9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Geschichte

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.11.2024 - Geschichte

Mirjam Wenzel, Chefin des Jüdischen Museums in Frankfurt, erzählt auf der "Ereignisse und Gestalten"-Seite der FAZ die parallelen Geschichten der jüdischen Gemeinden in West- und Ostdeutschland. Schmerzvoll war nach dem Krieg der Kampf westdeutsche Juden um Entschädigung und Restitution. In der DDR dagegen hätten zu Beginn zwar die Sowjets Restitution versprochen. Aber "nach Widerstand aus der SED wurden jedwede individuellen Restitutionsansprüche gestrichen. Wiedergutmachung bedeutete nach 1949 ausschließlich das Recht auf soziale Fürsorge. Allein die jüdischen Gemeinden erhielten während der Fünfzigerjahre pauschalisierte Entschädigungszahlungen sowie die Liegenschaften übertragen, welche ihren Vorgängern gehört hatten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.10.2024 - Geschichte

Welt-Autor Thomas Schmid kommt in einem längeren Essay auf den Historiker und freien Autor Joseph Wulf zurück, einen Pionier der Holocaustforschung, der sich vor fünfzig Jahren aus dem Fenster seiner Wohnung in der Berliner Giesebrechtstraße stürzte. In 18 Büchern hat er die Nazifizierung der deutschen Gesellschaft in allen Bereichen akribisch dokumentiert - peinlich für viele, die damals längst wieder zu Honoratioren geworden waren. Er war es, der zuerst das Projekt entwickelte, "aus der Villa am Großen Wannsee, in der im Januar 1942 die Konferenz zur Koordinierung des Holocaust stattgefunden hatte, ein internationales Dokumentationszentrum zur Erforschung des Nationalsozialismus zu machen". Die Berliner SPD wehrte sich mit provinzieller Sturheit. Dann kam der Siebentragekrieg, und es wandte sich nicht nur die bürgerliche Seite, sondern auch die Linke gegen Israel: "Jetzt störte ein Projekt, in dessen Zentrum auch die deutschen Verbrechen an den Juden standen. Seinem Freund, dem Theologen Helmut Gollwitzer, der später eine führende Figur der Friedensbewegung wurde, warf Wulf im Januar 1974 vor, er spreche zwar mit Elan über das Leid der Palästinenser, sage 'aber kaum etwas Wesentliches über Nationalsozialismus, Israel und Juden'. Er fügte hinzu: 'Jetzt müssen wir mit Erstaunen und Verzweiflung feststellen, dass via Antiisraelismus auch die Linke zum Antisemitismus kommt.'" Wie deutsche Historiker nach dem Krieg die oft nicht an Universitäten abgesicherten jüdischen Holocaustforscher wie Wulf oder auch Raul Hilberg drangsalierten, hat Götz Aly vor einigen Jahren auch im Perlentaucher erzählt.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.10.2024 - Geschichte

Eliana Berger erinnert in einem schönen persönlichen Text für die wochentaz an die Teilung Zyperns vor genau fünfzig Jahren. Nach Konflikten mit der griechischen Militärjunta besetzte die Türkei den Norden: "5.000 Menschen wurden getötet. 162.000 griechische Zyprioten flohen in den Süden, 48.000 türkische Zyprioten in den nun türkisch kontrollierten Norden." In dem Dorf von Eliana Bergers Großmutter stellt sich die Lage heute so dar: "Lange Zeit war Kalavasos ein gemischtes Dorf, 1960 lebten hier 881 griechische und 243 türkische Zyprioten. 1976, zwei Jahre nach dem Krieg, waren es laut Dorfchronik 870 griechische und null türkische Zyprioten. Dafür waren Geflüchtete aus dem besetzten Norden gekommen. Sie lebten in verlassenen türkischen Häusern und Ferienwohnungen. Heute ist Kalavasos vor allem ein Urlaubsort."

Der Historiker Thomas Schuler erzählt in der SZ die Geschichte des Wilhelm Reissmüller, des ehemaligen, in Bayern hochgeehrten Verlegers des Donaukurier. In Ingolstadt war diese Zeitung maßgeblich. Reissmüller hatte von sich das Märchen verbreitet, er sei in wesentlicher Rolle in der Widerstandsgruppe des 20. Juli beteiligt gewesen - erstunken und erlogen, so Schuler. Reissmüller war in seiner Jugend ein fanatischer und höchst aktiver Nazi, was nach dem Krieg zwar irgendwie bekannt war, aber niemand nahm es ihm übel - er war als Verleger einfach zu einflussreich (so viel zur gerade wieder beschworenen Rolle der Zeitungen für die Demokratie). "Die Menschen in Ingolstadt nannten ihn den 'lieben Gott', so allmächtig erschien er. Eine Studie der Universität München über sein Zeitungsmonopol beschrieb ihn in den Siebzigern als 'graue Eminenz' und betonte, er lenke die Geschicke der Stadt in Politik, Kultur und Gesellschaft. Oberbürgermeister und Stadträte kuschten vor ihm."

Außerdem: Der Wiener Autor Franz Schuh bestreitet in der NZZ, dass Österreich in der Nazizeit nur allzu willig mitgemacht hat, es habe auch Widerstand gegeben - offen bleibt allerdings, wie ironisch er das meint: "Dass Österreich das erste Opfer Hitlers war, ist eine Halbwahrheit, die man gerne als eine ganze Lüge entlarvt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.10.2024 - Geschichte

In der Welt ist der Politikwissenschaftler Klaus Schroeder fassungslos über die gegenwärtige Verklärung der DDR, die nicht nur die "politische Gleichschaltung" auszublenden scheint: "Von Beginn an war die DDR ein durchweg antiisraelischer und antijüdischer Staat, der später palästinensische Terroristen militärisch ausbildete. Sie zahlte - anders als die Bundesrepublik - keine Entschädigung für die Verfolgung und Ermordung von Juden während des Nationalsozialismus und erkannte den Staat Israel nicht an. Nach Berichten eines ehemaligen Weggefährten kommentierte der Parteivorsitzende Walter Ulbricht die Enteignung von Juden im Dritten Reich mit den Worten: 'Hätten die Nazis die Juden nicht enteignet, hätten wir es getan, denn sie waren Kapitalisten, die die Arbeiterklasse ausgebeutet haben!'"

Weitere Artikel: In der FAZ berichtet Yelizaveta Landenberger von der Eröffnungsveranstaltung des neuen deutsch-ukrainische Zentrums für Geschichtsforschung in Lemberg, dem die Professoren Martin Schulze Wessel von der LMU und Yaroslav Hrytsak von der UCU vorsitzen: "Die Eröffnungskonferenz in Lemberg offenbart, was das Besondere an dieser Kooperation im Krieg ist - dass die beteiligten Historiker zwangsläufig durch das Prisma des russischen Angriffskriegs auf das 20. Jahrhundert in der Ukraine blicken. Und dass mit dem Einbruch der vergangen geglaubten Gewalt Geschichte und Gegenwart unweigerlich verschmelzen." Im Tagesspiegel argumentieren Andrea Hänger und Robin Mishra vom Bundesarchiv gegen die im Jahr 2017 beschlossene Neuregelung des Bundesarchivgesetzes, das fürs Archivieren nur noch bereichsspezifische Ausnahmen einräumt, was bedeutet, "dass in jedes einzelne Gesetz mit einer Löschungspflicht eigens und mühevoll die Alternative der Weitergabe ans Archiv hineingeschrieben werden muss." Der Gesellschaft drohe "Gedächtnisverlust", fürchten sie.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.10.2024 - Geschichte

Dominic Johnson erinnert in der taz an den "weißen Terror" im südlichen Afrika, etwa im damaligen Rhodesien, wo sich weiße Siedlerkolonialisten brutal gegen die Dekolonisierung wehrten: "Die weiße Selbstverteidigung war vergeblich, überall siegten die schwarzen Befreier. Wer heute in diesen Ländern an der Macht ist, wurde in diese Kriege hineingeboren und ist davon geprägt, in der Lebenserfahrung und in der Sicht auf die Welt. In den 1970er und 1980er Jahren unterstützte Moskau Afrikas Befreiungsbewegungen, der 'freie Westen' dagegen die Weißen. Wen wundert also das Misstrauen dieser Länder, wenn heute wieder Massaker an Zivilisten mit 'Selbstverteidigung' gegen 'Terroristen' gerechtfertigt werden?"

In der NZZ gibt der Historiker Michael Wolffsohn Geschichtsunterricht über den Ursprung "Palästinas": "Unauthentisch ist der Begriff 'Palästina'. Diese Ortsbezeichnung verfügte nämlich im Jahre 135 der römische Kaiser Hadrian, nachdem sein Militär den Aufstand der Juden Judäas blutig niedergeschlagen hatte. Nichts sollte mehr an Jüdisches erinnern. 'Palästina' sollte als extrem antijüdische Chiffre bedeuten: 'Land der Philister', denn: Die Philister waren sozusagen die Urfeinde der Juden Judäas." Die Philister jedoch "stammten von der Balkan-Halbinsel. Sie waren also keine Araber. Um das zwölfte vorchristliche Jahrhundert kamen die Philister bzw. die 'Seevölker' als Invasoren in den Vorderen Orient, wo sie, ostwärts ausgreifend, gegen die zuerst auf den Anhöhen des Westjordanlandes lebende vor- und frühjüdische Gemeinschaft anrannten. Warum mehr als dreitausend Jahre in die Geschichte zurück? Weil die heutige Selbstbezeichnung der Palästinenser als 'Palästinenser' gewollte Geschichtsklitterung ist."

Weiteres: In der taz würdigt Klaus Hillenbrand den Holocaust-Historiker Yehuda Bauer, der am vergangen Freitag im Alter von 98 Jahren verstorben ist. In der FAZ erinnert der Völkerrechtler  Felix Lange an Albrecht Mendelssohn Bartholdy, einen der herausragenden Juristen der Weimarer Zeit, der vor 150 Jahren geboren wurde.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.10.2024 - Geschichte

Die Erwartungen und Hoffnungen, die der Westen mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion verband, "liegen in Trümmern", so der Historiker Andreas Rödder in der NZZ. Die Idee vom "Ende der Geschichte" liegt in weiter Ferne, wie konnte es dazu kommen? Zuerst einmal hält Rödder fest: "Die Ordnung von 1990 endete, weil sie von relevanten Teilnehmern, vor allem von Russland, aktiv zurückgewiesen wurde. Die entscheidende Ursache ihres Scheiterns lag in einem Ordnungskonflikt zwischen liberalen und imperialen Vorstellungen, der bereits zu Beginn angelegt war." Hätte der Westen trotzdem anders handeln können? "Wenn es eine Alternative zum Scheitern der Ordnung von 1990 gegeben hätte, dann am ehesten dort, wo der Westen als Sieger im Ost-West-Konflikt die politischen Extreme und Dilemmata hätte moderieren können. Imperiale Einflusssphären anzuerkennen und auf die Selbstbestimmung und Unversehrtheit souveräner Staaten zu verzichten, hätte die eigenen Grundsätze aufgegeben und kleinere Staaten der Vorherrschaft der Großmächte ausgeliefert. Die eigenen Grundsätze zu verabsolutieren und die liberale Ordnung nicht nur zwischen den Staaten aufrechtzuerhalten, sondern auch in anderen Ländern zu verbreiten, erhöhte hingegen die Spannungen im System. Eine strategische Moderation hätte demgegenüber darin gelegen, die liberale Ordnung zwischen den Staaten zu bewahren, aber auf ihre Verbreitung in anderen Ländern zu verzichten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.10.2024 - Geschichte

Die Zeit druckt die Dankrede Navid Kermanis zur Verleihung des Thomas-Mann-Preises, in der er davon erzählt, wie seine Familie im Jahr 1978 Ajatollah Chomeini in Paris besuchte. Und welche historische Schlüsselfunktion das folgende Jahr hatte: "Mit der Revolution von 1979 trat nicht nur der Islam auf die Bühne der Weltpolitik und verbündete sich Amerika ausgerechnet mit dem Wahhabismus, dessen Ideologie dem Dschihadismus zugrundeliegt, von 9/11 über den 'Islamischen Staat' bis Solingen. Die Islamische Revolution führte im Westen auch mittelbar zum Sieg des Neoliberalismus, der heute den Reichtum in den Händen einiger weniger Menschen konzentriert, und trug im Osten zum Scheitern des Kommunismus bei. Gemessen an der Wirkung steht Ajatollah Chomeini in der Geschichte des 20. Jahrhunderts in einer Reihe mit Lenin, Hitler und Mao. Und in gewisser Weise ist der Islamismus nach dem Kommunismus und dem Faschismus das dritte Projekt der Moderne, den Himmel auf Erden zu errichten - und auch der dritte Versuch hat stattdessen in die Hölle geführt."

Am Kaiser-Wilhelm-Instituts für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik (KWI-A) führten während der NS-Zeit 'Rassenkundler' wie Josef Mengele ihre grausamen Experimente durch. Nun gibt es dort einen Gedenkort, berichtet Julian von Bülow in der taz, die Ausstellung "Gedenkort Ihnestraße - Wissenschaft und Unrecht" macht die Vergangenheit sichtbar. Ganz genau weiß man allerdings immer noch nicht, was damals eigentlich passierte, so Bülow: "Im Jahr 2014 stießen Bauarbeiter nahe dem Institut auf Tier- und Menschenknochen. Säckeweise. Wegen Fehlkommunikation wurden die Knochen eingeäschert, erst danach wurde debattiert, ob eine Verbindung zum KWI-A bestanden haben könnte. Dadurch bekam die Diskussion um eine Ausstellung neuen Auftrieb, zudem erfolgten archäologische Grabungen, bei denen weitere 16.000 Knochenstücke gefunden wurden. Von wem die Knochen stammen, darauf gibt es keine finale Antwort. 'Es ist nicht auszuschließen, dass Knochen von Ermordeten während der NS-Zeit stammen, aber es gibt keinen expliziten Hinweis darauf', sagt Historikerin Manuela Bauche. Die Betroffenengruppen einigten sich darauf, keine Untersuchungen an den Knochen vorzunehmen, die sie weiter beschädigen würden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.10.2024 - Geschichte

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Im NZZ-Interview mit Andreas Ernst erklärt der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk, warum viele Ostdeutsche der DDR hinterhertrauern. Das habe vor allem mit der langen Geschichte des Obrigkeitsstaats zu tun. "Darin ist die Demokratie der Weimarer Republik ein Betriebsunfall. Das Kaiserreich (1871-1918), das manche jetzt als Emanzipationsprojekt verklären, war der Obrigkeitsstaat par excellence. Er verband die Fürsorge für die Untertanen dank fortschrittlicher Sozialgesetzgebung mit der Repression gegen Kritiker durch das Sozialistengesetz. (...) Die DDR knüpft an die deutsche Tradition an und revitalisiert sie. Die Kräfte in der Gesellschaft sollen sich nicht frei entfalten, sondern vom Staat gesteuert werden. Im Kern geht es um die Verstaatlichung der Gesellschaft."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.10.2024 - Geschichte

Rosa Budde erinnert in der taz an den Historiker und Holocaustüberlebenden Joseph Wulf, der ein Pionier der Holocaustforschung war - seine Bücher, etwa über Musik im Dritten Reich, erschienen, als die Täter noch in Amt und Würden waren und ihre Bücher in "Giftschränken" aufbewahrt wurden. "In seinen Werken ließ der historiografische Autodidakt häufig Originalquellen von Tätern unkommentiert für sich sprechen. Er hatte bei seiner Arbeit stets auch zukünftige Generationen im Sinn und schrieb nicht nur für die Forschung, sondern auch für die breite Gesellschaft. Diese interessierte sich allerdings nicht sonderlich für seine Werke. Im Gegenteil, da in Wulfs Veröffentlichungen auch Namen vieler noch nicht bestrafter Täter genannt wurden, stieß er immer wieder auf Gegenwind. Trotz einer teils prekären finanziellen Lage schrieb Wulf unermüdlich gegen die stumpfsinnige, vom Unrecht nichts wissen wollende deutsche Normalität an. Er kämpfte gegen das - sich bis heute haltende - Narrativ von den angeblich passiven Juden, die sich 'wie Schafe zur Schlachtbank' führen ließen, und veröffentlichte Bücher zum jüdischen Widerstand." Wulf nahm sich 1974 das Leben.

Eine Osnabrücker Forschergruppe hat die Korrelation zwischen der Zahl der Kriegstoten des Ersten Weltkriegs in deutschen Landkreisen und deren spätere Bereitschaft, die Nazis zu wählen, untersucht und kam zu interessanten Ergebnissen, die der Soziologe Alexander De Juan im Gespräch mit Petra Schellen von der taz erläutert: "In der Weimarer Republik wurde in Landkreisen mit mehr Gefallenen des Ersten Weltkriegs im Durchschnitt häufiger NSDAP gewählt. Wir können also sagen: Die Konfrontation mit Tod im Kontext zwischenstaatlicher Kriege beförderte in diesem Fall die Unterstützung für nationalistische Parteien. Wir haben uns außerdem Beitrittszeitpunkte zur NSDAP und zur HJ sowie die Darstellung des Kriegs in Briefen von NSDAP-Mitgliedern zu ihrer Motivation angeschaut. Alle Quellen deuten in die gleiche Richtung: dass es vor allem die Gruppe der Zivilisten ist, die den Krieg nicht direkt vor Ort erlebt haben. Und dass deren Konfrontation mit dem Verlust von Familie, Freunden, Bekannten die nationalistische Ausrichtung wesentlich befördert."

Bitter liest sich die Geschichte des Doping in der DDR und der Bundesrepublik, die Anno Hecker und Michael Reinsch in der FAZ erzählen. In beiden Deutschlands wurden Sportler unter Druck gesetzt und konnten der organisierten Manipulation schwer entkommen, aber natürlich war es für die Sportler in der DDR noch viel fataler, weil sie überhaupt keine Ausweichoption hatten, resümieren die beiden: "Um dieses Erbe des Spitzensports macht das vereinte Deutschland einen Bogen. Das Bundessozialgericht wies im Frühjahr den Antrag eines anerkannten Dopingopfers auf 'verwaltungsrechtliche Rehabilitierung', Voraussetzung für eine kleine Rente, ab. Der Gesetzgeber müsse zuerst eine Voraussetzung schaffen. Nach Jahrzehnten des Kampfes um eine kleine Anerkennung schwindet die Energie Geschundener und Erkrankter. Das Sterben geht schneller."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.10.2024 - Geschichte

Buch in der Debatte

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Unis beweisen ja auch heute, dass sich Professoren und Studenten gern den neuesten ideologischen Niedrigkeiten hingeben. Besonders begeistert taten sie das auch zur Nazizeit, wie der Historiker Michael Grüttner in seinem Buch "Talar und Hakenkreuz" darlegt. Im Gespräch mit Harff-Peter Schönherr von der taz macht er eine "massive Überfüllungskrise in den akademischen Berufen" mitverantworlich für die Liebe zu den Nazis: "Viele Studierende und Nachwuchswissenschaftler hatten Zukunftspanik und wandten sich dem Nationalsozialismus auch deshalb zu, weil sie hofften, dass sich ihre Karrierechancen im Dritten Reich verbessern würden. Der NS-Studentenbund war bereits 1931/32 die stärkste Kraft unter den Studierenden." Auf die Frage, was ihn bei seiner Recherche am meisten beeindruckt hat, antwortet Grüttner: "Die Gnadenlosigkeit, mit der Studierende und junge Nachwuchswissenschaftler 1933/34 gegen Professoren gehetzt haben, weil sie Juden waren oder Kritik geäußert hatten."
Stichwörter: Universitäten