
Evan Hughes
fasst in einem Überblicksartikel die ungewisse Lage von Buchverlegern im digitalen Wandel zusammen: So stehen auf der einen Seite die beeindruckendn Umsätze selbstverlegter
E-
Book-
Millionäre, für die ein Verlagsdeal völlig uninteressant ist, und auf der anderen Seite die alteingesessenen Bestsellerautoren, für die
Self-
Publishing zunehmend attraktiver wird, um den etablierten Namen noch rentabler zu machen. Infrage gestellt wird dabei das bisherige Verlagsmodell, bei dem Megaseller ausreichende Erträge erzielen, um das übrige Programm - und insbesondere teure Flops - querzufinanzieren. So meint etwa Jason Epstein, lange Zeit Geschäftsführer von Random House: "'Täuscht' Euch bloß nicht - das ist
reines Zocken!' Weshalb der Preisdruck auf E-Books Verleger auch das Fürchten lehrt: Wenn es sich bei ihnen tatsächlich um Zocker handelt, die am Spielautomaten ihre Einsätze riskieren und auf einen Trumpf angewiesen sind, um ihre Verluste auszugleichen, dann stellt
Amazon ein Kasino dar, das
immer kleinere Auszahlungen in Aussicht stellt. Abseits solcher unmittelbaren Bauchschmerzen über die Preisentwicklung sorgen sich die Verleger auch darüber, dass mit dem Verschwinden des
echten Buchladens auch das gesamte Business gefährdet sein könnte - ironischerweise sogar
Amazon. Analysen haben gezeigt, dass Leser nicht dazu neigen, Online-Buchläden dafür nutzen, um Entdeckungen zu machen. Sie nutzen sie, um Bücher zu kaufen, auf die sie
andernorts gestoßen sind - häufig in echten Buchläden. .... Ohne Läden zum Stöbern, könnten die Verkaufszahlen überall einknicken, fürchten die Verleger."
Auch
Fernsehserien sind im Zuge der fortschreitenden
Digitalisierung nicht mehr das, was sie einmal waren,
erfahren wir von Willa Paskin, die in der mittlerweile selbst produzierenden Streaming-Videothek
Netflix nach dem "House of Cards"-Coup und mit vielen weiteren, kommenden Serien (darunter auch die langersehnte Fortsetzung von "Arrested Development") schon so etwas wie
das neue HBO sieht. Dabei arbeitet
Netflix nicht nur mit Sehvorlieben und Sehgewohnheiten, in die sie über Kundenmonitoring Einblick haben, sondern auch mit den neuen Möglichkeiten eines nicht-linearen Programms: "Das neue 'Arrested Development' ist nicht nur ein siebenstündiger Film. Es ist etwas neues - eine Sammlung von auf einen Schlag veröffentlichter Episoden, die sich
remixen und neu kombinieren lassen und durch solche neuen Zusammensetzungen stets dazugewinnen. In diesem Moment bietet allein
Netflix diesen Rahmen. Auf die Frage, wie die Show sich wohl entwickelt hätte, wenn der traditonelle Fernsehsender
Showtime den Zuschlag erhalten hätte, sagt Produzent Hurwitz: 'Was das Storytelling betrifft, hätten sich wohl nicht ganz so durchgeknallte Ideen durchgesetzt.'" Einen Nachteil bezeichnet Paskin allerdings auch: Da alle Netflix-Produktionen zur besseren Vermarktung auf einer genauen Vorliebenanalyse basieren, "klingen sie alle
sonderbar vertraut, so aufpoliert sie auch sein mögen."
Außerdem: Ed Yong
blickt in die heilbringende Zukunft der
Schwarmwissenschaft. Brian Raftery
porträtiert den Filmemacher
Shane Carruth, der sich nach dem überraschenden Erfolg seines Debütfilms "Primer" neun Jahre Zeit ließ für seinen zweiten Film "Upstream Color" (von dem unsere Kritikerin Elena Meilicke allerdings
nicht völlig begeistert war). Ted Greenwald unterhält sich mit
Wikipedia-Grüner
Jimmy Wales, der nochmals nachdrücklich unterstreicht, dass sich
Wikipedia - anders als
Google - keiner
Staatszensur beugen wird. Kyle Wiens
plädiert für einen uneingeschränkten Zugang zum eigenen Mobiltelefon.