Der Westen und sogar Donald Trump macht den Fehler zu glauben, "man könne
mit Putin vernünftig verhandeln. Dass Logik Pathologie bändigen könne", aber das ist ein Irrtum, erklärt der ukrainische Journalist Sergey Maidukov in der
SZ. "Putin ist kein Staatsmann. Kein Stratege. Kein Schachspieler. Er ist ein Serienmörder mit Atomwaffen. Er führt Krieg nicht wegen der Nato, nicht wegen Grenzen, nicht einmal aus strategischem Kalkül. Sondern, weil er es will. Weil er es kann. Weil ihn
die Herrschaft berauscht. Zerstörung bestätigt ihn. Der Schmerz ist kein Kollateralschaden. Er ist der Zweck. Seit Februar 2022 wurden laut westlichen Geheimdiensten mehr als 250 000 russische Soldaten getötet und bis zu eine Million verwundet. Die Ukraine hat rund 43 000 Soldaten verloren und über 370 000 wurden verletzt - die Gesamtzahl der Gefallen und Versehrten auf beiden Seiten
übersteigt nun eine Million."
"Der
Gulag 2.
0 ist fertiggestellt und technisch überlegen ausgestattet", meldet Irina Rastorgujewa, die für die
FAZ die
neuen Gesetze zusammenfasst, die in Putins Russland der verstärkten Überwachung missliebiger Stimmen dienen sollen. So wird das
Extremismusgesetz erweitert: "Als extremistisch gelten neben rassistischen, antisemitischen und radikalen religiösen Organisationen auch die Erwähnung einer
Dekolonisierung Russlands oder des im Februar 2024 im Straflager getöteten Oppositionspolitikers Alexej Nawalnyj und mit ihm verbundener Organisationen." Kulturinstitutionen wie das
Goethe Institut werden zu
Geheimdienstorganisationen umgedeutet, so dass die Zusammenarbeit mit ihnen bestraft werden kann. Und schließlich "verabschiedete die Staatsduma obendrein ein Gesetz zur Einführung eines eigenen russischen
Messengers namens '
Max'. ... Der Telegram-Kanal 'Red Binder' berichtet, der Messenger funktioniere wie ein Spionageprogramm."
Aber Wladimir Putin sichert sich nicht nur nach vorne ab, sondern auch nach hinten, indem er die
Geschichte umschreiben lässt, berichtet die Osteuropa-Historikerin
Franziska Davies in der
FAZ. Eine große Hilfe dabei ist ihm
Alexei Miller, Professor in St. Petersburg und Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften, der immer behauptet hat, die von Russland eroberten Völker seien
nie kolonisiert oder diskriminiert worden, da sie ja
russifiziert worden seien. "Millers Karriere als Kreml-Propagandist sollte die westliche Russland-Forschung nachdenklich stimmen. Denn bis kurz nach der russischen Vollinvasion der Ukraine gehörte er
auch im Westen zu den einflussreichsten Historikern im Feld der Imperiumsforschung, besonders mit Blick auf die russisch-ukrainischen Beziehungen." Und dies, obwohl er seit Jahrzehnten Narrative verbreite, "die, wenn auch weniger primitiv formuliert, die heutigen Einlassungen der russischen Staatsführung vorwegnahmen und in der Tradition der russischen Ideologie des neunzehnten Jahrhunderts standen, wonach es eine
eigene ukrainische Identität nicht gebe." Also warum fanden "Millers Thesen
in der westlichen Imperiumsforschung Anschluss", fragt Davies.
"Nichts trennt
Serben und Bosniaken in Srebrenica mehr als der Bosnienkrieg mit seinen Folgen",
erfahren Ksenija Cvetković-Sander und Martin Sander bei einem Besuch dort für die
NZZ. Der Bosniake Almir Dudić zum Beispiel "sitzt dem Gemeindeparlament von Srebrenica vor. Mit den Serben lebe und arbeite man
im Alltag alles in allem gut zusammen, findet er. Über das Heute und Morgen lasse sich gut miteinander sprechen. Aber wenn von der jüngeren Geschichte die Rede sei, komme man auf keinen gemeinsamen Nenner. 'Wie viel Zeit man dafür noch braucht, weiß ich nicht', sagt Dudić. Während die Kinder ohne Probleme gemeinsam die Schulbank drückten, besuchten sie den
Geschichtsunterricht dennoch separat."