Magazinrundschau - Archiv

Wired

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Magazinrundschau vom 15.07.2014 - Wired

Die zwei Anarcho-Aktivisten Amir Taaki und Cody Wilson versprechen, mit ihrem Bitcoin-Tool Dark Wallet den Zahlungsverkehr im Netz endgültig und komfortabel zu anonymisieren, sodass keine Regierung der Welt mehr nachvollziehen oder ermitteln kann, welche Transfers zwischen welchen Parteien stattgefunden haben. Für Wired hat sich Andy Greenberg mit den beiden Hackern getroffen, denen vollkommen klar ist, dass ihre Arbeit für sehr unerfreuliche Transaktionen genutzt werden wird: Die beiden "sehen in Bitcoins staatenlosen Transaktionen die Möglichkeit einer neuen Wirtschaft, die den krypto-anarchistischen Traum wahrhaft unkontrollierbaren Geldes wahr werden lässt. Sie malen sich ein digitales Bezahlnetzwerk aus, das jeden Versuch der Regierung unmöglich macht, es zu besteuern, anzugreifen, zu zensieren, zu überwachen oder jene dingfest zu machen, die es für Schmuggelware wie Waffen oder Drogen oder selbst so abscheuliche Dinge wie Auftragsmorde oder Kinderpornografie nutzen. ... Wilson spricht es in aller Deutlichkeit aus. "Nun, ja, auf diesen Marktplätzen werden schlimme Dinge geschehen", sagt er. "Um die alten Bürgerrechtler zu zitieren, Freiheit ist eine gefährliche Sache.""

Magazinrundschau vom 24.06.2014 - Wired

Mit einem Beitrag von Robert McMillan eröffnet Wired eine Debatte über Netzneutralität, die im Laufe der Woche durch weitere Beiträge fortgesetzt werden soll. McMillans Befund fällt dabei besonders ernüchternd aus: Faktisch sei das Netz längst nicht mehr neutral, da diverse großen Player wie Google, Facebook und Netflix, die für einen Großteil des Traffics verantwortlich zeichnen, eigene Daten-Pipelines zu den Providern unterhalten - was den Nutzern im übrigen nur recht sein könne, und die Argumente der Neutralitätsbefürworten zielten ohnehin ins Leere, da sie auf seit Jahren obsoleten Vorstellungen der Funktionsweise des Internets gründeten. Um gröbste Auswüche eines Zweiklassen-Internets zu verhindern, müsse man deshalb nicht Netzneutralität fordern, sondern den Wettbewerb zwischen den Providern: "Das Problem von heute besteht nicht in den schnellen Verbindungen [für einzelne Unternehmen]. Das Problem besteht darin, ob die Internetprovider so groß werden, dass sie unangemessene Kontrolle über den Markt für schnelle Übertragungsgeschwindigkeiten haben - ob sie unabhängig darüber befinden können, wer zu welchen Bedingungen und zu welchem Preis Zugang dazu erhält. ... [Rechtsanwalt und Neutralitätsbefürworter] Marvin Ammori bereitet es Sorgen, dass die Internetprovider - und insbesondere Comcast - jüngst damit begonnen haben, ihre Muskeln spielen zu lassen. ... Wenn Privatkunden und Webfirmen aus einer Vielzahl von Providern wählen können, kann kein einzelner Anbieter darüber entscheiden, wer was erhält."

Magazinrundschau vom 02.05.2014 - Wired

Umwerfend ist Gideon Lewis-Kraus große Wired-Reportage aus der fremden Welt der Start-ups im Silicon Valley. Dafür mietete er sich im Hacker House, einer Schlafstation für aufstrebende Hacker ein. Sie geben ihre Zeit, ihre Jugend, ihren Verstand - aber wofür genau? "Eines Nachts ging ich mit einer Gruppe von Gründern aus verschiedenen Start Ups einen trinken, dabei waren eine Videochat App, eine Dating App, zwei Ernährungs-Apps, einer, der was mit Drohnen zu tun hat, und eine App, die uns helfen wollte, besser miteinander zu kommunizieren. Um halb elf kam die Kellnerin und fragte, ob wir eine zweite Runde wollen. Ich bestellte noch einen Whisky, aber alle anderen guckten mit verhohlener Angst in ihre Smartphones."

Magazinrundschau vom 26.11.2013 - Wired

Auch der Kampf gegen Polio kann - nach dem erfolgreichen Kampf gegen die Pocken - beeindruckende Ergebnisse vorweisen, erfahren wir in einer multimedial aufbereitenen Reportage von Matthieu Aikins. Gerade mal ein paar hundert Fälle sind noch pro Jahr zu vermelden - und diese in geografisch oder politisch schwer zugänglichen Gebieten wie etwa Afghanistan. Das macht diese Fälle nicht nur zu den am schwierigsten durchzuführenden, sondern auch - pro Kopf gerechnet - zu den mit Abstand kostenintensivsten Behandlungen der ganzen Kampagne. Doch entsprechende Kritik hält Aikins für zu kurz gedacht: "Die Mathematik der Kosten-Nutzen-Analyse läuft auf Grund, wenn es um die Kampagnen zur Ausrottung der Krankheit geht, denn der Nutzen ist, theoretisch, unbegrenzt. Das bedeutet: Für den weiteren Verlauf der Menschheitsgeschichte wird niemand mehr an Pocken sterben oder auch nur einen Pfennig für eine Impfung ausgeben müssen (...). Nach einer Studie von 2010 würde eine Ausrottung von Polio bis zum Jahr 2035 zwischen 40 und 50 Milliarden Dollar Nettogewinn erzeugen. Betrachtet man es nur langfristig genug, wird die Ausrottung von Polio eines Tages als herausragend günstig eingeschätzt werden."

Magazinrundschau vom 03.12.2013 - Wired

"Dies ist der Mann, von dem Bill Gates meint, dass Sie ihn unbedingt lesen sollten." So kündigt Wired das Interview mit Vaclav Smil an, einem Sachbuchautor, dessen Auflagen nach einem dicken Lob von Bill Gates nach oben schossen. In einem seiner letzten Bücher wirft er den USA vor, die industrielle Produktion weithin aufgegeben zu haben. Aber Industrialisierung "schafft erst die unterere Mittelschicht", erläutert er im Gespräch mit Clive Thompson: "Wenn Sie den industriellen Sektor aufgeben, enden Sie mit Habenichtsen und Superreichen, mit sozialer Polarisierung." Im übrigen komme auch Innovation großenteils aus der Industrie - "aus Unternehmen, die ihre Produktreichweite, Profite und Kosten optimieren wollen. Sehr wichtig ist firmeninterne Forschung... Nur zwei Länder haben das richtig gemacht: Deutschland und die Schweiz. Sie haben beide starke Industriesektoren behalten und haben etwas Entscheidendes gemeinsam: Kinder gehen mit 15 in die Lehre. Ein paar Jahre, je nach Begabung, und du weißt, wie man BMWs macht. Und da du jung angefangen und von Älteren gelernt hast, können deine Produkte qualitativ nicht überboten werden. So beginnt es."

Magazinrundschau vom 22.10.2013 - Wired

Nachdem aus dem Internet nun auch offiziell ein "Spynet" geworden ist, schlägt Clive Thompson vor, dass wir uns endgültig ins relativ spionagesichere Darknet und zu Services wie Tor (hier das Anfängerset) und Hyperboria (mehr) zurückziehen sollten. "Klingt beknackt, was? Und lässt uns endgültig alle als Kriminelle dastehen, ja? Außer, dass selbst legale, unzweifelhafte Organisationen ins Darknet abgewandert sind, um sicherzugehen, dass ihre Aktivitäten fern von gespitzten Ohren stattfinden. Der New Yorker zum Beispiel - nicht gerade als Sammelort von Halunken bekannt - bot einen von Aaron Swartz und Wired-Redakteur Kevin Poulsen programmierten, von Tor versteckten Service an, damit Whistleblower geschützt Dokumente und Nachrichten einreichen können."

Joshua Davis plädiert dafür, das im wesentlichen noch immer intakte Top-Down-Modell unseres heutigen, noch immer im 19. Jahrhundert wurzelnden Schulsystems zugunsten einer dezentraleren Methode zu überdenken. Für die Wissenschaftler, die an solchen Methoden forschen, "ist Wissen kein Rohstoff, den die Lehrer an ihre Schüler ausgehändigen, sondern etwas, dass aus den neugierigen Erkundungen des Schülers heraus erwächst. ... Die Lehrer schaffen den Schülern eine Möglichkeit, die eigenen Leidenschaften zu entdecken, und entdeckt dabei eine Generation der Genies."

Außerdem würdigt Wired den Komiker Bob Odenkirk, der mit seiner unter Geeks offenbar legendären Comedy-Show "Mr. Show" den Internethumor seinerzeit bereits vorwegnahm: Ihm "gelang es, Youtube-kompatible Sketch-Comedy zu perfektionieren bevor Youtube auch nur erfunden war." Hier einige Eindrücke:

Magazinrundschau vom 15.10.2013 - Wired

Philippa Warr unterhält sich mit Joshua Howard von der Computerspielefirma Crytek, die sich bei der Entwicklung ihrer ansonsten auf äußersten Realismus abzielenden Kriegssimulation "Warface" mit den merkwürdigen Wünschen eines weitgehend männlichen Zielpublikums auseinandersetzen musste, was die Gestaltung der weiblichen Soldatenfiguren anging - und diesen schließlich zum nicht unwesentlichen Teil entsprach. Dem Wunsch nach auf Stöckelschuhen kämpfenden Frauen hat man zwar nicht nachgegeben, aber in deren Teint wurden - je nach Region - reichhaltige Überlegungen investiert. Warr schreibt: "Ein Konzept, das ich in zweierlei Hinsicht unangenehm finde. Einerseits, weil es weiblichen Figuren innerhalb des Spiels eine beliebige Präsenz aufzwingt. Andererseits, weil ihr physisches Erscheinungsbild, wenn sie ins Spiel eingebaut werden, davon abhängt, was ein zum großen Teil männliches Publikum ansprechend findet. Die schlussendlich verwendeten Modelle wurden vom Entwicklungsteam zwar überarbeitet, aber dennoch hat man nun eine Scharfschützin vor sich, die sich beim Versuch, am Boden einen Schussposition aufzubauen, extremen Brennnesselauschlag auf ihrem Busen einfängt."
Stichwörter: Stöckelschuhe

Magazinrundschau vom 24.09.2013 - Wired

Social Media unterwirft auch die Auseinandersetzungen zwischen Straßengangs in den USA ganz neuen Dynamiken, erklärt Ben Austen. Sogenannte "Facebook-Bohrer" - "bohren" ist der dort gängige Slangausdruck für erschießen - mischen Mitglieder verfeindeter Gangs ganz einfach via Smartphone auf - mit weitreichenden Konsequenzen im echten Leben. "Üblicherweise verbinden wir kriminelle Aktivitäten mit Geheimniskrämerei, mit Verschwörungen, die in Seitengassen und Hinterzimmern geschmiedet werden. Doch so idiotisch es für die Praxis auch anmuten mag, haben die Gangs heute einen Grad von Transparenz entwickelt, der selbst noch den glühendsten Futuristen aus Silicon Valley imponieren könnte. ... Der 'Bohrer' geht auf Facebook und beginnt damit, irgendein gegnerisches Gang-Mitglied, das er kaum kennt, zu beleidigen. Online geht dies wesentlich einfacher als vis-à-vis. Bald erstellt jemand einen Screenshot davon und reicht diesen weiter. Es ist die eine Sache, vor vier oder fünf Typen angeranzt zu werden, doch online sieht es die ganze Nachbarschaft - oder sogar die ganze Stadt. Also muss sich der Adressat verhalten, ganz einfach um Gesicht zu wahren. Und zu diesem Zeitpunkt hat man den Ärger vielleicht schon nicht mehr nur mit dem 'Facebook-Bohrer' ein paar Blocks nebenan, sondern womöglich noch mit üblen Typen im Umkreis von 10 Meilen, die auf den Kommentar geantwortet haben. Was als Online-Provokation begann, endet damit, dass jemand in echt 'gebohrt' wird."

Außerdem: In einem Auszug aus seinem neuen Buch erklärt Clive Thompson die Vorteile dessen, dass online immer mehr Menschen immer mehr für ein Publikum schreiben und sich dabei untereinander vernetzen: Sie reflektieren ihre Ansichten im höheren Maße und "die Ideen blühen und vermehren sich." Marcus Wohlsen erzählt die Erfolgsgeschichte des Cloud-Service Dropbox. David Chang stellt seine Methode des wissenschaftlichen Kochens vor.

Magazinrundschau vom 20.08.2013 - Wired

Cliff Kuan blickt in die Science-Fiction-Welt von morgen, in der all unsere Gadgets und Devices wunderbar miteinander verschaltet sind und fröhlich miteinander plaudern. Darin besteht, so verrät ihm Bill Buxton, ein Forscher von Microsoft, "die nächste Herausforderung für das Erlebnisdesign. ... Diese Konzentration auf die Gesamtheit unserer Geräte steht in Kontrast zu unserer heutigen Erfahrung. Die Zahl der Gadgets und Funktionen nimmt zu, ohne dass viele Gedanken darauf verwendet werden, wie sie zusammenpassen (...) Auch wenn die einzelnen Geräte einfacher geworden sind, steigt ihre kumulative Komplexität. Die Lösung dafür, meint Buxton, liegt darin, 'sich nicht mehr auf die individuellen Objekte wie auf Inseln zu konzentrieren'. Sein Vorschlag für eine simple Bemessungsgrundlage, ob ein Gadget überhaupt existieren soll: Jedes neue Gerät sollte die Komplexität des Systems verringern und den Wert von allen anderen in diesem Ökosystem erhöhen." Sollte Microsoft am Ende tatsächlich offenen Standards das Wort reden? Schwer zu glauben.

Außerdem: Steven Levy sieht zu, wie Google mit Breitbandinternet-Ballons den Luftraum als Internetprovider erschließen will. Carl Zimmer erzählt die Geschichte von Aufstieg und Niedergang der Gentherapie. Clive Thompson plädiert für eine neue Soundkultur im Internet: "Man stelle sich eine Wikipedia für Klang vor - ein weltweiter Versuch, Klänge aus der Alltagswelt zu sammeln und aufzunehmen. Sammelt man nur genügend an, könnten wir faszinierende neue Wege entdecken, die Welt zu verstehen."

Magazinrundschau vom 23.07.2013 - Wired

Matthieu Aikins hat sich in Aleppo, Syrien, bei den Rebellen eingenistet und beobachtet dort, mit welchen archaischen Mitteln die Assadgegner Bomben und Waffen anfertigen. Die mit simplen Schleudern abgeschossenen Granaten sind dabei nicht nur für den Feind gefährlich: "Mohammed platziert ein Geschoss in dem Band und zieht es straff zurück (...) Zakaria hält ein Feuerzeug an den Zünder. Mit einem Schlag lässt Mohammed die Granate frei - doch der Winkel ist zu niedrig. Wir hören das metallische Klirren der Bombe, wie sie die Hofmauer trifft und zu uns zurück rollt. Alle schreien und rennen durcheinander, um zu fliehen. In meiner Nähe hier im Hof befindet sich eine Doppeltür zu einem Hausflur, doch sie ist halb verschlossen und schon drängen sich drei Männer durch diesen Flaschenhals. Mir bleibt einzig das Badezimmer, in das ich mich stürze und auf dessen kühlen Fliesen ich mit meinem Gesicht entlang schramme. Ein weiterer Rebell springt auf mich, nur einen Moment bevor wir die brachiale Explosion der Granate spüren, die mich nicht als Krach, sondern als Stille erreicht. Eine ganze Minute lang ist die Welt still. Dann höre ich langsam Stimmen von Männern, die so klingen wie ein weit entferntes Radiogeschnatter. Nach und nach stellt sich mein Gehör wieder ein, wenn auch mit einem enormen Klingeln im Ohr. Ein Wunder: Niemand ist verletzt."

Weiteres: Ein Hauch von (mulmiger) Science Fiction: John Bohannon porträtiert Zhao Bowen, der die genetischen Grundlagen der Hochbegabung erforschen und nutzbar machen will. Mark Yarm trifft sich mit dem südafrikanischen Science-Fiction-Regisseur Neill Blomkamp (hier unsere Kritik zu seinem Debüt "District 9"), der an Los Angeles vor allem zu schätzen weiß, dass sich die Stadt wie eine Atombombe kurz vor der Zündung anfühlt. Gratis-Pizza, umgangene Paywalls, frisierter Lebenslauf: Wired gibt diverse Tipps und Tricks, um sich durchs Leben zu schnorren. Außerdem: Eine ziemlich atemberaubende Fotostrecke aus dem Innern deutscher Atomkraftwerke.