Wachsen begriffen, weshalb er mit Abstand der größte Sandabnehmer der Welt ist. Die kollateralen Umweltschäden sind so immens, dass Indonesien, Malaysia und Vietnam allesamt den Sandexport nach Singapur verboten haben."