Magazinrundschau - Archiv

Words without Borders

2 Presseschau-Absätze

Magazinrundschau vom 16.10.2018 - Words without Borders

Words without Border bringt in diesem Monat eine Ausgabe mit Dalit-Literatur, die auf Hindi geschrieben wurde. Lesen kann man unter anderem einen Auszug aus Kausalya Baisantrys Erinnerungen an ihre Kindheit. Ihre Familie stach in ihrem Dorf heraus: Sie besaßen ein Grammophon und Schallplatten, sangen und die Mädchen gingen alle zur Schule. Viele, auch viele Verwandte, akzeptierten das nicht. Sie hassten sie für ihren Willen weiterzukommen: "Es gab keine Arbeit für den Pöbel in unserem Bezirk, und sie erhielten auch keine Ausbildung. Also konnten sie nur Unsinn machen. Einige kniffen die Augen zusammen, verstört vom Fortschritts anderer. Es hat sie nur angestachelt. Sie lebten dafür, Liebesbekundungen zwischen Jungen und Mädchen zu entdecken, und versuchten alles, um herauszufinden, wo sich die beiden Liebenden trafen, wohin sie gehen würden. Dann schnappten sie sich die beiden und brachten sie zurück, um sie zu beschämen. Die armen Liebenden wurden von ihren Eltern mit Prügeln bestraft. Sie gingen mit gesenkten Köpfen, jetzt, da ihr Familienstolz in den Dreck gezogen worden war. Diese Gundas! Niemand widersprach jemals diesen Sticheleien, aus Angst, selbst verprügelt zu werden. Sie schrieben wirklich schmutzige Dinge mit den Namen der Liebenden in Kreide oder Kohle an die Wände der Toiletten. Einige waren beleidigt. Einige fanden es lustig. Dies waren die Missetaten von Jungen, die es gerade mal bis zur dritten oder vierten Klasse geschafft hatten. Ma hatte viel Mut, und Baba hatte endlose Geduld. Sie schenkten diesen Eckenstehern keine Beachtung. Manchmal schleuderte Ma Flüche auf sie, wenn sie versuchten, uns zu belästigen. Diese Jungs, sie hatten Angst vor Ma. Sie war schrecklich."

Magazinrundschau vom 19.07.2011 - Words without Borders

Der arabische Frühling ist Schwerpunkt der Juli-Ausgabe von Words without Borders. Übersetzt wurde unter anderem ein sehr schöner Brief (franz./engl.) Boualem Sansals an Mohamed Bouazizi, den jungen Gemüsehändler, dessen Selbstverbrennung die tunesische Revolution und damit den arabischen Frühling auslöste. Hier der Anfang: "Lieber Bruder, ich schreibe dir diese Zeilen, um dich wissen zu lassen, dass es uns im großen und ganzen gut geht, auch wenn sich das von Tag zu Tag ändert: Manchmal dreht sich der Wind, es regnet Blei, das Leben fließt uns aus den Poren. Um die Wahrheit zu sagen, ich bin mir nicht ganz sicher, wo wir stehen. Wenn man bis zum Hals im Krieg steht, kann man erst am Ende sagen, ob man feiern oder trauern soll. Und das ist sie, die entscheidende Frage: Soll man den anderen folgen oder vorausgehen? Die Konsequenzen sind nicht dieselben. Manche Siege können sich als kurzfristig herausstellen, während manche Niederlagen der Beginn wirklich großer Siege sein können. In diesem Spiel, bei dem man jederzeit vom Tod überrascht werden kann, gibt es die Zeit davor und die Zeit danach, aber nur einen einzigen ungeheuer flüchtigen Moment, in dem man sich entscheiden kann."

Weiteres: Nawal El Saadawi kritisiert scharfzüngig die nationale und internationale Presse, die die ägyptischen Revolutionäre mit einigen kosmetischen Operationen ruhigstellen wollten. Außerdem gibt es Prosa und Lyrik in englischer Übersetzung (alles online hier zu finden).