Noch lassen sich die Folgen einer Corona-Erkrankung ("Long Covid") oder der Impfung ("Post-Vac") sehr schwer dingfest machen. Der Verdacht liegt nahe, dass hier
psychische Verstimmungen auf der Suche nach eine "
legitimen Krankheit" sind, schreibt Werner Bartens in der
SZ. Und das Psychische hat in einer eher mechanistischen Medizin kein Prestige: So kommt es, dass "einige chronisch Erschöpfte erstaunlich viel Energie darauf verwenden , jene zu beschimpfen und zu diffamieren, die vom seelischen Einfluss auf die Beschwerden berichten und auch entsprechende Befunde präsentieren. Kranke werden
zu Aktivisten, die verzweifelt um die Anerkennung ihrer Krankheit als 'richtige' Krankheit kämpfen."
Der Sprachwissenschafter
Roland Kaehlbrandt erklärt im Gespräch mit Birgit Schmid von der
NZZ mit vielen schönen Beispielen, warum er
das Deutsche liebt. Beim
Gendern versteht er die Intention und zögert doch selbst bei milderen Formen: "Ich selbst stelle meist klar, dass sich meine Rede auf alle Geschlechter bezieht, oder ich nenne beide Geschlechter:
Leserinnen und Leser. Das ist zwar umständlich, aber wenigstens grammatikalisch nicht falsch. Verloren geht dabei aber die geschlechtsunabhängige Funktion. Das ist eigentlich widersinnig, denn es ging ja ursprünglich darum, dass das Geschlecht
gerade nicht im Vordergrund steht. Ganz ungrammatisch ist freilich der Stern, und auf den hat man sich fatalerweise kapriziert."
"Da ist es wieder, das Bild vom
glücklichen Leben mit Minimaleinrichtung und Grammophon von 1926", schreibt der Historiker
Valentin Groebner in
Geschichte der Gegenwart über die neue Forderung, sich auf das Nötigste zu beschränken. Groebner ist skeptisch: "Minimalistische Reduktion ist wohl auch deshalb so verlockend, weil sie wie eine Fastenkur oder Verzicht aufs Internet
nie endgültig ist: Man kann von dort jederzeit zurück in die Welt der überflüssigen Dinge, aber gereinigt und
geschmückt mit dem Glamour der eigenen Askese. Minimalismus verspricht, die Konsumentenbiografie ihrer Besitzer:innen zu deren Vorteil für immer zu beenden und heizt sie gleichzeitig weiter an. Denn eines wissen wir als Shopper des 21. Jahrhunderts. Je leerer ein Laden in einer belebten Einkaufsstraße aussieht und je geringer die Zahl von Kleidern, Schuhen oder Elektrogeräten, die darin vor minimalistischem makellosem sauberem Weiß oder Hellgrau ausgestellt werden,
desto teurer sind diese Waren."
Solarmodule sind auch nicht unbedingt nachhaltig,
fürchtet Walter Rüegg in der
NZZ. "Auf ein einzelnes Solarmodul entfallen gut 1 Kilogramm Kupfer - und etwa 200 Kilogramm
Bergbauschlämme. Diese Schlämme, Tailings genannt, bestehen aus fein vermahltem Erz, aufgelöst in starken Säuren, Basen oder anderen Lösungsmitteln. Diese Brühe enthält viel Arsen, Cadmium, Quecksilber, Blei und andere Schwermetalle. Für die sichere Endlagerung von
Milliarden Tonnen dieser Schlämme ist keine auch nur halbwegs sinnvolle Lösung in Sicht. Verglichen damit ist die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle geradezu einfach."

Und auch
Elektroautos haben ihren eigenen Skandal, wie die
New York Times aus
Siddartha Karas Buch "
Cobalt Red: How the Blood of the Congo Powers Our Lives"
lernt. Denn für E-Autos, Handys etc. braucht man
Kobalt und den gibt's vor allem im Kongo: "Zu Beginn des Jahres 2018 unternahm Kara mehrere Reisen in die Bergbauprovinzen des Kongo. Er kletterte um die tückischen Stätten herum und verhandelte mit den Milizen, die sie bewachen, über den Zugang. Hier schufteten die Bergleute in offenen Gruben und Tunneln; einige, wie die Shabara-Mine, waren riesig: 'Mehr als
15.
000 Männer und Teenager hämmerten, schaufelten und schrien im Inneren des Kraters, mit kaum Platz zum Bewegen oder Atmen.' Die Bergleute, die meist
keine Schutzkleidung tragen, arbeiten inmitten
giftiger Metalle. Kara interviewt einige, die bei Unfällen lebenslang behindert wurden, und wird Zeuge, wie die Leiche eines Teenagers aus einem eingestürzten Tunnel gehoben wird, in dem
63 Menschen ums Leben kamen. Viele von Karas Interviews werden unter den Augen
bewaffneter Wachen geführt, und obwohl er die Armut und die Gefahren, denen die Bergleute ausgesetzt sind, sehr detailliert beschreibt, werden die Grenzen seiner Methode an Stellen deutlich, an denen die Einheimischen zu kurzen Leidensfiguren verflacht sind, zu 'Staubkugeln' in Städten, in denen 'außer den ganz jungen Menschen niemand lächelt'. Die Stärke des Buches liegt jedoch in der Art und Weise, wie Kara, ein ehemaliger Investmentbanker, die
Ausbeutung analysiert, die aus der Arbeit der Minenarbeiter Wert schöpft und dann ihr verdorbenes Produkt in der globalen Lieferkette wäscht." Eine eindrucksvolle
Bilderstrecke Karas zu dem Elend bringt die
Daily Mail.