
Obwohl die
NSA regelmäßig als
neue Stasi apostrophiert wird,
muss Andrew Curry dieser Gleichsetzung vehement widersprechen - und das nicht allein deshalb, weil die NSA schon technologisch der Stasi in jeglicher Hinsicht haushoch überlegen ist: "Die beiden Dienste unterscheiden sich enorm. Bei dem Versuch, die DDR zu kontrollieren, machte sich die Stasi in jedem Aspekt des Alltags
bemerkbar. Ihre Macht lag nicht allein in den durch Überwachung gewonnenen Informationen, sondern in der Angst und dem Misstrauen, die von dieser Sammlung ausging. Die NSA wiederum agiert am besten
aus dem Dunkeln heraus, während ihre Ziele davon keine Notiz nehmen, geschweige denn von ihrem Dargnet-System zur Datenakquise. ... Deshalb ist dieser Vergleich so trügerisch. Er
verniedlicht den Schrecken der Unterdrückung, auf den die Stasi abzielte, und spielt die Bedrohung, die die geheime Überwachung der NSA für unsere Demokratie darstellt, herunter.
Gerade in den US-Kinos gestartet, im Februar dann auch bei uns im Kino:
Michael Manns neuer Film "Blackhat", ein Hacker-Actionthriller, der schon seiner Thematik wegen ein gefundenes Fressen für das Geek-Magazin
Wired darstellt.
Hier befragt Angela Watercutter den Altmeister des intellektuellen Actionfilms, wie er sich der Thematik angenähert hat: Ihm ging es vor allem um ein Maximum an
Realismus, erklärt er. Dies scheint ihm geglückt zu sein, jedenfalls fielen die Reaktionen bei einer Vorführung vor Sicherheitsexperten der größten IT-Unternehmen - trotz einiger Lacher bei dramaturgischen Freiheiten, die sich Mann auch nimmt - im wesentlichen positiv aus, wie Cade Metz
berichtet: "Viele im Publikum klatschten Beifall, wenn bei Mann die Spione von der
NSA als Idioten - und beinahe schon Bösewichte - dastehen und die Chinesen als die Guten. Es ist nicht nur so, dass Mann viele Details auf den Punkt bringt. Es ist nicht nur so, dass er
Klischees vermeidet. Er stellt sie auf den Kopf. Ist "Blackhat" also
der beste Hackerfilm, der je gedreht wurde? Vielleicht. ... Man kann jedenfalls nicht leugnen, dass Manns neuer Film eine Meute von IT-Spezialisten, die gekommen waren, um ihn auseinanderzupflücken, glänzend unterhalten und, das kann man wirklich sagen,
beeindruckt hat. Keine kleine Leistung!"
Dass die USA in den vergangenen 30 Jahren die Hysterie rund um Hackerfilme immer wieder dazu genutzt hat, um die - zur Aufspürung von Sicherheitslücken notwendige - Arbeit von Hackern juristisch zu erschweren,
erfahren wir von Kevin Poulsen, der Michael Mann bei der Produktion als
Berater zur Seite stand. Nun hofft er, dass die Regierung sich diesen Film, der mit einem
explodierenden Kernkraftwerk in China beginnt, niemals ansehen wird: "Jedem Politiker, der dies liest, sei von einem, der daran beteiligt war, dass "Blackhat" sich so authentisch wie möglich anfühlt, gesagt, dass keine Kernkraftwerke explodieren werden. Und falls Sie das doch denken, dann sollten Sie ihre Mühen darauf verwenden,
anfällige Systeme vom Netz zu nehmen. Stecken Sie Geld in die Forschung, bieten Sie Organisationen Anreize, in Sicherheit zu investieren, verabschieden Sie Offenlegungsgesetze, die dazu verpflichten, Dateneinbrüche öffentlich zu machen, damit die Öffentlichkeit saumselige Firmen zur Rechenschaft ziehen kann.
Blindlings Haftstrafen für die paar Hacker zu erhöhen, die geschnappt werden, wird nichts bringen. Und Sicherheitstools zu kriminalisieren, nur weil man sie auch missbrauchen kann, wird nur den echten Blackhats in die Hände spielen."
Außerdem lesenswert: Joao Medeiros"
detaillierte Reportage über die neueste Soft- und Hardware, die
Stephen Hawking sprechen lässt (
hier zudem Medeiros" Gespräch mit dem berühmten
Astrophysiker). Und Lizzie Wade
berichtet von Communities im mexikanischen Hinterland, die sich mit
Antennen Marke Eigenbau ans mobile Internet anschließen.