Magazinrundschau - Archiv

Wired

201 Presseschau-Absätze - Seite 15 von 21

Magazinrundschau vom 28.10.2014 - Wired

Dass Facebook, Google und Co. die Uploads ihrer Nutzer nach Nacktheit und Gewalt scannen und im Zweifelsfall eher voreilig als nachsichtig löschen, ist bekannt. Auch, dass diese Arbeit zum großen Teil an tausende von Arbeitern an der globalen Peripherie outgesourct wird. Von den seelischen Belastungen, die mit dieser Arbeit einhergehen, macht man sich allerdings keinen Begriff. "Es lohnt sich, über die langfristigen psychischen Folgen dieser Arbeit nachzudenken", meint Adrian Chen und hat für eine große Reportage bei Wired bei ehemaligen Netz-Zensoren nachgefragt. "Da sie solchen grausamen Sex-Videos dauerhaft ausgesetzt waren, entwickelten einige Mitarbeiter enorme Paranoia. Sie sehen sich täglich den Beweisen für die unendliche Vielfalt menschlicher Verkommenheit ausgesetzt. Bei Begegnungen mit Leuten im echten Leben mutmaßen sie zusehends darüber, welche Abgründe in ihnen schlummern, welche Geheimnisse sich auf ihren Festplatten verbergen. Zwei von Marias Kolleginnen sind so misstrauisch geworden, dass sie ihre Kinder keinen Babysittern mehr überantworten."

Außerdem: Adam Rogers hat sich erkundigt, wie Christopher Nolan in seinem kommenden Science-Fiction-Film "Interstellar" mithilfe modernster Computertechnologie und Ratschlägen aus der Forschung die Effekte eines Schwarzen Lochs glaubhaft auf die Leinwand bringt. Caitlin Roper erklärt in aller Ausführlichkeit, wie Pixar Disney aus der kreativen Talsohle geholt hat.

Magazinrundschau vom 19.08.2014 - Wired

Mit einigem Werbeaufwand (inklusive Werbevideo und Begleitartikel hier und hier) lanciert Wired James Bamfords große Reportage über Edward Snowden und dessen Entscheidung, der NSA den Rücken zu kehren und zum berühmtesten Whistleblower der Geschichte zu werden. Sogar echte Neuigkeiten finden sich in dem Text: So legt Snowden die Existenz eines Programms namens MonsterMind offen, das Cyberattacken noch in ihrer Anbahnung unter Rückgriff auf enorme Datenmassen automatisiert erkennen und abschießen soll. "Und das stellt laut Snowden ein Problem dar, denn die ursprünglichen Angriffe werden oft durch Computer in unbeteiligten Ländern geschleust. ... Neben dem Potenzial, zufällig einen Krieg auszulösen, hält Snowden MonsterMind für die ultimative Bedrohung der Privatsphäre, weil sich die NSA für den Betrieb des Systems geheimen Zugang zu mehr oder weniger der gesamten Kommunikation zwischen Übersee und den USA verschaffen muss. .... "Dies stellt eine Verletzung des Vierten Zusatzartikels der Verfassung der USA dar. Damit wird die gesamte private Kommunikation abgegriffen, ohne Durchsuchungsbefehl, ohne Angabe eines Grundes, ja sogar ohne Verdacht auf ein vorliegendes Verbrechen.""

Außerdem bei Wired: Eine Mini-Debatte darüber, ob es sich die Science-Fiction angesichts weltweiter Krisen und Katastrophenszenarien leisten kann, weiterhin Dystopien zu zu schreiben. Nein, meint Michael Solana, denn Science-Fiction legte immer schon den Nährboden für zukünftige technologische und gesellschaftliche Entwicklungen und die "dystopische Obsession" der Gegenwarts-Science-Fiction führe zu nichts Gutem. Devon Maloney widerspricht: Dystopien sind ein wertvoller Bestandteil kritischer Kultur und damit für den Fortschritt unabdingbar. Denn "eine gesunde Dosis Skepsis und die Befähigung, intelligent Kritik zu üben, zählen zu den wichtigsten, basalsten Qualitäten, über die eine gebildete Öffentlichkeit verfügen muss, um ihre Autonomie und Macht in einer sich rasant wandelnden Welt zu bewahren."

Magazinrundschau vom 22.07.2014 - Wired

Auch die bislang beste Mailverschlüsselung gestattet der NSA und anderen Schnüfflern noch immer den Zugriff auf die wertvollen Metadaten der Korrespondenz, aus denen etwa hervorgeht, wer mit wem in Kontakt steht. Dem wollen nun Stephen Watt und Ladar Levison mit ihrem Projekt Dark Mail etwas entgegen stellen, berichtet Kim Zetter. Das System orientiert sich vom Konzept her am Anonymisierungsservice Tor: "Es gibt in erster Linie zwei Hauptserver, die mit der Übermittlung der Mails zu tun haben: Die Domain des Absenders und die des Adressaten. Und obwohl der Server des Absenders die Quelle identifizieren kann, von der aus die Mail geschickt wurde, kennt er den Empfänger nicht, nur dessen Domain. Der Server des Adressaten wiederum dechiffriert das "to:"-Feld, um die Mail dem richtigen Konto zuzuordnen, weiß aber nicht, wer die Mail geschickt hat - nur die Domain, von der aus sie kommt. Wenn die NSA passiv den Internetverkehr abfängt, kann sie zwar ein Paket verschlüsselter Daten beobachten, das von einer Domain zur nächsten geschickt wird, ohne dabei aber in Erfahrung zu bringen, zwischen wem."

Weitere Artikel: Issie Lapowsky porträtiert Kosta Grammatis, der die Welt mit seinem Start-Up Oluvus gratis ans Internet anschließen möchte. Robert McMillan hat einen Blick in das Gehirn von Google geworfen, das immer besser darin wird, Hausnummern fotografisch zu identifizieren. Zur Identifizierung von Sicherheitslücken in der Online-Software dritter Parteien greift Google allerdings immer noch auf Hochleistungs-Hacker zurück, die der Konzern für teures Geld in der Szene anwirbt, berichtet Andy Greenberg. Außerdem: Endlich wird erforscht, wie Bier mit im All gezüchteter Hefe schmeckt.

Magazinrundschau vom 15.07.2014 - Wired

Die zwei Anarcho-Aktivisten Amir Taaki und Cody Wilson versprechen, mit ihrem Bitcoin-Tool Dark Wallet den Zahlungsverkehr im Netz endgültig und komfortabel zu anonymisieren, sodass keine Regierung der Welt mehr nachvollziehen oder ermitteln kann, welche Transfers zwischen welchen Parteien stattgefunden haben. Für Wired hat sich Andy Greenberg mit den beiden Hackern getroffen, denen vollkommen klar ist, dass ihre Arbeit für sehr unerfreuliche Transaktionen genutzt werden wird: Die beiden "sehen in Bitcoins staatenlosen Transaktionen die Möglichkeit einer neuen Wirtschaft, die den krypto-anarchistischen Traum wahrhaft unkontrollierbaren Geldes wahr werden lässt. Sie malen sich ein digitales Bezahlnetzwerk aus, das jeden Versuch der Regierung unmöglich macht, es zu besteuern, anzugreifen, zu zensieren, zu überwachen oder jene dingfest zu machen, die es für Schmuggelware wie Waffen oder Drogen oder selbst so abscheuliche Dinge wie Auftragsmorde oder Kinderpornografie nutzen. ... Wilson spricht es in aller Deutlichkeit aus. "Nun, ja, auf diesen Marktplätzen werden schlimme Dinge geschehen", sagt er. "Um die alten Bürgerrechtler zu zitieren, Freiheit ist eine gefährliche Sache.""

Magazinrundschau vom 24.06.2014 - Wired

Mit einem Beitrag von Robert McMillan eröffnet Wired eine Debatte über Netzneutralität, die im Laufe der Woche durch weitere Beiträge fortgesetzt werden soll. McMillans Befund fällt dabei besonders ernüchternd aus: Faktisch sei das Netz längst nicht mehr neutral, da diverse großen Player wie Google, Facebook und Netflix, die für einen Großteil des Traffics verantwortlich zeichnen, eigene Daten-Pipelines zu den Providern unterhalten - was den Nutzern im übrigen nur recht sein könne, und die Argumente der Neutralitätsbefürworten zielten ohnehin ins Leere, da sie auf seit Jahren obsoleten Vorstellungen der Funktionsweise des Internets gründeten. Um gröbste Auswüche eines Zweiklassen-Internets zu verhindern, müsse man deshalb nicht Netzneutralität fordern, sondern den Wettbewerb zwischen den Providern: "Das Problem von heute besteht nicht in den schnellen Verbindungen [für einzelne Unternehmen]. Das Problem besteht darin, ob die Internetprovider so groß werden, dass sie unangemessene Kontrolle über den Markt für schnelle Übertragungsgeschwindigkeiten haben - ob sie unabhängig darüber befinden können, wer zu welchen Bedingungen und zu welchem Preis Zugang dazu erhält. ... [Rechtsanwalt und Neutralitätsbefürworter] Marvin Ammori bereitet es Sorgen, dass die Internetprovider - und insbesondere Comcast - jüngst damit begonnen haben, ihre Muskeln spielen zu lassen. ... Wenn Privatkunden und Webfirmen aus einer Vielzahl von Providern wählen können, kann kein einzelner Anbieter darüber entscheiden, wer was erhält."

Magazinrundschau vom 02.05.2014 - Wired

Umwerfend ist Gideon Lewis-Kraus große Wired-Reportage aus der fremden Welt der Start-ups im Silicon Valley. Dafür mietete er sich im Hacker House, einer Schlafstation für aufstrebende Hacker ein. Sie geben ihre Zeit, ihre Jugend, ihren Verstand - aber wofür genau? "Eines Nachts ging ich mit einer Gruppe von Gründern aus verschiedenen Start Ups einen trinken, dabei waren eine Videochat App, eine Dating App, zwei Ernährungs-Apps, einer, der was mit Drohnen zu tun hat, und eine App, die uns helfen wollte, besser miteinander zu kommunizieren. Um halb elf kam die Kellnerin und fragte, ob wir eine zweite Runde wollen. Ich bestellte noch einen Whisky, aber alle anderen guckten mit verhohlener Angst in ihre Smartphones."

Magazinrundschau vom 26.11.2013 - Wired

Auch der Kampf gegen Polio kann - nach dem erfolgreichen Kampf gegen die Pocken - beeindruckende Ergebnisse vorweisen, erfahren wir in einer multimedial aufbereitenen Reportage von Matthieu Aikins. Gerade mal ein paar hundert Fälle sind noch pro Jahr zu vermelden - und diese in geografisch oder politisch schwer zugänglichen Gebieten wie etwa Afghanistan. Das macht diese Fälle nicht nur zu den am schwierigsten durchzuführenden, sondern auch - pro Kopf gerechnet - zu den mit Abstand kostenintensivsten Behandlungen der ganzen Kampagne. Doch entsprechende Kritik hält Aikins für zu kurz gedacht: "Die Mathematik der Kosten-Nutzen-Analyse läuft auf Grund, wenn es um die Kampagnen zur Ausrottung der Krankheit geht, denn der Nutzen ist, theoretisch, unbegrenzt. Das bedeutet: Für den weiteren Verlauf der Menschheitsgeschichte wird niemand mehr an Pocken sterben oder auch nur einen Pfennig für eine Impfung ausgeben müssen (...). Nach einer Studie von 2010 würde eine Ausrottung von Polio bis zum Jahr 2035 zwischen 40 und 50 Milliarden Dollar Nettogewinn erzeugen. Betrachtet man es nur langfristig genug, wird die Ausrottung von Polio eines Tages als herausragend günstig eingeschätzt werden."

Magazinrundschau vom 03.12.2013 - Wired

"Dies ist der Mann, von dem Bill Gates meint, dass Sie ihn unbedingt lesen sollten." So kündigt Wired das Interview mit Vaclav Smil an, einem Sachbuchautor, dessen Auflagen nach einem dicken Lob von Bill Gates nach oben schossen. In einem seiner letzten Bücher wirft er den USA vor, die industrielle Produktion weithin aufgegeben zu haben. Aber Industrialisierung "schafft erst die unterere Mittelschicht", erläutert er im Gespräch mit Clive Thompson: "Wenn Sie den industriellen Sektor aufgeben, enden Sie mit Habenichtsen und Superreichen, mit sozialer Polarisierung." Im übrigen komme auch Innovation großenteils aus der Industrie - "aus Unternehmen, die ihre Produktreichweite, Profite und Kosten optimieren wollen. Sehr wichtig ist firmeninterne Forschung... Nur zwei Länder haben das richtig gemacht: Deutschland und die Schweiz. Sie haben beide starke Industriesektoren behalten und haben etwas Entscheidendes gemeinsam: Kinder gehen mit 15 in die Lehre. Ein paar Jahre, je nach Begabung, und du weißt, wie man BMWs macht. Und da du jung angefangen und von Älteren gelernt hast, können deine Produkte qualitativ nicht überboten werden. So beginnt es."

Magazinrundschau vom 22.10.2013 - Wired

Nachdem aus dem Internet nun auch offiziell ein "Spynet" geworden ist, schlägt Clive Thompson vor, dass wir uns endgültig ins relativ spionagesichere Darknet und zu Services wie Tor (hier das Anfängerset) und Hyperboria (mehr) zurückziehen sollten. "Klingt beknackt, was? Und lässt uns endgültig alle als Kriminelle dastehen, ja? Außer, dass selbst legale, unzweifelhafte Organisationen ins Darknet abgewandert sind, um sicherzugehen, dass ihre Aktivitäten fern von gespitzten Ohren stattfinden. Der New Yorker zum Beispiel - nicht gerade als Sammelort von Halunken bekannt - bot einen von Aaron Swartz und Wired-Redakteur Kevin Poulsen programmierten, von Tor versteckten Service an, damit Whistleblower geschützt Dokumente und Nachrichten einreichen können."

Joshua Davis plädiert dafür, das im wesentlichen noch immer intakte Top-Down-Modell unseres heutigen, noch immer im 19. Jahrhundert wurzelnden Schulsystems zugunsten einer dezentraleren Methode zu überdenken. Für die Wissenschaftler, die an solchen Methoden forschen, "ist Wissen kein Rohstoff, den die Lehrer an ihre Schüler ausgehändigen, sondern etwas, dass aus den neugierigen Erkundungen des Schülers heraus erwächst. ... Die Lehrer schaffen den Schülern eine Möglichkeit, die eigenen Leidenschaften zu entdecken, und entdeckt dabei eine Generation der Genies."

Außerdem würdigt Wired den Komiker Bob Odenkirk, der mit seiner unter Geeks offenbar legendären Comedy-Show "Mr. Show" den Internethumor seinerzeit bereits vorwegnahm: Ihm "gelang es, Youtube-kompatible Sketch-Comedy zu perfektionieren bevor Youtube auch nur erfunden war." Hier einige Eindrücke:

Magazinrundschau vom 15.10.2013 - Wired

Philippa Warr unterhält sich mit Joshua Howard von der Computerspielefirma Crytek, die sich bei der Entwicklung ihrer ansonsten auf äußersten Realismus abzielenden Kriegssimulation "Warface" mit den merkwürdigen Wünschen eines weitgehend männlichen Zielpublikums auseinandersetzen musste, was die Gestaltung der weiblichen Soldatenfiguren anging - und diesen schließlich zum nicht unwesentlichen Teil entsprach. Dem Wunsch nach auf Stöckelschuhen kämpfenden Frauen hat man zwar nicht nachgegeben, aber in deren Teint wurden - je nach Region - reichhaltige Überlegungen investiert. Warr schreibt: "Ein Konzept, das ich in zweierlei Hinsicht unangenehm finde. Einerseits, weil es weiblichen Figuren innerhalb des Spiels eine beliebige Präsenz aufzwingt. Andererseits, weil ihr physisches Erscheinungsbild, wenn sie ins Spiel eingebaut werden, davon abhängt, was ein zum großen Teil männliches Publikum ansprechend findet. Die schlussendlich verwendeten Modelle wurden vom Entwicklungsteam zwar überarbeitet, aber dennoch hat man nun eine Scharfschützin vor sich, die sich beim Versuch, am Boden einen Schussposition aufzubauen, extremen Brennnesselauschlag auf ihrem Busen einfängt."
Stichwörter: Stöckelschuhe