Magazinrundschau - Archiv

Wired

201 Presseschau-Absätze - Seite 16 von 21

Magazinrundschau vom 24.09.2013 - Wired

Social Media unterwirft auch die Auseinandersetzungen zwischen Straßengangs in den USA ganz neuen Dynamiken, erklärt Ben Austen. Sogenannte "Facebook-Bohrer" - "bohren" ist der dort gängige Slangausdruck für erschießen - mischen Mitglieder verfeindeter Gangs ganz einfach via Smartphone auf - mit weitreichenden Konsequenzen im echten Leben. "Üblicherweise verbinden wir kriminelle Aktivitäten mit Geheimniskrämerei, mit Verschwörungen, die in Seitengassen und Hinterzimmern geschmiedet werden. Doch so idiotisch es für die Praxis auch anmuten mag, haben die Gangs heute einen Grad von Transparenz entwickelt, der selbst noch den glühendsten Futuristen aus Silicon Valley imponieren könnte. ... Der 'Bohrer' geht auf Facebook und beginnt damit, irgendein gegnerisches Gang-Mitglied, das er kaum kennt, zu beleidigen. Online geht dies wesentlich einfacher als vis-à-vis. Bald erstellt jemand einen Screenshot davon und reicht diesen weiter. Es ist die eine Sache, vor vier oder fünf Typen angeranzt zu werden, doch online sieht es die ganze Nachbarschaft - oder sogar die ganze Stadt. Also muss sich der Adressat verhalten, ganz einfach um Gesicht zu wahren. Und zu diesem Zeitpunkt hat man den Ärger vielleicht schon nicht mehr nur mit dem 'Facebook-Bohrer' ein paar Blocks nebenan, sondern womöglich noch mit üblen Typen im Umkreis von 10 Meilen, die auf den Kommentar geantwortet haben. Was als Online-Provokation begann, endet damit, dass jemand in echt 'gebohrt' wird."

Außerdem: In einem Auszug aus seinem neuen Buch erklärt Clive Thompson die Vorteile dessen, dass online immer mehr Menschen immer mehr für ein Publikum schreiben und sich dabei untereinander vernetzen: Sie reflektieren ihre Ansichten im höheren Maße und "die Ideen blühen und vermehren sich." Marcus Wohlsen erzählt die Erfolgsgeschichte des Cloud-Service Dropbox. David Chang stellt seine Methode des wissenschaftlichen Kochens vor.

Magazinrundschau vom 20.08.2013 - Wired

Cliff Kuan blickt in die Science-Fiction-Welt von morgen, in der all unsere Gadgets und Devices wunderbar miteinander verschaltet sind und fröhlich miteinander plaudern. Darin besteht, so verrät ihm Bill Buxton, ein Forscher von Microsoft, "die nächste Herausforderung für das Erlebnisdesign. ... Diese Konzentration auf die Gesamtheit unserer Geräte steht in Kontrast zu unserer heutigen Erfahrung. Die Zahl der Gadgets und Funktionen nimmt zu, ohne dass viele Gedanken darauf verwendet werden, wie sie zusammenpassen (...) Auch wenn die einzelnen Geräte einfacher geworden sind, steigt ihre kumulative Komplexität. Die Lösung dafür, meint Buxton, liegt darin, 'sich nicht mehr auf die individuellen Objekte wie auf Inseln zu konzentrieren'. Sein Vorschlag für eine simple Bemessungsgrundlage, ob ein Gadget überhaupt existieren soll: Jedes neue Gerät sollte die Komplexität des Systems verringern und den Wert von allen anderen in diesem Ökosystem erhöhen." Sollte Microsoft am Ende tatsächlich offenen Standards das Wort reden? Schwer zu glauben.

Außerdem: Steven Levy sieht zu, wie Google mit Breitbandinternet-Ballons den Luftraum als Internetprovider erschließen will. Carl Zimmer erzählt die Geschichte von Aufstieg und Niedergang der Gentherapie. Clive Thompson plädiert für eine neue Soundkultur im Internet: "Man stelle sich eine Wikipedia für Klang vor - ein weltweiter Versuch, Klänge aus der Alltagswelt zu sammeln und aufzunehmen. Sammelt man nur genügend an, könnten wir faszinierende neue Wege entdecken, die Welt zu verstehen."

Magazinrundschau vom 23.07.2013 - Wired

Matthieu Aikins hat sich in Aleppo, Syrien, bei den Rebellen eingenistet und beobachtet dort, mit welchen archaischen Mitteln die Assadgegner Bomben und Waffen anfertigen. Die mit simplen Schleudern abgeschossenen Granaten sind dabei nicht nur für den Feind gefährlich: "Mohammed platziert ein Geschoss in dem Band und zieht es straff zurück (...) Zakaria hält ein Feuerzeug an den Zünder. Mit einem Schlag lässt Mohammed die Granate frei - doch der Winkel ist zu niedrig. Wir hören das metallische Klirren der Bombe, wie sie die Hofmauer trifft und zu uns zurück rollt. Alle schreien und rennen durcheinander, um zu fliehen. In meiner Nähe hier im Hof befindet sich eine Doppeltür zu einem Hausflur, doch sie ist halb verschlossen und schon drängen sich drei Männer durch diesen Flaschenhals. Mir bleibt einzig das Badezimmer, in das ich mich stürze und auf dessen kühlen Fliesen ich mit meinem Gesicht entlang schramme. Ein weiterer Rebell springt auf mich, nur einen Moment bevor wir die brachiale Explosion der Granate spüren, die mich nicht als Krach, sondern als Stille erreicht. Eine ganze Minute lang ist die Welt still. Dann höre ich langsam Stimmen von Männern, die so klingen wie ein weit entferntes Radiogeschnatter. Nach und nach stellt sich mein Gehör wieder ein, wenn auch mit einem enormen Klingeln im Ohr. Ein Wunder: Niemand ist verletzt."

Weiteres: Ein Hauch von (mulmiger) Science Fiction: John Bohannon porträtiert Zhao Bowen, der die genetischen Grundlagen der Hochbegabung erforschen und nutzbar machen will. Mark Yarm trifft sich mit dem südafrikanischen Science-Fiction-Regisseur Neill Blomkamp (hier unsere Kritik zu seinem Debüt "District 9"), der an Los Angeles vor allem zu schätzen weiß, dass sich die Stadt wie eine Atombombe kurz vor der Zündung anfühlt. Gratis-Pizza, umgangene Paywalls, frisierter Lebenslauf: Wired gibt diverse Tipps und Tricks, um sich durchs Leben zu schnorren. Außerdem: Eine ziemlich atemberaubende Fotostrecke aus dem Innern deutscher Atomkraftwerke.

Magazinrundschau vom 25.06.2013 - Wired

Endlich noch mehr Datenerhebung: David Samuels stellt das Startup Skybox vor, das sich vorgenommen hat, den Globus noch hochauflösender, noch schneller und noch günstiger abzutasten: "Hier ist die beflügelte Vision, welche die Gründer von Skybox Silicon Valley verkauft haben: Indem sie auf günstige Konsumentenhardware zurückgreifen, können die Jungs aus Stanford die Erde mit einem Netzwerk von Bilder schießenden Satelliten umkreisen, die erheblich günstiger zu bauen und zu pflegen sind als die Modelle, die derzeit ihren Dienst tun. Indem sie die Exosphäre flächendeckend mit ihren Kameras bestücken, werden sie das schwerfällige Geschäft mit der kommerziellen Bildproduktion aus dem All enorm aufwirbeln (das geschätzte Wachstum liegt bei 4 Milliarden Dollar pro Jahr ab 2018). Schon mit sechs kleinen Satelliten im Orbit könnte Skybox praktisch täglich zwei Echtzeit-Bilder des selben Fleckens Erde zum Bruchteil der bisherigen Kosten anbieten. ... Viele Menschen - Investoren, Umweltschützer, Aktivisten, Journalisten - begehren Zugang zu solchen Echtzeit-Daten, doch außer gewissen Abteilungen der US-Regierung verfügt derzeit niemand darüber. Bedenkt man dies, ist die Einschätzung, dass Skybox ein Unternehmen von Google-Ausmaßen werden könnte (...), nicht zu hoch gegriffen."

Außerdem: Im absolut lesenswerten Aufmacher porträtiert James Bamford den Chef der NSA, Keith Alexander, und seinen furchteinflößenden Spionagedienst. Noah Shachtman meditiert in Silicon Valley. Schon aus ökologischen Gründen wünscht sich Clive Thompson ein "Fixer movement", das Elektroschrott repariert statt ihn wegzuwerfen. Und Jason Kehe und Katie M. Palmer schauen sich die Geschichte des Filmtrailers genauer an (dazu passender Hinweis: Vinzenz Hedigers filmwissenschaftliche Studie zur Geschichte des Filmtrailers gibt es mittlerweile als kostenloses e-Book).

Magazinrundschau vom 21.05.2013 - Wired

Jonathon Keats erkundet für eine große Reportage den Stand der Dinge in Henry Markrams Forschungen, die schlussendlich zum virtuellen Nachbau des menschlichen Gehirns führen sollen, wie der Wissenschaftler 2009 in seinem Aufsehen erregenden TED-Talk (unten eingebettet) ankündigte. Dabei arbeitet er weniger an Detailanalysen, als an einer verlässlichen Mustererkennung, die dabei helfen könnte, die fragmentierten und verästelten Neurowissenschaften zu vereinen: "Markram ist ein Mann, der geradezu in einem Morast aus Widersprüchen zu versinken scheint. Er möchte etwas über die Menschheit in Erfahrung bringen, indem er Ratten untersucht. Er möchte das Feld der Experimente industrialisieren und Laborarbeit eines Tages obsolet machen. Er besteht auf Unmengen biologischer Details und strebt doch ein möglichst allgemeines Modell an. Doch wenn man aufmerksam zuhört - und all das grenzenlose Geprahle beiseite schiebt - lösen sich die anscheinenden Widersprüchlichkeiten in einander ergänzende Strategien auf: Ohne eine verlässliche experimentelle Basis - konzentriert auf eine Spezies, auf die Forscher unbegrenzt zugreifen können - wäre ein detailliertes Modell nicht möglich. Und ohne Modelle und Simulation würde sich all das Wissen vom Gehirn lediglich zu einem zusammenhanglosen Haufen von Infos addieren. Doch mit einem detaillierten Modell eines Rattengehirns als Vorlage könnten die Forscher in der Lage sein, Regelförmigkeiten darin zu erkennen, wie sich Neuronen untereinander verbinden. ... 'Ein vereinheitlichendes Modell ist ein mächtiger Beschleuniger, da es einem behilflich ist, Experimentiere nach ihrer Priorität zu staffeln', sagt er. 'Ich bin sehr pragmatisch. Die Frage ist, was ist das Minimum, das ich vom Gehirn wissen muss, um es komplett rekonstruieren zu können?'"



Außerdem: Eine Bildreportage von Bryan Gardiner über geologische Datenakquise. John Biggs erzählt die Kriminalgeschichte, wie Marie-Antoinettes Uhr erst verschwunden und dann in einem Antiquitätenladen wieder aufgetaucht ist. Und Gavia Baker-Whitelaw unterzieht das Kostümdesign der aktuellen "Star Trek"-Neuauflage einer genaueren Beobachtung.

Magazinrundschau vom 23.04.2013 - Wired

20 Jahre Wired! Zum Jubiläum halten die Silicon-Valley-Futuristen eine vergnügliche, alphabetische Rückschau auf die Epoche des digitalen Übergangs. Eine Auswahl: In der reich bebilderten und noch anekdotenreicheren Oral History erklären die Magazingründer nicht nur, wie sie in einer Welt ohne Google und iPhone ihr Baby aus der Taufe hoben, sondern auch, wie sie sich von der bis dahin eher bastelstubenartigen Ästhetik von Computerzeitschriften - die "hatten bis dahin alle Fotos von Computern oder von Leuten, die vor Computern sitzen" - abheben wollten. John Plunkett erzählt: "Louis Rossetto und ich waren Fans von Marshall McLuhan, insbesondere seines 'Das Medium ist die Botschaft'. Doch was, wenn McLuhan und sein Designer Quentin Fiore Zugriff auf einen Sechsfarb-Druck gehabt hätten? Wie wäre das gewesen? Wir versuchten, Wörter und Bilder zu verschmelzen, um Ideen zu kommunizieren, um das Magazin zu schaffen, das McLuhan ansehen und 'Na endlich' sagen würde. ... Diese erste Ausgabe nutzte wahrscheinlich ein Dutzend verschiedener Tintensorten statt einer oder vier."

Außerdem: Von der einstigen Euphorie über die Möglichkeiten einer Hypertext-Literatur ist wenig geblieben, stellt Steven Johnson in einer melancholischen Bilanz fest: "Ein klassischer Fall von gescheitertem Futurismus". Steven Levy unterhält sich mit Mark Zuckerberg über die Zukunft von Facebook auf dem mobilen Markt. Kevin Kelly besucht die zahlreichen, benachbarten Startups in San Francisco, von denen er sich nichts weniger als die Zukunft der Onlinekultur verspricht. Mit fast schon verdächtigem Enthusiasmus legt Mat Honan dar, warum Microsoft seiner Ansicht nach mit Windows 8 und dessen Abschied vom Startbutton endlich wieder die Abfahrt Richtung Coolness genommen hat (andernorts vertritt man die Ansicht, dass Microsoft gerade das Grab des PCs schaufelt). Angela Watercutter bringt eine Typologie der animierten GIFs. Lore Sjöberg erklärt, warum der Webcomic xkcd für Nerdkultur schlechthin im Netz steht.

Auch nicht zu verachten: Einige Infografiken - etwa über die Geschichte des Bloggens, über den Siegeszug der Comics in Hollywood, über die Konvergenz zahlreicher Gadgets im Smartphone, eine Mem-Collage, ein Comic über die Stuxnet-Attacke sowie ein Rezept für den perfekten TED-Talk. Und schließlich haben die Wired-Redakteure ein (allerdings kostenpflichtiges) eBook mit den Greatest Hits aus 20 Jahren zusammengestellt (darunter dieser epische Essay von Science-Fiction-Autor Neal Stephenson über die Verdrahtung der Welt).

Magazinrundschau vom 25.03.2013 - Wired

Evan Hughes fasst in einem Überblicksartikel die ungewisse Lage von Buchverlegern im digitalen Wandel zusammen: So stehen auf der einen Seite die beeindruckendn Umsätze selbstverlegter E-Book-Millionäre, für die ein Verlagsdeal völlig uninteressant ist, und auf der anderen Seite die alteingesessenen Bestsellerautoren, für die Self-Publishing zunehmend attraktiver wird, um den etablierten Namen noch rentabler zu machen. Infrage gestellt wird dabei das bisherige Verlagsmodell, bei dem Megaseller ausreichende Erträge erzielen, um das übrige Programm - und insbesondere teure Flops - querzufinanzieren. So meint etwa Jason Epstein, lange Zeit Geschäftsführer von Random House: "'Täuscht' Euch bloß nicht - das ist reines Zocken!' Weshalb der Preisdruck auf E-Books Verleger auch das Fürchten lehrt: Wenn es sich bei ihnen tatsächlich um Zocker handelt, die am Spielautomaten ihre Einsätze riskieren und auf einen Trumpf angewiesen sind, um ihre Verluste auszugleichen, dann stellt Amazon ein Kasino dar, das immer kleinere Auszahlungen in Aussicht stellt. Abseits solcher unmittelbaren Bauchschmerzen über die Preisentwicklung sorgen sich die Verleger auch darüber, dass mit dem Verschwinden des echten Buchladens auch das gesamte Business gefährdet sein könnte - ironischerweise sogar Amazon. Analysen haben gezeigt, dass Leser nicht dazu neigen, Online-Buchläden dafür nutzen, um Entdeckungen zu machen. Sie nutzen sie, um Bücher zu kaufen, auf die sie andernorts gestoßen sind - häufig in echten Buchläden. .... Ohne Läden zum Stöbern, könnten die Verkaufszahlen überall einknicken, fürchten die Verleger."

Auch Fernsehserien sind im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung nicht mehr das, was sie einmal waren, erfahren wir von Willa Paskin, die in der mittlerweile selbst produzierenden Streaming-Videothek Netflix nach dem "House of Cards"-Coup und mit vielen weiteren, kommenden Serien (darunter auch die langersehnte Fortsetzung von "Arrested Development") schon so etwas wie das neue HBO sieht. Dabei arbeitet Netflix nicht nur mit Sehvorlieben und Sehgewohnheiten, in die sie über Kundenmonitoring Einblick haben, sondern auch mit den neuen Möglichkeiten eines nicht-linearen Programms: "Das neue 'Arrested Development' ist nicht nur ein siebenstündiger Film. Es ist etwas neues - eine Sammlung von auf einen Schlag veröffentlichter Episoden, die sich remixen und neu kombinieren lassen und durch solche neuen Zusammensetzungen stets dazugewinnen. In diesem Moment bietet allein Netflix diesen Rahmen. Auf die Frage, wie die Show sich wohl entwickelt hätte, wenn der traditonelle Fernsehsender Showtime den Zuschlag erhalten hätte, sagt Produzent Hurwitz: 'Was das Storytelling betrifft, hätten sich wohl nicht ganz so durchgeknallte Ideen durchgesetzt.'" Einen Nachteil bezeichnet Paskin allerdings auch: Da alle Netflix-Produktionen zur besseren Vermarktung auf einer genauen Vorliebenanalyse basieren, "klingen sie alle sonderbar vertraut, so aufpoliert sie auch sein mögen."

Außerdem: Ed Yong blickt in die heilbringende Zukunft der Schwarmwissenschaft. Brian Raftery porträtiert den Filmemacher Shane Carruth, der sich nach dem überraschenden Erfolg seines Debütfilms "Primer" neun Jahre Zeit ließ für seinen zweiten Film "Upstream Color" (von dem unsere Kritikerin Elena Meilicke allerdings nicht völlig begeistert war). Ted Greenwald unterhält sich mit Wikipedia-Grüner Jimmy Wales, der nochmals nachdrücklich unterstreicht, dass sich Wikipedia - anders als Google - keiner Staatszensur beugen wird. Kyle Wiens plädiert für einen uneingeschränkten Zugang zum eigenen Mobiltelefon.

Magazinrundschau vom 19.02.2013 - Wired

Nach den Nachrichten, dass Disney "Star Wars" übernimmt und J.J. Abrams den ersten Film der neuen Reihe drehen wird, sind die Geeks von Wired ganz und gar dem Sternenfieber verfallen und widmen einen großen, kurzweilig nerdigen Themenschwerpunkt George Lucas' Space Opera. Laura Hudson bringt immerhin eine kritische Notiz unter: Wie kann es sein, dass sich in der klassischen Filmtrilogie mit Prinzessin Leia nur eine einzige Frauenfigur von Belang (sonst gibt es nur Kurzauftritte zweier weiterer Frauen, die überhaupt Text haben) findet? "Wenn einem die Abwesenheit von Frauen in 'Star Wars' (oder in Filmen überhaupt) niemals aufgefallen ist, ist man selbst der beste lebende Beweis, dass die begrenzenden Narrative in Kultur und Medien unsere Erwartungshaltung bis auf einen Punkt runterkochen können, dass einem schon die Präsenz einer einzigen Frau inmitten eines Ensembles von einem Dutzend männlicher, denkwürdiger Figuren wie perfekte Gleichberechtigung erscheint. Nach einer Studie des Zentrums für Frauenstudien in Film und Fernsehen kommen Frauen bloß auf 33 Prozent der Rollen in den Top 100 Hollywoodfilmen des Jahres 2011. Wenn es um Hauptfiguren geht, sind Frauen sogar noch um einiges deutlicher unterrepräsentiert: Hier kommen sie auf gerade einmal 11 Prozent." Hoffnungen setzt sie immerhin darauf, dass die neuen Filme Impulse aus dem "erweiterten Universum" aufgreifen, das sich in zahlreichen Büchern, Comics und Computerspielen um "Star Wars" gebildet hat und in dem es vor starken Frauenfiguren nur so wimmelt. Außerdem erfahren wir von Spencer Ackerman, warum sich die Schlacht um Hoth aus "Das Imperium schlägt zurück" nur als militärisch peinliches Debakel zu begreifen ist, wofür er an dieser Stelle reichlich Widerspruch erntet.

Abseits der Galaxie "far, far away": Neal Pollack hat die Zukunft des Fernsehens entdeckt - und zwar in den Videos von Machinima-Netzwerk, das ursprünglich ästhetisch modifizierbare Computerspiele und deren Gameplay-Aufnahmefunktion dafür nutzte, um kollaborativ kleine und größere Spielfilme zu drehen (hier ein Beispiel für einen deutschsprachigen, mit "World of Warcraft" gedrehten Fantasyfilm), und mittlerweile auch mit echten Darstellern dreht. Daniel Engber gruselt sich im Plastinarium des Dr. von Hagen und Jeff Howe spricht mit Clayton Christensen über Dilemma und Zukunftspotenzial des Kapitalismus (das dieser bereits in den New York Times angesprochen hat).

Magazinrundschau vom 22.01.2013 - Wired

Im Gespräch mit Steven Levy erklärt Larry Page von Google, warum sich das Unternehmen mit seiner Abteilung Google X in immer waghalsigere und aufregendere Projekte (wie etwa ein fahrerloses Auto) stürzt: "Wir verfügen über soviel Geld, für uns arbeiten all diese Leute, warum arbeiten wir nicht an mehr Sachen? Man könnte sagen, dass Apple sich nur mit sehr, sehr wenigen Dingen beschäftigt und für die funktioniert das doch prächtig. Doch ich halte das für unbefriedigend. Ich sehe da all diese Möglichkeiten in der Welt, wie Technologie das Leben der Leute besser machen könnte. Bei Google nehmen wir vielleicht 0,1 Prozent dieses Raums in den Blick. Und all diese Tech-Firmen ergeben zusammen vielleicht bloß 1 Prozent. Das bedeutet, es gibt 99 Prozent unerschlossenes Potenzial. Die Investoren machen sich immer große Sorgen, 'ach, ihr Leute gebt soviel Geld für soviel verrücktes Zeug aus'. Doch dieses ist nun das Zeug, das sie am meisten begeistert - Youtube, Chrome, Android. Wenn man nicht ein paar verrückten Sachen macht, macht man die falschen Sachen."

Außerdem: Carl Zimmer begibt sich mit einigen Gen-Forschern in einen DNA-Feldzug gegen Superviren. Schau mir in die Augen, Kleines: Ein anonymer Autor gruselt sich fürchterlich beim Rendezvous mit den neuesten Lügendetektoren der USA.

Magazinrundschau vom 02.01.2013 - Wired

Steven Levy unterhält sich mit HTML- und Web2.0-Vordenker Tim O'Reilly, dessen Open-Source-Credo "Schaffe mehr Wert als Du abzapfst" besonders im Mittelpunkt steht: "Jeder möchte sein Unternehmertum pflegen, doch wir müssen über die Vorbedingungen des Unternehmertums nachdenken. Man sät großartigen Samen in großartigem Boden. Und der Boden ist Gemeingut. ... Am Anfang so vieler Technologiefirmen steht ein Schub an Idealismus, Demokratisierung und neuen Möglichkeiten, doch mit der Zeit verschließen sie sich und stehen Unternehmertum, Innovation und neuen Ideen weniger offen gegenüber. Mit der Zeit nehmen die dominant gewordenen Firmen mehr aus dem Ökosystem als sie ihm zurückgeben. Wir haben das bei Microsoft gesehen, die mit einer großen Vision angetreten sind: Wie kriegen wir einen PC auf jeden Schreibtisch in jedem Haus? Das war grundlegend demokratisierend. Aber als Microsoft an die Spitze gelangte, begannen sie langsam damit, den Pfad zum Erfolg für alle anderen zu versperren." Darauf angesprochen, welche Firma sich dies besonders zu Herzen nehmen sollte, antwortet O'Reilly klipp und klar: "Apple. Die befinden sich eindeutig auf dem falschen Weg."

Außerdem: Joshua Davis spricht mit dem zum Zeitpunkt des Gesprächs noch untergetauchten, mittlerweile aber in die USA ausgewiesenen Virenscannerspezialisten John McAfee, der sich in Lateinameria Anwürfen ausgesetzt sah, im großen Stil Drogen fabriziert zu haben und in die Ermordung seines Nachbarn verwickelt zu sein (mehr). Und hier erfahren wir, in welchen Bereichen uns in Zukunft Roboter die Arbeit abnehmen werden.