Ahmad Mansour wurde von dem Autor
Behzad Karim Khani vor einigen Tagen in der
Berliner Zeitung als "Onkel Tom" beschimpft (unser
Resümee). Mit Engelsgeduld
antwortete Mansour ebendort schon gestern auf den Artikel Khanis, der unter anderem indirekt Israel für die Silvesterkrawalle in Berlin verantwortlich machte: "Ich bin selbst Muslim, Araber, Migrant. Ich habe jahrelang in Neukölln gewohnt und gearbeitet, habe als Psychologe in zahlreichen Projekten tagtäglich mit Angehörigen eben der hier betrachteten Gruppe in Schulen, Berufsschulen, Asylbewerberunterkünften und Haftanstalten gearbeitet. Das mache ich beruflich bis heute. Ich konnte anderthalb Jahrzehnte lang
Erfahrungen sammeln und Zusammenhänge immer besser erkennen. Ich erlebe
junge Männer, die sich für wichtiger halten als ihre Schwestern; Gruppen, die glauben, dass ihre internen Gesetze wichtiger sind als die des Staates; Väter und Mütter, die denken, dass Kinder nicht ohne Körperstrafen aufwachsen sollten. Ich weiß, dass es solche Konstellationen auch in anderen Milieus gibt, etwa in evangelikalen Familien. Der Fokus meiner Arbeit liegt auf den Milieus, von denen ich am meisten verstehe, bei den Gruppen, die aus der Türkei, dem Nahen Osten oder ähnlich geprägten, in der Regel muslimischen Gesellschaften kommen."
In der
Zeit streiten sich die Historikerin
Stefanie Schüler-Springorum vom Zentrum für Antisemitismusforschung und der Soziologe
Natan Sznaider, der in dem von Alexander Cammann und Christian Staas moderierten Gespräch seine "Verletzung und Enttäuschung" bekennt, dass das Institut "Dinge macht, die für die Repräsentanten der Juden in Deutschland
ein Unding sind: etwa, Fragen des Rassismus, der Islamophobie und der Kritik an Israel in seine Forschungsarbeit einzubeziehen... Zumal, wenn man mit verantwortlich ist für den
scharfen Ton, etwa durch besagte Konferenz '
Hijacking Memory', über die ich mich auch echauffiert habe. Stefanie, habe ich damals gedacht, wie konntest du Teil von
so einer Horrorveranstaltung werden?" Diese antwortet darauf: "Natan, diese Diskussion führen wir noch mal unter uns." Die im Stakkato aufeinanderfolgenden
Mbembe-,
Moses- und
Documenta-Debatten, sagt Sznaider, waren für ihn "das
Erwachen aus einer Illusion. Von wegen, es gibt hier für Antisemitismus keinen Raum! Es hat sich gezeigt, dass es einen 'progressiven' linken Antisemitismus gibt, der in Teilen an den reaktionären rechten andockt."
Die
Corona-
Pandemie scheint vorüber zu sein, aber von
Aufarbeitung will man in Deutschland nichts hören, schreibt Georg Mascolo in der
SZ. "Fragt man in der Bundesregierung nach den Gründen, begegnet man vor allem zwei Argumenten: Man habe jetzt
wirklich andere Probleme - und das Gesprächsklima sei schwierig in der Sache, jeder habe seinen Blick auf das Thema, teils sei die Stimmung regelrecht vergiftet." Dabei wäre eine Untersuchung auch für künftige Pandemien wichtig: "Ist das heutige
Infektionsschutzgesetz für die nächste Gesundheitskatastrophe gut genug? Ist gewährleistet, dass vor Ort entschieden wird, aber nach einem für das ganze Land vereinheitlichen Maßstab? Werden
Freiheitsbeschränkungen so getroffen, dass sich das mit der Demokratie verträgt? Also nicht in vertraulichen Runden der Exekutive, sondern durchgängig im Parlament, in
freier Rede und Gegenrede, nachvollziehbar für alle. Wie lässt sich einer sich weiter verbreitenden Impfskepsis begegnen - und woher kommt sie?"
Etwas belustigt betrachtet
FAZ-Herausgeber Jürgen Kaube Treiben und Reden der
Klimaktivisten von Lützerath, die sich empört zeigten, nachdem die Polizei eine provisorische Hütte abriss, an der ein Architekturmuseum interessiert war: "Zerstörung kulturellen Erbes! (Am Donnerstag gebaut, am Sonntag schon vererbt). Kein Respekt vor Zeitgeschichte. Kulturgüter, hieß es, darf man nicht kaputt schlagen. Nur
mit Erbsensuppe übergießen, müsste ergänzt werden, darf man sie schon. Einerseits sind die Aktivisten also mit der Abwendung der ökologischen Apokalypse und der Rettung des globalen Südens beschäftigt, andererseits sehen sie sich schon als Erblasser von Kulturgut." Ebenfalls in der
FAZ prangert die Polarforscherin
Antje Boetius das Verhalten von Ölkonzernen wie Exxon an, die schon in den Sechzigern von der Gefahr der Klimaerwärmung wussten.
In der
SZ erinnert Annette Ramelsberger an den jetzt im Alter von 97 Jahren gestorbenen Anwalt
Heinrich Hannover, in dessen Leben sich die
deutsche Geschichte widerspiegelte: Das Mandat für
Ulrike Meinhof legte er nieder, "sonst hat er alle vertreten: Den jungen, noch wilden
Otto Schily wegen Beleidigung der Polizei. Den Grünen-Politiker
Daniel Cohn-
Bendit, als der eine Polizeiabsperrung übersprang. Den Enthüllungsreporter
Günter Wallraff, als der bei seinen Undercover-Recherchen falsche Ausweise vorgelegt hatte. Den vorletzten Regierungschef der DDR
Hans Modrow gegen den Vorwurf der Wahlfälschung. Und auch den Mann, der Hitlers Generäle, die später zum Teil wieder in der Bundeswehr dienten, als 'Massenmörder' bezeichnete. Der damalige Verteidigungsminister Franz Josef Strauß hatte Lorenz Knorr angezeigt."